Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 59 (21.5.1893)
- Date
- 1893-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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/ Nr. 5!t. F r e i t s und daS Personal des Kißling'schen z'oeals hatte Heit gefunden, sich seines Begleiters zu bemächtigen und ihn vor die Thnre zu werfe», wobei ihm daS fernere Betrete» des Etablissements untersagt wurde. Der ans diese Weise znni llannibnl nntei»ortas beförderte Herr ist ' der in den weitesten Kreisen bekannte AmtsgcrichtSrath a. T Milde, der Begründer und frühere Borsitzendc des Deutsch socialen BcrcineS. (Aiitiscm im Conflicst mit dcn «trafgcschc».> 5er ami semitische Agitator „Schriftsteller" Schröder in s'andsbcrg a W. wurde wegen S ch w i n de >S vom Schöffengericht zu sechs'M o n a tc n Gefängnis; und hinein I a I, r E h rvc rl n ft,^ ferner wegen unberechtigter Führung des Tssicicrtikels zn vierzebn Ta ge »'Haft vcr urtheilt Schröder hatte wegen Zcchp rc l lere ic n in Franlsnrt a. T. bereits zivci Borstrafcn erlitte». (Böcktl's Mission in Amcrikn.) Bor einiger Hi'it ging ' durch die antisemitische Presse die A'achricht, der bekannte hessische Antisemit Tr. Böckel werde Über dringendes Ansuchen der deutsch amerikanischcn Turner im Vausc des heurige» wahres eine antisemitische Missionsreise nach Amerika unlcrnchnicn, um die Trachcnsaat dcS rliaeeuhasscs and) in der Heimat der unbeschränkten Freiheit ansznstrencn Auch das Wiener Antiscmitcnblatt brachte trinmphircnd die Anlündignng des Böckcl'schen (Gastspieles. Wie cs sich uin daS „dringende Ersuchen" der deutsch amerikanische» Turncrschaft verhält und welchen Empfang Herr Böckel in Milwaukee zu gewärtigen hätte, in dem Fall er wirklich noch an die Eröbernng Amerikas dächte, geht ans folgender Mitlheilnng des „Gießcner Tageblattes" hervor: „Wie wir ans einem an dcn Turner B. iv. Pcrcles, Mitglied des, -Turnvereines Milwaukee, anö Gienen gerichteten Privatbriefe ersehen, hat Tr. Böckel in Marbnrg, daS bekannte antisemitische Mitglied dcS deutschen streichStageS, in seinem Trgan, dem Rcichshcrold', schon verschicdcnemalc bekannt gegeben, daß er anö Anlaß dcS großen deutsch ametikaiiischc» Turnsesles in Milwaulcc durch eine besondere Einladung der Ecntralscst bchördc geehrt worden sei und . bei dieser Gelegenheit eine Rede im Sinne seiner anliscmikischcn Agitation lialtcn werde. Wir sind in der ^.'agc zu eonstatiren, daß daran kein wahres Wort ist. Einladungen air einzelne Personen sind von der Ecntralfcslbchördc gar nicht erlassen worden, und das Bnndcsturnfeft bietet überhaupt zn Reden, die agitatorischen Sondcrziveckeü dienen sollen, gar keinen Raum. Tann würde schon die echt freisinnige, republikanische Tendenz des Rord amerikanischen TnrnerbnndcS gegen alle Agitation in reaetionärcm Sinne Protest erheben. Eine unser vorgeschrittenes Jahrhundert geradezu schändende rcaetionärc Berirrnng ist aber der Aniiscinirisnins, und die Apostel derselbe», heißen sic nun Stöcker, Tr. Böckel oder Ahlwardt, babcn nntcr dcn Turnern der Republik nicht ans die geringste Sympathie zu rechnen. Ihr Thun wird im Gcgcnlhcile scharf und mit Einmuth vcrnrthcilt. Tic Knndgcbnng Tr. Böckel'cim .elseichsherold'> hat in den denlschc» Turnvereinen die größte Entrüstung hcrvorgernfen, da bei allen Bcreincn im Multcrlandc kein Unterschied zwischen üieligionsbclcnnlnisscn und politischen Anschauungen cristirt, und die deutsche T nriicrschafl ist sich wphl bewußt, aus welchem Boden sic entstände» ist. Also noch einmal. Tr. Böckel hat da seinen Veiern etwasvorgeslniikert! Antisemitische Hetzerei und unser kommendes Bnttdesiurnfest haben nichts mit einander zn