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Freies Blatt · 1893-05-07 · 57 (7.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
57 (7.5.1893)
Date
1893-05-07
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 57. Freies 3? I a 11. Seite 7. / . / und bcmeiftc: „Wenn ich gcjüii&iyt Ijaüc, juche ich co zu jnhiicn, - indem ich Anderen helfe". Er erging sich in heftigen Angriffen auf Stadthagen, nannte ihn „unverschämt" und „feige", lhat sehr tapfer und verflieg sich zu der Herausforderung: „Kommen Sic mir vor die Pistole!" Auch Böckel beschimpfte neuerdings den „Beleidiger feines BaterS". Aus den Reihen der Socialdcmokratcn schrie man wieder den Antisemiten zu: „Lump!" Es ging zu, wie cö eben in all»» Bcrretungskörpcrn zugeht, welche von dem Mißgeschicke hcimgcsucht sind, Leute zu ihren Mitgliedern zu zählen, die thalsüchlich i»S Zuchthaus oder in eine CorrcctionSanstalt gehören. (Antiscm im Conflict mit dcn Ltrafgcsctzcli.) Die Anti scmitcnführer Manufacturwaarcnhändlcr August und Eiuil Andersen aus Altona wurden von dem dortigen Schwurgerichte wegen bc trügerischen B a n k e r o t t s und Wcchsel fä ls ch n ng zu 21 s, beziehungsweise l1/* Jahren Zuchthaus vcrnrlhrilt. (Eilt Brief Jules Fcrry's.) Der kürzlich verstorbene französische Staatsmann JuleS Fcrrh war zwar nicht, wie die Antisemiten behaupten, ein „Judcnstämmliiig", wohl aber ein entschiedener Gegner der antisemitischen Bewegung. AuS Anlaß einer vom Pariser Advocatcn Lambert verfaßten Broschüre über die Juden und den Antisemitismus schrieb' Fcrry an de» Verfasser derselben im Angust ' 1 -S7 : Schon als Student in Etraßburg, zu einer Zeit, als das Bornrthcil in feiner Umgebung noch sehr mächtig mar, habe er weder Haß noch Antipathie für die Juden, diese starte, lebcnSfrischc Racc, eine der außerordentlichsten gesellschaftlichen Erscheinungen unserer Geschichte, empfunden. Tie Tugend der Jude», deren Fähigkeiten seien zu äuge» scheinlich. Ihre Schwächen und Fehler, im Bcrschwindc» bcgrissc», verlieren sich von Tag zu Tag immer mehr. Man verleumde die Juden, .während man sie nicht entbehren könne. «Tcr Blntabcrglanbc i» China.) Ter „Globus" bringt neue aus der Feder des Tr. Repsold gestoßene Aufklärnngcu über die jüngste Christcnvcrfolguug in Ehina;' in dem betreffenden Aufsätze heißt es: „Tie jüngste» Bcrfolgungcn der Weißen, die Ermordungen der Missionäre und die Zerstörungen christlicher Eapcllc» und Kirchen in China war namcntlich ans die Antriebe eines hohen chinesischen Beamten, Tschon Han, zurückznsührc», welcher i» Tschaugscha. der Hauptstadt Hnnnans, residirtc. Auf die Borstellung der europäische» Gesandten in Peking hi» wurde eine Untersuchung gegen Tschon Han eröffnet, die aber so gut wie crgcbnißlos verlausen ist. Aus der amrlichcn Pekinger Zeitung, welche jetzt die in dieser Sache nnternoin- »icncn Schritte actcnmäßig vcrösscntlicht, geht hervor: Tschon Hau ist verrückt geworden und nicht aufzufindcn. Eö erhellt aber ans jenen Actenstückcn, daß Millionen von Flugblättern, Pamphleten, Plakaten, Spottlicdcrn unter der abergläubige» Mcuge verbreitet wurden und ihre Wirkung erzielten. Besonders wurden in geradezu unfläthigcr Sprache die Missionäre beschuldigt, .daß sie die Frauen behexten, indem sie ihnen geheime Mittel ciugäbcn, dann sic an verborgene Plätze lockten und sic daselbst tödtcteu, uni ihnen die Herze» und Auge» auszurcißcn'." Tr. Rcpsold schließt diesen Theil seiner -Schilderung mit dcn Worten: „Mit geringen Aendcrunge» ist das also die nämliche blödsinnige Beschuldigung, die ’ man in Europa den Juden bezüglich des zur Pasiahfcicr