Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 52 (2.4.1893)
- Date
- 1893-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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I / Seite 20. Freie - * z» beiiittigen: 1. 5« ist unwahr, daß »liier Verein den Titel „Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus" führt, sowie daß Hofralh Professor Nothnagel Präsident dieieS Vereines fei; wahr ist vielmehr, daß unser Verein „Verein znr Abwehr des Antisemitismus" heißt, und daß Hofrath Professor Nothnagel dessen Ebrcnvräfidenl ist 2. ES ist unwahr, daß neu» Zehntel der Mitglieder Jude» sind, wahr ist vielmehr, daß die christlichen Mitglieder in weitaus beträchtlicherer Anzahl vertrele» find, daß der Verein aber de» -Veitrin eines Mitglieder trdit von dessen Confessio» abhängig macht. 3. E» in univahr, daß von unierem Vereine irgend einem Mitgliede — wie eS in Jdreui Artikel (dritte Spalte, Zeile'3 und 4» behmiptet wird — die stalulen mäßigen Rcchlc verkümmert iviuden; währ ist vielmehr, daß bet dein Vor stänke und dem Vurean noch keinerlei Veichwerde geführt wurde 4. Es ist unwahr, daß sich in dem Vereine zur Abwchr des AnliieinitiSmuS bisher eine griindiäplich opvositionelle, geschweige denn eine anliseinilische Strömung gellend gemacht bat: wahr ist vielmehr, daß bei der letzten Generalversammliiiig, zu welcher alle Mitglieder Zntrilk halten, sämmlliche Anträge mit Stinimeiieiliheit angenommen wurden. ■>. Es ist unwahr, daß sich die Thütigkeil unseres Vereines im ersten und zweiten Jahr thalsächlich nur auf die Adaplirilug eines alten katholischen VadenhiilerS, dessen gegen den ProlesianliSntnS gekehrte Spitze abgestuyr wurde und der einige Tage vor der «.«eneralversammlnng im Zmeresse der Selbsterbaltung des Vereines an die Miiglieder als „Vcicinsbroschüre" ansgelheilk wurde, sowie auf die Per »heilnng von .‘RtOO Berliner Flugblättern im Gesailimtwerlhe von 12 bis 15 st. und einem kleinen «Ndichte von Lapilleri beschränkte. Wahr ist viel mehr, daß, wie ans dem Berichte der zweiten Generalversammlung hervor geht, vom Buieau in der genannten Zeit .^200 Broschüre», 4000 Flngichriften, zuiainincn al>'o 12 200 Eremplare, sowie 10.047 Schriftstücke versendet wurden, o. ES ist nnwadr, daß die zweite Generalversammlung des Vereines znr Abwehr des Antisemitismus aus „dreißig Köpfen" bestand. Wahr ist viel mehr, daß bei der Generalversammlung weit mehr al« die stalutengemüß znr Beichlußsäbigkeir nolbweudigen 40 Mitglieder anwesend wären. 7. ES ist unwahr, daß der Rechenschaftsbericht „ans zwei Zistern bestand", und daß über daS Erissagebabren keine genügenden Ausschlüsse gegeben wurden. Wahr ist vielmehr, daß der BcrcinScaisicr laut der vorliegenden Protokolle towobl in der zweiten, alS auch in der drillen Generalversammlung einen ordrungs gemäßen Rechnungsausweis stellte, welcher sowohl die Einnahmen als auch —die-" Ausgaben mit 6e'oiifc«r Spccisicirung der levteren enthielt, 8. EL ist endlich unwahr daß die Bilanz anläßlich der zweiten Generalversammlung ein Deficit von 1*50 fl. ergab, da-S „nun bereits ans 4000 st." gestiegen sein soll Wahr ist vielmehr, daß die bei der ziveiten Generalversammlung gestellte Bilanz einen Saldovortrag von 2310 st ergab, der sich in der dritten General versainmlnng ans 4.777 fl 0-"> kr. ungerechnet