Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1893-05-21 · 59 (21.5.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
59 (21.5.1893)
Date
1893-05-21
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
77% known words query
IRI
…/4886575-5439157-5441412--0601-4887117
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Stitt 8 Freies Blatt. Die Bersammlung, welche wir nur miv Rücksicht auf ihre» Beranstalter »liier die antiskinili'chen cinreihen, erklärte schließlich in einer einstimmig g>faßtcn Resolution, sie habe den Bortrag des GeschästSanliscmitcn Tr. Tanncil ans Bielefeld mit steigender Entrüstung angehört, weise de» Antisemitismus alS aller Cul^ur hohniprcchende Bcrhetzung zurück und^ brandmarke ihn alS Schmach dcS Jahrhunderts. livin „Rikualmord'Z S chlvenn Hagen, der um ein Drittel billiger als Tanneil ist und sich für 'M Pfennige produeirt, sagte dieser Tage in einer Berliner Anlifemilcnversammlung mit Bezug aus eine kleine Tischlercloihtcr, welche dort seit einiger Zeit vermißt wird: Tie Polizei suche nickt an de» richtigen stellen. DaS Si:i£) werte in irgend einem Jiidenhaw'e gefangen ge ballen und zu einem Verbreche» auibeiviihrt. Tie Polizei gcstatlele dein ge nannten Gcichä'lsanti'cmilen nicht nur diese Anspielnng aus einen „Rilualmord", sondern auck die Bercichnung dcS Reichskanzlers (Wrafen. Cap r ivi und des Finanz ministeiS Tr. Miauel.alS „Fiidcilagenlen" 2lus antisemitischen blättern. Bersrbcu oder lyrrrnntniH?i .Hai das „D c»iicke Boiksblait" eine» lickten Augenblick gehabt? Es ricklet an einen offenbar sehr grimmen „Hagen" im Briefkasten folgende Anlivon: „Zhr Schlnßanirag war wohl an eine andere Adreste vermeint? Wir können und wollen Zbren Aufsatz nicht wiedergebe» weil Sie in Folge einiger traurigen.Erfahrungen eine ganze Elaste von Menschen verdammen" Was wird dem armen Tckriitleiier geickebon. dem dicie vernuiiilige Aeußerung in dem Crgan einer Partei ent rutscht ist,- die steiS eine ganze Elaste von Memchcn wegen, „einiger traurigen EifaKrn„gcn""verdamnit? -Wo ist Ser Bcrleuniücr?i Zm „Ccsicrreichiichen BollSfreund" erschien vor niedreren Wochen, wie unseren Le'ern noch erinneilich, ein Artikel' in welchem unler andere,i AuS'ällen gegen die. Fortschrittspartei keS Wiener, GemcinderathcS die Behauptung aii'gcfteUl war, daß gelegentlich der Vertrags‘ Verlängerung der Commune Wien mit der englischen Gasgesellschafl die Majortläl deS GemeinderatbeS, welche.für die Berläugcriing des Vertrages siininile, von V^en Engländern 'gekauft worden sei. Säininllichc Gemeinderälhc. welche in der betreffenden Periode der Majorität angcborlen und in jener Sitzung für die Berlängerung des Berirages stiinnilen, erblickte» in tiefer Bebanpinng de» Borwurf der Bestechung m.t überreichten gcinejnickasllich beim tzandesgerichlc gegen den Herausgeber Tr. Ludwig Pfenuer die .silagc ivegcn BcrgehcnS der Ekrenbeleidigung. DaS Wiener kandcsgcrichl hat die diesbezüglich gepflogene Voruntersuchung nun eingestellt, da cS nickt gelang, den Verfasser des inerimi. unten Artikels zu eruircn. Ter Act wurde fobin dem Bezirlsgerickie abgetreten, n elckeS den veraniworlltcke» Redaclcur und Herausgeber dcS „Voilsfrennd", Dr. V. Pienner, wegen Vernachlässigung der psltchtinäßigc» Cbsoäge zu einer ck^eldstrase von 10 Gulden und zu einem EäutionSvcrlust von >0 («ulCf» verurtheilte. Z,n yairt der Berhondlnng