schaffen. Jeder Bcrsnch zu einer solchen Agitation würde ein sämmerlicheS Fiasco machen." antisemitischen Vereinen und ^?er sannnlungen. j >(silier über die Andere»,I -In einem Anliiemiienveteinc in F.ivorileii spracki ker rnNassene Währinipr E>e»ikindebeainle und nachlierige Schreidtnechi Bergaui'S, Arnoschr, der jetzi in Schöncrer'schcu Tiensten zn stehen scheim, über die verschiedenen Parteien. E>>väh»c»swe,lh ist, ivie er die Anliseiniiengrupve», oiscndar im Aufträge seines jevigen-Mcisters, beuribeilte. Bon Slcinivendcr sagte Ainosckst, er welle ein Stein, ein Felsen sein, wende sich ad. r alle Augenblicke. Aach diesem geschmacklosen Namcnswitze aponrophirle er Sleui Wender und kesse» Anhang: „Sie wallen ininier nicht heianS mit dem Be kenninist: der Jude s.liakct dein dentichc» Bette. Wer an» Palästina anovandern will, der muß den Jordan und tzibanou und alle die andein lensnincn und ge.ade» Aaiurschvnheiten des gelobte»- VandeS cttigeben, undteer ein Tent'ch Aalionaler heißen will, der ninß Antisemit sein, sonst ist er l.in Teniich ^kaiionalcr. Freilich muß er d i e g v l de» cn H osrath S kr äg e n, dicTrdens dänder in dcn sehnsüchtig gähnenden Anopslöchcrn, die selten Psründen und PcrwaltungSralhslellcn verschmerzen könne», und nniß auch bereit sein, für sein deutsches Bott Gefahr Und Aotb, Hunger und Tod, wen» es sei» muß, zu ertragen; sonst bleibe er daheim hinter der Ofenbank und begnüge such höchstens, mit einem .sacultaliven AmisemilisninS Slatt. _ Seite 7. mit obligatorischer Nichtinterventiou, der ist nicht gesährlich. Wastersupven potiliter kann das deutsche Bolk in Oesterreich nicht brauchen." Aach dieser an all gemeinen Berdächtignngen reichen Avostrotch rnng werden tzneger und tziechsen steiir sür ihre „wirtlitchastliche" Tbängkcil belobt; in den übrigen Antisemiten diSciplinen erhalte» sie eine schlechte 'Aote, tvoran die Haupls.huld der „Helier" Pattai tragen soll. Großes tzob ernten nur Schönerer'» unbedingte Anhänger, während diejenigen, die ihn verlassen, mit folge,iden, namentlich an die Adresse Bergan i'a und Po m in e r s gerichtet.» Worte» bedacht werden: „Mögen seige Mastbnrger AeißanS .nelinic» und tzhrenivorlbrnchige auf Schöneiers Rücken und mit. Schönerer's G.ldc aus irgend eine», Torfe, ans irgend ciiiem Vehrstnlile, ans irgend einer obienren Aanzlei zu Mandaislrägern oder Träger» der ossenllichen, panschalirten chi.iunng cinporgekroche» sei» — da» Bolk habe» sie nicht hinter sich und tonnen sie nicht hinter sich haben " Tie Unverfälschten" sind . mit -diesem Boilrage sehr z»!>irden, verraihtn aber, daß Arnoscht nur ivcnige Inhö» er Hane, denn sie schreiben: „vanlcr Beisall »nd;',usti»»nungSruse gaben zn e» kennen, daß de» Redner» Bö orte ans leinen Unsrnchlbaren Boden gefallen. Anr mehr Herzen halten sie ansnehmen sollen." Ja, die Schönerer Gemeinde 'ist eben tleimvinzig geworden »nd kann in dcn Reihen Erwachsener höchstens bei venlen bom SSilage eine» Arnoichl Pro>c»>ten ge ivinnen. lGregorig's mid tz'cß»iaiin's Arbeiten für das.„Bolk',» Am lö. Mai Abends cistallcten die Berlreter des Bezirke» dtenban im tzandiagc »nd Reich» rathe ihren Wählern Bericht über ihre vartainentnrische Thätigkeit. tzandtagSgbgevrdnetcr Gregorig erklärte, er ivcrde nach wie vor rücksichtslosfür die Inieressen seiner Wähler eimrete», d. h. auch fürder Scandäl mache». Reich» rathsabgeordncter G e ß in a n » schitdeite namentlich sei» Borgchcn bei der Frage der Be » sicher u n gsgei.Iljä.afien, wobei er a» dem Beispiele des „Phönix" aus die llnznläuglichleü der staatlichen Eonlrole hiinvie«. Ans dicicS Beispiel hätte Geßmann doch sich nicht berusen lotlen. Tie Anschuldignngen strafbarer-Handlungen, welche