Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 53 (9.4.1893)
- Date
- 1893-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 8. Freie» Aus antisemitischen Blättern. ily» ist unwahr! i .»cCc* Blatt bat eine» „siehende» 3ats", um die regel majjtfl oder bannt) niedcrkelnenden Titel, Anzeigen :e. nicht immer von Frischem iepen lasse» zu müssen Beim „Tcuischc» Bolksdlalt" ist dies wohl der Fall mit den Porten: „Ed ist rnnuabc!“, — denn fast jede Morgen- und Abend ansgabe dringt eine oder mehrere Berichtigungen. Das .Deutsche BolkSblalt" vom .'> April iab sich wieder beinüssigt, an der Svttzc seiner Morgenausgabe folgende Erklärung der x aiser Ferd i nand»- Rordbahn zu bringen: 1, Es ist nnwabr, daß das große Tnrauer Kohlenrevier unter drei Besitzer — Baron Rothschild. X.ii’fr Ferdinands ')!ordbahn und Ritter v. Gulnwnn — gelheilt. ist; vielmebr entspri.bt es den Thatiachen, daß außer den Genannten noch Seine kaiserliche Hoben Herr Erzherzog Alhrecht, Fürst Salm, Gras Wilcjck, Graf Lariitb Moinitch n. A bedeutende Griibcncomvlexe in dem bezeichnete» Reviere - desiven 2. Es ist ninvahr, daß die Baron Rolhichild'schen Kohleniverke, dann die Wtlkoivtver Eisenwerke mit der Nordhahn in irgend welchem Zusammenhänge neben; es entflicht vielmehr den Tbatsachen, daß jene Xohlenwerke und die 'Wiikowttzer Encnwerke von der Nordbahn vollständig unabhängige Unternebmungen repräsenkiren. 3 Es ist unwahr, daß die Xohlenwerke des Baron Rothschild, sowie die Wtlkowitzer Eisenwerke durch die Nordbah» sehr viele Borldeile genießen: es entspricht vielmehr den Tbatiachen, daß diese Werke von der Nordbabn in jeder Beziehung genau so behandelt werden, wie unter den gleichen Borandsevungen die-übrigen im Hneatier Reviere besiudltchen Gruben und wie andere Eisenwerke i Es ist unwahr, daß die Xaver Ferdinands Nordbahn sich mit dem Blaue bc'ane. ihre Xoblenwerke baldigst abznstoßen; es entspricht viel inebr der That'ache, daß seit Ablcbnnng des dieser Gcieüscha't im Fahre l»«!> vv! gelegenen diesbezüglichen Xausanbotes der Berkauf ihrer Xohlcnwerke nicht iveiier veiitilirt wnlde. Zwci Juden. Ter Bezirksrichter von Mattighosen, Tr. Hugo Burger, irnlde ivegen verschiedener Malverkationendie ibm zur l'aft gelegt wcrdeit, verla-,,-t. Das Antjseinitenblatt von der sinken Bahngasse stillt nun über ihn als .indischen" Bezirkst illtter her, Hugo Bürger war aber Christ und überdies ctsriger Antisemit- Sollte er etwa-jüdischer Abstammung iein, so theilt er diese» Mtßgeichich mit einem andercit Antisemiten, einein kürzlich in der Leopoldsladt verstorbenen ebcmalige» Speeulanten in Xnovpern, welcher stets de» kürsilichen Geinabl der früheren Frau -Haupt als liebwerthcn Berwqndten eilirte. — Bon einet» Wäbrtnger Aitttsemiteudlättchen wurde wieder ei^i Lebkuchenerzenger in tu,»ür-einen ,-Fndcnstäinmling" erklärt: »ach dcu Doettmeiilcu, auf die er sich bern't. ist aber dieser Mann ein directer Nachkomme eines Bruders des tu Eonstan; ans den, Scheiterhaufen verbrannte» Johanne» Huß. Tie Judcii und »ns Erwerbsleben. Der .Bolkssrenud" berichtcl: Ter „Betetn zur Be'oiderung der Handwerke unter den inländischen Firaeliteiz" l at gegenirartig eira ,t:dtsche Lehrttiugeit, die von ihm bet .Handwerkern I nnteraebt acht tvnrden ttnd von ibnr bekleidet und, ioiveit itöihig. in jeher Richtung nntrrstnt--t werde», in Evidenz .ln ieinetn Ge'chä'tsbcrichle für 1&!