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Freies Blatt · 1893-04-30 · 56 (30.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
56 (30.4.1893)
Date
1893-04-30
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr. 56. Freies Blatt. der religiösen noch nach der StammeSfroge hin. Uns koinnit es lediglich daraus an, was der Mensch ist. (Glaube und Rationalität sind zu fällig. Ein Schurke ist ein Schurke, ob er Ehrist, Muhammedaner oder Jude ist, ob Franzose, Amerikaner oder Deutscher. Wir kennen nur.den Maßstab der Gleichheit für Alles, waS Mottschenantlip trägt, lind wenn da ein Agitator im Vande herumzieht und sagt: .Der Jude ist kein Deutscher,' so sage man diesem Manne, .Du bist-ein elend unwissender Demagoge, du weißt gar nicht, daß die Menschheit immer gewandert ist. Du weißt nicht, daß wir Deutsche auch gewandert sind und ein Mischvolk sind. Wir sinden, daß es sich mit den sogenannten reinen Nationalitäten verhält wie mit den Elementen der Ehemie. Man entdeckt später," daß sie keine sind. Das deutsche Bolk hat das Blut der vernhirdensten Böller in sich, und das gilt fast von allen Culturvölkernck Wenn mir sagen, die Inden haben kein Recht in Deutschland, weil sie eingewandert sind, so sollten wir auch sagen, die Deutschen haben auch kein Recht. Was ist der sogenannte AtztisemitiSmns eigentlich? Professor Mommsen, ein Fortschrittler, hat das wunderbare Wort gesprochen: .Der Antisemitismus ist eine Krankheit, die man. nicht begreifen und nicht heilen kann.' Wir können diese Krankheit schon begreifen. Sie liegt in dem Füulniß- und Zersetzungs proreß, in welchem sich die heutige bürgerlich? Gesellschaft befindet." Rach einer längeren Polemik gegen das capitalistische S»stem schloß der Redner mit folgenden Worten: „Die antisemitische Bewegung bat ihren Höhepunkt erreicht. (Gerade die Ezeesie eines Ablwardt werde» dafür sorgen, daß in einflußreichen Kreisen der Meute zurückgepfisfe» wird. Ist eS auch möglich, daß diese -schmähliche Bewegung in einige» Theilen Deutschlands weitere Fortschritte macht, unsere Stellring ijt in unserem Programm gekennzeichnet: tlns gilt nur der Mensch! Wir benrthetlen in dem Geiste eines Messing de» Mensche» »ach seine» Handlungen Ei» Schurke ist ei» Schurke, ei» Edler ei» Edler, ob er Deutscher oder Franzose, ob er Ebtist oder J»d ist." Stürmischer Beifall kennzeichnete de» Standpunkt der große» Persainmlnng zu den Arisführnngen Liebknechts. („II Scniita".) I» Mailand begann ein neues Journal unter dem Titel „II St-mila" zu erscheinen, in dessen Programmartikel es heißt: „Das Wort .Semit' ist es, dessen sich die Gegner der Inden bedienen, gleichsam, um ihnen damit v.orzuwersen, daß sie einer anderen Rare angehören als derjenigen, von der sie umgeben werden. Wir, die wir in den journalistischen Wettkampf eintreten mit der Absicht, den Handschuh, den ihre Feinde dein Inden hinwerfen, 'aufzuheben, glauben, gerade diesen Rainen, mit dem man einen Borwurf gegen die Juden verbindet, aus unsere Zeitung schreiben zu müssen, um jene zu widerlegen. Die semitische Frage ist heute in halb Europa an der Tagesordnung. Italien allein ist dank dem vernünftigen Sinn seiner Beivohner davon ausgenommen, und gerade darum muß von Italien aus die Stimme zum Widerstand gegen diese Bewegung ansgehen, welche nicht im Dienste der Religion, sondern anderer nnqualisieitbarer Interessen steht, b'eutc wie Dtumont, Stöcker, Ahlwardk haben in ihren Ländern Gegner ihrer thörichten Berlenmdungen gefunden, aber diesen fehlt zum Erfolg die Ruhe, die den