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Freies Blatt · 1893-05-21 · 59 (21.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
59 (21.5.1893)
Date
1893-05-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I Keilte zum Freie» Klutt, (Crpu zur Abwehr des Antisemitismus. ✓ Wien. I. Seiterstätte 10. . ' 5 Die Inden und der Antisemitismus. - _> Mracl unter den Rationen. Po» ilnatofc Teroy-2!caulicu vom min^örpcfton ^ttNÜm. •.Httormrtc Ucbcnctittun* l. Tiefe israelitische Moral Dürfen wir gleichwohl alo straffällig bezeichne». — B-ie so? Es mag ja wie eine Vänernng klingen, wenn Christen jene Religion Der Unmoipl zeihen, welche ihnen die zehn (Gebote nnd jenes Gesetz gegeben hat, dessen Borsehrislen Ehrislns nnd die Apostel gewissenhaft befolgt haben. Tiefer scheinbare BIibensprnrf, findet seine doppelte Erklärung. Man mns: vorerst zwischen dem alte» Hebräerlhnin nnd dem ipodernen Inden tlmm, zwischen Bibel nnd Talmnd nnterptteiden. Ein Ehrisl kann weiters darlhnn, da» das alte «besetz selbst vor 'Allem ein den Inden eigenes, ans eine Uebereinknnfl zwischen Gott nnd Israel, einen Bund zwischen Iebovah nnd seinem Bolle gegründetes Rationalgesev ifk. v\u dieser Beziehung tan» inan behanvten, das; weniger die-Bervollkomninung des Gesetzes, als dessen Berbreilnng unter alle» Bölkern das B'erk des Ehrislenthums gewesen ist. Tarans ergibt sich gegen die Inden und das Iudenthnm ein doppelter Anklage Punkt, welcher sich wohl auf einen zNrücksühren länl, deiin der Hrfnpi vorwnrs gegen den Talmnd, den Geist nationaler Ansschlienlichteil gestärkt zu haben, macht sich bereits in der Thora fühlbar. B-ie fleht es nun mit der Tinenlehre der Bibel? Tie hat die zehn «Gebote, nnd mehr als diese, denn die Gebote des Tekalogs sind beinahe alle Berbote nnd die biblische Moral erhebt sich, bei den Propheten insbesondere, nngleich höher. Israeliten halfen ini alte» Testamente, bruchstückweise zerstreut, fast die ganze Berg predigt ansgesnnden. i;) Ter oberste, die christliche Moral ziisammen fassende Grundsatz: „t'iebe deinen Rächftrn wie dich selbst," findet sich schon in den fünf Büchern' Mofis, dem Pentalench. Teil Hillel haben die l^lanbenslehrer nnd Rabbiner diese -Rärfmenliebe der Thiimzoge eingeschärft. Ter Talmud iil in dieser Hinsicht sogar der Bibel voraus; er frehl dem Evangelium näher durch den Geist als die Jahreszahl. — Torf), so sagt man, das B?orl „Rächsler" hat auf den Rippen des Juden einen Toppelfinn. Im Munde des Ehrisren, von jedem Ttammesgeist losgelöst, ist der „Rärfifte" zweifellos der Mensel) jedweder Raee, Jude, Grieche, Barbar, Munde des Juden ist der -Rärf,ste der Jude. Ter Fremde, der Gher oder der Goi ist 'kein Rächsler. B'as dem Ariden gegenüberverboten, ist dem Ehristen gegenüber erlaubt. To ist dnrrf, den Penlateurf) das verzinsliche Tarlehen, der B?urf)er, den mindern Israels gegenüber untersagt, den) Fremden gegenüber geduldet. -°) Und so auch für alles klebrige. Ttr Jude hat eine doppelte Moral: eine für feine Brüder in Juda, eine andere für die Anderen. - Tie Tragweite dieser Ansrfmldignng lenrfnet ein. Tas jüdisclie Gesetz, so behauptet man, znerkennl das Bl'ensrfienlhum, - die der mensrfilichen Persönlirfikeil anhaftenden 'Jicditc nur dem Juden. Die Heiden, die ««oi.in, sind -Israel gegenüber rerfnlos; der Jude hat ihnen gegenüber keine Pflichten. - Hören wir ihre Antwort daraus: „Tchlaget d; h die Bibel, aus, sagen sie, und ihr findet diese rüge widerlegt. Berlangt ihr einschlägige Bibelstellen B.-as kann klarer! und deullirfier sein als der Bers: „Ihr sollet den l^her, den Fremden, der bei enrf> weilt, wie/einen Einheimischen unter euch behandeln und ihn lieben wie enrf, selbst, den» ihr seid im Vande. Egypten fremd gewesen".-'' Tiefe Borirfwifl wird mehrsarf) in feierlirfie» Ausdrücken wiederholt. Tie mensrf)lirf>e Brü.derlirfikeit findet sirf,-überall im alte.» Testamente vor, am.