Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 61 (4.6.1893)
- Date
- 1893-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 8. Freies eröffnen, tag rr iljtifn ben Eintritt in sein fötal ausdrücklich untersage und ocben nn-jif» Hausfriedensbruchs belangen werde, der trotzdem fein Local belrelc. •£ö~kam es, das gestern AbcudS Bocke! mit feinen beiden Adjutanten vor ver 'chleffkue» ^hürcn Achrt mache» und »»verrichteter Tinge abziehen mußte. Aus antifelnitifchen Blättern. iH»d!e inihi, eras tllii.) TaS Wiener ObcrlandeSgericht, an dessen Spivc Piäsitent Carl Graf Ehorinskh steht, hat eine i» erster Instanz be staiigle EonsiScalio» eines Artikel» dcS „Winzer BolkSblattcS" aufgehobc» und das betreffende Erkeiininiß in folgender Weife begründet: „Der incrimiiiirte Arlikcl. legt allerdings dem jüdischen Polksstamnie verächtliche Eigenschaften, ei» „ die sociale», politischen mit wirthlchaftliche» Interesscn des christlichen BolleS schädigendes Strebe» bei, nennt ihn den natürlichen Feind und Hinterer der organische» Fortentwicklung und wirft dem Indcntbnme lviicherifchc AnSbeiitniig und einen verderblichen Einfluß auf da» ErwerbS- und öffentliche Leben vor. Allein Schmähungen, Beschinipfiiiigen und Bcfchnkdignngen erfüllen nicht den T baibestand de» im 302 deS Strafgesetzes bezeichnctc» BergehenS. TaS besetz schützt an dieser stelle BollSstännnc, RcligioiiSgejellschaflen, Eiassen oder stünde der bürgerliche» Gcscllschast gegen die Anfrciznng zu Feindseligkeiten wider die selben. Ter bcanstänkcte Aufsav belont die Tringlschkeit der Lösung der sogenannten Indenfrage und fordert die Änfhebnng 'her Anteil Einancipalion, Beschränkungen der Erwerbsfähigkeit der Hilden, Acherkeniuing der Privilegien' de» BollbürgcrS. Tiefe Reform rvill der Artikel auf legalem Wege dnick>gesübrt wissen: denn er appcllirl aif' die staalsmännische Einsicht und de» politischen Mnth der eiliftnstreichen Mrcitc, spricht die Zuversicht an», daß der nächste, große .innere LtaaiSman»' Europas den Aampf anfnehincn wird, und ruft de» benlige» Regiernngen zu, die Zudenfrage in Angriff zu nehrnerl l»id die Inden Herrschast zu brechen: er schlägt vor, den Inden ei» vom Geiste der christliche» Nächstenliebe diclirle», durchanS bninaiieS Freindenrecht zu verleihen, und anerkennt den Anspruch derselben auf den vollen Schutz de» gemeinen Rechte» solche» Ausführungen gegenüber ist die Annahme, daß in dem Artikel;n Feindseligkeiten gegen den BolkSstainm der I»den anfgetoedert oder angcciserl wird, »»haltbar. ES war demnach dem Einsprüche stanzugeben und die Bc> schlagnahine ansznheben." Tie anlisemiusche Presse ist über dieses Erkeniuniß sichtlich erfreut. Tie Freude scheint uns etwa» voreilig;u fein. Auch wenn es dabei 'ein Bewenden haben sollte, dürften die hochgebereneii »nd lsochivürkige» Hintermänner der Ailliscmilciipiesse eS nilangenekm cmpsinde», wen» Journal anderer Parteien, z. B. der iocialdeinokratifchen, ihnen gegenüber von der ober gerichtlichen Auslegung deS « de» Strafgesetzes in analoger Wei>e Gebrauch mache» würden. -- (Auch kiu BcfäblgllNgSNachwris.' Robert Pattai, von dem Schönerer - sagen ließ, er wäre auch, wen» es sich verlohnen sollte, bereit, die Präsidentschaft der Alliance