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Freies Blatt · 1893-04-09 · 53 (9.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
53 (9.4.1893)
Date
1893-04-09
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Freies Blatt. Seite 7. Nr. 63, (M. Alexejkw.) Das Stadthaupt von Moskau, M. Alcxcjcw. fiel unlängst dem Attentate eines Wahnsinnigen zum Cpftr. Pi'Oit Alexejew entwarf der amerikanische Schriftsteller Harold Frede ric in seinem 1802 bei Hcinemann in London erschienenen Buche „'I'!»- Exodus. A study of Israel in Russin“ folgende Schilderung: Tic ersten Tage des PasiahfesteS im April 1801 werde» nie vcrgeficn * werden, so lange die Juden sid) Rußlands erinnern. Jene Tage solle» einer glücklichen Erfindung dcS Herrn M. Alcxcjcw, des Bürgermeisters von, Moskau, ihren unheimlichen Ruf verdanken. Ich sah diesen aufgedunsenen, schwärzliche», rnndköpfigen, dickbäckigen Barbaren mit dem Admiral Gervais in einer- Troika fahren, und er sah nicht anS, als wenn er je etwas erfunden hätte. Es ist ein Mann von 45 Jahren, der großen Rcichthu»l und ein großes Handclsgcschüft von seinem Batcr ererbt hat. Die Juden legen Gewicht auf die Dhatfache, daß seine Mutter eine Gricck>in war — also einer Rare angchörtc, vor der sie eine große Furcht und einen besonderen Abscheu (?) * empfinden, cs ist ein ehrgeiziger Dcmagog, der in ostentativer Weise den Gehalt dcS Bürgermeisters im Betrage von 7000 Rubel unter die Angestellten seines. BureauS verthcilt und selbst jährlich 100.000 bis 120.000 Rubel für Unterhaltungen und städtische Ecrcmoni n anSgibt. DaS Jahr 1801 soll ihn 100.< 00 Rubel gekostet haben, da er alle Lfficiere der französischen Flotte von Kronstadt nach Moskau bringen ließ, die Kosten für den Unterhalt im Haupthotcl während vier Tagen bezahlte und dieselben, wie sic gekommen waren, in einem Soudcrznge zurückschicktc —• Alles auf seine eigenen Koste». Die Thatfnd)c, daß der alte Gcncralgonvcrneur, der bckanntc Fürst Dolgorukow, stets seinem Chauvinismus cnlgcgcngctrcten war und Alles gctha» hatte, um den Bürgermeister zu hindern, sid) als Herr» von Moskau anfzuspielcn, gab Herrn Alexcjew de» hauptsächlichen Anlaß, sid, der Bersd)wörung gegen den Fürsten Dolgorukow aiiziischlicßc». Aus demselben Grunde wurde er anS einem eifrigen, um nicht zu sagen überlauten Bcrchcidigcr der Juden zur Zeit der Regierung AlcrandcrS ll. zu dem heftigsten und erbarmungslosesten Jndcnhetzcr im Reiche Alexanders III. Er brannte vor Begierde, sid) beim Amtsantritt des Großfürsten S crgei, des neuen Gcucralgouvcrncnrs, dlnch eine Bcr solgung der Juden auSzuzeichncn, die so ungewöhnlich war, daß sic vorher keinem anderen Antisemiten in den Sinn gekommen war. DaS Ocvantincr Blut in ihm veranlaßtc ihn zu diesem ungcwöhnlick) orientalische» Stückdien brutaler Bersd)mipthcit. Einige Tage vorher war ein kaiserlicher Befehl ergangen, der alle Rcd>tc der Juden in Bezug auf ihre» Aufenthalt in Moskau, die durch (besetz von 1805 jüdische» Handwerkern crthcilt worden waren, absd>afsre. Dieses Dcrrct befand fid) in den Hände» der Moskauer Behörde», schon einige Zeit vor denl Passahfcste. Es war Alexcjcw'ö Idee, dieses Dcrrct einige Zeit zurnckzuhalten, um fid) dann bind) dessen Ausführung ein „Bcr gnügcn“ zu bereiten. Im Sommer 1801 soll Alercjew and) den Befehl crthcilt haben, keine jiibifdjoii Kranken mehr in die städtische» Spitäler auszunchmcn. / N ' l?ik schwklstcndc» „Bolksausbriittr". Ans Samgorodok im Ji reise Bcrditschcw wird dem „Kijcwökojc Slowo" im Mär; bcrid)lct: „Olcwiß, das Rbc» unserer Bauern auf dem platten Hände