Italiener bei der Diseussion dieser Frage zu einer strengen objeetiven Behandlung befähigt. Wir wollen mit' nnseren schwächet» Kräften diele Aufgabe übernehmen Wir, die wir einer jeden politischen Pattei fernestehen, allein dem Könige, dem Baterlande, der Freiheit treu ergeben sind, werden unseren (Gegnern zeigen. waS die Inden waren. waS die Inden sind. .Wir werden dank dem klaren Sonnenlichte des Südens, das uns diesett Borzng menschlicher Bernnnft geschenkt, beweisen, wie absurd der Bersuch ist, die Juden als eine besondere Elaste unter den Burgern zu betrachten, wir werden mit GotteS Hilfe zeigen, daß, wenn man wirklich diesen Bersuch machen sollte, man nicht umhin können würde, zuzngeben, daß die Juden ein mächtiger Faelor für das Wohlergehen des Landes sind, in welchem sie leben. Beispiele sind Spanien, Rußland, die Inseln des Mittelmeeres. Das ist unser' Programm " Der Abonnementspreis de trügt 10 Vivc jährlich. (Sir Hem» Zsaacs-l Ans London wird berichtet: In dem Proceffe gegen die Directoren der Hansard Union, welche wegen an geblich betrügerischer Manipulationen bei der Gründung der Gesellschaft in Anklagezustand verseht worden waren, hat die Jnr., den ehemaligen Vordmahor von London, Sir Henr» Jiaars, sreigesprochen. -- Die antisemitische Schandpreste, welche seinerzeit die Meldung von der Einbeziehting Sir Henrns ij» das gegen die Hansard Union ein. geleitete Strafverfahren nicht genug breittreten konnte, nimmt von dem freisprechende» Berdirte entweder gar nicht oder nur versteckterweise Roliz. (Rnswtisllllst aus Dbiricil.) Die in Sibirien ansässigen Juden werden, wie verlautet, ebenso wie die Juden in den anderen Theilen Rußlands, seitens der Behörden die Weisung erhalten, ihre bisherigen Wohnorse;n verlassen und nach dem der' jüdische» Bevölletung zugewiesenen Rayon zu übersiedeln. Aus antisemitischen Vereinen und i\'r sannnlunaen. Tie Botieottirnng jüdischer Geschiistsleüle.l -Ter Verein .Christliche Familie" seht ieire Betnnhniigen zur Boneotürnng Ur „2tammei>feeuibeit" fort. In dieser Woche veranstaltete er'-in Mariahits eine Franenvetsamnitnng. Es sprachen Herr Zuleger. Prinz Liechtenstein, Ädooeat Pattai und die Frau des Schlossermetstei» Bednar."Alle variirten das Thema: „Kauft nicht bei Zndeu!" Ter Prinz apnellirte an die Mutter heiratslustiger Töchter, denen er für den Fall, als sie bei Juden Einkäufe besorgen sollten, die schreäliche -Zukunft ausmalte, keine Schwiegersöhne auitieiben zu können. Znleger nannte den Gemeind>ratb FräueNberger eiten „Inten", und Pattai, der im Gegeniave zu attdeten chriftlich-iocialen Fühtern nicht. dnellichen ist. tagte: ..Ehrtsius hat unS nicht nitr den Frieden, sondern auch das Schwert' gebracht" und empfahl jene Presse, die ihm heute tiietit mehr Unkenntnis; des Frauzostjchen vor die Pase reibt 'Meisterin 'Bednar betonte, das; die Frauen das Vertrauen ■ re.ttlseitigert müssen, welches die Männer tn sie ge-ept haben In der That löste Frau Bednar ihre Aufgabe ebenso edel.und geistreich wie ihre männlichen Vorredner, der Prinz nüd der Adrocat «Trilninm der katholische» Schulverejues.s Unter ^eiem Titel berichtet das 'Batetland" über eine Abendandacht bei St. Angnstin und einen ..geistvollen Vortrag" eines Ranzelredners. Tein genannten Blatt» zufolge hielt der angeblich geistvolle Prediger es für angemessen, eine ait'chaultche Schilderung der Unvollkommenheit her jüdischen Religion und de» jüdischen Stttenge eyeS zu geben, „indem er tön ans Aeußerlichkeiten und nationale Beschränktheit abzielenden Eharakter