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Freies Blatt · 1893-04-02 · 52 (2.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
52 (2.4.1893)
Date
1893-04-02
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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feite 12. .freies Blatt. Nr. 52. hatte idi bereits beim erfreu Wahlgange eine >o große S-ihl von Stimmen auf mi.t vereinigt — es fehlten etiraS über 1' 0 Stimmen an der abwlmeii Majevitär — de.s> im zu eiten Wablgang die Entscheidung der Wahl sicherlich nicht durch die Ofemeibatitvi, hfrbeigefiihrt in Sie zweite ftrage des Herrn Ricken m eine »ehr viel ernftere. iSer in ntnlb darin, das; jetzt die antiieinitifche Be ivegnng aiifuirt V Das; darunter ein Man» une.'Jlbtii'arbt auffommen kann, der rei^ .ihnen allen la io einigermaßen als der größte AnSwiirs der Menschheit angesehen wurde, ist deck sehr auffallend. Ich glaube, die meisten von Ihnen weiden mich kaum noch zu denen pililen, die von Rechtswegen so ganz auf den - Titel ..Meii'ch" fli;!eniit haben; manche, werden denken: Er ist direct ans der .Holle gewrungen, ib'a.ten und Widerspruch i Meine Herren, ich will Sie in Ihrem Unheil durchaus nicht weiter beeiusluffen.. Aber, meine Herren, wenn mau eineu wichen Manu, den Sie schon so tief stellen, und den Sie, wenn er nicht -chon hnnberimal todtgeichlagen wäre, zum lumdertunderstenmal todtschlageu .würden, mit einer Maiorit.it m den Reichstag wählt, die ganz ungewöhnlich ist, in einem Wah!lre:>e. in dem doch durchaus ruhig denkende stoute wobiieu, in emeiu Wablltene. der bisher doch in feinem Unheil ftets bestimmt und ent schieden gemeint ist, ’o muß wirklich^ ein sehr tiefer und ernster 1'frnnb dazu ' vorhanden >eiu. Meine Herren, >e schlechter *ich bin. desto größer muß die Be -demütig der Bewegung fei», da man mich doch gewählt hat iHeiterkeit.) Meine Herren. d:e>'e Bewegung — lassen Sie mich das einmal ga»; ernst erwäge» und wollen Sie im Augenblick einmal abixheu von Siimpathie und Antivalhie — meine Herren, tteie Bewegung ist nicht berbeigeiiibrt durch irgvnD einen Deutsche.!, nicht herbeigffiihrt durch Herrn Hofprediger Stöcker. Der Herr hat nur daS hohe itnd ihm aholnt nicht adzuiprechende Berdienst, daß er die Instincte, die tu der Bocheü'ele wohnten, in sehr geschickter und beredter Weite erweckt bat: und wenn ich letzt nicht tu ehr mit dem Herrn Abgeordneten Stöcker neben laue, ’o gefdjieht es nur deshalb, weil der Herr .»ach meiner Meiuung au' halbem l»ege stehe» geblieben ist. aber er hat hob» Berd ieusie, n iid da» wird die Rachwe^t noch anerkenneii i'.neben liuks,; und. meine Herren, meine eigene Achtung werde ick, ihn: stets beweist-!,, obuolst ich ,ei>t vermutlie, das; wir uns im Wahlkamps «ehr Mini’ entgegentretea errett. Reut, aber, meine Herren, das Verdienst cn Cei entne! img .fei Bew..,ijug ist »ich; da; des Heim Abgeoidiieten Stöcker oder ii.'. 