eelläne Dr. Pfenuer sich bereit, eine Ekrenerkläruitg abgebe» zu wollen, da eS-nickl seine Absicht war zu bee d gen. Außerdem bcbauplele er^lvegen eines Augenleidens den tiicriininirren Ariilel gar nicht gelc'en zu haben. Es scheint sonach, daß der harinlofc Psenucr einem vielleicht „judenliberalen" Berleumder zum Cpfer gefallen ist, der muuiuln dem strafenden Arm der Gerechtigkeit entgeht. , Auch killt Gdrung-, DaS Psenner'iche Blättchen bringt unler der lieber, -chrifr: „Ehrung" eine Roiiz. wonach auf Ersuche» einiger Anliseiuiten christliche socialer Fäibung ein Edel'vitzer (Wastnsirltz in seiner Schankstube ein Bildniß b'ueger'S anbringen ließ. Äni Ende wird es P-en»er auch alS eine Ehrung Vueger'S bezeichne», wenn in dein Wirthsbanie einer anderen Gemeinde Mährens blusig „Bcnichl" >erviri wird. Für die ichinerzlich verinißle goldene Bürgcrmeisterketle sind derlei Ehrnngen ein ichivacher Er'atz. >k. Fructincirung des AllllfemiliemnS zu ischtchisch-uationalcu Zwecken. Das deutsche Gqmnasi.um in Ungarisch Hradi'ch ist längst de» Tschechen ein Dorn im Äuge, und sie streben kessen Aufhebung au. '.sinn tvnrdc vor gurzem eine Anzahl von Schülern aus dieser Änsiall relegiri. Da sich uuler den Äusgefchlosieuen Z,.ce» besiinden, geben sich auch die in deutscher Sprache e,scheineiide>l Änriseinilenblättec dazu her, von tschechischer Teile berrnhrende. Ptaikonels für die Äufbebuiig der deutschen Mittelschule zu veröffentlichen. Das Nr. 5,9. ,.P a t e rI a n d" glaubt diese» Fall überdies auch dazu benütze» zu können, um für die confessionelle Schule Stimmung zu mache». Tas spricht Bünde! (Aus dcr „Judcnfrage".) Tie Stehrer „Zudenfragc' betont in ihrer letzten Rümmer, daß die clericale Partei in Ceslerreich sich dcr antisemitische» Bewegung bemächtigt habe; sic verfüge über einen großen Apparat und viele '.HilseglicUen und habe diese Bewegung »ur al» Mittel znin Zweck, zur Er. reicht,,ig der jiirchenherrschaft benützt. „Mit „nserer antisemitische» Bewegung/' schreibt das der Anbetung des heiligen Tühring geweihte öberöstcrrcichische .Blättchen, „steht cS heule noch schlechter alS seine,zeit mit dem Antisemitismus in Deutschland unter dein Fürsten Bisinarck, der sich aüch oft deck AntiscinitismuS bediente, um unbegnemc Gegner zu bekänipsc» und ihnen zu zeigen, daß man eine Strömung cnifcssel» kan», die für sic verderblich werden könnte. Halle das seine Wirkung getha», so ivnrde der AiiliseinilismnS wieder kaltgestcllt." Erfreut ist die „Zndenfrage" über den Ansschwnng, de» i» jüngster Zeit der Anliseinitismus in Deutschland genominen habe, und die Ankündigung Wilhelm Marr's, daß er, dcr älteste .(tämpfcr der antisemitischen Beivegnug, von derselben zurücktreic und cinmal darüber RähcreS schreiben werde, flößt ihr, wie sic ver sickert, gar keine Besorgnisse ein. Sie sagt: „Tie Hauptsache, über was er da schreiben nsird. toisscn Zksie heute schon. Nebensache» bilde» da eine unlergeordnete 'Kollo, wie alle Rebeiisachcn. Zn dcr Hauptsache nsird er über die Geschäfts antisemiien schreibe», manches schmutzige Treiben enthülle», auch über nngesunde Zustände und die Abwege und Ausbeutung und Bewegung wird er schreiben, allein in letzterer Beziebunff niinml er ja selbst einen hervorragende» Platz ein, indem er, dcr Freidenker, für, den pechschwarzen .Hesierreichischei, Bolkssrcünd' schrieb, Pernsirrung schuf und für