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Freies Blatt · 1893-04-09 · 53 (9.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
53 (9.4.1893)
Date
1893-04-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit* 4. Freier Blatt. mitton für Me Tom», Tampfichisifahrt handelte, schrieb Vergani, der Schweiß de« 4*olt,-» werde vergeudet, Rothschild, tiönigswarter, Todtaner würden mit dem Schireiße des Volkes gemästet, und wenige Tage später wendet er fich brieflich an die G.sellschast um einen Antheil an diesem VolkSschweiße. Vergani, fuhr der Redner fort, nmr e«, welcher das Material gegen die Südbahngesellschaft zusammentrug, daein Abgeordneter im Parlament benützte. Ta wurde gesagt, Schüler sei ein Franzose, er ist aber ein Teutscher. Es wurde gesagt, die Südbahn habe die ganze Fabiordnnng für den Kriegsfall verrathen, so daß man glauben mußte, wenn heute ein Krieg gegen Lesterreich auSbrrche, seien alle Geheimnisse im Vorhinein preisgegeben: auch daS erwieS sich als falsch. Während aber dieser große Avvarat i», Äbgeordnetenhause gegen die Südbahn ausgeboten wird, geht Herr Vergani, respective ein Vertreter desselben, zur Südbahn und schließt einen Vertrag mit einet» Pauschale von 15UO fl. ab. Hier wurde die Zmmunttiit eine« Abgeordnete» dazu benützt, die Privatgeschäfte de« Herrn Vergani zu besorgen. Wissen Sie, meine Herren Geschwornen, wohin dar führt? owiaii dorthin, wohin Die Bestechungen in der Panama- Aüaire in Paris geführt haben. Andrieux war der Man», welcher die Cor» ruvtion autdrckte und dabei selbst Geld getioinmen hatte. Äuäi in Pari« fand silli ei» inuldiger Journalist, der Herrn Ändrieux die Worte entgegenschleuderte: „Sie baden ia selbst Geld genommen!" Tiefer Journalist wurde freigesprochen, und seither ist Andrieux ein todter Mann. Vergani hat aber — natürlich immer im Veihältniffe — genau das'elbe gethan wie Andrieux Schars schloß mit den Worten: Zuin Schluffe gestatten Sie mir, nicht für mich, wohl aber für meinen Mitangeklagten Mauer, einige Worte zu sagen. Wir sind Beide zusammen grau geworden. Rtcht als Chef und Angestellter stehe» wir uns gegenüber, sondern al« Freunde. Ät« freund meines Mitangeklagte» kan» ich Ihnen sagen, daß ult wenige Menschen kennen gelernt habe, welche so berechtigt sind, aus ihr Vorl den nol, z» sein wie Herr Mauer. Er war ein intimer Freund Anzeng,über'«, er i'it.n auch im Anzengruber Euratoriui», ich verehre und schätze ihn. Ich bitte Sie. '.„eine Herren Geichiroiiten. wenn Sie schon einen Schnlkspruch fällen wollen,, mich zu verurllieiten, lauen Sie aber meine» Mitangeklagte» frei aus D:e»et» Saale ziehen. Ter Präsident erörletie in seinem Reiiiir>- zunächst die Auffassung der Parteien über die hier verschiede» betitelten Eiunahnisquellen der Blätter und mitte es in da« Erineffen der Geschwornen, sich dieser oder jener Aussaffung znzuwenden, da mit derselben die Klage stehe und falle. Rach den sachlichen AiisssiKrungen zur Erleichterung der richtigen Erkenntniß dieser Anssassung sagte der Präsident: Und nun habe ich an Sie, meine Herren Geschwornen, noch eine besondere Mahnung zu richten. Es spielt in de» eben abgewielelte» Strassall eine gewiffe Frage hinein, welche wirderholt an dieser Stelle sich ausnars und geeignet ist, Ihre IlrtheilSsähigkeit zu verwirren. Es hieße die Be dentnng dieirS RechtsfalleS übertreiben, tvenn man dieser Frage die erste Rolle rinraninte: es hieße auch die Parteien dieses ProceffeS überschätzen, wollte man ne für die Rkprä>eit7anten der Gegenströmungen dieser Frage an