Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 61 (4.6.1893)
- Date
- 1893-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Freies Blatt. 33») Jubelt, das Radau her unter 2f>7 Schülern 03 Juden und das Snczawaer unter 327 Schülern 173 Inden. Diese Daten, ivelche dem Bildnngsdrange der Juden in der Bukowina ein sehr günstiges Zengniß ansstellen, entnehmen wir nicht etwa der von Szanto begründeten „,‘.>i'eii;eit“ oder der .Hildeöheiiner'schen „Indischen Preise-, sondern dem in den Besitz Vergani's gelangten „Deutschen Bolksblatt". -.Sckllllllosc Iffigcn.) Ein Bndapester ungarisches Blatt der öffentlichie dieser Tage eine unter den Paloczen verbreitete „legende" über den verewigten Kronprinzen Rudolf, eine Geschichte, die an Unsinn und Pietätlosigkeit nachgerade Unglaubliches leistet. Es heißt darin, der Kronprinz sei gar nicht gestorben, sondern „weil er die Ungarn gegen die Inden vertbeidigle, in den Keller eines in Wien lebenden »ngehener reichen Inden gesperrt worden". Ei» bei dem Inden" bedienstetes Mädchen und desien liebster, ein Schlosier, halten alsdann den Prinzen befreit und leien mit ihm nach Belgien „zu dem »Großvater des Prinzen" geflüchtet, wo nun der Kronprinz daraus warte, daß die Ungarn ihn heiinznholen kämen. Solche schamlose 2ngen können allerdings nur Aniiseniiken anmichen. Antiscinitischc .SiammrrrntOc. Ans Fin me wird berichtet: Bei der am 2*. Mai staltgebabten Wahl der diesigen Handelskammer vollt'nlirte ein Herr Anton Wallnfchnig einen Eonp, indem er mit 27»> schristlichen, ausschließlich von Kleingewerbelreibenden herrührenden Pollmachten erschien und eine Viftc dnrchbrachte, welche einen prononcirt antifensitischen Ebarakter Nagt. In Folge besten haben von den angesehenen nengewählien Mitgliedern der Kammer die meisten sofort demilsionirk Cfciirrnlurrcin Drmtrlicr Stnalsbütstcr jiiDiidirii Giünbcns.» Berliner Blätter verössentlichen folgenden .infrnf: „Seit nahezu zwei Jahrzehnten wird unser Paterland 'von einer Bewegung bennrnhigk, seien letztes Ziel liniere gesellschaftliche Aechtnng und die Einschränkl'ng nnierer verfassniigsmäßigen. Rechte ist. Wir liaben gebofft, der Rechvssiii», der den größeren Theil unserer Mitbürger erfüllt, und die Ge aneinlamkeit der Enltnrarbeik würden eine genügende Schlitzwehr sei» gegen die Umtriebe einer M'inderlieit, die für jedes Hebel der Heit ihre jüd ichen Blitbiirger verantwortlich macht und sie zn vaterlandslosen Freintliiigeii erniediigen will. Das Beesen einer Ration beruht ans der »Gleichheit des Denkens und Bühlens: ihr äußeres, aber ent scheidendes Merkmal ist, die gemeinsame Muttersprache. Menschen ver schiedenster Abstammung und verschiedenster religiöser Bekenntnisse we>den durch gemeinsaine li'eichicke zn einer einheitlichen Rat'on. Auch die Einheit des denlschen Polkes Hat sich über der BerschiedenHeit der Abstammung und des aSlanbens anfgebant. Wir Inden habe», seitdem uns der Antlicil an dem »R'iainnitlebe» des deutschen Polkes vergönnt ist, mit Herzensfrendigkeik und Begeisterung unsere ganze .Kraft an »liier Paieiland biltgegeben. Wir haben an allen Kriegsthaten und geistigen KäMp'en lheilgeiiomineii, die das zersplitterte streich geeinigt und ihm nnier der DberHoheik eines Kaisers neue» (Bilanz verliehen habe» Stets ist die staatsbürgerliche Befreinng der Inden Hand in Hand gegangen mit.,den bedeilinngsvotlen Fortschritten unseres Vater