*0 wies dieser! Betet» nur eine Zabt von 7/>l» Pflegebefohlenen au'. Äußer diesem Bereine er-sttten in Testerreich Ungarn' und specicll in 'Wien »och viele anderc jiidisttie ts>e'ell-cha'te,t, Z- B der „Bercin zur Unterstittznitg jüdi-llter Xleingewerbctretbet-det": der „Beretn zur Unterstülzuttg i-raelitischer Handwerker und Xleina--t. k'.l-etieibendet": der - „Unterstntzttitgsvcrein 'iir arme jüdische Zttgereiste"; - i -e indi-che Frauen und allgemeine „israelitische Wohltbätigkcitsveretiie" und m ■ t s. Vinte die „.israelitische Allianz" mit ihren Filialen, die sin Galizien 'paar H-!itdwetle>s.1tt:>n errichtet. Retchlillie Unterstützung finden alle kiese Bereute von 2eue der Baron -Hirich-Stiftung. Der jüdi'che „Mädchen Nntr"--' stni>::ngsvetein" tauL't: ») eine. Fortbildttngsichule zur -Heranbildung der S-1 .tlentt.-et: zu -inetn geistige» Erwerbe, zu Xindergärlnerinnen, Lehrerinnen, Tes ge.>v:"stt:,r..tt > >>> Schuletiunei!-: t>i eine Arbeitsschule mit sechs 'Artb-t-tttzen 1:>7 Sänttet'.itnen-: einen Handelscurs tl Schülerinncm: etnen T t >tstl:: zur H .-tt bUdntig von Bonne»' und Stubenmädchen i 1" Sä tuet . ,-t.t. dt -e Tltat-aaten tvelche een Juden nur zur Ehre gereichet,,! sind tut P> d n v.: r'-ck-->> B.üttchen verzcichuet, allerdings mit einigen avliteniiti; -,l>-it Floskel:: „Beti-dttng d:s Handwerkes", „Abschopfitng der Sahne - durchdie Jude:!" :e. .-".--;h.'-.t. Penner scheint da einem Fukenkreunke'gründlich a»v,e>e'>e« zu -ein T- Schretrv dieser Zeilen erinnert sich daran, daß in de» Stebzlgeriabien -in tstbech'.scher Journalist in Wiener versaisuugstrrue -Blätter Berichte tur Berhcrrltchnng :ev staatsrechtlichen Tpposition einzuichmuggeln suchte, tndeui er von iti allerlei ver nswertbes erzabue, es aber beiläufig in die - Blatt. ' Nr. 53. Form kleidete: Die Wenzelssöhne haben schon wieder was angestellt, ihren Umtrieben ist es zu verdanken, daß .... nun folgte die Mittheilung, daß ein gemeinnütziges Unternehmen eingeleitct oder zum Abschluß gebracht zpurde. Der »riheilSsähige. Leser solcher Berichte gewann immer den Eindruck, daß die Tschechen Mnstermenschkn sind, der Berichterstatter aber ein Dummkopf ist. Ein gleiches Betsahrcn wie jener tschechische Journalist, welcher sich selbst dumm stellte, um der Sache, die ihm am Herzen lag, zu dienen, beobachtet ofiendar der Berichterstatter des Psenner'schen Blättchen» über die Beziehungen der Juden znm Erwerbsleben. (Alltiscmiklsch unkt „jübisch-national".) Die Steyrer „Jude»frag«" meint, an» Ernst Bergani könnte, tva» Verschmitztheit anbelangt, ein Dtitzend seiner jüdischen Land»leule gemacht werden. Fußtritte geniren ihn nicht, wenn nur das Geschäft gehe. So schreibt ein Antisemitenblatk. Dagegen finden wir in einem nur zugesendeten Blättchen zur Wahrung „jüdisch-nationaler' Jntereffc» den PaffnS, da» Fernbleiben von Nichtjuden sorge dafür, daß gewisse Allee» des Wiener Prater» den Eindruck hervornifen, al» sei man iü Asien. (Auch rill Erforderniß der „Ehre".) Man schreibt NN»: Ein Lemberger polnisches Blakt hat anläßlich einer engeren Wahl, die fsir den dorligen Ge meinderalh zwilchen einem jüdischen und christlichen Candidalcn stallfinden sollte, die Wähler anfgesordert, für den letzleren zu stiiiniieii, da es die „Ehre" erheische, einem Lhrisie» die Slimme zu gebe», wenn sem Gegeiicandidat ein Jude sei. Diese Aufforderung zeugt von nationaler »nd confessioneller Bornirt heit^ von Engherzigkeit, mit der „Ehre" hat aber die Sache nicht» zu schassen. Im Jntcresie einer Stadt'liegt es, Bewerber um einen Berlranen»posten nicht . nach ihrem Taufscheine, sondern nach ihrer Befähigung für den Communaldieiist zu frage». Es anlisemitelt immer