Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 56 (30.4.1893)
- Date
- 1893-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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reite 8 freies Blatt. Nr. 50. mit invofrmmg, daß die beide» Parteien auch sürdethi» im Reichstage als „vereinigte Antisemiten" Hand i» Hand marichiren werden, allein die Thatiache scheint doch li»abn>eisbar, daß fich zwischen den deutschen Antisemiten mehr eleriealer Richtung, mit Viebermann v. Sonirenberg an der Spitze, und den unter der Füdning Bocket« stehenden, zur Socialdemokratie hinneigeilden Antisemiten eine Xiuft anfgerhan hat, die immer liefet zu werden droht. IWürdiger Abschluß eines Antisemltenmeetl'ngs.l In München hat, wie die „Augsbmger Abendzeitung" berichtet, kürzlich eine Antisemiten Versammlung, i» welcher Tr. Förster gesprochen hatte, mit einem ihrer würdige» CTilog geendet. Als der Schwarm fich schon verlausen -hatte, kam es, unter e»va;elm Individuen, welehe noch mit Dr. Förster zurückgeblieben waren, zu eiuent Streit, der im Gardeeoberaum mit einer solennen Seilerei seinen Adichluß iand. Rirchdein einer der Äntisemiten, den Tr. Förster als „gottverfluchten .'(eil" lilulirie, an diesem in schallender. Weise fich ihätlich vergriffen hatte, biebe» Älle gegenseitig auf einander ein, balgten sich am Boden und riffen sich die xleidtingdslncke halb voin Veite. Mit dem löiperlichen Schaden, welchen dabei einige Antiiem:lentühree genommen, hangt e« ivobl zui'auimen, daß eine für den solgenden Tag in Roseüheim atigekiindigie Äiiti>etnitenversaminlung in letzter Stunde abge'agl ivurde. Hatte der Borsall sich in Wien bei der „Schönen Scha'erin" abgespielt, io wäre das Bergani'iche Organ in der Vage gewesen, von einem neuerliche» „Ättentat dcr Fubeiiliberalen" zu sprechen Ter „gotl -veiflitchte '(crl', welcher Tr. Fö stee geobr'eigt, wäre aus den Reiben der ivackere» t^esinuttugsgeuessen gestrichen und;>t eiuent „Soldknecht der. Faden' liberalen", eiltet» „Büttel der Fiuauzmächle" degradirl worden. 2lus antiü'initifdvn blättern. - Bll I! Rlitleiiiikbliicil ist noch Niemand arm geworden > Tie tfi-ichäsls .ilni'eiullen treten auch al? Ratbgeber iür Börseiverulatiouen aus -Unter den „Äutivorten der Schrtftleitung" lheilk bis „Teutiche Bolkobloll" einem Herin E- Ä. mit: „Sie schreiben, daß Sie sich in Folge meiner Bö,'-berichte W Aenen gelaust habe». Fetzt konnten Sie wohl mit Rutren abwickeln. Bom Rnveimebmeu ist noch Rieniaud arm geworden. Fhre Eile kede ich n-chi recht ein. S cherb." Tas'elbe Blatt ha: aber die Treistigkeil, andere Fournale, ivenn sie die Besti ebiiugen 'ori-chritklicher Pa-leien vertreten, al-7 „Börseblätker" bin zvstelleii. ilWfta&r in ridlt.i „T ie Fuken" baden schon wieder etwas verbtochen. Baron Rat! auiel Rothich ild bai vor wentge» Tagen lein prächtiges Schloß in Reichenau >'aminl einem dazugehörigen riesigen Äreale dem Bereine zur Errich tung einer kltmati'chew Heilanstalt >nr Brustkranke — geschenkt. Es ist mm zweie:lei enastlich;» benirchien: erstens, daß das wahrbaff fürstliche Geschenk des Baiou Roih'child auch einem lnt-genkraiiken Fnden zugute kommen könnte — ii--n ii -li -tu — und zweitens, daß die bochb.