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Freies Blatt · 1893-04-30 · 56 (30.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
56 (30.4.1893)
Date
1893-04-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Freies Blatt. Seite :> f Nr. 66 Altenbeken war durchaus nicht dem EoncurS versalle», auS dem eiusachc» Grunde, weil die Magdeburg Hatberstädter Eit'ciibahn vo» Anfang a» die Zi»Sgarantie iiberuoinmen halte siir die PriorilälSobligalione» von Hannover Alle» beken. Die Magdeburg Hälberstädser Kahn abcr gewährte lrotzdcm ihren Actio näreii eine so hohe Dividende, daß bei der Perstaatlichnng iin Jahre 187!» de» Aelionäre» IJt. A eine liperccntige, I.it. B eine ','/,percei»igc, l.it <' eine 6perceiilige Rente an« der SiaalScäste zugesichert wurde Die Aelionäre von .Hannover-Altenbeke» wnrdet'i abgesunde» mit 64 Marl für jede Stamniaetic :i .'.00 Mark und mit 216 Mark für j de StauinipriorilätSaclie » 600 Mark. Kei der Vrrstaallichnng der große» Eiicnbahne» ii» Jahre 187!» stand über' Haupt gar kein Interesse de« ReichSinvalidenfoudS in Frage. Tenn die Zins zahluiig der Priolitätr» im Jnvalidensond« war nach jeder Richtung auch ohne Kcrstaallichnng gesichert. Rur der EourS dieser 4",percemigen Obligationen war einige Jahre vorher mit dein allgeincink» ColirSrülkgange in» einige Percente zurückgegange», indessen schon vor der Berstaatltchung wieder nahezu aus Pari gestiegen. Tie Socialdcmokratcn lehntcii cS nicht nur ab, diesen Antrag, der einen Ersatz für die lange Rede bilden sollte, zu unterfertigen, sondern sic drohten Herrn Ahlwardt, daß sic ihre Unterschriften zur Unterstützung seines formellen Antrages auf Einsetzung einer Eoinmission znrülkzichcn werden, wen» er nicht seine BcrschlcppnngStaktik fallen lasie. Und so «bergab denn Ahlwardt vorigen CainStag sein Bcwcisuiaterial im Bureau der Direktion des Hauses. Uebcr die weitere Proccdnr pflog er eine eiiigchendc Besprechung mit dein Präsidenten r. 1'cvetzow, der ihm die Pflicht aufcrlcgtc, am Dienstag bei Besprechung des Antrages, betreffend die formelle Behandlung seiner „Aktenstücke", nur kurze Andeutungen über deren Inhalt zu gebe». Rameutlich solle er sich jeglicher Provocalion enthalten und rein sachlich spreche». Ahlwardt leistete die verlangte Zusage. Bezüglich der Znsanilnciisetziing der Eommissio» hegte Ahlwardt de» Wunsch, daß auch seine (Acsiniiiingsgenosicn, darunter Pickenbach, in derselben vertreten sein sollen. Da die Antisemiten abcr. selbst zu selnvach sind^ um ans eine Bcrtrctung Anspruch erheben zu können, so wendete er sich an die socialdcniokratischc ReichStagsfractio», fpecicU an den Juden Stadtbagen, um Erfüllung seiner Bitte. Sehr charakteristisch ist der weitere Wunsch, den Ahlwardt geäußert hat, das; das Material nur dein Präsidenten und de» Mitgliedern der Eoinmission, nicht aber alle» RcichStagöinitglicdern zugänglich werde. Uebcr den Berlanf der Dienstag Sitzung des Reichstages liegt folgender Bericht vor: Kerl in, 26. April. Ter Präsident erlhei» Ahlwardt das Wort zur Tarslrtluiig der Dinge, welche er beweisen will. Abgeordneter Richter stellt a» den Präsidenten das Perlangen, er möge Ahlwardt das Wort zu der ihm noiluvendig scheinende» Erklärung nach keiner Richtung beschränken. Ter Präsident sagt dies zu. . Ahlwardt erklärt hierauf: Bezüglich des I»val ide»foudS besitze, ich leine AclS», welche Perhandlunge» mit Börscnkreise» erweisen. Ich weide be weisen, daß Bleichräder und Hanseinann unter Mithilfe des damalige» DireclorS Miauet, das deutsche Kolk um viele