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Freies Blatt · 1893-05-07 · 57 (7.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
57 (7.5.1893)
Date
1893-05-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 57. 'Freies i(jin radikaler Opportunist i Für den Siaat-mann umer den Aniiseniiten, vielleicht für de» „kommenden Mann" überhaupt hält sich gewiß Herr Tr. Cito Steinwe » den Jedenfalls thnt er sich mif da« merkwürdige Geini'ch von eingestandenein Tpportiniisinus undweitestgehendem Radicalismns, von dem alle feine großen Staaisreden erkiillr sind, nicht wenig zugute. Der leidige Herr, der vor etwa einem Jahre es als orportun erklärt ha», wenn sich seine Partei in Wien stramm christlich social, i» Slc’ermaif aiitil'eniitisch national, in Mähren ober sozniagen leicht „angejüdelt" benehme, derielbige Herr bat neuerdings vor den Wählern von Villach den Ausipruch gethan, man müise das Erstehen der Tanernbah» lebhaft betreiben, denn i,diese würde den Wöriheriee zu einem Eomeriee machen, und stall der n ngariichen Juden, die man in lärmen in Erinangliing anderer Gäste ja auch ganz gern ''ehe, wüide» andere wohlhabende Fremde ins Land kominen". Wenn ali'o die Juden da« Geld im Lande lasten, und besonders so lange sich kein aricher Er'ätz für dieselben sindet, ist Herr Steinivender kein Anliienitt. Also räumlich, zeitlich nnd conditional eingeschränkter — vielleicht beschränkter — Antisemit. Man siebt, Herr Sleinwender hat mit einem anderen große» Staatsmann d,n CimismuS und den Taufnamen bereit« gemein; fehlt nur noch das kleine Plus an — Talent, und Steinwender kann Oesterreich« eiserner Reichskanzler werden. 2lus antisemitischen Blattern. (..Sine Sdjöitnct'« Briefkinlauf "> Unter diesem Titel publieirt der stic enaner Monitenr de» angeblichen Brief eines Leivniker Inden, der dem Er Rilier 'eine Tienste zur Bersiignng stellt. In dem schreiben beißt es. „Ter ergebenst Unterzeichnete schwört Euer Hochwoblgeboren, daß Ihre Partei keinen verläßlicheren, eibilterlereu Mitkämpfer erhalten könne als au dem ergebenst Geferligieil. Rur ein getebrler israelitischer Renegat kann, de» Inden in jeder Weise nnermeßiichen schaden zu'ügen, wie die G schichte des MinelalterS auch iiailiweist." S,1 öne.ec's Srgan heineikt schließlich: „Aehnliche Briefe erhielt Herr v Zchönerer schon wiederholt.. >o auch im Vorjahre von einem Rabbiner in Pforzheim. Recht nette Herren das!" Vor Allem sei constatirt, daß Schönerer, der ja nicht begnadigt wurde, nicht das Recht bat, feinem Rameir ein „v." voizli'eheii Was aber die „recht netten Herren" andelangt, so verstreicht fast keine Woche, in welcher das „Freie Blatt" nicht von bisher antiseiiiilischeii Scribenlen oder Agitatoren Criertcn zu Tienstleistungen gegen das „antisemilische Lninpengesindcl" erhielte. Ter Eine meldet nns, daß einem christlich 'vcialen Wnrdeiiiräger die Parteileilniig die Eastengebahrnng zu «litziehen genmhigt war, der Ancere Jnt.mes ansdem Faniilleuledeil einzelner Tstuiaikgrößen. Auch recht nette Her:en das! I Literarisches Freidcutenbum) Wir erhalten folgende Zn-chrift - Sebr geehrter Herr Redac''enr! Berga,n, die zanbergewaliige Erscheiiiiinq aus Sotec, drnet: gegenwärtig eine aineiitaiit'che Toginal Novelle „Tie Ansiedler von Topela" von Mar i* ingold' Start ab. Start ist ei» Wiener, von Eonseision — Jude und weilt seit zwei Jahren als Schiinsteller in Chicago. Ich kenne Stärk persönlich und weiß, e.iß er gegen Vergani lind dergleichen Jndividncii eine heilige Abneigniig einvstiidek. Wie krinmt es aber, daß trotzdem Vergani die übrigens bübiche Er zäblting Stärk'« abzudriicken in der Lage ist'? Was bestimmt einen Vergani, dir Novelle eines Inden seinem Pnbticum zu vermitteln '? Sollte auch er schon zur llebrrzengiing gelangt sein, daß die antisemitische .stost ans die Tauer Ekel nnd Ab'chen erzeuge, iveshalb Inden herballen müssen.? Hochachtungsvoll Tr. F. S .<!ranß VII., Rensti'tgaste 12. :liol)hcit Jtii Böckcl -chen „Reichsberold" war dieser Tage zu lesen: Ter .„ Tiriitb.-inirr Beobachter" urbldel, daß die hiesigen Inten die Absicht habe», stch einen Tddlenwag.'ti anzuichasten. Hoffentlich einen recht großen aber! — Tech wozu in dir Irene ut'wei'en? Bei dem antisemitischen „Bürgerfeste" in T roppau wurde eine i'ogrnannle „Juxzeilnng" vertheill, welche folgendes, mit der Abbildung eines T od tenkov''es geziertes Jn'erat brachte: Antisemitischer Arzt brliandrlt nach beschleunigter Methode im Jnkereste der Menschheit Inden nnenigeltltch. Auswärtige brieflich. Selbst unsrankirte Briefe werden sofort beantivouei. Zuschriften unter „Schmerzlos und f An eil", Troppau^ postlagernd. B latt. «Slockcr'S jouriialiftifchc GrfchäftSpraxiS.) I» dem Slöckcr'jchen „Voll" vom 22. April befand sich folgende