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Freies Blatt · 1893-05-21 · 59 (21.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
59 (21.5.1893)
Date
1893-05-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Freies Blatt.. Nr. 59. Winkker fick den ihm um infortoation und die Taufe zu erlange»/ ange,neidet, den er nach seinem, seiner Elter» Namen' Paterland und andere» nölhige» Umständen gekragt '»lebe aufnotiret und sich seiner-Thun« zu erkundigen ver- Wiochen er kam aber nicht wieder, indeffen kamen zu belobten Hr. Pastor» 'J Tepmirte von der Ind. Nation und begehrten Zeugunß von einem Inden/ io sich beu ihm »in getausft zn weiden angegeben/ weil sic wichtige Ursachen darzn hätten. indem dieier Ind die 'Niinmegiichc Juden angegeben daß sie ei» Christen «ind geschlachtet/ worüber sie in Eyien und Bande geraihen; zeigten ibin auch ein ichrintlich Zcugnüß zweyer unter Anführnng des Hr. Siberoma Reformirten Predigers getaussler Hilden woriniieif sic versicherte»/ daß ihnen nichts bewiißi' das; die Luden sollen Ehristen-Blut brauchen. Sie erlangten dann ihr Begehren und schieden damil von ihm. Meint man nicht, in Jsac Sarcl und Paulus Mcycr ein geistiges siamesisches Zwillingspaar vor sich zu haben? Leic», 15i. Mai'180.'). Emanuel Banmgartncr. i AllS dcm VailbtaflC.) Xic St^ung des niedcrösterreichischcn Landtages vom l6 d. M. war eine lebhaft bewegte. Zunächst beantwortete der Statthalter die durch antiscinitifche Anschuldigungen gegen die Cbcr Hollabrunner Spareaffc hcrvorgcrnscne 'Interpellation des Frciherrn v. Czedrk dahin, daß »ach den gcpslogcne» Erhebungen diese Spareasse in keiner Weise einen Einslnß ans die lebte» Landtagswadle'n genoininen habe. Tie Herren Antisemiten haben wieder einmal, wie stch zeigte, aus Rachsucht und zu Bcrdächtignngszwcckcn den Sachvcrbalt entstellt. Bei der hieraus 'folgenden Bcrathung des Gcsctzentwnrses über die Borlagc bctrcssend die Bewilligung einer Anleihe von 3.'» Millionen Kronen zur Ettveiterung der Wasicrleitniig der Stadt Wien erwies stch Schneider der Ehren würdig, welche ihm im vorigen Jahre die Berliner Anliseniitcn zn Thcil werden ließen, als stc ihn bei einer dortigen Radauversammlung in (Gemeinschaft mit Ahlwardt durch Ucberrcichnng von Lorchccrkränzcn anszcichnetcn. Er 'vrach von einem 100 Millioncndicbstahl der Stadl Wien, behauptete, daß die englisch jüdische Gasgcscllschask den Beitrag schon in der Tasche habe und ihr nur noch wenige Stimmen im Gcmeindcrathc rum - sicheren Siege fehlen :c. Bürgermeister Tr. Prix und Tr Lederer wiesen Schneiders Lügen und Bcrdächtigungcn mit aller Entschiedenheit zurück: Erstcrcr betonte, daß die Anschuldigungen Sckincidcr's vielleicht gegenüber einer nicht denkenden Maste eine Wirkung erzielen können, aber bei vernünftigen Männern in leeres 'Nichts verhallen müstcn. Tic Anuscmitcn gabensich alte erdenkliche Mühe, die Borlage zn Falle zu bringen, gebrauchten dabei aber, um bei den Wählern der Wiener Bororlc kein Acrgerniß zn errege», zuckersüße Worte für die Nolhwcndigkcit, die neu einvcrlcibtcn Bezirke mit Hochqucllcnwaster zn versehen. Auch sonst machten sie stch craster Widert'vrüche-schuldig, und Abgeordneter N o S k c wies tressend 'ans den logischen Widersinn hin, der darin liege, daß der Antisemitensührck' zncist von Testest und Mißwirthichast in der Eommniialvcrwältung spreche, »acktber aber in Betreff der Financirung des Anlchcns den Wunich nach llcincn'Sbligarioncu äußere, um auch dcm