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Freies Blatt · 1893-04-23 · 55 (23.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
55 (23.4.1893)
Date
1893-04-23
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 55. Seite 6 Freies auch j„ dieser Schrift an da» häßliche Märchen, welcher man den Inden anzu dichten versucht, und sagte znn, Schlnsse wörtlich: „Falls all dar Gesagte nicht hinreicht diese Beschuldigung aurzurotte», so bi» ich behnsr vollständige» Be weises zum Eide genölhigt. Ich schwöre ohne Vorbehalt »nd irgendwelche Deutung, daß ich nie unter den Jude» so einen Brauch sah, daß ich dar Blut-- ceremoniel niemals für eine gesetzliche Vorschrift oder für ein von den Gesetzes tehrer» verfügtes Gebot gehalten habe, und daß daS jüdische Volt nie eine so gölllose Handlung vollsührt oder au>i, mir versucht hat/' Mit diesem Eide schließe auch ich, der »ileinste unter de» .meine» von meinen Genossen, und verpflichte mich u>ie jeder andere in Israel lebende und lehrende Rabbiner, Schrifi'ieller „nd Talinudeoinindnta^or zn diesem Eide in tot». Möge der Herr n»S und alle Welt erlöse» von jeglichem Nebel, insbesondere vom schrecklichsten Nebel, der böien Rachrcde. Amen. Dem gegenüber will der Artikel dcS „Ötu-li“ roiislatire», das; nicht' die Bevölkerung einer der größten Städte an den Ritncilmord glaubt, sondern daß diese Beschuldigung nur Raum gewann in den „unterstell Volksschichten", Unter der gebildeten Bevölkerung würde sich, sagt der rCVdi“, schwerlich Jeniaild sinden, welcher einer solchen Anschuldigung (Klauben schenken könnte. Ter Artikelschreiber gibt ferner seiner Berwujlderung Ausdruck, daß sich Dr. Risch mit einem <|imsi — Appell an die* (Geistlichkeit wendet. Was habe die (Geistlichkeit mit diesen Erressen zu schaffen'? Im klebrigen lönne eS auch Herr Tr. Risch nicht leugnen, daß seit unvordenklichen Zeiten bei allen Bölkern sich eine Antipathie gegenüber dem nnglücklichen Judenvolke bemerkbar machte. ES sei nicht lange her, daß in deutschen Journalen stch eine Polemik enlspan», in welche schließlich auch der berühmte Historiker Monimse» verwickelt wurde. ES habe sich um TaeilnS' Worte: <><!im» jr<-ii*-ris lnmiiiiii gehandelt, da schon zur Zeit der römischen Raiser die Inden das Object allgemeiner Anfeindung bildeten. TaS „junge Ehristen lhnnl" sei von i.cn Römer» bloß als eine jüdische Seele angesehen und daher auch asigefeiudet worden. Man habe auch die Ehristen eine -seitlangder Penöendnng von Menschenblut bezichtigt, rfo lange die Römer die Eigenschaft der Berwandlung von Brot nüd Wein in den Vcib deS Herrn nicht erkannten Sobald die christlichen Apologetendieses Togma erläuterten, haben diese Anschnldignngen ausgehörr. Während das Elhlistenthuin sich dieser Anklage bald entledigte, ziehe sich dieselbe drohend wie ein rother Faden durch die. (beschichte der Jnden seit der endgilrigen Zerstörung ihrer Städte. Eine Blutschuld, allerdings in anderem Sinne, begleite die Juden nach dem Fall Jern ialeins durch die " ganze Welt, wo immer sie sich »iederläfsen. Tas bezeuge Tr. Risch selbst durch Eitirung der zwei Bullen Jnnoeenz' kl. In dieser Blutschuld, welche von Golgotha datirt, sei die pspchvlogische Ursache aller Anfeindiingen zu suchen, welche bei aller Eivilisation, . obwohl ungerecht, gegen sie losbrechen, heute häufiger denn je. Werde .irgendwo der Tod eines Rindes entdeckt, >vid sei die Todesursgche nicht ^augenblicklich ernirbar, gleich heiße eS: Ter Jnd! Und diese Be fchnldignngen cirenliren nicht nur in den Reihen des niederen Bolles, auch Ö'cbilbcte diSeutire» die bis heute für das Jpdenlhum nicht endgiltig in günstigem Sinne gelöste