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Freies Blatt · 1893-04-02 · 52 (2.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
52 (2.4.1893)
Date
1893-04-02
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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feite 11. Nr. 52. Freies 1 .. ■'■■■■ sächlich von dem Hoiprediger Slöcker veranlaßt." (Lehr richtig! | links.) Nun, meine Herren, in diesem ReichSgerichlSerlenntniß hat Herr Stöckel! die Antwort: er und seine Freunde — sie tragen die Schuld, daß man den | Haß und den Neid gegen gleichberechtigte Mitbürger in unserem Vaterlande erregt hat. Sie ernte» jetzt die Früchte der Sadt, die sie gesäet habe». Herr I Stöcker und seine Freunde sind schuldig, und ich wundere mich, daß er sich . diese Antwort nicht selbst gegeben hat. (Bravo!)! Präsident: DaS Wort hat der Herr Abgeordnete Richter. (Derselbe ver- ’i sichtet.) DaS Wort hat der Herr Abgeordnete Ziinmerman». > Abgeordneter Zinuncrma»n: Meine Herren, der Herr Abgeordnete! Ahlwardt hat vorhin in seinen Aussührungeu betont, daß er de» gestrige» Tag ' dazu benutzt hat und den heutigen, um in dieser Frist das Material herbei-" zuschaffe», aus das er sich derusen hat. Und ich will dem ^vou alle» Seiten hier angefochtenen Mann da» Eine bestätigen, daß ich aus eigener Ersahrnng weiß, daß er den gestrigen Rachmittag, die Rächt und den Borminag benutzt hat, um an den verschiedenen Stellen, wo seine Materialien sich befinde», dieselben zu holen, beziehentlich an diese Stellen zu tclegraphiren. Meine Herren, ich muß das betonen, weil unbedingt die Fordernng von unserer Seite erhoben wird, daß die weiteren Beschuldigungen des Abgeordneten Ahlwardt ans ihre Wahrheit geprüft werde». Ich will im Voraus bemerke,,, daß meine politischen Freunde wie ich vorher nicht die geringste .Hnmtnif; und Ahnung gehabt haben von den schweren Anschuldigunge», die Herr Ahlwardt gestern an dnscr Stelle - erhoben hak, so daß wir für uns jegliche Verantwortung hiefür ablehnen müsse». Ich habe dem Herr» Abgeordneten Ahlwardt sofort gestern ein Hehl daraus gemacht, daß ich cS durchaus verurtheilen muß. derartige Angriffe im Reichstage taut werden z» lasse», ohne im vollen Besitz des Materials sofort zu sein. Meine Herren, wenn Herr Abgeordneter Ahlwardt nun sich »leine» Erachtens mit einem gewiffe» Recht aus seine llukeuntniß der Verhältnisse alS parlanientariicher Reitling berufen kann, dann bin ich auch der Meinung, daß »>a» im Interesse des Landes und des Reichstage» selbst ihm, die Möglichkeit offen lassen soll, spater Beweisstücke herbeizubringe». Meine Herren, ineine politische» Freunde und ich stehen der Sache ebenso kritisch gegenüber wie irgend ein Mitglied dieses Hause»; wir wollen abwarten, welche Bezvcise zu erbringen sind. Wenn aber hier eine so große Entrüstung herrscht, bann muß ich doch darauf hiuiveisen, daß in unserer Literatur seinerzeit »ach dein . Gründerschwindel nicht »linder schlimme Borwürse ohne Antwort und ohne Zurückweisung verbreitet worden sind. Ich verweise auf £tto (8 tagaus Buch „Ter Börsen- und Gründnngsschwintel", und ich will mit Erlaubniß de» Herr» Präsidenten nur eine Stelle auS diesem Buch vorlesen, dis sich gerade auf Per hältniffe bezieht, die Herr Ahlwardt ja selber gestern angezogeu hat. Sic sindeu aus Seile!H> und D7 in dem Glagau'ichen Werk solgcntc Satze: „Das Stärkste aber leistete doch wieder die TiSeonlogesellschasl mit de» Herren v. Hanseman» und Miguel an der Spitze-(Glocke des Präsiden re».) Präsident: Herr Abgeordneter/ich ineine, da» gehört absolut nicht;»>» Gegenstand der gegenwärtige» Berhandlungen. Wir sind jetzt beim Etat de» Reichsinralidevsonts und haben hiebei gelegentlich die Reden zu behandeln, dir der Herr Abgeordnete Ahlwardt gestern gehalten hat zu dicicm Etat. Abgeordneter Z iiumerinann: Tann ivill ich mich daraus beschränken, aus das Werk hiugewiese» zu haben und nochmals die Bitte anszusvrcchcu, daß man die Gelegenheit