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Freies Blatt · 1893-04-23 · 55 (23.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
55 (23.4.1893)
Date
1893-04-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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5eite 4. Freier Blatt. f ■ Nr. 55. einem jhutctiicfieii Borgehcn der Behörde», einen, Terrorismus der Kinanzmächte, der hohen Pension Czedik'S, brachten allerlei Klatsch und B.idäckiiign.ngen vor. Die antisemitischen Auslassungen wurde» von, Slakthalrcr Graten Kiel man «egg und von, LandeöanSschnßbeisitzer Pr .Kopp aut da« Entschiedenste zurückgcwieseu. letzterer machte dietret'sende Bemerkung: Es scheine, daß der Ahlwardtisinu«, der schon . in Deutschland etwa« zurückgehe, hier, in Pesterreich einen fruchtbaren Boden finde» solle. Pie Wahl, gegen welche aus Wählerkreisen gar kein Brotes, vorlag. ivrirde selbstverständlich verisieirt. GtllltillvrrallkSwalllc». Bei den am 17. d. M. in, ersteit'Wahl torver siattgebabieu t^emeinderakhowahle» gelang es den Antisemiten, fünf Mandate zn gewinne»: sie verfüget« nnnNiehr über 6 von. den -tl'> Mandate» diese« Wahlkörpcr«. Zwei Tage vorher wurde bei der 2tich-.vahl im zweiten Wahlkörpcr de« X^ III Bezirkes der Antisemit Poinola gewählt, und gegenwärtig ist bereit« ein Drittel säminB lieber Mandate .in anlisemitischen Händen. Den Zuwachs im ersten Wablkörvcr. der zwar bedauerlich ist, aber keineswegs da« von der antisemitischen Hetzprene 'erhobene Triumphgeschrei genügend iiiolivirl, verdanken Lueger und Genossen der Berwirrnng, welche die von ihnenmit Hilfe der sogenannten Hansherrenvereine in der Krage der Ein - lielmng der Ziustrenzer i»S Werk gesetzte Jnlrigue angerichlet hat. I» Folge dieser Berwirrnng bol Wien da« 'beschämende Schauspiel, daß ( i»;;rei Bezirken Mitglieder de« ersten Wahlkörpersfür je einen : liberalen und antisemirischeii Eandidaren stimmten. Geivähli wurden: > die liberale»: Büigerineister Pr. Prix, Bo sch an, Ritter v 0 l d-! > ch in i d l. Bl a tz e n a u e r, Pr. Ve de rer, 2 i in 011, W n r in, M ei ß l, «''eitler, 2 t i a ß n n, P r. 2 lern, Pr. P' r ü b l. Malt hie«, V n! > ch, A V a in, P r. v. B i l I i n g, a n g u s ch. G e r b a r d n s, V e ch liei, 2 chIechl e r, B ango i n, P r. Bogle r, P a n b l e r, K ra i« en be rg e r. e)i irtci v ')i c ii-iinrii », H aßsnrthe r, Pehm, . Ern dl. dtai'er, Polainski, di och, 2 ch n eider h a n, äiirch > inaner, R ü ck a i: f. Ändie, 2 cheder b ö,et, Beutnitz, Müller, Wiiiiich und Bachofen v 5Lckit: die Antisemiten: Rissaweg, P, i",inniut, Be a r e i ch, Buschan, Putscht n„d Joses t r ü n b e >k Favorite» nnd Meidling wählten je e'meit liberalen und '.'innseinilen. 'In Pllakring nnd Hernals mnrden je zwei Antifemiien g-.vähli o't den übrigen iünfzehn Bezirken siegten die liberalen, i.atzdem sie es verschmähten, siet« solcher Agitätionsniittel zu bedienen .wie ilne'.inli'einilischen Widersacher, die durch nnd durch corruptc Bärin de,- -.st'.ü-i-smns - ' - . Wicötk rill Kia-öco. Pie Antifdmiken machen in verschiedenen Eoalitionen von -Eieingewerbetreibcnden böie Erfahrungen. Des jnngslen F:ascr der vakenlinen Miilelsiandsrekter bei den Kleischhaucrn haben len gedacht Run lmben sie auch in der Genossenschaft der e üi i >'ch k >v a a re ii v er i ch l ei ß e r da« letzte Bischen Boden unter den Füßen verloren. Der Borsiaud der tvenonenschasl halte sich in Folge der Mißblänche in der genossenschastlichen Krantencasse bemüht, eine gründliche Ret'orni in der Berwaliung diese« huinanilären Institute« l'eibeizilsiibrem, und suchte, nin' diesen Zweek zuerreichen, vor Allem die Anti'eunien ans der Leiinng