lands. tzvie l>ei der Aufrichtung Preußens ans tiefster Schmach der »Grundstein zur Emancipalion der Inden durch die Stein Hardenberg'sche '^elepgebung gelegt wurde, io haben auch die Begründer des oenkichen eireiches in dem Augenblicke. des höchsten Aufschwunges des deutschen Polksgeistes das Werk unserer Befreiung gekrönt durch die Aufhebung der .lepien Reste eonselfioneller Rechksnngleichheit Was nns bis dahin von der »''efiiniiutheit getrennt Hatte, war hinwegge>änmt. Altes Veib der Pergangenheit war vergessen, in nuferem Herzen leine nur das »''efübl der Freudigkeit, die das Recht des Mit schastens gewährt. Und nun erhebt stell jene Bewegung, die die eben 'geichastene Eintracht zn zerstören sucht, die vermöge einer geschickten Srganiiatiön und einer riicknchtslofen Agitation, ihre Irrlehren in immer weitere Krei'. trägt und jetzt nicht mehr znrnckicheut vor der Antastnng unserer verfasinngsmäßigen Rechte. Wenn wir demgegenüber, die Rothwendigkeit organistnen Zn'ainnienichlnsses empsinden, so liegt uns nichts ferner als der »Rist der Abfondernng. Wir folgen nur her P'licht, unsere Stelinng im Baterlande durch eigene -Kraft zn wählen, und' stnd überzeugt, daß einer solchen Haltung die Achtung nn'erer Mitbürger nicht fehlen wird. Unser Perhältniß zn unserem Pareitande ist kein anderes als das der Protestanten und Katholiken. In allen »^lanbenSzemeinschaften Pbt.eS die mannigfaltigsten religiösen Richinngen, gibt es Bertreker der verschiedensten politischen Parteibestrebnngen. Alle aber sind einig in ihrem nationalen Denken und stelle» zusammen wie ein Mann, gilt es die Wohlfahrt des Reiches. Wir wollen nicht in falschem Solidaritätsgefühl den Schleier ziehen über die »rehler des Einzelnen, wir wollen aber auch nicht dulden, daß die Fehler Einzelner einer jüdischen Gesamnilheit anfgebürdet Nr. 61. werden. Um diesen (Mebaiifeu den lautesten und mächtigsten Ausdruck zu geben, haben wir uns zn dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zusammengeschlossen. Der Verein will alle Kräfte zur Selbstvertheidigung aufrnfen, in dem Einzelnen das Bewußtsein unserer unbedingten Gleichberechtigung stärken und ihm das Gefühl unserer Zusanilnengehörigkeit mit bent deutschen Volke durch die Anfeindungen unserer Gegner nicht verkümmern lasten. Durch Wort nnd Schrift, durch öffentliche Versammlungen nnd Vorträge will der Verein den Einzelnen mit den Waffen ausrüsten, die ihn befähige», den aufgedrungenen Kampf im (leiste der Wahrheit zu bestehe», damit an der Beffernug nach Innen und Außen Alle Mitarbeiten, die ans der Roth der Zeit die Pflicht der Selbstvertheidigung erkannt haben. Wir treten nicht in »Gegensatz;n bestehendezt Srganisationen, die ähnlichen Zielen nach streben; wir wollen neben nnd mit ihnen wirken — aus dem Wege > der Selbsthilfe, im Achte der Scffentlichkeit. So hat nun Hedcr die! Möglichkeit nnd damit auch die Psticht, zu dem großen Werke der i Sekbstverthdidignng beizutragen. Mitbürger und Glanbensgenoffen! » Wir fordern euch;nm Beitritt auf. Sänmet nicht, zn kommen. — Der Vorstand des Eentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." » (Folgen die Unterschriften einer Anzahl hervorragender Berliner Bürger .! jüdischen Glaubens.) l Zur Wahlbtwcgnng i» Tcntschllind.) Ans einer Uebersicht über ' I die antisemitischen Eandidatnren für de» deutschen Reichstag ist zn! ersehen, daß «>'.» Anlisemiten verschiedener Richtungen sich »m Mandate j bewerben. 