kleinen Manne die Pariicipation;» ermöglichen. Sehr stürmisch gestaltete stch die Abendsitzung, in welcher die Tcbaite über das Armengcsctz fortgesetzt wurde. In den 1tieies l^csctzes war bei der vorjährigen Bctaibiz/ig aus Anregung Gregor i g'ö die Bestimmung ansgtiionimen worden, daß nur christliche Eheleute als Armcnpslegcr in den Arnicn- und Waisciihüliscr» bestellt weiden dürren. Abgeordneter Tr. Freiherr i- S o nr m aruga beantragte unter Hinweis aus die Staatsgrnnd ge'etzc, anr die ursprüngliche Fastnizg des 8 1*3 znrückzugchen, und gab der Ansicht Ausdruck, daß das Armcngesetz nur ein (besetz für Nächstenliebe iind nicht ein Tummelplatz antisemitischer Bosheiten sein dürre. Tie'er Antrag von Tr. Ko pp und Noske unterstützt, von den Anliseniitcn aufs Heftigste bekämpft,' wurde mit einer Majorität, von Einer Stimme angenommen. Es kam dann zu unerhörten Scandal- 'eenen. Tie Aniiseniiien waren so unverfroren, von einer Fälschung zn sprechen, stellten den Antrag, die Bcrathung abzubrcchcn, ja sogar »her die Borlagc zur Tagesordnung übcrzugehcn, konnten diesen Antrag jedoch nicht durchsetzen. Als im weiteren Berlansc der Sitzung ein aniisemitischcrseirs gemachter Bersuch, in einen anderen Paragraph einen Zusatz in antisemitisch clcricalem Sinne cinznschniuggel», mißlang, veranstalteten Lueger und Eonsortcn einen förmlichen EroduS, ohne jedoch ihre Absicht, die Befchlußunfähigkeit des Hauses herbeizuführen, zu erreiche». — Tie bitteren Erfahrungen, welche die Antisemiten mit ihrem Strik« im Wiener Gemeinderathe gemacht, haben sic nicht gc witzigt: sie veranstalteten nunmehr einen - Strike im Landtage und »ahuicn an den weiteren Bcrathnngcn über das' Armcngesetz nicht thcil. Dasselbe wurde am 17. d. M. ohne ihre Mitwirkung bcschloffcn. (Tcr Zllde?cdcrtr.) Man schreibt uns: Der Pfaidler G re g o r i g hat anläßlich einer Debatte über die dcm Technologischen Gewerbe- Museum aus Landesmittcln zu gewährende Subvention eine» jener rhetorischen Erccste verübt, deren Schauplatz leider so häufig die niederösterreichische Landstube ist. De» Abgeordneten Dr. Lederer bczcichnetc Gregorig als „kecken Juden". Aus wie viele» Ehristc» haben schon die Antisemiten Inden gemacht! Selbst Erzbischöfe der römisch-katholische» Kirche sind davor nicht sicher. Der Mechaniker Schneider z. B. hatte gelegentlich der sogenannten Kreuz Affaire in einer Fünfhauscr Bersamnilnng Lust bekundet, den Fürstcrzbischof von Wien, Cardinal Dr. Gruscha, aus der Ehristcngenicinschaft anszuschließen. Dagegen ist Paulus Meyer, der jetzt die Gastfreundschaft des Pfarrers Dcckcrt gönießt, ein licbwcrther Bruder in Christo, und sind die Enkelkinder des Pohrlitzcrs Schmuel Lecb Kohn nnversälschte Teutonen. (Pfarrer Dcckcrt und Paulus Mcycr.) Das k. k. Landesals Preßgcricht in Prag hat mit dcm Erkcnntniffe vom 20. März 18!«.'» die Wcitervcrbrcitung d^r Druckschrift: „Ein Ritualmord. Actcnmäßig nachgewicsen vom Pfarrer Tr. Josef Deckert. Zweite Auflage. Dresden, Truck und Bcrlag der Druckerei Glöß, 1803", und der ans dcm Umschläge derselben enthaltenen Ankündigung einer Broschüre von Mar Be wer, »ach r? 302 Sl.