nicht veriäume» solle, volle eUarheit über Grund oder Ungrnnd dieser Beschuldigunge» zlffgewiliiien. Zum Schluß möchte ich mir aber eine Anfrage noch gestalte». Icks, möchte fragen ,— ich weiß nicht, ob cS zu den Gepflogenheiten de« hohe» HauseS gehört, daß, sobald Jemand Aetenslücke, beziehungsweise amtliche Actcnstücke, wie der Herr Abgeordnete Ahlwatdt auf den Tisch des hohe» Hause« gelegt hat, von einem Mikglietc de« Bureaus, wen» ich nicht irre, vom Herrn Abgeordncieu Schmidt (Elberfeld), sofort die be treffenden Aetenslücke dem Herr» Finanzministcr Miguel vorgelegl werden dürsc» (Sehr gut! rechts.) . Präsident*! TaS Wort hat der Herr Abgeordnete Stöcker. Abgeordneter Stöcker: Meine Herren, der Abgeordnete Rickerl sollte sich wirklich hüte», bei andere» l'eiitcn von Wirrwarr in der Rede,z» sprechen. i Seine Rede» sind auch manchmal nicht so geordnet, wie eine Politik im höheren! Styl es wünschenswerth macht. Daß er das, was ich für Herr» Ahlwardt gesprochen habe, eine Bertheidigung nennt, spricht gegen die klare Anssassung des Herrn Ricken. Wen» ich dem Herrn Abgeordnete» Ahlwardt die Fähigkeit ab- . sprecht, Politik in großem Stnl zu treibe» und ihn damit entschuldige, so ist das gewiß keine Perlheidigung. Herr Rickert, wen» ich Ihnen diese Fähigkeit ebenso absprechen wollte, so würden Sie da« schwerlich eine Bercheidigung Ihrer Person nennen. Also, Herr Rickert, in der Logik haben Sie sich heute auch nicht stärker bewiesen al» der Abgeordnete Ahlwardt. (Heiterkeit und Zuruf link«.) Run fragt der Abgeordnete Rickert: wer ist an der Wahl in ArnSwalde : schuld? Und er sagt: wir, die Eonservativc», sind cs, die doch von Herrn Ahlwardt auf das Aeußerste bekämpft sind. Rein, eine augenblickliche Strömung, und zwar eine untergeordnete Strömung hat den Herr» Ahlwardt | ausgestellt Da« ist es ja, woraus ich schon hingedeutet habe; darin liegt für mich das Bedenkliche und Gefährliche, daß mit einemmalc polilische Strömungen ohne jede Leitung austauchen, die ei» Ereigniß wie die Wahl in Fricdeberg-! NlatI. ArnSwalde zustande bringen. In ter Stichwahl Hobe» da»» -iio Eonielvaliven für Herrn Ahlwardt gestimmt. (Zurufe link« > — Aber wer hot denn »-mal/ das Stimme» bei der Slichtvahl einer ParicDäüs ihr Eoiuo geschrieben? Ta ivahlt man von zwei Ucbcliz das für die Partei kleinere; und darin stiniinc ich noch heute mit den dortigen Eoniervaiiven überein, daß trotz Allein, was wir gehört habe», Herr Ahlwardt gegenüber einem Deutsch Freisinnigen noch dos kleinere Hebel ist. (Große Heiterkeit. Zurufe link« > Meine Herren, ein Mann, der Ihnen (links) ilähcr steht als ich, Hot den Deutsch Freisinnige» die Ursachen der Wahl de« Herrn Ahlwardt klar gemacht, der nalionalliberalc Gerichrsassesior a. T. und Rittergutsbesitzer PaeSlc. Er hat uns aclenmäßig, so daß leine.Co,nmission braucht ernannt;>r werden, beschriebe», durch welche-Mittel der .strcis ArnSwalde ausgcwühll worden ist. Dieser nalionallibcrale Herr tagt: durch die ganz un gehetscrlichc» Verhetzungen ter deutsch srcisninigen Partei.--(Hört! böri! rechts.» .ich habe dik Broschüre bei mir;, der Hmr Präsident ivird wirgeslallen, wenige i Sätze zu verlese», »Glocke.); Präside nt: Es gehört "wirklich nicht zum Gegenstand unserer Tages - ordnung - Wohin solle» ivir kommen? Ich. muß zugeben, daß die Fricdcberger! Wahl von dem H§rr» Abgeordneten Rickert in die T ieeuino» gezogen ist; ich habe! Sic daraus antworten lassen. Aber wenn Sie'aus alle Detail» eingchen wollen,; dann würden wir u»S den ganzen Tag mit der Friedebcrger Wahl beschäktige». 