1 Aus öcr Vtrgimgciihtil einer inltiseiilitischeil Größe.) Wie die „Staatsbürger Zeitung" berichtet, hat der antisemitische Agitator! S ch w e n n h a g e n in einem an die Redaetion dieses Blattes gerichteten; schreiben selbst zugegeben, der Polizei Materiale gegen die Social! demokratie, deren Parteiverbande er früher angehörte, geliefert zn haben, um sich - ans diese würdige Weise den Portheil zn verschaffen, als Ein j jährig (vreiiüiuigcv dienen zn dürfen, wozu er sonst keine S.ualisication i gehabt hätte. Umsomehr' Befähigung besitzt Schwennhagen znm „ziel ■ bewußten" Antisemiten. (Ti< Zntzt» und dtks Haitdwcrk.) Der «.Verein zur Förde » r n n g d e r H a n d w e r k e n n t e r d e» »l n de n" in is r ankf n r t a. M. j hielt vor einiger Zeit seine Generalversammlung ab. Die Zahl der - vom Pereine nnterstütztui Z'ehrlinge hat sich von'.»3 ans 113 gehoben. Es beflnden sich darunter Schneider, Schuster, Tapezierer, Bäcker, Schriftsetzer, Sattler, Buchbinder, Barbiere, Conditoren, Bildhauer, Drechsler, Glaser, tstoldarbeiter, Hntniacher, Lithographen, Mechaniker, Photograpl>en, Pörlefeniltearbeiter, Schreiner, Uhrmacher, Posamentierer n. s. w. Im »»ahre l>>'.>3 sind bereits wieder 12 neu ailfgenomlnen worden. »Tic Wnrfiftrnlirbc sniigk nicht bei sich stillst an.) Sehr tapferbenahm sich, wie ans London berichtet wird, ein dort lebender russischer Jude Ramens Wolginsl». »ln dem Hanse, in welchem er wohnte, brach vor einigen Tagen im Vanfe der Rächt »reuer ans. Es weckte ihn ans dem Schhise, er rannte znm jveufter nnd schrie um Hilfe. Vergebens! Die in hellen Flammen stehende Treppe konnte nicht mehr bestiegen werden, und die Untenstehenden konnlen nichts thnn, als Decken nnd Bettzeug ansbreite» nnd Wologinsky Zeichep geben, daß er binabspringe. Dieser aber holte zuvor seine Frau, warf sie in die bereit gehaltene» Pölster, hernach seine drei Kinder, daraus sein christliches Dienstmädchen und zwei bei ihn» wohnende Männer, die er gleich dem Dieiistmädche» erst ans dem Schlafe wecken mußte, nnd erst als Alle herbeigeholt nnd gerettet wären, dachte er an seine eigene Person, die nnn aber auch unten mit Jnbelgeschrei und Bravorufen begrüßt wurde. (Tic Zlldcllvcrsoigllllg in Rninänic».) Der „Rumänische t'lond" berichtet: Wie die An.Sweisnngsbefehle gegen die Inden in den Dörfern, namentlich in der oberen Moldau ansgeführt werden, läßt sich ans folgenden Beispielen deutlich erkennen. Einem Inden ans Boroac, wurde die ganze Habe ans einen Karren geladen nnd bis zur Moldaubrücke transportirt; da jedoch die Brück' in Folge der lieber schivemninng -gebrochen und daher die Ueberschreitnng des FlusseS unmöglich war, winden bicr Sachen aufs Feld geworfen, woselbst sie durch drei Tage dem heftigsten stiegen onsgesetzt blieben. Einer Frau, welche kein Geld besaß, nm den Fuhrmann zn bezahlen, riffen die Unholde ein zweijähriges Kind ans der Wiege, und wurde letztere als Entlohnung den Fuhrleuten übergeben. Eine andere Frau schonte man nicht einmal während der GebnrtSweheiz; die Z'ente drangen i'uS Hans nnd warfen Alles znm Fenster hinaus. Mehrere in der Comuuiue Dragnscheni ansässige Inden, denen der Gemeinderath den Ans enthalt im Dorfe gestattet hatte, wurden in den Nachtstunden vertrieben, ohne daß man ihnen Zeit zur Ordnung ihrer Angelegenheiten gelaffen hätte.,— Dem Jaffyer „Eveniinentnl" wird anS der