mehr in Galizien. Caveant consitle*! (Ahlwardk in antisemitischer Beleuchtung.) AngesichlS des letzie« Ahlwardl- Scandal», sahen sich nicht bloß die reichSlägliche« Anliscinitku genölhigl, sich der Berurtheiluiig de» famose» Vertreters von Friedeberg-ArnSwalde anzuschließen, auch ans dem anlisemilische» Blällerwalde Hallen dem Bcrleumdungsreetor ganz neue Sächelchen enlgegen. „Roh und gemeiii" findet die „Tägliche Rundschau" Ahlwardl'S Aujlrelen. — Böckel'S „ReichSherolv" erklärt mit dem durch Ahlwardl'S Anslrelc» gerichlelen und verurlheillen AulisemitiSmn« auf. räuinen zu wollen, da eine Partei ohne politischen Scharfblick, die jedem Ausschneider und Schreier nachlänst, keine Zukunst habe. — Tie„Deutschsocialcn BläneL" neunen dsn Herr» Reclor „einen völlig krilikloienMann" und sagen am Schluffe ihrer für Ahlwardl nicht sehr schmeichelhaften Betrachlnnge»: „BieUeichl erkennen diejenigen unserer Parletgenoffen, die unsere Parleileitnng ans Grund ihrer Zurückhallnng Herrn Ahllvardt gegenüber angegriffen haben, daß die Zurückhattnng am Platze war." — Ueberau» unangenehm für die Seele deS Herrn Ahlwardl klingen die AuSlaffuugcn der „Leipziger ZeiIn'»g" TaS Trgan des psfieiellcu AnlisemiliSmuS in Sachsen Ichrcibt: „d'oux ftiii>-ux — rasende Narren — nennt man solche Lcnlc in-Fraukceich. Atich uns scheint, daß man es hier mit einem solchen;n lhn» hat. Ter Mann handelt allem Anicheiiie nach in gutem Glauben; nur ein ung'aublicher Grad von Uuwissenheit paart sich bei ihm mit offenbar gestörtem Denkvermögen. Seiner Seele, wentgsten» spweil sie ihr Trgan in dem bekannten Dresdener Waschzettel findet, mag zuin Theil vielleichl Beides fehlen: »eben der Fähigkeit auch die Absicht, Wahresvon Unwahrem zu imtericheiden. Ihrem .Rectorkagegeit ist allem Anscheine nach nur die Fähigkeit abztn'precben- Tic gute Absicht besitzt er, wie ivohl alle beschrankten Menschen, die sich durch die Borselntng znm Reformator und Propheten erkoren glauben." ' '. (... . . Briefkasten. R. S., Wipplingcrftraßc. Wenn Sie uns dafiir einen doenmenlartschen Beleg bringen, ja. Anti Anti, Bcakrixgassc. Einverstanden. G. L., Rrndail. Selbstverständlich ist der an» Pari» an-gciviesene Eorreivondenl eines Berliner Blatter nicht identisch mit dein rühmlich bekannle» dänischen Lilcrarhistoriker. Mangel an Sach und Personalkennlniß ist der gesaininlen aiilisciiilli'chcn Presse eigenlhümiich; warum sollte da der Wiener .Figaro" eine Ansnahine machen? I»., Krem». Ernst Bergani wird sich wohl hüten, X. H. Wolf, welcher ihm in der letzlen Lkummer der .Tstdeutichen Rundschau" derbe Faustschläge in» Gesicht verievt, gerichtlich z» belangen unkdas Thema von den Pauschalien seines Organs wieder einer öffentlichen Erörterung preiSzugcben. L. B., Wcl». Wir könne» dem Umstande, ob der Herr Bischof' a» den Anssätzen des Sk. Püliencc Alumnats Professors Scheichcr Gesalleiz. nndet oder nicht, keine sonderliche Bedculnug beilegen. Bcikritlscrklärllligcn;um „Pcrei»;ur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengcnommeli im Sccretariotc des Bereines, Wien, I., Pariscrgasse 4. .Xbou»emeut»anm»lduugen auf das „Freie Blatt" uimml die Admiuiftration, Wien, l., Seilcrstätte 10, jederzeit entgegen. Ebeudajelbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probellummer» zur weiteren Berbreitung des „Freien Blattes" werden tSestunungSgenosseu auf Verlangen bereitwilligst zur Brrfüßung gestellt. HeruuSgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Bictor Zenker-. — Druck von Eh-,Reißer (t M. WeNhner, Wien.