Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 53 (9.4.1893)
- Date
- 1893-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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(Seite i. Nr. 63. Freies Blatt. unsere Pflicht-^ist, im Bewußtsein unseres Rechtes i» den Kampf ein zutreten und nicht eher;u ruhen, als bis unsere (Gleichberechtigung, ans welche wir nach Verfassung und Gesetz Anspruch haben, in vollem Umfange durchgeführt sein wird. Oergcrni's Geschästspraris. Der Proceß, welchen der Herausgeber deS „Deutschen BoltSblatteS" Ernst Berga ui gegen Alexander Scharf und Eduiund Mayer, de» Herausgeber und den verantwortlichen Redacteur der „Sonn- und Montagszeitnng", angestrengt hatte, schloß zwar mit einer Berurtheilung der Angeklagten zu einer Geldstrafe, verbreitete aber über die Geschäftspraxiü des Klägers ein diesem sehr unangenehmes Licht. Man weiß, daß Vergllni, nur der Roth gehorchend, nicht den, eigenen Triebe, die Ehrenbeleidigungsllage überreicht hatte, deren Ergebniß keineswegs von vornherein sicherstand. Es macht daher einen geradezu widerlichen Eindruck, wenn er im Freudenräusche über den Ausgang deS ProeesieS sich zu einer Drohung an seinen ehemaligen Gönner Georg Schönerer Hinreißen und einen seiner Schreibknechte - sagen läßt: „Einer der Feinde unseres Blattes, einer derjenigen, die uns stets am wüthendsten und in der niedrigsten Weise bekämpften, ist gebührend abgeführt und als das gebrandmarkt worden, was er in Wahrheit ist. Wir kennen aber noch eine Reihe anderer Gegner, die einst itt unserem Lager standen, nun aber mit einer Riedertracht sondergleichen all die auS de» Judenblättern aufgelesenen Gemeinheiten gegen unS und unsere Ehre schleudern. Unsech Geduld und Langinnth gegenüber Scharf war eine schier beispielloses und ebenso ist sie es gegen unsere anderen Feinde. Aber Alexander Scharf wurde in dem Moment, da er allzu übermüthig und verwegen wurde, von der rächenden Hand ereilt und an ihm ein Exempel statnirt, daS in der ganzen antisemitischen Partei ijiit brausendem Jubel begrüßt wurde. Unsere übrigen Feinde mögen sich das ad notam nehmen. Wir haben lange genug Rachsicht mit ihren Berirrungen bewiesen, es wird aber auch ihnen gegenüber — I und wir sprechen hier hauptsächlich von einer bestimmten .kleinen! (Gruppe, die unter der Maske deS Antisemitisinns die Geschäfte der! Inden betreibt — die Stunde der Bergeltnng, der Tag der Rache komme», an dem ihre Verleumdungen ebenso und vielleicht noch herber gezüchtigt werden, wie ihr heimlicher Freund und Bundesgenosse Alexander Scharf." Die Drohung ist selbstverständlich nur eine er heuchelte. Bergani, der sich mit schwerer Mühe dazu entschloß, Scharf nnd Mayer vor die Schranken des> Gerichtes zu stellen, denkt ernstlich nicht daran, eine, Klage gegen Schönerer und Jro vor Geschwornen zu riskiren. In Rr. f>2 unseres Blattes nahm A h l >p a r d t so viel. Raum ein, daß dabei sein würdiger Genosse Bergani zu kur; kam und wir die' PlaidoyerS in desien jüngstem Proeeffe weglassen mußten. Es erübrigt uns daher Folgendes nachzutragen: Ter klägerische Vertreter Tr- Mayer bezeichnete in seinem Schlußantrage die Beschuldigungen gegen Bergani als Entstellungen deS wahre» Sachverhaltes. Was die Behauptungen betrifft, daß er Pauschalien und Schweiggelder ge> noinnien, so erinnere man sich au den Satz: „ES kreiße» die Berge und ge- , baren eine MauS." Ja, es sei nicht einmal eine elende kleine MauS bewiesen worden. Man habe gesucht und gelastet, um Momente zu finden, welche einen Beweis bilden können, aber nichts gefunden: 41 Institute seien in der Liste der „Sonnu»d Montags-Zeitung" mit