hundert Millionen, schädigte». Weiters bestätigt Ahlwardt, die bezügliche» Aeie» von ei ne in enilaiienen Angestellten der T iSco» logesellschaft erhallen zu haben. Ahlwardt < vecdachiigt unter. Anderen die Abgeordneten Bennigsen, Horwitz re., be. Haupte«,' daß Rickert von der „Judenichntztruppc" 12<414 Mail beziehe, ver splicht »och andere Rainen;» nennen und wird häufig durch die Zurufe „Viiflt!" „Verleumdung!" „Sie sind ei» 1'ügner!" unterbrochen Der preußische Finaiizininisler Tr. Miguel erklärt, er müsse im Interesse der ösieniltche» Moral die unwahre» Behau Pt a n ge » deS Abgeordneten Ahlwardt cntichiedcn zurückweise». Er werde sehen, ob dieser Cato auch außerhalb dieses Hauseden Muth habe» werde, Gleichezu behau,len. Dann würde er bald Herrn Joachim Gehlst» Nachfolgen. Der Minister legt iodann ausführlich die Beihältnisse der rninänischen Eisenbahnen dar »nd führt ai,S daß die TiSepnIogesellschasl »nd da- HanS Bleichröder a» dem'elbe» 0>'Ad ver lore», daß aber das bedrohte deutsche Capital durch das Eingreisen der Bank Häuser gerettet wurde. Dr: Miguel fährt fort, er habe selbst mit den von Ahl wärdl erwähnten Darlehen ans Reich-mittel» gar nichtzn-lhnn. Ahlwardt'- Helfershelfer habe mit dt» gestohlene» Acien zehn Jahre ge wartet, bi» der Diebstähl verjährt war, und sfch da»» in aller Welt hcruingetriebe». Mit solchen Pente» sich;» beschäftige», errege moralischen Ekel. Erwerbe fortan jede» solche» Verleumder lur erbittlich verfolge», gleichgiltig ob er ei» Plagialor sei oder ob er Perleirmdunge» selbst »rsunden habe, (pebhaster Beisall.) Rachdem Schatzsecrerär Freiherr v. Maltzah» betont, daß Ahlivardt heule selbst zngegebe» habe, keine Acte» über de» Jnvaltdensonds voilegen z» lönne». ergreift Dr. Miguel abermals da- Wort, »in die Methode der antisemitischen * , Verdächtigungen zu kennzeichnen. Bei den systematischen Verleuindiingen habe man iimner eine» Juden »öihig, und so sei auch er in Ailtiseiniienveisanim lungen al- „portugiesischer Jude", al? „Ehef eine, indischen RGenregienin.z" :e. bezeichnet worden. Abgeordneter Bcnuigse» weist die gegen ihn erhobenen.Verdächtigungen ' zurück. Abgeordneter Richter bemeckl: Ahlwardt habe m Bezug an,' de» Invalidepso»d« gar nichts aufrecht gebalten; in Betreff Ser ruinän i scheu Eisenbahnen, liege keinerlei ösienuiches Interesse vor. Ahlwardt iei gegen die Jude» ansgezoge» und sei dahin gekonime», sich für Sirons borg in- Zeug zu legen. (Gelächter. 1 Ahlwardt habe nicht einmal, jene ' Acte» gelesen, die Jedermann zugänglich sind.. iZiistinunnng » Alles, was er heule vorbrachte,-habe man schon gestern für LVPsennige Enlr>-e von Ahlwardt in de» GerinaniwSäle» höre» könueir. (Heitelkcit.) Tie Eoinmission dürfe sich nicht dilatorisch behandeln lasten. Die Eöminission habe die Ausgabe, diesen Menschen ein für allemal vor den, Reichstage und der Oks'cnllichkeit »»möglich zu machen und dem moralischen Ekel Ausdruck zu geben,' ein Empfinden, worin alle anständigen Menschen mit der Regierung übe-rei»stiminen werden, (pebhasier, allgemeiner . Beisall.) — Abgeordneter Rickert sagt: Tie Behauptung Ahlwardt'S, ich batte inich für 12 <X)0 Mark a» die Jndensämtztruppe verkauft, erkläre ich als eine & infauie, gewissenhofe Lüge, alS schämlose Berlentnd»»g. (TerPrä - sideut findet diese AuSdrüct« nnstalthast.) Er rechne es sich zur Ebbe an, für verfolgte Mitbürger einziistehen. — Abgeoldneter Horwitz der alS Rechtsanwalt Ahlivaidt genau kennt, eriimert daran, daß Ahlwardt vorn Gerichte als gewerbsmäßiger Ehrabschneider erklärt