nöthigcn EhristcnblutcS seit Jahrhunderten vorwjrft." . Tlus antisenntischen Vereinen und Oer sanrnüungen. (GeschichtrfälschuugJ Der Skampigliensälscher bcgittttl sich.zu suhlen und sälicht nu» auch Geschichte, L^in „.statholisch coiistilwlionellen Pcrei» auf der Wieden" sagte Mechaniker Schneider, die Gcwelbcsreiheii, ivelche das Gewerbe heruntergebracht hätte, verdankte man dem Minister Bruck. TeS ultramontanen Ritters v. Toggcuburg erwähnte er. mit keiner Snlbe Schneider stellt die Gewerbeireiheit als eine so böic „Judeusache" hin. daß er mit derselben dcn srominen Pater. eine» hochgestellleit Würdenträgers des PredigerordenS nicht in Pcrbinduug bringe» will. - _ s. t. (Unseren Leuten können pir Alles bieten!) Er kannte seine Gesellschaft, der schlaue Anführer der Antisemiten, der den Ausspruch lhat: „Unseren Pente» . können wir Alles bieten". Jener derzeit antisemitische PollStribnn, welcher nach dem treffenden Urlhcite de- Dr. Max Menger viel Mund und wenig Siennlniffc Hai, sagte im „jtatholisch^politischeu Perci» itu süuftcn B czirte": Man.schimpfe Ahlwardt Lügner, Schuft und dergleichen, „ohne daß ein unehrenhafter Grund für Ahlwardt vorhanden tvüre, tvcshalb dieser lügen, verleumden u s. w. sollte." Ter mundreiche und kcuntnißarme Patron rügte das katholische Eentrni» in Berlin, weil eS für Richter, der den Enlturkampf he»voc>,cruse»,. Partei genommen häit^. Eugen Niickncr Hane nie -enva-r mit den, BiSmarck'schcn Cultnrkawpse zn. "nsiafsen, und da; Eeutrnn, kan» nie in die Lage, für ibn Partei zu nelunen,?en» Ahlivaidt's PerluindniigSEäinpagne ivar nicht gegen-ihn geriet.let. Lehr sumpaihisck, dnriic die Geicknuis-Äniisemilen allerorten eine Acnß rnng berühren,' die Ahlivaidl in jüngster Zeit ans cinei» Berliner Ailiisemiten-Meciinq gcniachl. bat; ec sagte: „Ick, gedenke demnächst Bersammlimg ans Bersanimlnniz atzjnbalten, um dar Bock anszuklären. Auch dann »verde ich immer noch dt» Piennige Entree nehmen, wenn man mich deshalb auch verhöhnt, nnd es sott mich nicht kränken, wenn von der E i n » a h m e s st r in i ch » o ch c t,v a S ii b»i g b l e i b t " lAllfgklöft I Eine chrisllich soeiale „Arbeiterversammlnng", die am tz0. April im Treherstiale ans der Landstraße stallsand, winde' besöidlich aufgelöst. Tas große Wort in dieser Persamnilnug, zu ivelchcr sich auch eine Anzahl Arbeiter, die zur social demokratischen Partei zählen, cingesunden hatte, führte der EonlmiS Arm an u. In einer arbeitcrsrenndlich angehauchten Rede trat ferner der St. Pöltcner Geistliche Schcicher sür d>» Achtstundentag und das all gemeine Wahlrecht ei». Ter Socialdemokrat WieniaSki) ergriff hierauf daS Wort und sühite aus, WaS man von geistlichen und welilichen Agitatoren der Ehristlich Socialen zn Hallen habe, zeige die Art, wie sie in den Bersammlungen je nach deren Znsainilicnicvnug zn sprechen sür gut finde». Pör Aleingcwerbe treibende» und Häusherrrn reden sic anders als vor Arbeitern und unlcrlaffen cS. die Anwälte des AchisliindenlageS und des allgemcineii Walilrcckne» zn spielen. Etwas Gemeineres nnd Ricdcrirächtigcres als die Sprache jenes „christlichen" SrganS, welches bei „jüdischen" Banken bettle, gebe eS nicht Tic Antisemiten vertrugen die>'e Aeußerniigen nicht, und cS entstand in Folge der- >elben ein Tumult, welcher den RegierlingSveNretcr zur'Auslösung.der Persammlniig veranlaßte. . , «Club ailtisciiiitischer Bezirksausschüsse, Tie antisemitischen Bezirksausschüsse Wiens beabsichiigen, sich in einem Club Zn vereinigen; über den Titel dieser Bereinigung sind sie noch nicht'im stlaren. (Eine gefallene Schöne.) Ans