1 Abgeordneter Stöcker: Herr Präsident, ich bitte nur um die Erlaubniß.! ganz wenig zu verlesen; es soll nicht zwei Minulcu dauern. Präsident: Rein, ich kann auch nicht zwei Mnniicn dazu geben. Abgeordneter Slöcker: Ich habe hier einen Wahlaufruf zur Hand/ in i demselben werden von der deutsch freisinnigen 'Partei die Junker viel schlimmer j behandelt als jemals von den tzlntiseinilcn das Jude,uhui». (Sehr richtig! rech,«)'; Mit einer Fülle von Unwahrheileu ist der Bauernstand gegen die Junker aut- 1 gehetzt. (Sehr richtig! recht»., lind der »alionalliberale Herr Poesie sagt mit Recht: Da liegt der Grund, daß'im .streue Fricdeberg Aruswaldc die Gcinülher , verhetzt und erbittert sind, weil der Deutsch Freisinn durch seine'unerhörte» : Uiiwahrheilen die <8emülher -unfähig gemacht Hai, zu erkennen, was schwär, und I iva« weiß ist. (Hört! hört! rechts. Sehr richtig!, Alio dieics Beispiel des Herr» Abgeordneten Rickert spricht ganz und gar sür mich, Aus die Broschüren will ' ich.nicht zurückkommcn. Ich habe die Punkte in der Broschüre bezeichnet, wo Herr Ahlwardt Recht hatte, und ich sage noch heute: Was ist gegen ein io > unverantwortliches Benehmen, wie das des Herrn Her>110"», von Scittn der I Regierung geschehe»? Bi» wir daraus nicht Anlwört haken, wird allerdings für Manche eine Versuchung darin liege», solche Zustände au'zudecke», wenn es die Dbrigkcit nicht thul. «Bravo! rechts., Meine Herren, wenn taut, gesagt, wird, ick, sei an der anliieuiilischcn Bewcgruig schuld, wenn selbst das Reichsgericht erklärt, ich sei der eigeuttlche Anfänger, so, nehme ich das nickst als eine Schuld, sonder» als eine Ehre aus mich. (Zuruf links. > — Gyviß, als eine große Ehre! Ich halte cs für eine der heiligste» Rolhwendigkeiicn eine« Volks von ü() Millionen, nach großen nationalen Thaten sich von einer halben Million Fremdlinge nicht finanziell ausplündern imöjinii seinen Geist betrügen zu lassen Daß das geschieht, daß wir auf de», Wege sind, die deutsche Seele a» das Iudenthttin zu verlieren, darüber ist unter Einsichtige» kein Z,ve,scl mehr; das kamr nur Ieinand. bezweifelm der wie der Herr Abgeordnete Ricken da« wenig bcneidenswerlhe Amt eine» Vorstehers der indischem Schntztrnppe auf sich genouimen Kal. (Große Hciidrleii.) Daß sich m Deutschland deulshe Menschen finden, die kür die Inden die stastanien ans.dein Feuer bö!c», muß den Fanatismus im Volle schüre». Ja. diese elende Tdalsachc der Indenschntz lluppe mit iluem «üeneralstabsches /Heilerleit, ist eine-her Hauvtnriachcn von dem Wachsen des Antiieiniiisinn«. Herr Abgeordneter Ricken, legen Sie das Amt nieder! Täni, tverde» die Wogen-vielleicht ein klein ivenig ruhiger gehen Bravo! rechts) ■ Präsident: To» Wort hat der Herr Abgeordnete A.Iward!. Abgeordneter Alilivardt: Meine Herren, der Herr Abgeor'-nete Rickert hat hier zivei Frage» gestellt: Erstens, iver ist schuld g» der Wahl in Friedeberg-Arnswalde, und ziveitenS, wer ist schuld an der ledigen aiiltseinilisckien Be wegung? Bezüglich ter Wahl in Friedeberg AtnSivalde ivill ich ihm volle stlar heil schaffen. Ich halle da» Lcdütsniß, geivällt ,ll werten,, weil ich wünschte, daß ich hier lei; n»d heute iehe ich nin-oinehr ein, daß ich hier' durchaus eiiie stkothwendigkeit'bi». (Stürmische, anhaltende Heiirrten., Da ich nun dieses Bedürsiiiß einmal halle und erfuhr, daß mein Herr Vvrganger im Wahlkreise, der Herr Landrath v. Mener, gestorben ,'ei^ bin ich-hmgegange» und habe auch den Leuten s» Fricteberg ArnSwalde mich vorge.stellt und geiagi: Ich ivill das und daS; ich bitte, wählen Sir mich! Da haben sie mich gewählt DaS ist die ganze Geschichte der Wahl in Fricdeberg ArnSivalde. >He>lcrkeil:t Sehr viel ge Holsen bat allerdings dazu Herr Rickert — ich ivill nicht >'age„, woher er ist - aber der Herr Abgeordnete Ricken^ er hat find) seine Rede dort derartig durch schlagend gewirkt, daß sich in ArnSwalde, cineul £a, in dem ich em einzigesingl gesprochen habe, eine volle Trennung der beiden Völker vollzogen hat. daß käst alle Deutschen für mich und alle Juden für de» Herr» Forischrilismann ge stimmt haben — und da« Hai mit seinen Reden der Herr Rickert aus Putzig gcihan. (Heiterkeit.) Wenn nun aber ziveitenS getagt ist, daß die He>rc» Eonscrvalivcn für mich gesiliimil,!ö bin ich allerdings dankbar dafür Iiiziui-chen

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