'Ud eines Aiider.u. soudem allein die Dhatstiche, daß dieses jüdische Volk sich nlveint '.iuiurglich gemacht bat. Sie Bewegung muß tiirdigrfnbn werden. Sie Juden sn d aueiii au d.'iii Aiitisemilisuiiis schuld, und lei» einzelner 'Mkiiich. auch :.si nicht. Wir sind alle nichts weiter als stellte, die das, was die "lü.'iammrrnt infttnetiu u;l it,;nm Haren Ausdruck bringen. Meine Herren, teilten Sie doch ium Beiipi.i — ich bi» gewählt in Friedeberg Arnswalde und habe iunachst di. Imereiien Siests Wahlkreises zu bertretm — daß in diesem .streue sich die st.nidl.ute, Biirg-r sind Arbeiter in den Städten vom frühen Morg.-i' bi» ziiw. waten Abend auaien Jur ihre Broduete erhalten sie nicht das, ivas sie w..:h sind, weil überall int gelammten Handel. beionkeiS im storn bar.'.i,;m i'\u! a:.?.i, tiu. sta''e.'hance! der Jude »ut wiiiem Monovol dazwischen geint.» ist. Di.'n'r allein .rittet, die i:eoCrtcfittei, verarmen. Der Jude bereichert sich aUmaitg Milf.cnen, <er Brsducent wird arm, der Eoiliument wird arm, das Bell in.d blutleer. Hier liegt der Grünt der nationalen Unjni'tieCeii bei:, d.; «atiengliit Bewegiiug: tu e das in die llriaehe des 'AitiuemitismuS. wie >a ■ aii.b die aUgemeiue Berarmuug andererseits die Ursache des SoeuiltsmitS g.woiden ist Der Unterchttl zii'i'chen der Soeialdemekraiie und dem Anti "'emiiisuiu; beste!» lediglich darin.- das; wir glaube», eine 'Alterung auf gefev licheui Bode» berreistihreu zu loniieu unter Aufrechierbaltuug der uiouarchuchei; Regi.iiiiigsst'iin. unter Aii'..ch:e. b iltuirg der Religion und der gegenwärtigen' iste'ell'Saa' se dniiiig. Wn glauben, eine Ge>nildung der Bolksverhaliuiffe herbei- 'uhreii :.. t.-. i',.tt. trenn nat den kraukmacheuden StostH da» Iudeuihum. ausfchetden. ii: eud d.e Lsciaidemokratcu überhaiipt nicht mehr glauben-, daß auf dem ... .u.u. iiligeu Boden, eine fle'ttnkung möglich ist. Das ist das, was uns von d.i . ..a.d'ii,el>.77in! .'II Bartet irr mit. 1 Juri,' links » Meine Herren, wir sind .de. in.:t:g, daß da» denuch.- Boll. wenn es unter sich ist, ge'uut werde» . lanrü w . last "a u.»ns.'bist.' rrständigen köniien, aber die Juten verhindern uns d.ii.ii'i das ist in st-re Ueberzeugiiug, frir die wir kämpfe». Und wenn es sich liiii d!'.!'.'!.:aeu Du:-:! audeli, wollen Sie mich, weil ich im Augenblick einige Ae:.-,-, nicht bi-e l ab.', tedtmachen. Das wiet Ihnen nie und nimmermehr genügen 1 Da werden Hi. im stände nur auf großes stovfichült-'ln stoßen. Damit sttiadeu Sie uns Aun'emiteu in keiner Weist', aber Tausende sichren f te uns duich >clche Maßr.g.'luug :n!'Rn» habe» sich der Herr Hosprediger und der Herr Ricken darum gestritten, wer von 'ihnen am meinen logisch denke. 2 iij l'o-':! des Hei» Rickert ist mir ganz angenehm, und ich denke, sie wird ' uns noch manchmal nützen- Der Herr Hofpredtger hat sich geirrt, wenn 'er iogte Herr Ricken, treten Sie von der I udeuichutztruppe zurück, dann wird es nicht mel r <0 erregt zngeh.'ti. 