ist nicht zu beneiden: dieses ist aber dod> eine wahre Glnckscligteit im Bcrgleich mit der entsetzlichen Agonie, zu weldzer die große Masse der jüdische» Bevölkerung in' den überfüllten Städtd>en und Flecken vor urthcilt ist. Keine nod) so glühende Phantasie vermag dem Bewohner der Großstadt cinc aud> nur cnlfcrntc Borstcllnng von dem unbesdircib Iid)cn Elend zu vcrsd>asfen, in wcld)cm der Juden in unserem Crtc sich befinden! Demi hungernden Bauer eilt die Regierung zu Hilfe; um die hunderte von jüdisdicn Familien, weld>c in Samgorodok und im ganzen Kreise Berditschew seil Monaten bnd)stäblid> am Hnngcrtuche nagen, kümmert sich kein Mensd>. Dem Bauer bleiben in der äußersten Roth nod) der Zaun um dem Hof und das Dad) der Hütte übrig, die dann als Brennstoff verbraucht werden, die Inden in den Kleinstädten entbehren and) diese Reserve. Sic erfrieren vor stälrc und vergehen vor Hunger." So die Mitthcilungcn des Rijewer BlattcS, und die „Rußkaja Sd)iza" empfiehlt diese dringend der „geneigten Aufmerksamkeit der Helden der Racenhetze, weld)c nid>t genug über die in Glückseligkeit sdiwclgcndcn Bolksausbcntcr zetern können". 2Li5 antisemitischen Vereinen und!?ersannnlungen. «Eint Drohung.) Die am Ostermontag statigehabie Generalverianinilung de« katholischen Schulvereines gestaltete sich zu einer Temoiistralion für die Antisemiten christlich-socialer Färbung. Ter Bereinsobmann Tr. Caspar Schwarz, trat für die confessionelle Schule ein, und begrüßte eS mit Freuden, daß diese Forderung von „irackeren Bollsmänneru in, Parlaincme" unterstützt werde, worauf dir Anwesenden, in überwiegender Mehrzahl Frauen, in Hochruie au) ritchienstein und tzneger auSdrachen. Sodann sprach Prinz Alois riechic» stein. Auch er befürwortete die consessionelle Schnief »leinte aber, daß mit derselben allein niäns gelha» sei, iondrrn daß mit ihr die christliche Soriaireiorni Hand in Hand gehen müsse. Ta« Weieil dieser Reform setzte diesmal der Prinz nicht äuseinander. Wozu auch? Er halte es schon in jene» Bcrsantinlungkii, welche zur Boncoitirung jüdischer und „judenliberalcr" Geschästelenle anlpvrnie», gelha», und auch sein würdiger Eollege, der Mechaniker Schneider, hat He christlich sociale EynsisralionSlheoric schon ostjgenug gemeinverständlich erläutert. Den Höhepunkt der Mechienstein ichk» Rede und der Bersaniinlung überhaupt bildete eine Drohung. Tic osficiellcn Streirc wurten vom Prinzen wegen ihrer unschlüssigen tzavirengerügt. Sie werden, betonte er, selbst die Schuld tragen, wenn di« Sliniinung, welche bisher nur gegen EapiialisinuS urid tziboralismus - geriäuct war, sich auch gegen sie kehren werde. Rack) Vieser mit eine,» Bcisalls sturm ausgknoninienen krastleistiing, von der sich die Versammlung cineit einschüchternden Esiect z» vorsprechci, ichien, erhielt der Rcelor der Redemptoristc» collegiuins in Sggeudurg, Pater Matthäus Bauchinger, das Wort, welcher al» „Ziel unserer Bewegung" angab, „Oesterreich anS den Polupenarmen de» SeniiliSnurS zu reißen". Ai» Ende ist dieser Redemptorist nmch schon ein Perehrer der. wie die Anhänger DühringS sagen, -durch palästinensische Einftiisse verdrängte» -und nun wieder »ach Geltung ringenden nordischen AglschanungSweise. — Bon desrenndelcr Seite erhalten wir mit Bezug ans die im Bor stehenden erwähnte Drohung solgende Luschrist: „Ter Abgeordnete von Hernals drohte im Katholische» Schulverein den osfieiellen Kreisen damit, daß die christlichsociale Agitation ihren Kampf «-weiter» und auch sie nicht schone» werde. Dieses Trohe» ist aber eite? Flunkerei Ei» Federstrich würde genügen, um alle Bruislätleil jener Agitation gründlich zu beseiiigeii." lAiitiscmitischkS Schnorrertdiiiil.) Tie Frager aniiscmilvche Sludenie»- verbindung „Germania" ivendetc sich au den Troppauer Geineinderalh um cinc Unterstützung, und dank dem Wohlwollen cines Krommer und Mader wurde» ihr auch 1"fi. gespendet. Dazu bcineikic die „Silesia": Wie kvminen die liberale» Steuerträger Troppan« — und diese sind, wie. da« Ergebniß der letzten ReichrathSwahl gewiesen hat, in der Majorität.