der Kiankeneasse zu entsernen. Kn Nr lürzlich üaitgehabten Kahresrersaininlnng - der Easie wurden die ".'ientvahlen rorgonominen, und trotz aller Anstrengungen, der Antisemiten gelang es diesen nicht, ihre Mandate zu behaupten, es wurden durchwegs fori'cinittliehe Eandidaien gewählt. Wir Vit Allen juiigen, so zwitschern Die Zuiigtii. Man schreibt :ie : I :e Jugeiidiviele. eine znni Zwecke der körperlichen Ausbildung der üverbürdekeil studirenkeie Jugend in« Veden, gerufene Kuslitnlion, i.nden auch schon unter den 2egiiiingcii de« AnlisemitiSlnu« Die 2viele weiden nämlich von Lehrern überwacht, nnd besonders die jnnae:e:i Hehrer übernehmen die Leiinng der 2piele. Auch jüdische Vebrer. die e$_ wirtlich gut mit ihren Echülern meinen, widmen siet) i»:l An'ovseruug ihrer. freien Plundcn den 2chnlern, wofür ihnen : nur de! bEie Dank oebübrie. Doch den jnugen „Ariern" ist da« nicht j recht: und io Hane man türNich in einem hiesige» Ginnnasinm nach j berühmtem Muster das 2chanipiel einer Absiinenzpolitik, indem nämlich ' die „arische,: " 2chnler einer höhere» Elasse corporativ erklärten, an den .nigenk'vielen nicht il'.ilznnehmen, so lange ein jüdischer Lehrer die-! selben beaussichlige. Ware der Arrangeur dieser 2eees>1oii nur um j iH oder 1.’) r’i-.rc alter, ~c iväre ihm niiiideslens ein Gcnieindcrath«-! Mandat als Be.ohnung sicher. '! Ei» Äiilcrilitlicr über öen Aulisc»iiti>öiuu-:>. > An« 2 alz bürg wild uns geschrieben: Einer der begeistelfsieu.Borkünipter der frei-! sinnigen Ideen. Freiherr Joies v. Doblhoss, hielt hier einen fesselnden! Bortrag über die Stellung; "Amerikas zum Antiseinitismu«, der im! Auszüge widergegeben zu werden verdient. Jeder Amerikaner hat einen , grogen Zug in sich, sagte der Bortragende. Drüben ist nicht« kleinlich! oder engherzig, und da« wahre Ziel de« Fortschrittes, das Berschnielzeu j! der Böller, der internationale Bund, läßt drüben auch den Haß nicht ' aufkomme'n. Zn viele Nationen sind dort znsainnlengekoiumen. Die vielbesprochene „Chandler-Bill" ist-von den Antisemiten mit Unrecht als „Ausfluß des Judenhasses" gedeutet worden. Aber da nichts so heiß s gegessen wird, wie es gekocht wurde, hat die neuere „Stnmp-Bill" schon eine Modisieation derselben, und zwar nur eine Berschärfung der sanitären Maßregeln wegen der Cholera in Hamburg verlangt. Zwar wurde die „Chandler-Bill" in letzter Stunde noch von Harrison gezeichnet, aber sie behält den Charakter einer sanitären Maßregel nach wie vor. Ala ich über dieses Thema jüngst mit einem Amerikaner sprach, meinte derselbe: „Zum Antisenlitismus haben wir keine Zeit drüben. Wir sind auch zu praktisch dazu. Wir müsse» schon dem idealen Deutschen Europas den traurigen Ruhm überlasse», den! Kndenhaß-Baeillnö gezüchtet zn haben." Er sprach die Wahrheit, denn i drüben fragt man nicht, ob Jude oder Christ, drüben legt jeder Deutsche von selbst diesen ZeitvertrEb ab. Ein Großtheil der geachteten Deutsch Amerikaner ist jüdischer Abkunft. Man schätzt die guten Eigenschaften des Israeliten, dein inan nur im hochcivilisirteu Europa - mit der Reitpeitsche gegenübersteht. Die Menschenrechte bedeuten noch etwas drüben. Leute wie Lueger nnd Consorten wären unmöglich; ein volksbeglückender Kürst Liechtenstein auf seinem akademischen Throne Borlesungen über 2ocialpolitik haltend, würde in Amerika nicht ernkl genoniuien werden. Man will drüben Demokraten und keine Demagogen. Im weitere» Berlanfe seiner lichtvollen Ausführungen bemerkte der Bortragende: Dein" Worte: „Der AiitiseinitiSinus ist eine Wissen schafl" stehen Worte Moininsen's und Birchow'S gegenüber. Der Heerdentrieb der Menschen ist da« große Unglück; den« Leithammel