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Freies Blatt · 1893-04-02 · 52 (2.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
52 (2.4.1893)
Date
1893-04-02
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Nr. 52. freies mußte ich erkläre», daß ich mich ihrer Actio» nicht anzuschließcn vermöge, »veil dies die Geineinde iu budgetärer Beziehung in die größte Verlegenheit brächte. Nur »vcun der Staat von den nichkgezahlten Miethdelrägen die Steuer »achläßt, könne» »vir auf die Eoninninaluinlagen verzichte». Ich konnte nicht anders. Ich bin nicht geivohi» zu sage»! ,Ja, ich »verdc sehen, »vaS sich machen laß»', »venu ich im voraus weiß und wissen muß, daß sich nichts niachen lasse» kann. Dr. Lueger hat cizählr, seine Mutter hätte ihm ansgclrage»,- ja mir iinnier den» Hausherrn die Hand zu küssen. Ich küsse de» Hausherren die Hände nicht. Tann wurde eine ziveite Deputation mit einer Resolution z» mir geschickt, »velche für mich nicht sehr schincichelhaflc Sachen cuthallcu haben soll. Und diese Dcpuiatio» bestand a»S ganz andere» Herren, als die erste. Bo» de» Mitglieder» der ersten Deputation kam» sich Niemand beschivcren. Daß ich als Bürgermeister eine Deputation, »vctche mir eine Resolution, strotzend von Beleidigungen, überbringt, nicht empfange, »verden Sie wohl begreiflich finden. DaS Ganze ist ein Wahlmanöver plumpster Sorte." «Ein Meeting in Baden.) Ans Bade» schreibt man uns: „Die wieder - . holte» Kundgebungen, »velche die freisinnige Bcvölkc»u»g de« Badener Bezirkes in der letzte» Zeit veianstaltetc, ließen die Anlisemilen nicht ruhe»; am letzten Sonntag zogen die Herren Mn t h und Steiner heraus, um durch ihre zaubergetvaltigc Erscheinung den letzten Antiscinilcn.aus dem Hause zu locke» und den Satz'von dem gkschlossenen liberale» Gebiet durch eine colossalc auliscmitische Manifestation zu »nide,legen. Indessen gestallete sich das Meeting sehr heiter, nämlich für die liberale Bevölkerung von Baden. Höchstens sunszchn Man», eher »vcuigcr als mehr, »vare» erschiene»», um chic Auslasinngcn der Herren Much und Sleiuer anzuhöre», die sich aus leicht begrcislichr» GrUndcii diesmal »vcuigcr gegen die Jude», „Judeiilibcralen" u. f. >v., als gegen „die nndanlbaren Berrälher im cigtncn Lager" kehrte». Ja, die Badener in der nachficgl'sche» Acra sind eben keine — Wiener und laufe» nicht hillter jeden» anliseniilischeu Rallensänger spornstreichs her. tHrrtcr und Schwennhagcn.) Trotz der „prompten Justiz", der exem- 'planschen Berurthcilung Ahlivardt'S in» deutschen.Reichstage, »vorüber auch Kaiser Wilhelin seine Befriedigung ausgesprochen hat, trotz dcS Bedauerns, »velcheS sogar die Eouscrvativcn im Wahlkreise Friedcberg ArnSwalde darüber tundgegeben haben, daß sic Ahlivardt zum Abgeordneten geivählt hatte», »nieder Holle dieser geiverbsmäßige Berleumdcr noch am 22. Mäiz^lbcndS in einer Bersaminlung j» Spandau und hieraus am 27. März i» Stettin seine gegen dcntsche LtaatSmänner und BolkSverlrelcr gerichteten Bcjchlildiguugen. Unlerstsitzung findet Ahlivardt namentlich an z»vci Subjeclen, an einem Hauptmai»l a. L. Herter-und einen» gcivisfe» Schive» n ha gen, einen» Geschäft« antiieinitcir schlimmster Sorte. In der Spandauer Bersaminlung, in der Ahl- »vardl mit Lorbeeren bekränzt »vurde, äußerte Herter auch Folgendes: „Daß hauptsächlich jüdische Speculantcn und Zivischeilhändler de» FieeuS durch i'icfcrmtg ininderivcrlhügcr Waarcn, Fälschungen, Fehlgeivichi re.;» betrügen und, >vo iinnier möglich, moralisch nicht mehr ga»; feste oder i» .Geldverlegenheit gcrathenc^Milbürger oder Beamte zu bestechen oder dieselben zu unerlaubten Bevorzugungen bei Gnbmissionen oder Beschaffungen a,»S freier Hand zu veranlassen sucheu, daS pscifen bereits die Spatzen auf den Dächern." Hiezst be merkt der Spandauer „Anzeiger": Aus letztere»: Rcdeivendung ist zu ent nehme», daß auch Herr Herter von solche» Vorgänge» bei Liefcrungc» an Behörde» etwa«-wissen muß. Wo hat derselbe nun diese Kenntniß erlangt? Herr Heller gehörte znletzt dem Borstaudc dcS BetleidungSamteS des 5. Armee eorpö hicrselbst an. Wenn er also von BestechnngSveniichen n»d anderenunerlaubte» Haudluiigen seitens jüdischer vieserantrn gegen de» Staat »vciß, hat er davon als königlich preußischer Cjficicr auch seiner Vorgesetzten Behölde Meldung erstattet V Bei dieser Gelegenheit eriiumii »vir uns daran, daß zur .