Prag wird .uns geschrieben: Ticselbe Partei, welche in Wien längst den Charakter der Internationale angenommen hat, trotzdem sic noch hie und da mit ihrem Bischen ausgcschminkten Teulschthiini kokellirt, will, um Himmels nnd der Erde willen auch Böhme» und das'' hundcrtthürmige P,ag erobern. Wo man hinblickt,, stößt man hiev auf geheime Minen, die mit antisemitischem Zunder.gefüllt sind. Hier sehen wir Schneider mit den Tschechen cooperiren, dort bearbeitet Paiet Spitz mit seiner WarnSdorier Tante die sroinincu Seelen, und a» einem'drille» Srie stolzirt der Antisemitismus wieder im niwersälschicsten dentschnationale» Gewände einher, aber c» ist und bleibt bei näher, in Züschen hinter jeder Perkleidniig immer dieselbe erschreckende Franc, die in unserem Lande jetzt umgeht. Großer Erfolge können sich die Anliscmiten bislang freilich nicht rühmen. Tie Wühler von hente sind^ uns sicher, aber werden cS alich die Wähler von mokgen ieinL Tiese Frage^ muß sich zumal den denlichen streife» Prags vo„ Tag zn Tag beängstigender' ansdräugen, wen» man siebt, wie gra»>a»l llug die Anlisemilcn ihr Wezk be-s ginnen, iiideni sie die Axt au den Ltaini» der Ziiktznil.-an die Jugend legei^k Es ist ja nochbelang, wie eS ilsnen-gelang, die geschlossene Einheit der dciit< scheu Jugend, die durch den „Temichen Turnverein" und die „Rede- und Lesehalle deutscher Studenten" rcpiäikiitirl war,;» sprengen nnd antiiemilische^ Fliatiouen zn erzeugen, deren bloßes Borhantruscin natürlich auch in »alionaler Beziehung schon höchst betlagens>ver:h ist Viuu ist auch die „Liedertafel der deutsche» S t n de n t e n", dieser vielleicht povlilärne Btrein Böhmens, der sich so lange stramm vor der aniiieinitische» Leuche bewahrt, derselben, zun» Spier gesattelt. Tie letzien zehn Biilglie-der jüdischer Eouseision wurden eiuiach and dem Perein hinaiiSgerkell, nnd damit bat das Seucheugifl, das' in dem PercinS köiper schon lange gesteckt, z»n> offenen Ausbruch der Beule gedrängt. „Wie seinerzeit bei der Gründung -des Männe, turnvereines" — schreibt die hiesige „Montags Revue" — „finde» sich auch jepl wieder Periheidiger, welche behanplcn', daß'-die Liedertafel' trotzdem keine.umi'\',niu:.tu',i Tendenzen verfolg!. Wer aber den Ekel Überwinder, und'ab nust zn in die Traeiätchen und pcriodi scheu Geheimschriften »nicrer auliiemiliichen Aadercr einen Blick wiisl, tcr kann sich davon überzeugen, daß dieser sindenlische GcjangSveteiir, . der ehemals eine ü> correeie Haltung einnahni und stch mit Recht lebhafter Sinnpalbicii er freute, von den Eingeweihten bereits zu den AnliieiniieneouvenUleln von der strengsten Sbierv.inz gezählt wird, »nd daß alle Gehennbrüter der bornirten zxnk gehässigen Sippe bereits auigeiorderl werden, der Liedertafel zu-Hilfe zn loinmcn. Eiiiige der geistig vornehmsten Förderer des BrrcineS, denen dieser viel zu danken hat, haben den» auch die EinladuiigSlaricn zn dem nächsten Feste der Lickeriascl znrückgesandi." Tie"Liedertafel scheint 'ich zwar nock, nicht ganz in ihre neue, keineswegs ehrenvolle Rolle hineingclebl zu. haben nnd null aus ihrer Schande vorderhand »och cinen Hehl niache». Eine 'Tevmalion von BcreinSinilglicdcrn hat über die vbeiierwähillen ÄuSlaffunßen der „Montags Revue" bei Tr. Schmepkal Beschwerde geführt, woraus dieser die Tezuiiauoii missorderte, ei»e Erklärung iin liberale» Sinne abziigcbe», u»i die',' streitige Sache im Jutereffe beider Thcilc beiznlcgcn. Wiewohl die Tejrn tativn'die Abgabe dieser Erklärung zniagte, ist dieselbe jedoch bis heute noch nicht criolg«.

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