BestechungSgeldern fiir das „Volksblait" angeführt, aber nur bei 17 derselben sei überhaupt ein Wahrheitsbeweis unternommen worden. Ter Urheber des Artikels sei Herr Scharf, der Angeklagte Mayer sei nur ein Opferlamm seines Chefs und Herrn und desien bereitwilliger Diener. Man habe ein Panama ans den, Gebiete des ZeitungSwesenS den Geschwornen zur Beurtheilüng vorgelegt; eS sei aber in nichts zerstoßen. Tie Jury möge demzufolge beide Angeklagte schuldig spreche». Tr. Somary betonte, daß die Tendenz des ineriminirte» Artikels dahin gehe, die Entrüstung des „Deutschen Volksblattes" über andere Blätter als lächerlich zu bezeichne». Tie Geschwornen niögen nicht' übersehen, daß die Beschimpsungen deS Artikels nicht ineriminirt find; auch die Erwähnung d.r Tausende, welche in die Taschen de» „Volksblatte»" aüS dem Großeapitale ge flosien, genire Herrn Bergani nicht. Ihn geniren nur die zwei Worte: Bau schallen und Schweiggelder. Pauschalien und Schweiggelder werde» von den Instituten an Zeitungen gegeben, Panschalie» an alle Zeilunge», Schweiggelder an weniger Blätter, darunter an daS „Ternsche Bolksblatt". Ter Bertheidiger bestritt, daß die Beschuldigungen den objeeiive» Thaibestand der Ehrenbelei- , digungen bilde». Wenn hiedurch dargechan werde, daß daS „Ternsche Bolksblatt'' sein Programm gewechselt habe, so sei das ei» äußeres Moment, für welches die Angeklagten nicht verantivortlich seien. DaS Programm deS „BolksblatteS" bestand allerdings darin, niemals für den Absatz von Aetien Sorge zu tragen »nt bei Emissionen keine Gelder zu »ehnie»das Alles sei nicht mehr giltig. Ter Artikel wollte nur Herrn Bergani daS Puristengewand vor» Leibe reiße»: das sei unhöslich, aber Unhöslichkeit sei nicht strasbär. Eonieguen; sei übrigens nicht Sache Bergani'«. Ai» Rande seine« Blattes heißt er: „»taust nicht bei Juden!", im Innern de« Blatte» wird anfgesordert: „Xanft bei. Juden banken Darlehen und Obligationen!' Der Bertheidiger machte aufmerksam, daß eS gleichgiltig sei, ob dar „Deutsche Bolksblatt" bei den einzelne» > Posten größere oder kleinere Beträge erhalten habe — in Betreff vieler Institute sei in. der Liste die Zisser zu niedrig gegriffen — eS handle sich um die Sache selbst. Zur Erweisung des Borwurfe», daß das „Teutsche Bolksblatt" Tchweiggelder nehme, müsse daran erinnert werden, daß unter der Form von Jnseratenzahlungen manche Posten rufgedeckt wurden, bei deren Honorirung seitens der Gesellschaften eine andere Absicht unterlegen sein müsst. Wer kaufe ”” viel von de» Abonnenten Bergani'S eroatisch-slavonische Actien? Die vom Gioßcapital auSgebeutelen Leser deS „Tentschen BolksblatteS" haben gewiß - auch kein hervorragendes Jnteresie fiir die bulgarische Anleihe. Man sei auch aus eine Anzahl von Berichten im „Deutschen Volksblatt" gestoßen, welche von den einzelnen Instituten eingesendet und im Blatte ungeprüft abgedrnckt wurden. In einem Artikel gegen die Südbah» wurden vom „Deutschen Bolksblatt" dieser . Gesellschaft alle Pauschalien vorgerechuet, welche diese Bäh» aiz andere Blätter zahlt. Ta wurde gegen Corruption gewettert — aber kaum eine Woche danach schloß das „Deutsche Bolksblatt" ii.it eben dieser Gesellschaft einen Pauschal vertrag aus 1600 fl. ab. Ist da die Annahme nicht richtig, baj) fcifle Summe von der Südbahn nur in der Absicht gezahlt wurde, Ruhe zu htzben? Sind da . nicht die Angeklagten berechtigt gewesen, von Schweiggeldern zu sprechen, welche das „Deutsche Bolksblatt" annimmt?