Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 52 (2.4.1893)
- Date
- 1893-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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reite 1<*. Nr. 52. Freies Blatt. wir in Znklliiit rer fauchen PolkSerreguiigen gesichert sind. zZnstimmung und tebliaüer Widerpr'nch. Präi ident: Das itfort bot der Herr Abgeordnete Ahlivardt. Abgeordneter i'lhlwardt: Meine Herren, der Herr Abgeordnete Stöcker bat »iiiachn Peraiilaffnng genoinmen, daran;n zweifeln, ob ich mir ein politi icheS Uribeil bilden tonne. Meine Herren, das ist seiüe Privaffachc. Fch glanbe, darüber weiden wobl die Menllben in der Welt niemals einig iei», ob ein Mann ininande ist. nch ein poliii'ches llrtbeil zn bilden oder nicht, out AU gemeinen wird wobl nieder zniiächsi von sich glauben - wahrsiticinlich oft genug nnbereel'tigt — dasi er dazu imstande ist. Zuweilen koniint man ja dann nach reiiliesier Selbsipruinug zu-der Ueberzcugung, dasi noch dieses »nd jenes scblt, dasi noeb die'es und jenes bester sein konnte. Ich nebme es mit dieser Prüfung nrciner eigenen Fädigkeiten, dann aber auch mit allen politischen Zachen von Hans ans lebr ernst. Zch bade niemals daran gedacht, dasi die Politik ein Pergniige» ist, das inan sich in einer arbeitslo>en Stunke gönnt: und inci» Ser»' bat mich da;» grsnhrt, gerade in den erwerbenden, in den arbeilende» Polkslrei'en ini.1i iimzu'eben: und ich bade allerdings die Ueberzeugung ge Wonnen, znnachit in deik.Preisen, in denen ich mich befand, dasi ein ungesunder voliti'chet. Znstaiid si>1, beransgedildet hal. und 'dasi der nng-sillide Ziistaud gcbobeu weiden miisi. nenn er nicht zur schweren Eikrankung und endlich;um Tode üibien ioll. Zch bade die Augen ausgemachl, und wo ich clwas Unrechtes wabriiablli, bube ich auch iin Privatkebeu mich nie geicheut, dagegen anszutrcten, und wo ich iin politischen Veden etwas uligerechtcs walirnabm, bade ich allerdings ivabrend vieler Zalnc mich irhr gescheut, dagegen auszntrete». Als ich adeb endlich von meiiieni G.-nin,» gezwungen wurde, es doch zu ilinn, bade ich es riichsichislos geid-in Mil voller nsetzung nieiner Perion. Zch bade nie irgend einen Menschen vsrsli .1l aiigegi i'irn und ich bade nie einen Menschen angegristen, obne das; ich den Grünt: e. Augl ine aepn:s: und nach metner festesten Ueberzeugung für wahr befunden balle. Miine He:re:i, iiii po.rti'chc,, stainpsc ist >a leider die Heuchelei etwas nicht '.Ine:neb.nl:ch,^-, und ich glaube, inanchcc von Zhncn bat das Pewnsilsei», dasi in:, gegenüber!»e und da wobl Heuchelei beute nicht ganz aiisgeschlosten H.-::.-.te,t. Meine Herren, an und für sichelst und bleibt sicher jeder von Zbneu. nenn er sich ini innersten Grunde seines Heraus prüft, der Meinung ' ich l abe d te'e Zachen, di. ich langst kannte, und ^bezüglich deren ich langst ent 'chloist-n nar, sie bier. re r-.elive >onst in der Zefsentlichkelt voiznbriIlgen — ich babc d ien in An,zenbuck gestern nicht die Absicht gebabt. sie vorzubrillgen; alle, l:e Z:e die Tniw,ck:niig gehört baden, liaben gesehen, daß das gesi.'r» Zu'an war: die Absicht, sie;u bringen, halte ich gcgenivcirtig nicht, Run ist der Her. lieber-st' über alle Maßen bedauernd gegen mich geworden, dasi ich >o rein aas Za'.rll liier gestern Peinand aus die Zehen getreten baue. Meine Herren, '.'tut nur doch der Zache klar in die- Äugen.' Zch habe die beweise da'üi. ich. habe auch die Absicht, gelegentlich davon Gebrauch zu machen. Ploh sich eiiliri.le.te si.1 gestern, wie cs io zuweilen geht, im 'banse der Tedailc der . A»g«stc-.-.e.,>-i:siaitd. -.'am kann ich die Betveij« nicht tn der Minute auf den Tuch d.:- Hanns legen: ich-kann es nlchl, da sie vertlieill sind in de» H.mden ivcni.,.: Eirund.-: ich kann das nicht in der kurzen Zeit. Zch habe heute ver- Nichi, IN der st. i-stdli noch eine kurze stritt zu geivtnue»: sie ist mir nicht gewgl .! r. .ide Unniogliast. it Meute niii reliustbe Urihensst'ügkdtt zngemutbet ist, ja, da musi ich mich dasi es ,a >o..maiichett 'beuicu almkich gegangen, die vielleicht in Anderen voransei.te», mogticherweist bereits auf eine Zeit ge d e erst in der Eiiinncklnng begriffen ist. Meine Herren, mir ist auz ernst: und ich bin der Uebeezengnng. dasi mein politisches riid traurigerwei'e ein 'ehr, richiigks, vielleicht das allein richtige 'me.ne kleberzengnng meine streiheit, mein Ta-ein cm. Aber . bin der Meinung, dasi