— dazn, daß mit ihrem Gelde antisemitische Studenten in Prag nniersticht werde»? Gibt r« »i Troppa» nid)l genug zu thu», genug wirkliche Roth z» lindern? Ta ivird immer gedarbt . und gespart, aber wen» eS gilt, - etwa» siir de» Antiseiniiisnins zu ihn», o — da braucht »in» de» Sienergnlden nicht zu schonen! ES handcll sich ja hi.er nicht l»u de» geringen Betrag von 10 fl., aber um da« Prineip! UedrigenS wird der Berei» im nädtsten Jahr wiederkommc», sctbsiverständlich mit gleichem E>folge, ganz abgesehen von de» viele» amiseniilischc» Bereinen, welche, dlirä, dieses Bei'piel ernlliiitetl, der Reihe nach um llnlersliivungen einichreiten werden * Wir frage» nochmals, muß sich da« der libciale Steuerträger gefallen lasirn? Tiefer Beschluß wild olme Zwei'el in der Bevölkerung große-Entrüstung Hervorrufen und mit Recht! Tie liberalen Gemcinderälhe „aber werden eS langsam iail bekommen, einer Bertrelüng anzilgehöten, welche rückstchlslos uiii dem Slenetgnlden ivirihichastet. Hat sie schon die llebcrnimpelnng mit kcr.Ber,rauen-:- knlitgedllng für den Bürgeriueister verstluin», so ist dies türel, die lüngste-A'iaue unnoine!>r geschehen. Und so wird seitens der Antisemiten dev Unftiede i» der Bevölkcrnng iinmer mehr geschürt! I iBiSiliarck's politischer Grbe. > Wiewol» eine Reibe von anwemiü'.bei Pamphleten, i» dcue» Fiirst Bismalckvernngliinp't wird, ans-Ab ward znrückgefiibrt werden, ivieivoht seine lemen Seand.ne ix» Reich-Stage auch gegen Bismarck, allerdings intireel, gerichtet ivaren, spielte er sich in einer >,->.»!>:» zu Grvßetihain im Wahlkreise des Fiilners der sachsi'chen Tivoli -.'lnii'einlleu, Freiherr» v. Friesen, abgeballenen Ber'aminlnng als der bern-ene t-otiiische Erbe Bismatck s auf. Ahlirardt avostropbiete die BerstiniMelleii. um.: lei-.,er Bedingung -Herrn v^Ftieien iviederzuwählen, denn dieier und reine 0.-nonen, die man Eonservalivc» 'nenne, leien ja doch um- Juden oder iiidi-äs-r Abstam niting. Hierauf rühmte er sich, daß unter den l>"> ReichSiagsabgeordncleu er allei» die Eourage habe, die Schaden anfzntecke,!, da alle übrigen nnhr oder ininder von de» Inden bestochen ieic», und fuhr dann fort: Als Für» -Tnsmarck cingefehen haue, daß das dcntfche Reich ,:>,r durch die Hjtse des Aiiiis«i»ii:sin»S gedeihe» tön ne, habe derselbe von feinem Piave iorlgcmnßl, ievl iei er, 'Abl warbt, bcrnfe», an'Stelle Bismarcks Pesien Werl forlzil-,ve». Ist Ablwardt schoir ielbsl ein Rarr oder hält er noch immer seine Jnhörer zum Beste»? iWanderredlicr Lcilß.t Tic Antisemiten iu Teulschlaud babeu es nun auch auf die Provinz .Hannover abgesehen. Unermüdlich zieht ein ^auderredncr, der ails de» Ramc» Veuß hört: von Stirbt z-n Siadl. von Torf zw Tor', lim für den AnliseinitiSuillS Propaganda zu maäien, augru-cheinlich zu dem. Zivecke, ' dort eigene Eantidal'c» gegen die biSherigeil liberalen und eon'rrvalive» flau. tatSinhaber für den Fall, daß eine ReichSlagsanflömng und Remvahlen bevör stelzen, allfznslcUe». An inehrere» Orlen traten ihm jedoch ''ortschrililiche Rediier ersolgrcich entgegen.

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