-rzige Miinisieen; dieses einen Fnden denn docki znlevt die Meinung der christlichen Bevölkerung in einem den Heiren Vieel’temteiH, Schneider und Eonioiten ungünstigen Sinne umsliminen lönuie. Tie Bolksblattleute eilen daher ra'ch an die Spriveu, um den jüdischen WoKltbäter über und über mit Fauche zu besudeln. Äm Ende ikres löblichen Be ginnenrufe» ne dann nicht ohne banges Ähnen ans: „Wir glauben kaum, daß die>eS Ge-chenk ani nniere chiislliche Bevölkerung, die unter dem i'iuchtbaren Trucke des Großeapiials sei,'« und die weiß, daß dic>'e ge-chenklen Millionen ans ihrer Tauche stammen und daß ne auf's Reue da'ür au'kommen nmß, einen gießen Eindruck machen wird Es wird den Fnden überhaupt kaum gelingen, sich ani die'e Weist als Erlö'er und Freunde des geplagten BolkeS au'zn'pielei! " — „Jen Fnden" ist dies wohl überhaupt noch nicht in den Sinn gekommen Aber zulevt könnte es doch licht in den Nüv'eil werden und das 'nrchlet das „T-'ül'che Bolksblatt" sehr. Für wen würde es denn dann schreiben? . - Firmililg Ililü Geschäft) Ter „B olksfreund" ermahnt Ettern und Firm: mH ii -'sl-nke nur bei christlicheil Geschästsleuten eiiizukanfen nttd beineikt unter Än: em^ „Tie Firmlinge können ja nicht einmal eine Freude an d.n «'»-.stchenke» biben. wenn sie einer nichtchristlicheu, nnstret» Glauben - 'remden O.nrUe .tttstaminen, ivenn sie zuvor durch die Hand des Fnden ge- : wandert sind " Blau 'rage doch -rgend einen Schani oder Pepi, ob ihm nicht! eine schöne Nbr. wenn sie auch durch die Hand eines F-iden gewandert ist,! lieber iväre. als z. B. ein vom Organe B'enner's unter der inai klschreieriichen l Äu'>chri't „Billigste O.nelle Wiens" angeprie'ener — Vodenhui? Äntisemili'che [ Sr. i den len -ündigeu gar zu viel an' die TnininKeil ihzes Vesttkreiies. > (Gin Answtg.) Aus Troppau wird uns berichtet: Zur Belehrung eine« wißbegierigen FriedeckerS schreibt das hiesige Anliskinitenblättcheit: „ES geziemt sich überhaupt' für keinen T rutschen, sich die Werke Heinrich Heine'S anzuschaffen. Wer Heine kennen lernen will, darf nicht bloß sein- »Buch der Vieder' lesen “ Was soll nun der Friedecker thun, wenn er Heine kennen lernen nsill, eS sich aber für ihn nicht schickt, sich seine Werke anzuschaffen? Eine Randnole, mit welcher die betreffende Notiz des Äntisemitenblättchen« in einem Er-mplar, da« in einem hiesigen Gasthanse aufliegt, versehen wurde, bietet eine» Äüsweg, sie lautet nämlich: Bei einem Juden borgen! (.Unter dem Scheint der Objektivität) To» aniisemilischen Blättern und Blättchen, die im Geiste eines Schönerer oder- Viechtenstein die Bevölkerung Böhmens irresühren, gesellt sich nun auch der „Nordböhmische Bolk«- bote" bei. Unter dem Scheine socialdemokratischer Objeclivität stellt diesein Steinschöuau erscheinende „Organ für die arbeitende Bevölkerung" das Juden thum als den „raffinirtesten und rücksichtslosesten Repräsentanten der' capitalistischen Wirthschaft^ordnung" hin, um nach dieser in ihrer Allgemeinheil niindestenS sehr willkürlichen Behauptung wie folgt zu antisemitel«: „Wenn es auch den Philosemiten gelingt, an pem moratische» Gewände eines amisemiii schen Führers einige Schmutzflecke zu entdecken, so hat das blutwenig zu bedeute», weil ja die Äntisemiten stets in der Vage sein werden, ans ganze Schnintzpftaster hinweiseii zu können, die sich an dem moralischen Habite vieler ihiep Gegner Ihalsächlich befinden, und die durch alle Preß Einieiseanstalien der Well nicht weggewaschen