-Anbeginne >vie am Ende der Zeilen; man begegnet ihr in den TchöpfnngsüDerNeserungen ebenso wie in den messianischen Erivarknngen. Tie bildet sozusagen ein Grnnddogma des HebräerthnniS. Tas Indenthnm iünnelleidjt die ain wenigst apssrf)lies;lirf,e aller Religionen; es bekennt öffentlich, an das Heil aller, guten Mensihe». ohne Unlerirfned des Bekennt» nines, zu glauben. Man nnzsz' sirf, dnrrf) den t^ein der Ans srf>lies;lirf>keil, welrfier einige Blätter der Bibel dnrrfidringt, nirf,t beirren lassen nnd zwisrfien politisrfien und religiösen t^efeyen, hier >vas" 'des jüdischen Ttaäles, dort was des iiraellliirfiell Glaubens,- nnlersrfieiden. Mag sein für die Bibel, sagen wir, dast eine solcl,e i Unterscheidung oft schwierig fein wird, aber für den Talmud? Hkit, nirfil Rabbi Timon ben Iorfiäi geragt: „Ten Beilen der E'oim', lödte ihn". Und diese Terlslelle iü nirf,t die Einzige derart. Es ist wahr,-erwidern die Inden, da lind dort finden sich'ilu 1 Talmnd von einer Art nationalem Fanalismns eingegebene B?ol^e, aber bevor mail - daraus Tdtlinfe zieht, muü man den Talmud | leimen, .'tonnt ihr ihn? Habt ihr eine Idee von der Bl'isrfina und.der i Gemara? Iü enrf» der klntersrfiied zwifechen der Halarfia und der .. Haggada bekonnt? Ihr srfieintenrf, einznbilden, der babnlonisrf>e ■ oder der jernsalemilisrf,e Talmnd fei für uns ein Bnrf, der Eingebung, i mindestens eine Glänbensnorm. Tem iü dnrrf,ans-ilirf» io. Ter ' Talmud ist nichts als eiil weillännges Tammelwerl von oft wider iprerfienden Meinungeü der mrsrfiiedenen Trfmlen und verfrfiiedenen Zeil-eporfien. »Ringsum . die Mifchiia, die Tammliing der allen ' rabbinkschen Enlsrfieidnnge» und Anssprüche, hat fick, unter dem , Rainen Gemara eine niigehenerliehe nnd unznsanii»enhänj>e»de Bia sie! von Eommentaren, Erlänlernngen, Zusätzen, Ansrinandersetznngen! jeder Art ansgehänst. Bian in ns;'den B'erlh des Talmnd kennen, j will man ihn eiliren; ihr könnet'ihm keine grünere Autoritär bei'! messen als wir selbst ihm znerkennen. ' In diesem Punkte haben die Rabbiner Recht. B?ollen wir uns j ans den Talmud berufe», so müssen wir sein Bseien, feinen Ur-!'sprnng, seinen Bierth kennen lernen. Am besten wäre, wir läsen ", To beispielsweise l'i. Rodrigne«: „l..s ir<»is lilk-s da la BiMe*. ■") Teilte« Buch L'iosis, XIX, 18. ,9) Zue Zeit dee Entstehung de« Talinud ivaeen bekannttich die Elaubeu«- leheee in zwei eivalisieende Schulen gespalten; die steengeee Tchainai'S und die freiere Hillel'«. Ein Heide hatte zu Schainai gesagt: „Ich werde mich zu deinem Glauben bekehren, wenn du imstande bist, mir ihn zu lehren, ivährend ich hier vor dir auf Einem Fuße stehe". Schamai wie« ihn ab, worauf der Heide an Hillel dieselbe' Frage stellte und den Bescheid erhielt: „Thue Anderen nicht, wa« du nicht willst, daß n,an dir thue; darin liegt da« ganze Gesetz; alle« llebrige ist nur eine Ergänzung und Eommentar dazu". — Moise Schwab: „Le Talmud de Jerusalem“, Einleitung, Seite XXXIX. . Einige Gesetzau«leger besireiten die« übrigen«/ Tiebe'RabbinoviA „L.'.gislaikm eivilv >la Talmud“,. Band III, Einleitung: und .»ian>erllng: ..Ter: Löucher uitd da« Iudenthum"; Pest 1882. - Tritte« 'Buch Plast« XIX, .">4. Bergt, daselbst XXlV, 2. Fünfte« Buch Most« X, 18, 1!». T1) Selbst der Talmud (Kama, Fol. 38) fagt nueffrmtlid): Ter Aichl- Iiraelit, welcher da« Geietz Gone« befolgt, ist nicht weniger ivenb, al« ein Hobe. Priester". — S. T.?uz;atto: „II 1‘ensiero israelitieo", Seite lo*j >Plautua 18!»2> ^') Tiefe Unterscheidung zivischen den naturgemäß nur für eine gewisse Zeit getrosienen und hinfällige» polltiichen Anordnungen und den Israel gegebenen religiösen Gesetzen ist feierlich durch den unter Rapoleon zuiaininengelretene» Sanhedrin (hohen Rath» bekräftigt worden.

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