wird einmal gefolgt, wohin er auch seine» Weg nimmt, und der weise Hirt verniag nicht rasch genug drn Abgrund zn überbrücke». Wie ander« in Amerika! Dort ist Jeder das, was er aus sich selbst macht : man arbeitet nicht nach großen 2chablonen, das Gesetz schützt auch die Unabhängigkeit deS Einzelnen. Krau Europa ist in MaraSinn« verfallen, denn blind wüthet sie gegen die eigene Kraft. Trüben Gemeinsinn, Kriede, Aufschwung, herüben bewaffnete 2chaaren an den Grenzen nnd Hader nnd Zwist in den Städten. (Zlt den" Kolnici" Erccsscil.f An« Prag wird NN« geschrieben: Die Koliner Exeesse geben dem eleriealen -OeHi“ Beranlassung zn einer längeren Abhandlung über Blutrituale nnd Antiseinitisnin«, welche in Korm einer 'Antwort 'auf einen jüngst vom jüdischen Keldprediger Rabbiner Dr. Kisch in der „l!>-?k;l I’olitik.a" wvj össentlichkeu Artikel gekleidet ist, der nach dein „Oocli“ wie folgt I lautet: i Es ist also kein Traum! In unserem ezechiichen Bavrlande, in einem i Lande, in weläieiii es derzeit keine Analphabeten mehr gibt, in dem Lande, dessen - fatboliuiier (ilein-5 van allersher rühmlich bekannt war durch Kreisinn und odue Hiiinaiiiiäl in Wort und Thal, in diesem Lande brachen Unruhen aus,! wen die Bevölkerung einer der gröstien 2lädte des Landes an den Riiualinord! seitens der Anden glaubt. Am Li). Pctober -1254 veröffentlichte Aönig Przei»l>sl | Citofjrll. ziiwi Bullen deS Papstes Jnnocenz IV., in welchen den Christen - bei 2trase der Excoininnnicatioii verbeten wurde, gegen die Inden den schändi lichen Borivurs;n erheben, daß sie zu ihrem Eeremoniel Ehristeiiblnt ver-! wenden. Und heute, nach lii!!* Jahren, haben diese von einem böhmischen stönige! Rainens des Pberhauptes der Christenheit verössentlichlen^Worte in unserem j Bvlke noch keine Wurzel gesagt. Wo ist i» den jüdischen Satzungen nur die Lpnr einer zn io schrecklichen Beichnldignngen berechtigenden Porschrist, einer Bornchrifr, welche, wie bekannt, die Niedertracht des zur Neige gehenden römischen Heidenihniiis gegenüber dem jungen Ehrislenihum ausheckte. Das Inden «Kinn hat unter seinen zehn Geboten, welche durch das Christenthum allen civilisiilen Bölkern der Welt zugängig gemacht wurden »nd beute von allen gläubigen Christen als göttliche Worte anelkanut sind, eines-, da« da lautet: Tn sollst nicht lödleu! Tn sollst nicht lödlen, ohne AnSnahme! Niemanden! Nie! Nirgendswo! "Jin elfte» Buche Most«, Cap. IX., BerS Ü, heißt es über dieses Thema: „Wex das Blut, iveß immer, vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werten, denn Gott hat den Bieiischen nach seinem Ebenbilde erschassen." Dieser PassuS wird von dem berühmten Gesetzessaarmler Moses MaimonideS, dessen Änlöriiäl stet« anerlaziiit wurde, im zweiten Theile, Cap. X deS Gesetzes .über den 'Mord solgeiitermaßen eommentirt: „Ter Mörder soll ohne Rücksicht, ans die Perion'des Ermordeten, ohne Rücksicht, ob dieser ein Jude oder ein canaanilischer 2clave war, geiödtel weiden." Bekanntlich lehrt nnS die Heilige 2chrift einen solchen Abscheu vor dem Blute, daß auch der Genuß des thieri scheu Blutes iviederholt und strengstens untersagt wird. Dieses Perbot wird von den-Juden i'o genau besolgt, daß alle« Fleisch vor dem Gennsse gewaschen und gesalzen' wird, damit man nicht mit dem Fleische zugleich auch Blutlheilchen verzehrt. Ter berühmte Amsterdainer Rabbiner Manasie den Israel, welcher, um den Juden die Rückkehr nach England zn ermöglichen, im Jahre 1Y>10 eine Gedenkschrist über die jüdische Nation nid ihren Glauben verössentlichle und dtm Protector der englischen Republik, Eromwell, unterbreitete, erinnerte

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