Frage. Es gebe (belehrte, welche behaupte», daß in den ältesten Ausgaben des Talmud fick) Stellen vorfinden, welche solche Anwürfe gegen das Jndenthnm rechtserligen. Ter Talmud sei überhaupt ein Buch, welches den zehn Geboten ganz merkwürdige Tentungen ' gibt; dies gelte namentlich vom silenten Gebot. „Unserer Ueberzengnng nach," fährt der Artikel deS „(Jrcli* fort, „sonnte nur der dünimsle Jude oder noch eher ein Judas, unter den Juden sich einer Handlung schuldig machen, die mau der Rvliner Jndenschaft imputirt, in der Absicht, die Gassenjungen und den Pöbel aus sie zn hetzen. TeShalb tönnen wir a»S guten (Gründen so eine Beschuldigung rundweg veriversen und zurückweisen." Ter Artikel des ..(Wc-Ii" enthält einen craisen Widerspruch. 'Während er an einer Stelle behauptet, daß daS Blutmärche» nur in deir „untersten Botts schichten" Raum gewann, constatirt er an einer zweiten, daß auch «Gebildete diese „bis heute für daS Judenthum nicht eudgiltig in günstigem Sinne gelöste Frage" diseutiren, .und wiederholt die von com petenten Gelehrte» längst widerlegten Beschuldigungen und Berdächti gnilge» böswilliger Talmudfülscher. Er schließt seine salbnngsvollen Betrachtungen über die „unglückliche Ration" mit einer Perfidie sonder gleichen. „Je mehr die Inden," läßt er sich vernehmen, „sich an den Ehristen gegen das siebente Gebot versündige», destomebr laden sie die Beschuldigung ans sich, daß sie das fünfte Gebot verletzen. Wenn die Inden ^anfhören würden, den Schweiß des christlichen Boltes aufznsaugen, würde auch die Beschuldigung anshören, daß sie das Blut der Ehristen trinken.". Tie'Frage, wer eigentlich den Sclnveiß des Bolkes autsaugt, wollen wir hier nicht näher erörtern. Ter „Uet-It" hätte int Interesse derjenige», denen er dient, besser gehandelt, wenn er.sie nicht zur Sprache gebracht hätte. Eine Haltung, wie sie das dem hohen Elerus dienstbare Srgan angesichts der Roliner Excesie Statt. ■ ■ beobachtet, wäre zn Lebzeiten des Eardinals Fnrsierzbischofs Schnnrrzen berg nicht denkbar gewesen. — AlS charakteristisch für die Stimmung, welche in jüdischen Vr.eiie» Böhmens herrscht, reprpdnciren wir folgendes Schreiben, dgs wir von-einem jüdischen Ranfmann ans Blolvitz erhalten: * . .- Wir tfüiimcn von AwUärnna, vom Jahrhundert des Forlichrin-', und wenn ivir envaäien, finde» wir uns znrnckqebblenderl in die Zeit des rohesten MillelaNerS. Vorgänge, »ne ne Tisza Eszlür, Tanten und »enerdhigs.'iolin biete», erwecken nohl in Um dcntenten Menschen Verachtung, sie erneelen aber gleichzeitig ein berechtigtes Schaudern vor der Julnnst Wenn das io so,,gebt, tvenn nicht bald da» io'.chc schmachvolle, Bewegungen v>'ranlassei>de liebet mit der Wurzel beseitigt ist, werden wir Jahr für Jahr Aehnliches zu gewärltgen haben Da inusi sich doch wohl leitenden .Urei'en die'Frage antdrängen: In nicht eine Verhntnug für die^juluu't inöglcch, oder läßt sich'-da nicht eine Präventivinaßregel finden, um derartige Verletzungen der RechtSvrdunng hmt anznhallen'? Wohl läßt sie sich sinden, und Ausgabe der liberalen Führer muß eS sein, sie auch dnrchznirtzen. Man beantrage bei den Regierungen aller Rechts staaien, und ein solcher Antrag wird gewiß von allen Inden aller tzänder mit der größten Freude begrüßt n-erden, eS nröchte eine Enauöte von Schrit'lgelehrlen t Theologen, Pastoren, Rabbiner n. s. wzur - Ilntetsnchnug aller jüdischen - Ileberliesetungen eiliberusen weiden, und wenn, anett nur die leiieste Andeutung eine« VlnlriittalS gesund,-tr würde, sollten alle Inden zur Tanse gezwtüigen werden; dagegen verpslichten sich die Regiernugeu im gegentheiligen- Falle zur Festietzuug einer besonderen