-seit der Judeilslinten Broschüre auch „Enlhüllungc»" über Tuchlicfeiunge» an de» Staat von Seiten AhlivardlS in Aussicht gestellt »vuiden? Sollte hiezu vielleicht das Material auS Spandau geliefert werden? Bekauullich sind bisher Enthüllungen über Tuchliefernngeu nicht erschienen. BoranSsichilich beachtet aber auch die Militärverwaltung die von Herrn Herter in öffentlicher Bersaminlung vor zahlreichen löniglichen Beamten aiiSgesprochencn Be»dächtigu»gcn und läßt sich von seiner Wisscuichast milthcile». Herr Herter hegt übrigens einen sanalj scheu Haß gegen die autersgesii'inlc unabhängige Presse, und auch dieser Empsindung gab er in der BersaNimlung ain 22. Mär; >i»ge>»irl Ausdruck. TieS b»auchl freilich Niemand zu »vunder»; denn Herr Herlcr »st kassier des „BeieineS zur Beibreilung couservativcr Zeitschriften". Bon Zeit zu Zeit läßt er iu Form von schristlichcn Gesuchen uin »nildc Gaben den Klingelbeutel für »»oihleidende, dein llmsallcn nahe eonscrvalive Preßorgane durchs Land gehen, und »venu etivaS Geld einkommt, dann erhalten jene Zeiluugen ein Almosen, damit sie ihr jäminerliches Dasein »viedcr etivaS. fristen löiinen. Zuin volle muß man Herrn Herter ilachsage», daß er ei» äußerst rühriger Agitator für seine Sache ist. Er selbst verbreitet iu den Straßen der Stadt antisemitische Broschüren und läßt sogar durch seine in zartem Alter sleheudc .»linder Sonntag« an- Passanten »mtisemitische Schriften vcrthcile». Auf solchen Berehrer und Bundcsgcnvsscn kan». ein Ahlivardt stolz sein! — Was SchwcnnKagen an bolaugt, »o setzie er den preußischen Finanzminisler Dr. Miguel, den Reichsschatzscerelär Freiherr» v. Maltzahn und den Abgeordneten Eugcu Richter c ' ' ■ -l . ISIatt. l Seite I!». . ' '» brieflich in -ienniiriß, daß '»>> einen» Berliirer Antiscinilcninecling über den ' Reichsinvalidenfonds »verdc verhaudel» »vcrde», und sorderie sie aus, dasselbe zu besuchen. Ter Angrifsspla», belresfeiid den Fnvalidensonds, sei anliseinilischcrseitS längst sertiggestellt. Ahlivardt habe die Sache »»gruügknd durchgea» beitet »iid sei vorzeitig aufgeirele». Bau den 500 MiUiouc» des J»valide»fo»tS seien 2tX) bi« :i»)l) Miftioncu durch Belheiligung a» faulen Gründungen verloren gegangen, lieber'die Persönlichkeit Schwculchagcn'S »heilt die „Freisinnige Zeitung" mit: Er heißt eigentlich Schivriu ha gen, »var »achcmaildcr social - demokralischer Wandcrrcdncr, freireligiöser Wanderprediger uud Polizeispiou in» Dienste des bekaiinlen PolizeirathcS Krüger. AlS solcher gab er seine socialdcmokralischen Freunde für Geld heimlich a»; »rirlte dann als Lockspitzel, indem er Vereine grüiidcie, deren Statute» mit dem Landcsgesetz in Wider spruch standen, um die Miigliedcr nachher der Polizei anzuzeige». Er untelhiclt ein Bureau, >vo AuSivanderungSgelegenheilen iu gesetzwidriger Weise vekichasi» wurde»; er selbst brachte dann seine Agenten zur Anzeige. Schwenichageu vcr- - führte eine jüdische Erzieherin und entlockte als Ehcman» und Vater ziveiec Kinder feiner jüdischen Geliebten deren säuimtlichc Ersparnisse. Erst bann kan» sei» Teuwncustolz »vicder zum Vorschein; er vcitieß seine auSgeplüiiderle jüdische Geliebte und ward antijcmilijcher Wandcrredner. Eine Zeitlaug gehörte Schivcimhagen der Rcdactio» der „Krcnzzcitung" an. (Weil er gcrmaitischcr Abstamiiiiliig ist.» Jui-Krcise Glogau in Preußisch- Schlesien hatte vor einiger Zeit ei» früherer Marineosfiricr und jetziger Ritterguts besitzc» JörS eine Agiiatio»Sversan»inlu»g einberuse», um sür den antisemiiische» „Bund der Landwirthe" zu