Israeiite »i übernehme», bekundete, wie männiglich bekannt, vor wenigen Monaten Lust, al» Antisemit „auSziikiicifen", und ihat kund und;n winen, die Zeit der Agitation sei vorüber. Taraufhin lief er.Gefahr, kaltgestellt zu werden. Er überlegte sich also die Lache und dräng» sich seither alS Agitator allenthalben vor. ReneüenS tritt er auch als „Schriftsteller" im Bergani Blatte auf, das ja nicht in französischer Sprache, sondern in Solecer Teulich cr'chciiit. Pattai schreibt unter dem Ulrich über Balkaglia: natürlich sind eS leine Reiiebilder im Stille ^Heinrich '.Heine'». Anläßlich eines Eiie» bahiinnfaUS in Italien bebaiiptet er, daß BetriebSnnglücke regelmäßig nur auf lieberarbeililiig deS Personals znrückznfnhren sind, niiö fährt darr» fort: „Tie Bahnen sind SlaalSeigenthni», aber an eine Privatgesellschaft verpachtet.... Taß Juden bei dieser nneehörtcn Berpachtnirg und ÄnSbentniig der Verkehrs adern, die man anderSivo mit Opfern für den Staat znrückerwirbt, die Haupt rolle spielen, hört man cbcnsalls von allen Zeiten. Bei nuferem Tische nahm einer von de» allen Liberia Lchwärinern da» Wort für die Inten, die doch der Einigung Italiens viele Tienjie geleistet hätten. .Tafür machen, sie sich auchfaraibeS mit dem bestell Appetit zu verzehren,' erwiderte schlagfertig ein gebildeter Xansmann ans einer der ersten italienischen Städte." Ter gebildete italienische .stanfinann wird wohl große Aebnlichkeit mit einer» deS Französischen iinlmidtgen Wiener Advo.eaie» haben. Schlagfertig finden wir aber die Er widerniig »iirspwcniger, alS sie wider ihre Absicht an den Goclhe'fchcn AnSsprnch über trn Magen der xirchc erinnert. Herr Pattai rcprodncirt ferner eine papstsienndliche Mailänder ZeiimigSstiimne und fügt a» dieselbe folgende» Absatz: Blatt. , Nr. 61. „Jede« Erillnrvolk bämnt sich gegen' die cirtrhrendc Tnrannei auf, in der ei» cultnrurisähiger, fremder Faclor jene Eincichtiiligen zu ersticken drohte, die rrnfcre Ideale und Existcnzbcdingnngc» zugleich sind." WaS, Herr Pattai, hat ei» „fremder Faclor" damit;» lhii», ob ein italienisches Blatt für oder wider eine »cnerlichc päpstliche Machtstellnng ist'? Selbst clcricale Elicnterr löniilen r» einer solchen Ziisaiiimenstellniig nur einen „Stiefel" erblicken. Offenbar hat das Ganze auch bloß den Zweck, eine Art BefähigmigSnachweiS für die Theil nähme des Schreibers a» diverse» Schnhmachcrtagen zu erbringen. fff lBcsliktl in Mcnschcngrftalt.) Ter Pscimer jche „Bolksfreund" ist von einem angeblichen Heldciistücklein Jacobs II. zur Regelung der Palnla entzückt und schreibt anS einem andere» Aiilisemiteiiorgane Folgendes ab: „Englands .nönige'siiid von jeher, wie alle großen Herren, stark im Schrrldcirmachen gewesen, so daß von Zeit zu Zeit die Parlamente, daS heißt das Land, für die Zuhlmig einlrctcir mnßten. König Jacob II. hatte eine» Hosjnderr als Bankier, und als dieser sich eines schönen TagcS weigerte, Sr. Majestät Geld zu borge», ließ er ihm jeder. Tag eine» Zahn arrSziehe», bis cs diesem endlich doch zu dick wurde und er daS Gcld gab. Seine Zähne waren ihm doch lieber als das Geld." Zm» Rnhiirc dc» böhmische» Königs Wenzel erzählt darr» der „Polksfrcrrnd":. „Als einft in Prag daS Volk .'UKI» Juden tödtete, da