- Erst »ach dem Winke mit dem Zaunpsahl — und "zwar acht Tage danach — erst nachdem man zwischen de» Zeile» ' lese» konnte: „Ja, warm» gibt man den» u»S nichts?" stopfte die Südbah» de» Mund. Tr. Somary besprach dann auch noch da» Verhalten gegen.die Donau TompsschisssahrtkgeseUschaft und sagte hieraus: Tie Gelder, welche andere Blätter für Inserate erhalten, nennt Herr Bergani Schweiggelder,-sene Beträge aber, ivelche er selbst' vom Großeapitale bezieht, bezeichnet er als Jnseratengelder, . und der Mann will Sittenrichter sei»! ES^hat sich herauSgestellt, daß Ber gani ans der GesellschaftSrettung ei» einträgliches Geschäft sur sich gemacht hat. Sein eigener Administrator hat bestätigt, daß Bergani 22.000 fl. von dem so angefeindeten Großeapitale bezogen hat. Ist man da nicht berechtigt z» sagen, daß dieselbe Hand, welche die Fahne Vkr Reinheit stets hochznhalle» vorgibt, sich auch horizontal in die Bnreaux der Geldinstitute auSfrredt, um Anlheil au der „Beule" zu erhalten. Wen» Sie dies in« Auge falle», meine Herren- GHchwornen, dann werden Sie diesem sonderbare» Ge sellschastSretter ganz andere Gefühle als Sympathien enlgegenbringen. Waren da meine Clienten nicht bexcchligt, zu sagen: Tu lhust da«, wä« du Andere»' als schlecht vorwirsst, selbst, und haben sie dies nicht auch bewiesen? Ich bitte daher,, meine Herren Geschwornen, um Freisprechung meiner Clienten. Bergani führte aus, nach seiner Ueberzeugnng habe Schars auf da» Erscheinen de« ineriminirte» Artikels Elnfluß genommen und müsse deshalb auch zur Verantwortung herangezogen werden. Schars bekämpfe ihn, weil er dem selben daS Geschäft bei den Banken verdorben habe. . Taß er fBerganil nicht eorrupt sei, habe er dadurch bewiesen, daß er in den Gerichtsiaal gekommen fei; keiner der vernommene» Zeugen habe anSiage». könne», daß das „Deutsche Bolksblatt" Schweiggelder angenommen habe. Ta« Blatt habe sich deshalb aii" die Gesellschaften um Zuwendung von Inseraten gewendet, weil e» ohne solche nicht bestehe» könne. Sodann erhielt der Angeklagte Mayer das Wort. Ten Ausdruck Lchweiggelder habe er gebraucht, weil er ihn wiederholt im „Tentichen Bolksblatt" gelesen habe. Er wolle der Bertheidigung nichts beifügen, sondern nur con staliren, haß er znm mindeste» ein ebenso guter' Christ sei, wie der Privat kläger Pergani; er glaube als Christ eine wirklich gerechte Sache' zu vertheidige», war man von der Gegenseite nicht behaupten könne. Ihm erscheine die von Bergani vertretene Richtung alS bedauerlich. Schars erklärte hieraus nochmals, er vertrete den Arrikest ohne ihn geschrieben zu haben; hätte er ihn geschrieben, wäre er wahrscheinlich noch schärfer ansgefalle». Wen» Bergani, tagte Scharf, behauptete, daß ich mich verleugne, verkrieche, glaube ich ihm ein Wort de» Ministerpräsidenten Grafen Taakse über sein eigenes Blatt entgegenhalle» zu sollen. Graf Taasie sagte: „Bei diesem Blatte ist nie Jemand zu finden, der einen Artikel vertreten -würde." H rr Bergani behauptet, er habe, trotzdem er Geld von Aciiengesellschaiien ge nommen habe, gegen dieselbe» geschrieben nnd damit seine Unabhängigkeit bewiesen; da» ist nicht Unabhängigkeit, da» ist die Texteinschaltung mit dem F eigenlllakte. UebrigeuS hat Bergani nie gegen die Unionbank ge schrieben, von Jer er mehr als 4' 00 fl bekotnme» har; nie gegen die Länder bank, nie gegxiÜ die Anglobank, ' nie gegen die Siaatsbahnen, von welche» er 1600 fl. Jahrespauschale bezog. Gegen die Tonau-Tainpsichisisahrlsgeiellschasl schrieb er erst, nachdem er ein ganzes Jahr laug kein Jnstrat bekommen batte. Daun schrieb er im Tecemder an die Gesellschaft, sie möge ihm wieder das Pauschales geben. TarauS ist klar zu ersehe», daß er die Gesellschaft »ikL angegriffen hat, damit dieselbe daS Pauschale erhöhe. AlS es sich um die Snl- L