'Aber ich bitte Herrn Ricken, an der Spitze der ,>n0en>'ch'.!tzt!nppe zu bleiben-da ist er uns durchaiis i'ninpachisch und angenehm .Run aber ist etwas "geradezu »»erhärt. Herr Ricken hat erklärt, ich hätte in meiuchu Buche „Berzwei'lungskatiipf der arischen Kölker gegen das Indeiithuiii" einen Innerer erhabensten Monarchen angegriffen. So wird es mit mir immer gemacht. Wenn ich Mißstäiide klarlege, die irgendwo anftme». ~r-- dann heißt fS: Ich greife dort lind dort die Regierung oder Iustilntionen deS Staates an. Reist! dje Inden habe ich angegrisien und gezeigt, daß diese vor nichts zurückscheiieii, selbst vor der obersten Stelle nicht, und daß sie bei Kaiser Friedrich selbst testen edelste Tugend, seinen Wohlthüligkeilssinii, benutzt Haben, ihn materiell zu seffeln. Ich habe nicht angegriffen, sondern ich habe gerade diesen erhabenen Mann Hoch hingestellt. Das ist doch kein Angriff, wenn Jemand vertrauensvoll genug ist, sich von jüdischer Seite in Feffelu schlagen zu lasten! Rein, von einem Angriff meinerseits nach dieser Heiligen Stelle ist Hei mir nicht die Rede. Das Indenlhnm hat das bewirkt. Blicken Sie in die Geschichte! Uüberall Hat inan die hervorragendsten Weitte zu seffeln und ans diese Weise zu gewinnen gesucht, sonst war-' Indeiithuiii langst nicht mehr. So Haben sie es auch im Mittelalter geniaü,.. Ich venvahre mich vor allen Dingen auch gegen die AiiSsühriingen des Abgeordneten Stöcker, wenn er sagt: Es ist etwas Wahres an den Behauptungen des Abgeordnete» Ahlwardt- Rein, meine Herren, Alles ist in den Büchern und an den von mir ausgestellt eil Behauptungen wahr, (Lachen link») Präsident: DaS Work hat Herr Abgrordnete Richter. Abgeordneter Richten Der Herr Abgeordnete Ziniinerinanii hat gesagt Herr AHlwardt habe sich, wie er bezeugen könne,' bie größte Mühe gegeben, sein. Material zur Stelle zu schassen. Wenn trotz tiefer bezeugte» großen Mühe weiter »ichlS zum Korschein gekommen ist, als was heute vargelegen hat, so beweist daS, wie nichtig dasjenige ist, worauf er seine Behaiipiniigen stützt. Meine Herren, Herr AHlwardt ist nicht einmal imstande gewesen, einen Zusammenhang auch mir zu aNiknliren zwischen den Beschiildigniigen gegen die Regierung, wie er sie hier ausgesprochen hat, und demjenigen, wofür er Beweise Hinter sich Haben will. Er hat ganz znsaminenHangSloS einzelne BchauplNiigeit aufgestellt, dritte Personen und Privalpersonen beireffeiid, die aber in keiner Weise darznthnn geeignet sind, wen» er sie beweisen könnte, ob ettvas von dem gerechtfertigt ist, was rr an Korwürseu gestern und am -vorigen Sonnabend ausgesprochen bat. Der Herr Abgeordnete Zimiiierman» glaubte beiiiüiigeln zu müssen, daß das von dem Herrn Abgeordnete AHlwardt vorgelcgie Actenstück einem Mitglied deS Buiidesrachs zur Einsicht überreicht fei. Alles, was zu den Aclcn des Haii'c» kommt, ist sämmtlichcn Mitglieder» deS Reichstags gleichmäßig zugänglich. ES sind keine Geheimnisse mehr, und eS ist Brauch, auch die Mitglieder deS BundeSrathS von den Acte» Einsicht, nehmen Zu lasten. RichlS würde mich an sich verkehrter sein, als gerade denjenigen, gegen die »tan Leschiildigntigen ziiziifvitzen sucht, die Einsicht in" solche Acten verwehren zu wollen. Das ist daS natürlichste Recht, selbst in jedem gewöhnlichen