die Clericale» arbeitete. Diese sagen uu», dcr Mohr hat seine Schuldigkeit gethail, der Mohr kan» gehen." tHcrkwig's Berlbeidigcr.» Die „Westphälischc Reform" schrieb: „Bon einigen in Berlin erscheinende» lüdische» Zeitungen, ist die Rachricht verbreitet worden, dcr Bertbeidiger des Rechtsanwaltes Hertwig i» dessen TiSciplinarproceß sei jüdischer ^Abstammung und mij Herrn Hertwig geschäftlich affociirt. Wir sind ans Grund authenlischer Millheilungcn in der Lage, diese Bersio» als erfuildcn zu bezcichncn. Der Rechtsanivall QuipanSki tinchr .stlibanSki, wie in de» nieisien Blattern irithninlich angegeben warist Rusie, ec ist nicht SrciuS des Herr» Hertwig und har iein Gcschäilslocal in Berlitz circa eine Meile von' dein Heilwig'tcheii, in Charlotlenburg belcgenen, entfernt." Hiezu wird dem Beniner Äbwehrorgane »liigetheilr: „silibanSki (nicht C-nipansk, I ivar ein aus Rußland eingeivauderler Zude, beinckle das indische theologische Seminar in Breslau, widmete sich später dem juristischen Stndinm »nd ließ sich als Sindenl oder Referendar laufen. Mit Hertwig ist er nicht affociirt. Meine ZnformMioncn lühren von mehrere» femer Zugend, zu,» Theil Seminargeilois>n her. Ein Zrrlhnni. in dcr Zdeniität ist ausgeschlossen. Zch ivar bei der Gerichlsverhaudlnug zugegen. Einen Recklsanivalt Lnipausl, gibt cS in Berlitz nicht." lSlockcr lind »illiscr Williklm l > Zu den HanSsaininlnngeil in Berlin für die Siai'er Wilhelm Gedächinißkirche schreibt das Slöcker'sche „Bolk": „Der Dbcrho'mrister Freiherr v. Mirbach halte vor Beginn der Sammlniig die Sa,Hinter zn'ainmenbernsin untz ihneil gesagt, es handle sich darum, möglichst viel tsicld zufaiilincuzub.ingen, Wenn sie auch Znden oder.siatholikc» aufsuchlen und von ihnen Geld belamen, so schade das nichts. Die 'Eollcclanteiz haben ff.mi auch mehrfach, wie wir. haben feslstellen lönne», diesen Wink befolgt. ZnShesondere sind sie zu Znden gegangen und haben von diesen theils Geld bekommen, lheilS sind sie in unsaiifler Weise ans der Wohnung gewicscu worden. Beispiele sür beide Borgänge sind uns bekannt. Wir könnten die silamen nennen, Hallen dies aber vorläufig nicht für »vihig. . CI) wohl dcr alle .siaiscr damit cinveistanden geirc'eit untre, daß die Zndcn die zu seinem Gedächtniß criichlele evangelische xirche mit bauen lielsen?" Der regierende deutsche ,'iaiscr dürste nicht sonderlich davon erb.-nt sein, daß Stöcker so taktlos ist, bei »'der Gelege»- hsil auf .siaiier Li-icheli» l. als Gesinnnngsgenossen Hinzumeisen. Jur gefälligen Ücuchtnng!?cr ciftc onlirflniifl dcs „Flricn Blalttü" ist durch nufer Bnrculi sitstc» Ciiisrudiilist des licralisicscytcn Preises von ö. W.! fl. l. oder 2 l-ironcii (ftntt o. W. fl. ’2SA) oder j Mroucu) zu ‘ beziehen. Beitritlscrkläriingeil zum „Pcrein;»r Abwehr des Aiiliseiiiilisilins" werde» ciltqtl;c»gt»oiili»cll im 3eeretarintc des Vereines, Wirn, I., Parisergasse 4. Ab»«nemr«t»anmeldungcn auf das „Freie Blatt" nimmt die Adiiiiliistrakiou, Wien, scilkrstäktc 10, jcdkrzcit cnkgcgcu. Ebcndasklbst werden auch einzelne Rummeru abgegeben. . . Probeuummern zur weiteren Lerbreituug des „Freien Blattes" werden GrsiilnungSgcnosscn auf Berlangrn bereitwilligst zur Bersiigniig gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur:,Er»st Lictor Zenker. — Druck von Ch- Reißer L M. Werlhncr, Wien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.