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Freies Blatt · 1893-04-30 · 56 (30.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
56 (30.4.1893)
Date
1893-04-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 __Freie, siatistjk dcS deutschen Reiches ergibt, baß der Percentiheil der von Juden begaiigenen Verbreche» den der von Christen begangenen nicht übersteigt, ja 'vgar etwas hinter dcni'elben juriirfbleibt. Kenn aber auch der Percemsay bei' einer Art von Verbrechen bei den Inden größer sein sollte, als bei de» Christen, .io baden die Letzteren bei her säst Jahre gegen die Ersterr» geübten llmerdrnckttng alle Ursache, ans die Vrnst zu schlage» nnd;n sagen: N-»str;i »osrr» enlp». nostrti nimin.i ciilsn» Meine Herren! Die Indendetze ist eine Veleikignng des Christembnins, den» dieses hat seine Wurzel im Inkembum. Roch beule beginnt der erste Leseunterricht unserer Sinder mit den Erzählungen aus dem Leben der judinien Patriarchen, und wenn auch gläubige Christen mit der» „Vatertande" ,einem clericatcn Münchner Blatie), >age», Cbr.istns war kein Jude, sonder» Gottessohn, so waren doch seine Mutier, sein Räbrvaler, die Apostel, die Jünger und auch die erste» Christen alle Inden. Tie Iudenhetze ist ein schmähliches Armmhszengniß, das die Per anstalter de» Christen ansstellen. Rach der Volkszählung von I8!»0 bilde» die Inden »irr I' - Percent der ganzen deutschen Vebölkernng und die!»!» Percent Christen 'ollen so arm an Intelligenz nnd Dbatkrasl sei», daß nnr eine Rechtlos erklärurrg der Jude» sic vor dem Untergange retten kann?! Die Jude »Heye ist das Ergebniß sinnloser, aber auch aussichtsloser Scändal ruckt, xeiu vcrminfiiger und besonnener Mann wird glauberr. daß die Regierung des Deutschen Reiches, daß die Regierung eines Einzelstaates, daß irgend eine anständige politische Partei jemals auch nur den Vernich inachen wird, die vordernirgen der Antisemiten;n verwirklichen. Tie Indenbetze ist endlich ein Flecken ans dem blanken Ehrenschild der deutsche» Ration. Irn Febinar lkS<t bezeichneic der damalige deutsche Sroitprin;! die anii'einiki'che Verregung als eine Schmach 'sie Deutschland, der er sich j i » Anslar de den Ausländern gegenicker geschämt bade, und ein Jahr später . erklärte er noäinals: ^Ich mißbillige dre ami'entili che» Bestreb,Ingen a„s! "as Entschiedenste nnd verwerte sie. Kas rnei» Griübl kab.i am meisten r v'ilevt. ist die Hiueimragnng dieser Tenden,en in d e Echulcn nnd Hörjäle.! In die P'l rvzstälte» des Edle» nnd Gn'ktt ist dieses böse Samenkorn hinein [ gewonen irn' den: kossemlich ni-d es nicht zur Rei'e. gelangen. Ich vermag , es nicht zu sane». wie Männer, die aus geistiger Höste stehen sollten, sich znin j Träger und Hittsmiiie! einer in ibren Voraussetzungen und Ziele» gleich ver iveiilichen Agitation vergeben können. Ick gebe mich der sicheren Hosinnng bin, die Beivegun.t werde sich laiig'am im Hände verlieren, kenn derartige l Truge können kernen Bestand habe».'' j rTic Ailtistilllkcii miD Der ^ulfoüilDuufliJticrciu.j Wie weit cs mit der wahren Bollssrenndlichkeil der 'Airlllcmitgii her ist, beweist ain schlagendsten die Halküng derselbe» gegenüber Instituten, rvic Rettnngs ge'clltchafk, M;tr;ti|i'iiiir.i. BolksdildnugSvercin u. f. m. Alle dieic Institute sind von dein humanen Sinn der Bevölkerung ge gründet ivordcn, iim cinein dircelen Bcdürknisie der arnicu Bolksclasicir' nachziikonvncii. T a sie ihre Segnungen aber allen Bedürftigen ohne Untcrfdjictder tici.r.ifiou znkommcn lasten, nnd der Bolksbildniigsver ein außerdeni die' kür gcwiste Bestrebungen höchst gefährliche Cigcnschatk besitzt, Witten in den breilcsten Schichten des Bolkcs zu verbleiten. so