der BeilragSauSstäude von direa .300 > st. stellte.. Wien, am 23. Mär; 1803. Ter Präsident: Arthur Giliidaccar Freiherr v. Süll »er. Ter Schrisn'ührer: E. B. Zenker. Wie nichiSuuvige Buden trotz emv'aligener Züchtigung schreien pflegen: ..Zch werde eS wieder lhuu", kunpft das „Teuiiche Bolksblau" an die dasselbe als vetlogeu iligmarisirende Zuschriil der Leitung des ÄbwehrvereineS die Trohung, eS werde weitere ..Eillbülluiigei," machen, und lagt in seinem Soleeer Teutich: ,U»"ereS Wo'jeus nach Kal der Verein noch keinen Antisemiten bekehrt." T:e'es Wißen ist :ben in ,.'der Hinsicht ein sehr geringes; unter den Bekehrten lestnden sich auch renke, die anliieuiilssch.-n ZeitungSspeclilanlen n»d Social- . re'd'ineii! zu:» Spier gestillen und dnrch'Schaden klug geworden sind. lssillst und senk, i Ein alter Lankstrasier "chreibt uns: Wenn Tr. Lueger in ''ruberen Fahren d'll Namen Fi-'chbof aussprach, so »lachte er dazu eine io fipmine -Miene >vie i-vl. wenn er iiii'i der FrohnleichiiamSprocession geht. TaS anlsseiniti'che Bralt, welches derzeit im Sinne Tr fueger's wirkt, wartete aber nicht eininal die Beerdigung FOchhoOs ab, sondern beeilte sich gleich »ach Einpmng der ToteSnachrichdie Zudenleiche mit Steinen zu bewerfen unk dem edlen Manne, d.-in selbstlost-n Patrioten, die üble, Nachrede zu halte», er hälle ld"48 für „eiiiinent indische Fiuerest'en" die Wiener auf die Barricaden geschickt- Tr Adolph Fi'chbd' wäre demnach eigemlich ein Fiilriganl geivesen. So wird I8l>3 über ae"chrieben. Pini Ten'el! ■ Mmiiitr Stuf zur Troppaucr Wadl.j Tie Tropvauer Wahl, die nicht nach dein i^e'chmacke der Anlficinilcn anSsiel, wird von der Kremser »Land zeituna" mit en binn-chen Worten angezeigt: „Wladimir Temel heißt Blatt. Nr. 52. der neugewählte Troppauer daitschliberale Abgeordnete, tschechisch ist seine Muttter. spräche, und in der Tschamara ging er in die Schule. Mi sanS me deitsche Brude." So schreibt ein Autisemitenblalt, obwohl der antisemitische Candidat in Troppau sich mit Erfolg um die Unterstützung der dortigen Tschechen beworben hat. Auch der Kremser Sens znr Troppauer Wahl zeigt die Verlogenheit dieses G.lichterS. (Vockel's Nächstenliebe.) Der „Reichs-Herold" des Dr. Böckel gestattete sich neulich folgende echt christliche Betrachtung: „Unter den zahlreichen Gefangenen der Haftlocale besinden sich diesen Winter viele polnische Juden, die wegen Landstreicherei und Bettelns einige Tage abmachen müssen. Warum weist man diese Subjecte nicht aus, warum niuß der Steuerzahler ein solches Gesindel füttern und pflegen? Diese mit Unralh und dem Keime mancher schlimmer Krankheit behaftelen Kerle beschmutzen das Bettzeug und die SträflingsanzUge, die nachher wieder christliche Gefangene benützen müssen." Tie in Berlin erscheinende Zeilschrift „Die Schmach des Jahrhunderts" bemerkt hiezu: Daß Herr Tr. Böckel er» vortrefflicher Ausleger allgemein anerkannter Hu manitütSgesetze ist, haben wir niemals bezweifelt; wir waren auch stetS von seiner Ehrenhaftigkeit überzeugt. Ten zwingendsten Beweis für diese brachte er bei, als er sich von seiner Wirthschaflerin aus Alimentenzahlung verklagen ließ und seine Gattin znr Wahrnehmung seiner Jnlereffen zu dem gerichtlichen Termin schickte. Taß ein solch feinfühliger, ehrenhafter und klar denkender Mann