-G. verboten. Ein Artikel, dessen Bcröfscntlichung sogar, das „Batcrland" abgclchnt zu haben scheint und wozu Dcckcrt die Gastfreundschaft Bcrgani'ö in Anspruch nehmen mußte, wurde confiscirt. Nichtsdestoweniger bildet die Angelegenheit dls Pfarrers Dcckcrt »och inimcr den Gegenstand des lcbhästcstcn Tagesgesprächs. Es kommen dabei auch ganz interessante Details ans Tageslicht, die. prächtig geeignet sind, die Glanbwürdigkcit dieses neuesten Gewährsmannes für den Ritualmord zu beleuchten. Unter Anderem taucht uns wieder die .famose Hanpttrcsscrgcschichlc der Kirchcnlotteric des Sanct Ioscf-Bcrcincs auf, dessen Sbinann Pfarrer Dcckcrt war. "Nach dcm Texte jener Lose sollte eine Billa in der Nähe von Wien im Wcrtlsc von 5)000 fl. den Haupttreffer bilden. Als jedoch der Haupttreffer gezogen und einer Dame zngcfallcn war, wurde der Gewinncrin vom Pfarrer Dcckcrt die AuSsolgnng dcS Treffers vorerst überhaupt verweigert, sodann anstatt einer Billa ein transportables und zusammenlegbares Holzgcbäudc bezeichnet, zn welchem der Kirchcnbauvcrcin keinen Grund und Boden bcistcllte. -Als sich Pfarrer Dcckcrt nun auch weigerte, statt dieser „Billa" daS fällige Geldäquivalent von 5)000 fl. auszuzahlen, wurde die Gcwinncrin klagbar und erhielt auch in allen Instanzen ein ihr günstiges Ilrthcil. Tic Einwendung des Bcrcines, daß daS Ausspielcn einer Realität verboten sei, daß sonach die Klägerin nur ihre eigene Auslage von 5>0 Kreuzern fordern lönnc, sowie alle anderen Einwendungen wurden von allen drei Instanzen gleichmäßig verworfen. Run bot der Bcrcin eine Billa in SolmannS darf an, in deren Keller sich faulendes, stinkendes Wasser befand, so daß der Werth der „Billa" ei» sehr zweifelhafter war. Richtsdcsto weniger mußte nun die Gewinncrin von ihrem Bcrlangcn auf die Auszahlung eines auch nur herabgesetzten Geldäquivalentes, abstchcn und die „Billa" in Besitz nehme» und vcrmicthcn. Der anö der Billa erzielte Iabrcszins beträgt 25-0 fl, was höchstens dcm Ertrag eines Sb,ectcs-ini Werthc von 3000 fl. entspricht. Nicht zu vergessen ist auch der Nebenuinstand, daß Herr Pfarrer Dcckcrt der Gewinnen» de» Ankauf der ihm gehörigen Wiese angcbotcn hatte, ans welche die „Billa" ausgestellt wurde, und zwar zum Preise von lO fl. per S.nadraiklastcr. AlS jedoch die glückliche Billenbcsitzcrin später für die Billa einen Käufer fand und dieser sich an Pfarrer Dcckcrt wegen Ilcbernahmc deS Grundstückes unter den aiigebotcncn Bcdingnngcn -wendete, verlangte der fromme Herr urplötzlich für die Suadratklaftcr nicht mehr zehn, sondern fünfnnddr-eißig Gulden. Zeigen schon diese wenigen Details, mit welch indnstriösem Herrn wir cs hier zn thnn haben, so stellt die cigenthümlichc „Bcrichtigungs"-Thätigkcit Dcckcrt's, mit der er sich unerschrocken über die aelcnmäßigc Wahrheit hinwcgsctzt, wie riet Eignung gerade er zum archivalischcn und historischen Forscher besitzt. Ein noch viel grelleres Licht wird über ihn und seinen Eompliecn Paulus Mcycr ausgcgosicn' in einem Briefe, den Tr. Bickcll, Profcsior der katholischen Theologie an der Wiener Universität, an ein hiesiges Blatt richtete. In dem Briefe heißt cs u. A. Herr Paul Meyer kam Ende Mar; mit einem sehr warme» Empfehlung«- " schreiben meine« allen Freundes, Herr» Canonicns Professor Tr. Rohling, z» mir. Auf seinen Wunsch begleitete ich ihn bald darauf z» Herrn Tr. Tcckerl. wo ich aber gleich chestininit erklärte, daß ich mich für Herr» Meyer nur menschlich und wissenschaftlich intcressirte. Al« das Gespräch auf das „Blntrituale" kam, sagte irb, die bisher dafür beigcbrachlen Stellen leien absolut nichtig; ebenso wenig seien neue zu erwarten, da solche schon längst durch Eonvcrliten bekannt gewolden sein würden. Ich glaube daher nicht einmal an die aus der Folter

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