bildet gerade dieser Bereit! - einen der beliebtesten Angrisfso.bjerste unserer reaelionarcn Demagogen. Auch in der Geinciiidciaihs' sitzling roin ^1. April griff Vir eg er seinen Kakksbnrger Mandanten zulioi'e den Boiksbildnngsvercin wieder an, als es sich »ni die Snbveiiiiviiirnug desselben mit dein Belrage von 3<)() fl. durch die.Stadt liandelie Lueger gab zwar vor, kein Gegner des „Bolksdildungsver eines" zu feiir — wie gnädig! —, derselbe sei jedoch nur ein Fraclionsvere:» der liberalen Partei, und in den BereinSbibliotheken lägen Bücher aut, welche gegen die katholische Kirche gerichtet seien. Stadtrath ’Ji oske erwiderte Herrn Lueger sehr treffend, der Berein werde | nicht deshalb angeglisten, weil er angeblich liberalen Agirationszweckcn dienc, sondern deshalb, weil die Herren sehr gut wisien, daß derjenige. welcher die Bolksbibliotheken, durch einige Monate sreqncntirt, sich ein gcivlstes Maß von Tcnkselltstständigkeit, von Kcnntuz^, Tuld sanikeit und politischer Charaklcrscüigkcit ancigne. stilchksanclioilirl.' Tein 'Bezirksarineiigesetz für Ricderösterrcicks, ivelches im vorigen Ialire unter heftigen, von den Antisemiten hervorgernfeiieil Seankalseenen nnd nicht ohne einige reaktionär antisemitische Aiilcndenienks, .wie z B. das des Abgeordnetcii Gregorig, vom niederösterreichischen Landtage angenommen wurde, ist die a. h. Sanction kckrwcigerk worden. Ter Statthalter hat de» Landinarschatl in einer 'Rote roin >!. April d. I. hievon in Kennlniß gesetzt nnd gleichzeitig die «Gründe angeführt, welche für die Ikichtertheilung der a. h Sane t on maßgebend gewesen sind. Ticselben sind in der Stellung zn suchon, : ivelche das k^iesetz der Geistlichkeit, die an der Arineiipflege in twii kt, ' einränint Rach dem Gesetze tollte die katholische Geistlichkeit eines! Bezirkes einen lLertraneneinann in den Bczirksarinenrath ivählcn,! Blatt.., Nr. dL. . während die Regierung darauf besteht, daß dieser' geistliche Bertreter im Bezirksarmenrath von dem jeweiligen Ordinarius ernannt werde, also ans Grund eines von der couipctcnten geistlichen Behörde erlangte» Mandats fungire. Ferner gibt die Regierung nicht zu, daß die geistlichen Bezirksarincnräthe, wie dies int Gesetze vorgesehen ist, der Tisciplinärgcwalt deS LandcSansschnsieS unterstehen, welcher dieselben zu Geldstrafen vcrnrtheilcn, eventuell auch vom Amte entheben kann. Eine entsprcchcndc Abänderung des Armengcsetzes ist dem Landtage bereits vorgeschlagcn. Bcrwadrung gegen " " Verdächtigungen.) Ter Borstand des landwirthschaftlichen Casinos in Obcrhollabrnnn berief für de» 24. April eine Sitzung ein, in der die von Tr. Lueger im Landtage anläßlich der Debatte über die Bcrificirnng > der Wahl des Abgeordneten Freiherrn v. Czedik wider das landwirthschastlichc Casino in Oberhollabrunn erhobenen Bcrdächtigungen zur Sprache kamen. Sänimtlichc Mitglieder der BereinSlcitung wiesen dieselbe» als gänzlich unbegründet zurück und beschlossen, durch folgende Erklärung gegen die antisemitische Bcidächtigungsinethodc Berwahrnng einznlegcn: In der am 20. April d. I. statlgchableii Sitzung dtS niederösterrcichischen Land tages hat es drin Landiagsabgeordneten Tr. Lueger b>liebt, in der Debatte Über die Verificirnng der Wahl de« Landlagsabgcordncieil Freiherrn v. Ezcdik die Behanptnng anszuslelle», daß das landwirthschastliche Casino iif Hberbvllabrunn von der Sparcasie in Lberhollabriiun mir einer Snbventi'on von 5>0<» fl be slokhcn woiden sei, damit es für die Wahl des Geheimralhes Freiheit-»», Czedik znni Landiagsabgeordneten eintrete. Diese unter dem Schutze der Immllnität anf..estcllie Behanpiung entbehrt jeder ihaisächliche» Grundlage, sie liefert