werden können. Älio der Boden, in welchem der Anti seinilismu» wurzelt, wird durch das Gebelfer der liberalen Blätter gegen einzelne der antisemitischen Führer nicht umgeackert: sie erzielen damit höchstens das Eine, daß sie bei jenem THeile der Bevölkerung, der vermöge seiner wirlh schafllichen Slellung znin ÄntiseniiliSinno hinneigl, immer mehr in den-Geruch einer „Fukeiischntztruvpe" gelangen. . . Tie Wiederauflebnng deS RaeenkainpfeS, ivie er uns im Antisemitismus emgegentrilt, mußte ganz von selbst ersolgen, nachdem zu den rationalen stäinpfen eiltmal die Parole ansgegeben worden ivar. 'Nachdem es einmal Prineip geworden ivar, den Werth eines Menschen nach seiner Äbstammnng zu laxiren, konnte der lialionale oder Racenkampf vor dein Fudenlhnme erst recht nicht Halt machen, da sich dasselbe bisher noch mit keinem der euroväischen Bölker aisintilirt hat; es mußte, abgesehen von seinen wirlhscha'llichen Gegnern und de» alten, dem Fudenthnlne seindlichen lieber lieferungen, die Extremnationaleit. bei allen Bölkern gegen sich haben. Tie Fnden haben also politisch recht unklug gehandelt, inindeftenS soweit Oesterreich dabei in Betracht kommt, daß sie sich in den nationalen Streit so lief eingelassen und denselben in >'o ausgiebiger Weise geschürt habe». Fn dem Antiseinilismus einten sie nun, was viele von ihnen zum Theil selbst mit gei'äet haben." Tie iocialdemokratiiche Blaste ist hier etwas zu durchsichtig Terselben Ärgumeilialio» sind wir schon in unterschiedliche» national- oder clerieal antisemitischen Blättern begegnet, allerdings mit der Variation: „Tie Fnden haben politisch recht unklug gehandelt, daß sie sich. in den socialen Streit so lief eingelassen tind denstlben von Vassale bis zu Adler herunter in so ausgiebiger Weife gekchürt haben." Es ist der beliebteste .Kunstgriff der antisemitische,, Propaganda, Fn'ofern ans den Geich,stack des Publicum-, welches gerade bearbeitet werden wU, Rücksicht zu nehmen, als man für Alles, was ihm nicht gefällt, Fnden als Schuldige oder wenigstens Mtfchuldige hinstellt. Ein paar Fnden lasten sich immer heranssinden, wen» man heute „stiationalitätenhader", morgen „iocialdemokratische llintriebe ’ zu jüdischen Erzeugnissen stempeln will. Ter hcntigcn Animner liegt Ser Bericht dcr dritten Gencralvcrsamnilniig des Bcrcincs;nr Abwehr des Antisrmitisuius bei. Zur gefälligen Seachlung! l, Wir erlauben uns darauf ausmerksam zu machen, daß wir ' bei Utbcrscudung von Abouncmeiitsbcträgcn zwar Postmarkcn, nicht aber Stempel an Geldesstatt annehincn können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Aeclamationen Aame «nd Adresse (besonders Ort und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in dcr t?age sind, eine Lerantwortung für nichtbestcllte Exrmtilare zu übcrnchnien. Die Administration. Beitrittserklärungen znm „Bcrcin zur Abwehr des Antiscmitismus" werde» cntgcgengcnommcu im Lecretariate des Bereines. Wien. I., Parisergafle 4. * Abo»nrmkut»anmrldungen auf Las „Freie Blatt" nimmt die Adminislralia», Wien, l., Seilcrstätte 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nmnmern abgegeben. Probenummern zur weikcrcn Berbreituug des „Freien Blattes" werden GesinnnngSgeiiossen auf Bcrlangen bereitwilligst zur Berfügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von Eh. Reißer & M. Werthner, Wien.