Ivcrben. Aus seine Klage» über die natürlich nur durch die Juden verursachte Rolhlage der Landwirlhschasl entgeguele der Sohn.des jüdischen Gulsbcsitzers Josephs, »varnmJörs sich de»» erst vor zrvei Monaten das Gut Mahnau gekauft habe, »vcn» er von der „Nothlage der Landwirthschafl" so fest überzeugt sei. Daraus »vurde ihm die stolze Aulivolt zutheil: „-Ich lmbe allerdings geivußt, daß ich meiu Geld schlecht anlegcu »vürde, aber ich bin ger^ . manischer Absta>»>mnng!!" Die gcrinanische Abstainmniig als Begründung einer Dnnunheit hinzustcllc», ist eine Geschmacklosigkeit, die in dem Munde eines Nalioualdünkelmcicrs doppelt lächerlich wirkt. Diesen Eindruck scheitle»., denn auch die Anschaunugeii des GermaiienslämnilingS. bei der Versammlung » nicht verfehlt zu habe». Herr Josephs »varule die zahlreich erschienene» Bauern, sich von Herrn JürS harangliiren zu lassen, uud forderte sic.kurz uud bündig ans, den» srrisinnigen ReichsiagSabgeordnetc» Rittergutsbesitzer Maagcr- Denkivitz ein Hockz auszubringen und das Local zu verlasse». Dieser Anssordeiung kamen die Bauer» bis ans füns^nach uild ließe» Herrn Ich« mit seiner gerinallische» Abstauimniig allein zurück. 2Ui5 antiseinitischen Blattern. ___ die niitisciiiilische Lstvofition im Abwehrverrin.) »Nichts ist so du»»»», daß eS nicht von einen» atilisemitischcn Blatte zur Bethörungseiner Leser ausgesprochen »verden konnte. Gesellt sich zur BöSivilligkeit auch der Mangel an UrtheilSkraft bei der Schrifilcil>»»g selbst, so koinmcn Tuminhciteu heraus, die bei Mensche» mit gesunde» Sinnen, je nach ihrem Temperament, Mitleid oder Entrüstung erregen. Was ha» nicht Alles .in dieser Beziehung schon da«. „Deutsche Bolksblatt" geleistet! ES Halle seinen Lesern früher errätst», daß Lueger ei» Individuum »ei, »velche»» cs keine sonderlichen Schwierigkeiten mache, seine vielen politische» Eouversioncii uni eine weitere zu vermehre»; daß Paltai, »vieivohl er ein Streber erste» Ranges ist, dennoch die Schivierig- leiten de» kleinen Ahn nicht überivundei, habe; daß Schneider eine, juie immer geartete Beivegung nur diSelcdilire» könne, Schönerer aber hohe Berdienste aufivcise n. s. >v. Denselben Leser» luci'beit heute L»reger, Paltai und Schneider als große und hochgelehrte 'Männer soivie edle Eharakicre vorgeführt, während Schönerer als gemeiner, eitler Geldprotz angeschwärzl »vird. Das „Deutsche BolkSblatt" spricht heult in demselbe» Brustion der Ueberzeugung" »vie vor Jahre», sind sein. Public»»»», da« sich frülier die Geriiigschätzung Luegcr'S Patlai'S. und Schncider's soivie die Belobung Schönerer'« gejallen ließ, läßt sich »iu» zur AbwechSlnng die Geriiigschätzung Schönerer'« sowie die Belobung Luegcr'S, Patlai'S u»d Schncider's gefalle». Die eigene Albernheit der Schrislleitilng des „BolksßlatteS" vclsührt dasselbe auch dazu, uolorische Irrsinnig^, zur llntcrstütznng. seines jeiveiligen SlandpunkteS zu benützcu. Der alte Bcrgaui, dcsseue-Geift uinnachlel »var, »lullte dazu herhalten, mit de», gegenwärtig be käiiipsle» Schönerer die Fähigkeit einer Miuenlegung, eine? ruchlose» Atle»ia»S aus dcir brave» Ernst, zuzuschrcibcil. Ei» armer Narr kau» cS auch nur ge- »vescn sein, dessen sich daS „Deutsche Bolksblatt" bedicule, uur jm ..Vereine zur Abivehr des AnlisemiliSinuS" eine „anlisemituchc Opposition" anSsindig zu inachcu und au dieses Wahngebilde Lügen über Lügen zu reihen. Ai» Tage Mariä Verkündigung iah sich in Folge dcS letzigenanntcu Streiches das vügcnblatt bcmüssigk, nachstehende Berichtig»»»»g an leitender Stelle abzudruckc»: An die Redaciion des „Deutschen Volksblattcs" in Wien. Sie »Verde» mit Bezug auf § 11» des. PreßgeietzeS aufgeforderl,' folgeirde in dem „Boin Verein zur Bekänipfuug des Antiscinilisinus" betitelten Veit artikel der 31 r, 1517 dcS „Tculichen VolksblaiteS" enihalleneu Aeußernngen an der gleichen Stelle Ihres BlaNeS und mil den gleichen Lcllcrn ihatsächlich

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