Briefkastennotiz: „II. A. R. Al« empfehlen« weither Sstfeebad wird »ns Lubmin bei Greifswald genannt. Schöner Strand, D-ald, billige Wohnr.ngen, jndenfrei. .Volk' und .Staatsbürgerzeiliing' liegen aus." lind Tag« darauf erschien im „Volk" die nachstehende Notiz: „L. in P. Mit dem Lstseebad war Lubmin gemeint. Wünschen Sie, daß wir auch aus P. im Briefkasten anfnieiksam machen, so kann die« nur geschehen, ivenn wir gleichzeitig ein Inserat erhalten." Stöcker's journalistische Ge schäflspraxiS scheint sich von der Vergani'« nicht wesentlich zu unterscheiden. (Ehriftlich-Sociale und „reine" Antisemilen io Deutschland.) DieChistlich Sociale» in Teulschland wollen jetzt von den „reinen" Antisemiten abrücke». Man schreibt Uber ein diesbezügliche« „Manifest" dem „Reichsboten": „Eine Reihe von Vorgängen innerhalb der verschiedenen Gruppen der antisemitischen Bewegung ist in der letzte» Zeit Gegenstand lebhafter Erörterungen seilen« der Vertrauensmänner der christlich-socialen Partei gewesen. Al« erste« Ergebnis dieser Beralhuiigen darf man wohl eine in der letzten Nummer des .Volk' erschienene Kundgebung betrachten, die eine scharfe Grenzlinie zieht Zwischen den Christlich Socialen einerseits nnd de» anlisemilischen Parteien andererseits. Der positive Zweck ist, die Christlich-Socialen im Reiche, welche sich seither mit .befreundeten', innerlich uneinigen antisemitischen Gruppen vermischt hatten, als selbstständige christlich-sociale Vereine zu organisiren." Dann folgt im „Reichsboten" das „Manifest", dessen Schluß'atz lautet: „Die christlich-socialen Freunde tut Reiche haben bereit« begonnen, sich zu organisire»! und ihre Vertreter werden in der Psingstwoche, zur Zeit des evangelisch socialen CongreffeS, in Berliü zusaininenlreffen und gemeinsam mit dem Parteiporstande die weiteren Schrine beralhen. In Berlin hat eine Versammlnng von VerlrauenSinännern der Partei den eininüthigen Beschluß gefaßt, ein Actionscomilv zü bilden, das demnächst in Wirksamkeit treten wird. Hoffen wir, daß diese» ivichtigen, von der Rolh der Zeit gebieterisch geforderten Schritten überall im Lande da« nöthige Verständniß enigegenc.ebrachl wird." Tie „'Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt dazu: „Ten Christlich-Sociale» jetzt da« ,nöthige Verständniß' dafür beizubringen, daß, wie es in dem Manifest heißt, die Antiseiniten .noch unreif für die praktische Thätigkeil' seien, wird recht schwer halten." Briefkasten. Ingenieur Ä. G., Wien I- Wie Sic sehen, hat unser Vlait keine Inserate. l>. A, Töbling. Tankend abgelehnt. Vielleicht ein andermal W. L, Wiener-Neustadt Tie Tunkclinänuer sind wieder frech — das steht fest. Im llebrigen haben sie weder in der Leopoldstadt noch auf dem Lande etwas vorgebrachk, worauf zu reagiren sich verlohnen würde. iicfy, Rcichkna». Sie haben Recht. Baron Nathaniel Rothschild hat das Schloß, daS er letzt dein Vereine zur Errichlung einer klimatischen Heilanstalt für Brustkranke schenkte, erst im Beginn der Achlzigerjahre erbaut. Ten.Boden für die jetzigen Parkanlagen hat Baron Nathaniel Rothschild um geradezu sabcl batke Preise erstanden. So verlangte der frühere Besitzer eines Complexe« von circa siebzehn Joch Wiesengrund, die einen Schätzungswerth von 7000 fl darfit.Uten, den Betrag von 120.000 fl. und erhielt die Sumnie auch. Dieser ipecnlaiive Herr ist aber einer der Väter und ersten Führer der anlisentllischen Bewegung, der bekannte freierwählte Herzog de« Tstmarkvolke«. Leopold Brrmaiin, Nomotau. Bestätigen ganzjähriges Abonnement. P. I., Troppau. Auch der verletzte Ehrgeiz, der Durchsall bei der Ausschußwahl der Ortsgruppe, rechtfertigt mit Nichten das jüngste Verhalle» jenes Herrn. Tie Tinge in Troppau werden hoflentlich nicht von langer Dauer sein; dann wird auch das antiseinillsche Bettelbläncheu verschwinden. Zur gefälligen Hrachtmrg! Wir erlauben uns darauf aufmerksam zu machen, daß wir bei Ucberstnduilg von Abonncmtntsbcträgcn zwar Postmarkc», nicht aber Stempel an GeldcSstatt annchmrn könne». Ferner crsnchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Reklamationen llame und Adresse (besonders Ort nnd Post) leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Wille» nicht in der 2age sind, eine Verantwortung für »ichtbestelltc Exemplare zu übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengenommen im Secrrtariatc des Vereines, Wien, I., Parisergasie 4. Abonnrmeutsanmrldungrn auf das „Freit Blatt" nimmt dir Administration, Wien, I., seilerstiittr 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probenummeru zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen auf Berlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von Ch. Reißer L M. Werthner, Wien.

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