zog dieser König ihr Geld ei», 5> Tonne» Silber." I» da« Loblied auf König Wenzel schmnggelt aber das Pfenner'schc Schaiidblättchen nachstehende indireclc Arrsfordernng zu einem Massenmorde ei»: „War das übrigens nicht besser, als wenn jüdische Wucherer und Preisverderber rrnser Geld einziehcn'?" Würde der „Bolkssrcmid" gerichtlich belangt werde», so wäre» wohl, wir daS bei Processen wegen meuchlerischer Uebcrsälle antisemitischer Preßbanditc» genieiniglich geschieht, Pie Schul digerr nicht zu ermitteln. (Ahlwardt verdächtigt Erwin Bauer.) In der „StaatSbürgcr- Zei tung" beschwert sich Ahlwardt davüber, daß die für den Ahlwardt Fonds, rei'pcclivc für antiscmilijchc Wahlen gcsammcllcn Gelder trotz Mahnung und Klageandrohnngcn ihrer Bcstimmniig vorcnthallcn wurde», und bezeichnet besonders seine» früheren Gönner Dr. Erwin Bauer als den „Borenthalter". In der-selbe» Zeitung piibliciren die Führer der Ahlwardt'schcn Garde iin Ariiswalder .'trerfe eine Erklärung, welche das Borgchcn Bancr's und Liebermann s gegen Ahlwardt alS „Berralh" brandmarkt. Der „Borcirthaltcr" ist auch ein „Berrälher"! Briefkasten. G. L-, Wik». Wir glaube», Sic nehmen die Sache zu tragisch. Tic Berstimiiinng in jüdischen >treifen über diese Wahl ist begreiflich, aber wir be sorge» nicht die von Ihnen in Aussicht gestellte» Folge». Es wäre auch ein arger Mißgriff, wenn jüdische Wahlberechtigte den Entschluß fassen solllcir. Abstiiieiizpolitik zu treiben. Im Gegcnlhcile, sie müssen sürdcr »m so eifriger alle Bürgerpflichten ersüllcri und charakterschwache Elciiieirtc, welche daS in sie geietzle Bertranerr nicht rechtsertige», zu beseitigen suchen. R. T-, Graz. Wagt sich so ein armseliges Sccibcnlleiii an Gllstav Frehtag heran, so genügt wohl die Zrirechtweisnirg: Marsch, Kleiner! GcflllllllUgögkNllssk, Gablonz. Tie Thatsache, daß der jetzige Urtenlone von Rcichenbc.rg 'ehedem em strammer Anhänger des böhmischen Slciälsccchles war, ist uns wohl bekannt. Anwälte dieser Sorte vertrete» heute den eine», morgen den anderen Standpunkt. t; Zur gefälliger» Beachtung!?cr erste Jahrgang des „Freien Blattes" ist durch unser Bureau gegen Einsendung des herabgesetzten Preises von ö. W. fl. 1. oder 2 Kronen (statt ö. W. fl. 2.50 oder 5 Kronen) zu beziehen. Wir rrlanben uns darauf aufmerksanl zu machen, daß wir bei ttcberscnduug von Abonncmcntsbcträgcn zwar Postmarkc», nicht aber Stempel an Geldesstatt annchincn können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Rcclainatione» Name «nd Adresse (besonders Ort nnd Post) leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der Lage sind, eine Berantwortung für nichtbcstcllte Exemplare zu übernchmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Bcrcin zur Abwehr des Antisemitismus" werden cntgcgengcnommcn im Sekretariate des BcreincS, Men, I., Parisergaffe 4. It>onneme»t»an«etdu»gen auf das „Freie Blat!" nimmt die Administration, Wien, I., «eilerstättr llt, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probennmmeru zur weiteren Bcrdrcitung des „Freien Blattes" werden Gesinuungsgenossell auf Lcrlaugen bereitwilligst zur Berfiigung gestellt. Herausgeber und verantworelicher Redacteur: Ernst Bictor Zenker. — Druck von Eh. Reißer & M. Werthner, Wien.