Straibestiminnng gegen alle Jene, lvelche die Beitenmdttng, daß die Inden Christenblttt zn rituellen Jtvecken brauchen, in irgend einer Weibvetösieutlichen oder vetbreileu. In der Plenarsitzung de« böhmischen /atidiages vom -(>. d. M. rickjtete der Abgeordneck 'Alerander Ücichter namens des Elnbs der dentschen l'atidtagSabgeordnrten die folgende, die, Judenhetze in Rölin belresiende Interpellation an den Statthalter: In der Stadt .'toliti ereignete sich vor Hmyein eine Indeüversolgnng. Unter dem Etnslnsse eine« fiasteren, in unserer Zeit lantn noch begreistichen Aberglaubens und in nnntitlelbarer Folge einer Verdächtigttng, lvelche durch alle amtlichen Erbebnngen als VerlettmdPNg erwieietr isi, tvttrden die .dortielbsi - " antätsigen jüdischen Vetvoltner l eichinipn und an> t'o gefährliche Art in ihrer versoulichen Sicherheit, wie in ihrem Besitze bedroht und geschädigt,^das; da« Anigebot von Militärgewalt zu ihrem Schutze' verfügt werden mußte. 'Aach nbereiusiimmeudett Berichten ist ein volltominen friedlicher Zustand, bi« znr Slunde nicht hergestellt uno sür die Zuknnt'l die weitere Bedrohung der in Moli» und Umgebung lebenden Juden nicht anSgeichtossen. In Ertvägtrug, daß dieser Fall einer Ittdeuveriolgting - der erste, der teil langen Jahren daS öffentliche tzcben in Böhmen bc fleckt — da« tiiiiic Bedauern aller Rechtlich fühlenden erweckt und breite .'teere der Bevölkerung in Unruhe versetzt: in Er. Wägung, daß dieses traut ige Vorkomnmiß notorisch im Zusammenhänge mit einer seil langem betriebenen Hetze siehe, lvelche gegen eine gesetzlich anerlannle üieligionSgettonentcha't aufreizl; in Erwägung, daß da« Wohlergehen und die Ehre des z'audeS erheuchea, »er Ansbreilnttg deS UehelS entgegeuzntreten und der Wiederholnng eines RechlS und Friedenshruches, wie_’ er sich in ,'lolin ereignete, vorzuhettgen, stellen die Unierzeiämeten an Eure Eroellenz die Ansräge: G e d e u k t,d ie :>c e gi e r n ng inrHiubkict ans dielen bedauet tichen AnSvruch tünsitich a nigen a.kte l l e r tz e i d e nich a'i e n, feti 11 riachett ioleber Ansf3)reitttr.gen >ovlan dte I>ktärfne Anf inert tamkeit znzn iv enden:' Gedentl >ie. die ihr zn Gebote st et, enden Äachlmillel ans die zn Tage gelte lene verwersliche Bewegung in vollem Maße attznwettLotn? Brabiichligl tie jns behendere, der in Wort und Sätrtst, in Ver> amintüngen, in Zeitungen naid an anderen ötseniliche» Stellen betriebenen Verhetzung mit A n sreiznng mi i aller_S lt euge enigegecizntre'ien, nnd gedentl tieübe-rlianpr, alle Vorlebrn,ng>':i zn tres>en, um dar tz anD tii nstighi n vor äh n tiche» A it-J; dir et:» ti p tt z t: b c tv a I, reu und den Mitbürgern jüdischer Een'estion voll.- Sich er beit zu geben'? - (Das Bliitmürcticil in' ncitcfrcr Anslaizc. Während &n- Inden hetze in Rölin und Umgcbtnii) ivlnde laut Bceldnng der „N n-n.liti l.isly" 'Ji e u. B c» a I e 1 die Attlsiichnnls dev-' Teiche einer ,'ei'i Rovcmber vennißten T ienstmagd ans dem Jferfluß zum Anlaß der Eolportiruniz des Gerüchtes eines rituellen Mordes genommen, Tie Sicherheitsbehörde sah sich vercHilaßl., die Gendarmerie des Srtes »in Man» zu verstätkeu.^ - (.Aus Troppaucr Gciutilldtralhr. I In der c-'emc'itide Vertretung' der ichlesitchen '.'andeshanplstadt brachte Herr Eonrad Moßter eine Interpellation an den Bürgermeister ein, irsi-lche dazu bestimmt war, der anlisemililch iiationalen Mehrheit dieser Rörperschgit eine Art „Ehrenrettung"' zn vericharseu. In dem Berichte der „Freien Schlesischen Presse" über die nach der letzte» üreichsrathsivabl Jtall gehabte Siegesfeier der Troppauer liberalen hieß es nämlich:

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