nur d,n Beweis, »sie von gewiffcr Seite das ösiemlichc Leb>» colruinpirt wird, und niliß deshalb /in solches Vorgcheii, das iJyer Moral Hohn spricht, mit Ent riistnng zurückgewieskn werden. Zur.IkichiigsleUnng der gänzlich nnwahre'i Angaben des Tr. Luei.er diene Hiemil die Eenslalirmifl, daß die Sparcasie in 'Tberhollabrnnn dem im Monate Juli gegründete» landwirihschafilichen Casino ans, desien Ansuchen und in Berücksichlignng seiner geineinnütztgen Tendinzc» am 20. Juli >8s»2 eine Snbvemio» ron 500 ft. zur Anschasinng von landivirlbkchaslltcheii Gerä'lien bewilligt bar. Zn dieser Zeit war eS gänzlich ansge^chlosien, daß diese Snbvenlion mit irgend einer Landlagseandidalnr in Veibindnng gebracht weide» kounle, und als kas landwirihschaftliche Casino sich im nächstlolgenden Jahre abernialS an die Sparcasie wcndeie, eS möge ihm wieder die im Vorjahre bewilligtk Lnbvemion gewidmel ireide», ivnrde in der : Generalv rsammlnng des Spaeeassenvereines am lU. Mär; IS!*3 beschlossen, 11 bi in landwirlkschasilichen Casino abermals 5,00 ft. zu demselben Zwecke wie i»> Vorjahre znkoininen zu laffen. Mit dieser zweiten Slibveulionirung Halle die Kahl des Ircilierrn v Czedik in keiner wie immer geartclen Weise etwas zu tknn. die einmal bewilligte Iakrcssub.vention wurde einfach wiederum bewilligt,; ohne daß die Sparcasie eS für nöthig fand, hiezu erst die Gciiehinignng des Tr. Lnegcr nnd seiner angeblich so sehr banernfreundlich gesinnten GesinnnngS! geuöffen cinznhole» Tie Spaicasie in ükerhollabninn hat auch dem landwinhschafillchen Bezirksvercine lTberhollabrnnn im Jahre I8!>2 den Betrag von . 2I.D0 st. »ii6 im Jahre!s!>3 einen Betrag von I'00 fl. zugewendet, nnd auS! der Unkerstützling des Bczirksvercines wie des Casinos' geht nur hervor, daß , das auch in anderer Nichtnng hninan ivirkende Institut mit seinen Subvemionen nichts Anderes als lediglich die Fördernng der Intciesien der Landwirtbschasl l bezweckt. Eine andere Demniig dieses Vorgehens kann nur einer niedrigen! T enkniigsweise zngeschriibcn werden. Tie Vereinsleiinng spricht ihr liessteS Bedanern darüber ans, daß der Schutz der Inimunilät dazu mißbraucht wird. . Institute mift Corpc»mionen, deren Tendenzen nur das Beste versolgen, durch ' nnivahre Angaben nnd Enlstellung von That achen öffentlich in de» Sott);» jcrifii Für die Percinslritung de» landwirlhschastlichcn Casino« in ^berhollabr,»»,: Lorenz Breindl, Vorstand. Iol>ann Ioief Schweitzer, Schriftführer. Tic Auslaffniigen des Tr. Lueger bildeten auch den Gegenstand einer Interpellation, welche Abgeordneter Freiherr v. Czedik in der Sitzung des nicdcrpstcrreichischcn Landtages vom 21. April an den Statthalter richtete. Tic Interpellation lautete: Ter Abgeordnete Tr. Lueger hat in der Sitzung vom 2t». April d. I. die Sberhollabrnnner Sparcasie beschuldigt, ans die Wähler anläßlich der am 27. Februar d. I vorgenommenen Landtagswahl' einen die Freiheit der Wahl beschränkende» Einfluß genomme» und dadurch für den Wahlort Sberhollabrunn ein nicht den ivahren Willen der dortigen Wählerschaft ausdrückendc« Wahlrcsnllal herbeigesührt zu haben. Bei der nnzwcifelhasl großen Wichtigkeit de» PrincipeS der freien Ausübung de» Wahlrechles sowie bei dem Uiiistande, daß der Sparcasie ei» derartiger Vorgang, wenn er wirklich staltgehabt häkle, strenge verboten iverden müßte^ andererseits aber derselbe» auch die Gelegenheit ge geben werden müßte, ans eine Anklage zu erwidern, die geeignet erscheint, in der Bevölkerung Zweifel über die correete Gebahrung der Sparcasie hervorzurnfen, erlauben sich die Unterzeichneten die Anfrage: 1. Ist die Regierung 741856

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