einen Schnitzer machen könne, wie er. sich in den oben citirtni Zeilen darstellt, hätte» wir nicht vermulhet. Herr Tr. Böckel hat stet« behauptet, daß alle Juden sich im Besitze reichlichen Mammon« besänden, den sie natürlich den Christen ab gegaunert haben. Und nun kommter und sagt, daß solche „Subjecte" wegen BettelnS eingesperrt werden mußten. Warum macht er den» nicht den Vorschlag, ihre Millionen zu confiSciren? (Einer Berliner Depesche zufolge soll übrigens Böckel inzwischen eine Art Absagebrief an da« Antisemilenlhum gerichtet habe». Wir legen der Sache keine Bedeutung bei. Auch Stöcker hat vorigen Winter einen Fuß aus dem antisemitischen Snmpfe gezogen, steckt jetzt aber wieder mit beiten in demselben:) (Zur Statistik dcr Esel.) Die Zahl der Esel im Teutsehe» Reiche ist von 9070 im Jahre 1867 auf 4284 im Jahre 1892 hernntergegangen. „Wer hälle das gedacht? Manchmal sollte man glauben, sie hätte» sich vermehrt," bemerkt zu dieser stalistiichen Notiz die antisemitische .„Neue Deutsche Zeitung". Es ist ganz natürlich, daß der Schriftleiter des ehrenwerthen Blatte« auf diese pessimistische Vermuthung kam, al« er in den Spiegel blickte und sich dann i nt Kreise seiner Freunde umiah. (Tie russischen Juden in Warschau.) Ter Warschauer Lorrespondent der „Nowoje Wremja" erzählt, daß auS dem Innern Rußland« auSgewiesene russische Juden ihren Glaubensgenossen auf dem Gebiete deS Handels, aber auch christlichen Handwerkern, namentlich im Schustergewerbe, starke Concnrrenz machen, ferner daß die ei»heimi"che» Juden Warschaus die Ankömmlinge au« Rußland mit scheelen Auge» ansehen und Schritte christlicher Meister gegen dieselben unterstützen, letztere aber sich den Kainpf umS Dasein durch Bildung von Vereinen erleichtern. War geht aus diesen Mittheilungen der antisemitischen .Nowoje Wremja" hervor? Tie russische» Juden sind also nicht solche Tagediebe, al« welche sie anläßlich der AusiveisungS,naßregeln hingestellt wurden. Auch die .jüdische Solidarität" im Sinne der Antisemiten, welche sie immer alS eine Gefahr für alle Christen ausschreien, beruht aus tendenziöser Tichtuvg. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen jene I'. 1. Leser, deren Abonnement mit ■)1. Mär; zu (ynöc flieug, dasselbe umgehend zu erneuern, damit feine Hntcrbrcd)iitifl in dcr Expedition cintrclc. Wir erlauben uns darauf aufmerksam zn machen, daß wir bei UebersendiWg von Abonnementsbeträgen zwar Postmarken, nicht aber Stempel au Eeldesstatt annehmen können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Zieclamationen ftame «nd Adresse (besonders Ort und Post) leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der Lage sind, eine Verantwortung für nichtbestellte Exemplare zu übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen ziini „Perein zur Abwehr des Antisemitismns" werde» entgegengenomuien im Seeretariate des Vereines, Wien, I., Parisergasse 4» Aboanrmentsanmeldungen auf das „Freie -SMalt" nimmt die Administration, Wien, I., Seilerstätte U), jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Rnrnmern abgegeben. Prodenummern znr weiteren Aerbreitnng des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen ans Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteuc: Ernst Victor Zenker. — Druck von Ch. Reißer & M. Werthner, Wien.