Verfahren außerhalb tiefes HauieS. ES ist überaus bezeichnend, daß der Herr Abgeordnete Atilwardt leihst von scitie:» nächsten antiiemitischen Freunde keine PeNeetung hier ge. Iiinden hat, bis zu dem Augenblick, wo der Herr Ahgcordnele Stöcker sich feiner autiabm. Allerdings Herr Stöcker venvahN sich dagegen, ihn verlhcidigl :u beben: aber er lut sich nach straften bemüht, ihm Deckung zu gewähren gegen die BeriiNheilnng dieses Hauies, indem er in künsilichster LLeji'e wiederholt die Ansmerkiamkeit des HanieS auf stiehendinge abzulenken stichle, ans die eS heute absolut nicht ankam, dis zum Dheil gar nicht vor daS Forum de» Reilljstags gehören, und über bie au anderer Stelle schon genugsam verhandelt worden.ist. Freilich, daulbar ist ihm Herr Alilwardl nicht gewesen. Tie Herren »lüffeii sich ja uiitereiualider bester kennen. Er glaubte in der Aiststeu; des Herr» Stöcker nur eine Coilcurreiizbestrebulig zu erkeuuen, um in der gemeimamen Agitation gegen die Jude» ihm den "Polin zu schmälern, den er, Ahlwardt, in erster Linie beanivrnchen könnte. Meine-Herren. Herr Stöcker hat aber auch richtig innerlich erkannt, daß heute nicht bloß über -H er r n A h Iwa r d l der Stab gebrochen wird, ioiidern über die ganze antiiemitiiche Beiv.egniig iWideri'vinch rechi-k-), wie iie in erster Reihe getragen wird von hem -Herrn Abgeordneten Stöcker selbst: und wir sind dem Herrn Abgeordnecen Slöcker dankbar, baß er durch die Art feines Anitreteits seine ilinereiGeistesverwandtichast mit Ahlwardt so klar gestellt" hat. Er ist der höhere Ahlwardt, weiter nichts <lehhaftes Bravo ljnk-B, der genau so viel werlh ist wie Ahlwardt. iWiderspruch rechls. — Znrii'e. — Glocke deS Präsidciilen)— ^itr Cr&nnng? -Heilerkeil.) Meine Herren, Sie, Herr Stöcker, sind nur da», was Ahlwardt ist, mit dem Unterschied, baß Sie es verstehen, den AniiseiiiitismtiS, wie Sie sich anSdrücken, als „volitischeS Geschäft in höherem Sitst" zu treiben. iSehr gut! links. — Heiterkeit - Tiefe allgemeinen Teelamalioneii gegen Iudciithuin überhaupt sind cs gerade, die in solchen Persönlichkeiten niederer GeisteSbildnng, al» Herr Stöcker selbst sie hak, estten solchen Fanatismus -znt'eyt eiitznnden mästen, der es mit der Wahrheit io genau nimmt, wie wir es hier in den letzten Tagen erfahren haben. DaS bat .Sie ja" io clasfisch gekennzeichnet, baß Sie »och heute sagen: lieber zehn Ahlwardt's als einen Freisinnigen! Das weist Sie aus die Seite der Ahlwardi S, und wir lasten Sie Hand in Hand mit ihnen stehen! lind, meine -Herren, eine» ist so bezeichnend für die Art des Herrn Stöcker: so nebenbei sagte er in Anschuldigungen gegen die Regierung: beschwichtigend wirkte dieselbe, wenn eS sich um eine Firma wie Locwe handelt. Wo ist der Beweis bafiir, baß bie Re gifrung nicht unparteiische Justiz geübt, daß sie Schonung geübt? Run, meine Herren, was die Regierung in diesem Fall in der Anklage und Kerlheidigiing gelhan hat, das war sie sich selbst schuldig, daS war sie der Ehre eines Mannes

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