worden sei. Er fügt hinzu, ein Polyp in der Rase mache bei Ahlivardt jedes klare T enlen unmöglich, wie ei» Phni i ca ts alte st bezeug». (Heiterkeit) Ahlwarht spricht nochmals ilnd greift wieder Bennigsen a», -nach dessen Gute die Hannover —Altbekener Bahn einen''große» llniweg mache; der neuerliche Angriff Ahlwardt'S auf den hoä)geachtclc» Parteiführer erregt so" starte Enrii'istung, daß von beischiedene» Seite» de- HauieS „Hinaus!" „Schuft!" gerufen wird. — Abgeordneter Bennigsen eonstatirt, daß der Umiveg der Hannover—Allenbekener Balm seine Erklärung in der nothivendige» llingekung des G.birgStaimnwege-. sintc, da sonst ein' tostipicliger Tunnel hätte gebaut weiden müstc» — Abgeoldneter pieber, (Eculrmn) meint, die Eoinmission . werde den Angegristene» Gelegenheit -gebe», sich glänzend zu rechtfertigen. Tann werden alle besonnene», rechtlichen Arciie TentschlandS von Ahlwardt denken: Häufe» Sie nur das Maß Jlger Verleumdungen, Sie ivrrdc» nie da- Magunserer Verachtung erre^tie». >pebl>a»ter Beifall.) — Abgeordneter v Man leufscl bemerkt, er werde erst dann kein Anträge znsti»inicn, wenn Ahlwardt erklärt, daß er alle Acten vorgelegt habc.'z— Ahlivardt erwideil, cs seien allerdings angekiblicklich einige. Acten im Rückstände .Schallendes.Gelächter», ii» Augenblicke de- ZusannuentrelenS der Eoiumiision würden jedoch die ge sainiule» Acten derselben zugcheu. Hieraus wird der Antrag Ahlwaidt'S auf Einsetzung einer Eoininiision , zur-»Pri'isnng seiner Acte» angeiioninien. ' Am 2'». April trat die Eoinmission zusaminen, ging aber n»verrichteter Dinge auseinander, da.weder Ahlwardt noch die rückstündigen „Acten" zur stelle wa^cn. Erst am folgenden Tage fand sich Ahl wardt in der Eoulinifsionssitzliug ein und legte noch einige Broschüre» und ^eitungsansfchnitte vor. Die Eominikfion bestellte hierauf die Abgeordneten Justizratl) Profcsior Dr. v. Ennn, Rechtsanwalt Dr. Porfch und Bebel als Referenten und vertagte die Bcrathuug. liberale-- Das von dem Bereit! der liberalen Wähler M'nncheiib auläs; lich der bevorstehenden Wahl zuin. banriichcn 1'andlage anigefrellie Pro gramm betont die Wahrung des religiösen Friedens, des durch die Brrfaffung' und 8aS ReligionScdiet geordnete» Berhältuisies zwilchen Staat und stirche, der vollkoinmene» HstaubcuS -und (ilewifjenskreiheii sowie der lVlcichbercchliguiig aller Eoufessione». In einer ansgczeich »etc» Rede, mit welcher der Schriftsteller Beechioui. das Wahl Programm begründete, sagte derselbe: Meine Herren! Wir korderii'Sie und unsere Gesinnungsgenosse» ans. dev anlisemiliichen Hetze mir aller Cnlichtedcnheil euigrg nzulreleu Wie HueSenetie droht die Wiedeibklebnug deS luittetallerltche» Wahnes die Verhält» ste zu ver ■ gifte *, die in Staat und Gemcmde, i» Geiellichail u»o Familie, Ehiiste» iitid Jude», ans dein Boden der Gleichberechtigung und Toleranz verbünde» bab'e» FänaliSmuS, Bosheit und die Sucht im öst»»tlicheu pebeu eine Rolle zu - spiele», habe» diese Seuche i„ »euerer Zeit auch nach Müuchc» ver<>h:epvi wir wolle» ihrer iveilere» Verbreitung entgegeiilretcn, dainil der öueiiittclte Fei.de und die Ehre unierer Vale»stabt geivahrl bleibe. Es biege den Hetze,,,' uiiveidieiile Ehre crweiskii »»d a» teiu ge>'u»den Sinne der Müiichiier zweiscl», wollte mau die Auktageii und tzie frivole,, Ersiiidungeii der Anti semiten ii» Einzeln » ivide,legen Geiviß b, finde» sich »liier de» Jude»,! ebenso wie linier den Ebiistezi, schlechte und gute Menschen. Tie Criiniiial- ¥

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