ehe». Aber eine giiviffr Rolle iptelen diese Parteien in dieser Frage unleugbar. Ich bitte daher, eingedenk zu «ein, daß es nicht Ihre Ausgabe ist, fich in da« nnsrucht bate Gezanke politilcher und socialer Palteien einzumischen, daß unsere gemein laute Ausgabe eine viel edlere ist. indem wir, wie ich überzeugt bi», über den Parteien zu stehen haben, um daS Recht und nur da« Recht finde» zu können, das für Jeden, ob Christ oder Jude, daS nämliche ist. Gestatte» Sie, meine Herren, Ihren politischen r'eidei»chaften keine» Einfluß auf Ihr Unheil, imlr Sie weiden auch diesmal, wie so oft, das Richtige finden. Tr. Somary hat die Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Unheil des Schwurgerichtes angeuieidet. Tr. Mar,er beantwortete dies mit der Berufung wider die Berhängutig einer bloßen Geldstrafe liber Herrn Alexander Scharf. Zu Dell GeultilldtwallltU. Tie Wahlagitation anläßlich der bevorlkehenden Gcmetndewahlcn in Wien ist int vollen Gange. Bon der Eharallcriosigkeil der Wortsühr.r des Antisemitismus spricht jetzt ter^Umstand dicke Bände, daß sie im sechsten Bezirke die in pcrsider Weise unter den „Hausherren" eingeleitete Bewegung dazu benützen wollen, nebst Tr. Pattai auch Tr. Mandl ein Mandat zu verschalten. Tie Antisemiten verleugnen die Racendoctrin, auf.welche sie fich sonst berufen, wenn sie glauben, ihre Zwecke durch einen Juden fordern zu lönucn. Tie „ Teutschsocialen Blätter" in Leipzig bringen Aufsätze von Paulus Meyer, die „Kreuzzeilung" zählte Tr. Morris de Jonge zu ihren Mitarbeitern, so lange besten Geist vom Anli semiltsmus umnachlel war, und die Wiener Ehristlich-Socialen erwarten, daß Tr. Mandl, der auf dein Gebiete der EorruptionSriecherei in früheren Jahren so oft den Befähigungsnachweis erbracht hat, ihrem Bethevungsprogramme Borschub leisten werde. — In den Bersammlungcn sorlfchrikllicher Wähler wurden die destructiven Tendenzen der Änktsemiken beleuchtet und die Rothwendigkeit einer entschiedenen Bekämpfung derselben hervorgehoben. Im V. Bezirke ward die von anlisemittscher Seile betriebene gewerbsmäßige Berleumdnng vom Bice- Nr. 53.; Bürgermeister Tr. Richter gegeißelt, während Genieinderath Frauenberger im VII. Bezirke eS füt die Pflicht jedes Liberalen erklärte,! den mit den Staatsgrundgesetzen unvereinbarlichen Bestrebungen der! Antisemiten energisch entgegenzutreten. —nn. (Ministcrialrath Zulius Kaan.) Wie die „Wiener Zeitung" vom ö. d. M. int amtlichen Theile publicirte, hat der Kaiser dem Ministerialratheim Ministerium des Innern, Julius Kaan, anläßlich der über sein Ansuchen aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Ilebernahme in den dauernden Ruhestand in neuerlicher Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung daS Ritterkreuz des Leopoldordens verliehen. Ministerialrath Kaan war schon längere Zeit leidend, bevor stoch die Antisemiten ihn zum Gegenstände jener Angriffe gemacht hatten, die vom Ministerpräsidenten Grafen Taaffe in öffentlicher Sitzung des AbgeoxdnetenhauseS als böswillige Berletunduugen znrückgüviesen wurden. Seine Pensionirung erfolgte nun in einer Weise, die für den hochverdienten Staatsbeamten ebenso ehrend ist als beschämend für die Ehrabschneider, die seine Widersacher wart». („Jüdische Frechheit.") Man schreibt uns: Ein Borfall, der sich Sonntag in einem Dornbacher Tramwaywaggon abspielte, ist bezeichnend für die berühmte Wiener Gemüthlichkeit, wie sie sich in den Tagen deS Antisemitismus gestaltet Ein Herr suchte nämlich bei dem hier herrschenden Andrange zwei Sitzplätze zu