betonte und ans die Einseitigkeit dex.Sittenge>eve verwies, welche wohl Gerechtigkeit und Vifbe gegenüber den Glaubensgenossen, nicht aber auch gegen Richlinden als Richt'cht>nr des Handelns gebieten." Cb»c uns auf eilte 'Widerlegung dieser Anssiihtungen hier -einzulassen, fragen ivir nur, welch ein Speetakrl wütde sich erheben,' wenn ein Rabbiner, der »ach den von Sr. Majestät sanetionirlen Staatsgrundgeiehen gleichberechtigten israelitischen Religionege,wssen'chast den Einfall hätte, von der Unvollkoinmenheit, sagen wir,; B der griechisch o,ie„taliitl)et, .'liretie zu 'prechen und der n Angehörigen;,r zNmntheat, das; ihr Sittengestv ihnen bloß gegenüber Glanbe„»geno>ien iüerech ' ligkeit gebiete? llnd wie >eltr ivürde das „Vaterland" den Mund voll nehmen, wenn ein Xanzelredner in einer Snnagoge auch nur wagen würde,;e»e Schnabl und Eichhorn uitiaiiit zu berühren, »ach -deren Anssprüche» die Rächstenliebc bei sich selbst anfangr und ein an einem Inden veiiibter Tiebstabl ein ver- - zeihlicher Reviudieationsart 'ci? Im Sinne des Henn Easpar Schwaiz, des Obmannes de» katholi-chen Schnlvetein». sowie i>» Sinne de» Festredners diese« Vereins, deö Prinzen Alois Liechtenstein, hat allerdings der ^geistreiche Vortrag" gelautet. Aber ivir glauben, daß er in einer Versainmlnng beim „gol - denen i'uchien", allew'alls im Mitsifvereinsaale, eher am Platte geweu-n iväre, : als in e-ner Abendandacht bei St -Augustin. . — >>.! |». '('icnunll'ttifc I Ans .'! retn» schreibt inan »1,4. Tie treuesten A»- , bänger versagen. dem „frrierwähtte» Tumarlherzog" die nnbediugie Heeifotge. ■ '.Huf die Ab'age de» W:e»er akademischen Tnrnveretns folgt gls neuer Schlag - eine nicht viel ntehr verschleierte Auftehinutg des.'trenver „-)! at, ou alve rein es",'! an dessen Spitze der allzeit getreue Zinappe Schönerer'», Tr. Stingl, steht I In feiner Hanplveriaintnlung vom I5> April ivurde ein vonTsilfort gestellter .! Äntrgg: „Ter RniionälvereiN möge sich de» .'tundgebuiigrn-zahlreicher anderer i nationaler Vereinigungen gegen da» Vergaut'iäte .Tent'che Volksblatf an" j schließen", nach lebhafter. Debatte — vertagt, aber-" nicht angenommen. Te» i Weiteren sprach die Hauptversamniltiitg ihr „Bedauern" über den Rürttrizt! Schönerer'» vom politischen Viben aiis, versuchte e» je,och nicht mit eittenv j Ltetbenswörtche,,, den „jahrzehntlangen Bettreter de» wahren, nnvkrtälichten! Teutschthums der Ostmark" ven seinen politischen Ajargedankeu abZichriuge». s Ja, Herr, e» will Abend werde»! Selbst dir getreuesten Anhänger schließen sich - dem Generalstrike an. iEiuc Programm- und Ratneiisattdetnttg.t Tie Spaltung in de» Rethen der deutsche,, Antisemiten scheint - größere Tiutensioneu Atr.n,innen zu. wollen ' Tie beiden Führer der antisemitischen Volfsvartei, Tr. Böckel und Ztinmermaitn, haben für Sonntag nach Pfingsten einen Parteitag meiner besst-chen Stadl in An»sicht genommen, bei tvelchem es sich nt» einige A enternngen : des Progranims handelt, ng, demselben eine den.wtrth-chastlicheit Aufgaben der Partei mehr entsprechende bestimmtere Fassung zu geben. Alls diesem Gründe beabsichtigt man auch ritee RTtneneaudeiNng: ival>r,nd der Abgeordnete Jimmermann den 'Rainen „TeNtiche Reforniparrei" wini'cht. hat Tr. Bocket die Bezeichnung „Bolksmrtei" in Vorschlag gebracht. -Eine Fuston beider antisemitischen Parteien, der antisemitischen Votkspattet und der denvch -oe taten. Partei wird nicht angestrebt Tgs hiesige Antiseniitentagblati trottet jtch zivar

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