antiscinitische Wortführer bei Besprechung der Berhältnisse deS „Plönir" gegen einen-die staatliche Lomrole ausübenden Minjsterialrath erhoben hatte», veranlaßten bekanntlich den Mininerpräsidenten; a» die StaatSauwaltschasi dar Ersuchen zu richten, „beim Wiener tzandeSgerichte in Strasiachen die EinlcitNng der Borerhebungcn in dieser Angelcgenhcik'zu beantragen, um gegenüber die-en gdgen einen Beamten deS Ministcrinm» de» Innern erhobenen schweren Beschuldigungen.volle objeeiive ülarheil herbeiznsühren". Die StaalSamvalischasl sah sich aber bemüssigt, die Einstellung der Borerh-bnnge» auf lörtiud de» sj!«> St. P. C. zu beantragen. In Folge diese-Z Antrages wurden denn auch vom tlnlersiichungrrichter die.Borerhebuilgen eingestellt Auch die beim' Ministerium de» Innern bestehende-Tiseiplinaieoinniission, an ivelche die dem. Ministerpräsidenten;ngcsoi»nie»cn Borerhebuilgen sodann geleitet nnildeli, beschloß, daß „ivegcn Mangels jedes der Ahndung durch die Tiseiplinarvorfchristen iiiitcrliegcndcn Thalbestandes zur Einleitiing eines Disciplinarvcrsahren» kein wie inuner gcarzeier Anlaß vorlicgc",' I» einem an den Präsidenten des AdgeordnelenhanieS geri.1 ieien Schreiben vom Iäuuer I. I eonstatirtc schließlich der nsinisterpr.isidenl: DaS Üieinliat der gep/logenen Erhebnnge» habe ergeben, daß „die gegen einen verdiente» und chrenhafien Be»»nle» erhobene» ichtvere» An-schnldigungen - jedweden GrundeS ent bchrcu und sich alS böswillige Berdächtigunge» heranSstellen". i Lpalktiiig unter den rcackloiiär aiiliiklilitisckcii Arbeitern.» Ta» Hänflei» der Aibetier, welche sich den reackionär anliicinilischen Peslrebniigen anschließen, ^iheilt sich in „Bernisgenoisenichasler" und in „Ehristlich.Sociale". Tie L-rstcren neigen mehr zur Rlchiung, welche daS „Baierland" verfolgt, die Vetzleren inehr zn der de» Bcigani'schen Blattes. Sie sind eirander spnineieind. und bei einer neulich staltgehablen Bersammlung überhäuften sie sich gegenseitig mit Borwürsen. Absichlliche oder »»absichtliche Täuschung, Mangel an Anstand :c. — lauteten die beiderseitigen Znrusc. Tie reactionär,ankiseinitischeii „Socialresormer" haben mit Pen Arbeiter» wenig Elück und schien weil bester mit jener Sorte von Aleingewerbetreibcnden, ivelche gut leben wollen, o. ne zu arbeite». - r (Seine dreißig Pfennige werkst.» Tem anuiemilischcii Hetzredner Dr. T an n eil gebt es schlecht. 'Aachdeiu er-erst vor kurzem i» der .Hansastadl z' ü steck mit einen» tsiastspiele verunglückt war, wurde er >inn in Rendsburg, >vo er für die ükaeenhetze Progaganda machen wollte, arg zugerichlet, und es schloß sich au sein Geschimöse eine enlschiedene Ximdgebniig gegen dcn Anti scnsilismuS. Tanneil begann daniil, daß er;ut .-a>.l.i»lu>„ lt.'n. v..|.-nti:uii AhlwarU schmähte, worauf er in den allergemcinsten RedenSarlcu gegen die Juden loezog. Ein Theiluehmer an der Bersammlimg Hane den drolligen Ein »alt, den Borichlag zu macheii, daß Tanneil atS chcmaligcr «yeisilicher und Prediger der Rächsienlirbe das Eintrittsgeld von dreißig Pfennigen zum Besten der Ai inen zurückg.beu sollte, zumal iei» Bortrag ohnehin keine dreißig Pfennige werlh sej. Tanneil ward darüber wülhend ntid /.ies den Schutz der Polizei aif, der ihi» auch zmheil ward. Ter seine Finanzen bedrohende Borichlag ivurde kokann durch dcn Beschluß ersetzt ihm das Eintrittsgeld;»°belasten, jedoch mit dem Bemerke», daß seine Rede daS Geld 'nicht -werlh i'ei Gegen Tanneil sprachen hierauf »och der bisherige ireisinnige SchleSwiger Al.geordnete Vaud - wirlh ASmnS Peter vorenzen, feiner der Aietcr Rabbiner Tr. Stern, .der de» Slaudpnnkt des Indemhuiiis gegenüber dem AntiseiniiisinuS beleuchtete