reserviren. Ein zweiter Herr, der' später angekommen war, machte auf den einen Platz Anspruch mit der Begründung, daß das Reserviren von Plätzen nicht gestattet sei. Rach einer kurzen Controverse, deren Resultat das Einräumen der Plätze an die beiderseitigen Begleiterinnen war, entfernte sich der zuletzt A »gekommene, worauf der Andere heldenhaft jene Handlungsweise als „jüdische Frechheit" bezeichnete. Merkwürdig bei der ganzen Sache ist nur, daß der mit „jüdischer Frechheit" Belüftete sich in Gesellschaft eines antisemitischen Reichsrathsabgeordneten befand, und daß demnach seine „Frechheit" wohl kaum „jüdisch" zu nennen ist. II. tj. (Tit «alzlnirger GtlNtilldcwahltll.) Die Ersatzwahlen für den Salzburger Genieinderath aus dem ziveiten Wahlkörper, welche am 4. d. M. stattfanden, schloffen mit einem Siege der fortschrittlichen Eandidaten. (Brandtiö' Bolkskalcndtr.) Ter im Berlage von I. E. Brandeis in Prag soeben erschienene „Jllustritte israelitische Bolkö kalender" (I.I. Jahrgang, für IMllj/l8!»4) bringt daS wohlgetroffene Bildniß des Präsidenten unseres Wiener Abwehrvereines Arthur Gundaccar Frei Herrn v. Suttner, sowie einen kurzen Abriß der Biographie des rühmlich bekaiuiten Schriftstellers und Philanthropen mit besonderer Berücksichtigung seiner Berdiensl tun die Gründung des Wiener „Berkines zur Abwehr des Antisemitismus". (Mißtrauensvotum.) Aus Troppau wird berichtet: Im Hinblicke auf das Berhalten des Bice Bürgermeisters Tr- Krom in er, welcher letzthin in einer Bersammlung des antisemilischen Bereines, deffen Obmann er ist, seine Gesinnungsgenossen aufgefordert hatte, bei Liberalen und namentlich bei Juden nichts mehr zu kaufen, beriefen die liberalen Gewerbetreibenden und Geschäftsleute für Mittwoch Abends. ^ei»e Persammlung ein. Dieselbe war glänzend besucht und faßte einstimmig eine Resolution, in welcher dem Bice-Bürgermeister, deffen höchste Aufgabe es sein sollte, für den Frieden in der Bevölkerung zu sorgen, der aber bestrebt ist, Unfriede» zu stiften, die tiefste Mißbilligung ausgesprochen wird. — Tie Troppauer Gewerbsleute überhaupt haben allen Grund, dem Tr. Krommer ihr besonderes Mißtrauen auszusprechen; denn die Bahnen, auf welche er sie bringe» will, können zu ihrem Berderben führen. Treffend bemerkt die „Freie Schlesische Presse": TaS Uebertragen der Politik auf daS wirth schaftliche Gebiet wird von dem zweiten Stadtoberhauple gepredigt, daS doch objectiv Vorgehen und das Wohl aller Steuerträger im Auge haben sollte! Wem er mit diesem „guten Rathe" schadet, ist übrigens leicht ersichtlich. 'Rur Jenen, welche ihm für diese „deutsche Heldenthat" zujubeln. Teint woraus besteht die „deutschnationale" 'Partei in Troppau? Aus einigen Hetzern, der deutschen Jugend und den verhetzten Gewerbsleuten. Ter deutsch-fortschrittlichen Partei hingegen gehören die höheren Beamten und die capitalskräftigen Geschäftsleute an. Wer hätte nun den Schaden, wenn die fortschrittliche Partei Wiedervergeltung üben würde? Es^hird dies Jedermann einlenchten. Roch ist eS nicht so weit gekommen, denn die liberale Partei ist eben liberal, aber es wird dahin kommen, wenn sie zum Aeußersten gereizt w^' und dann hätten die Troppauer Gewerbsleute ihre bedrängte Lage nur ihrem vermeintlichen Protektor, dem Bice-Bürgermeister Tr. Krommer zu danken! (Eine (Erinnerung an beit Tisza-Eszlarer Proceß.) Anläßlich der Rachricht vom Ableben des Kronzeugen, im TiSza-E,szlarer Proceß Moriz Scharf brachte der „Magyar Hirlap" aus der Feder

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