sowobt der Herr Abgeordnete Zlochest den siamps 'ubrl, utdit znm Ziel komiilen wird, wie e «üeoiier sind. Alle diese Herren lasten eine Grundlage all. das deut'äie Batet land gcsnn: machen, ohne doch c-i’i nn i.adilch zu machen. Meine Herren, die-e Thaiiache . i: Zch : r.be vor vielen Herren m dem Reichrlag. vor allen in allen P-uleien große Achlung: sie wollenalle das Beste, inolravn b:s zn den Eonscrvatlvci!, Zeder in seiner Weise, m-.ine H.rren. von einer Partei, in der man zevl lacht, n.ln Zch b:» aber der kleberzengnng, daß sich alle ii» in glaube«, dasi eine Gesundung der Kaierlanve» r Anst,changsstoff, das ircinde, Xranlhcil erregende Bolk in- )^>>d, die cs bei uns bat. Tahin wende ich allerdings ch..::: Herren, c tan« ich nur sagen, dasi ich heute in die vt b:n, de-w Beweis zu erbringen, unk daß ich die Eommision batte, doch IN keil sterien es entgegenzuistchmen. iv: vergeblich g.b Herren, n..in dainu ii osten. - ihrem II.:i,:i sehen bal.... : es »oll : Unke : . ist. stt ' mem. H IN '. IN. i . die H>. I,v. t' lmbu .iiti;:: i st , den!i ai.liii.nl, nt. laß! sich V...1: l ii möglich, i von den (He-.te-.ke:-., - sta sprach nt, ..ll.r: iinv Jrntiim resinden, möglich ^i, nein den :tie.1 tvi: g.daid juiiad,;) meinen Anhch-, mW da bette ich, daß ich bei allen möglichen Parteien, wenn auch zunächst nur bei etnzelitcn Gliedern derielben Zustimmung stndeit werde.1 Wenn Sie-es sich rcllsiandig überlegen, daß tbat'achlich heutzutage ein Mißverhauiiisi enistandeu ist,.daß eine Berarmung der großen Massen eiutrut. daß Ricmand Hiebe das erbaii, ivas ec sich thpfach'.ich erarbeitet, >vndern daß der bohn der Arbeit in 'remde Haube kommt -Unruhe), dann werden Zie mir in -sthrcin H.izrnsgrimde Recht geben miineii. si.1i führe nur dieien .stampf: und . nur insofern ich Lhatsachen finde, die diesem stampf nützlich sind, sühre ich sie a», nicht, um Einzelne zu schädigen — warum sollte ich Herrn i!oewe schädigen? ich habe von ihm in mancher Beziehung sogar manches Gute gehört — ich thue cs darum, weil das im allgemeinen Kamps nützlich ist. Bon der Wahrh> it dessen bin ich voll.überzeugt; ich bin mir desien jetzt ebenso wie jemals früher klar und deutlich bewußt, daß das, was ich behaupte, wahr ist; und das will ich auch Nachweisen. Warum urlheilen Zie denn heute schon in den einzelnen Reden, bevor «Sie den Beweis gesehen haben? sZuruse.) Der Herr Ab geordnete Stöcker hat nur die Absicht, den heutigen Angriff aus mich, von dem er eine Zchädigung meiner Person erwartei, dazu zu benutzen, um de» Erfolg unserer Thätigkeit für die conjervativc Partei cistzuheimsen; das allein hat ihn bewogen, meine politische Fähi gkeit in Zweifel zu ziehen. (Große Heiterkeit.) Meine Herren, daran denken wir nicht, der conservativen Partei dienstbar z>v werben. So sebr wir auch i» vielen Dingen der conservativen Partei nahe sieben, besonders int Festhalten an Monarchie und Ehristenlhiini, glaube ich doch nidit, daß Sie die Bewegung durch die Art und Weise, wie Sie heute mit mir -verfahren, fördern,werden. Sie werde» über Zhr Vorgehen anders denke» in lveiiigen Tagen, wenn Sic erst noch genauer überlegt haben. Glaube» Sic nicht, dasi Sie dieser, großen, deutsch-patriotischen Bewegung, die frei ist von jeder Partei, dadurch irgend einen Rachthcil bereitet, haben! Im Gegenlheil, meine Herren, deutsche Männer werde» sagen, von allen Parteien, auch von Zhren Parteigenoffen: ihr hättet den Angegriffenen doch, bevor ihr ei» so scharfes llrtheil fälltet, noch mehr und ausführlicher hören und mit eurem Urtheil, noch dazu vom Standpunkt hoher sittlicher Entrüstung, der sich allerdings etwas eigenthümlich auSnahm, noch zurückbalten sollen. Meine Herren, Sie werben sich überlegen, daß in bi eiern Punkt ich nicht zu meinem Recht gekommen bin. Zch kämpfe aber weiter, ich werbe nicht aufböreii. für meine Sache zu stehen, für meine Sache zu käinpfc», Ricmaiid zuliebe, Riemaiid zuleide; unser dculickjes Baierland allein ioll den Ruhen davon baden. Präsident: DaS Wort hat der Herr Abgeorbnele Rickcrt. Abgeordneter Rickerst: Meine Herren^init dem Herrn Abgeordnete» für Arnswaldc Fricdcberg will ich mich nicht ibciter beichäftigen; ich glanbe, daß die leyle Rede uns gezeigt hat, daß der gceltrlcHetV sich in'einem Wirrwar der Gedanken befindet, ans dem er niitzl/hcranskommeii kann. Einen einzigen lichten Punkt babc ich allerdings in seiner Rede gefunden, an der Stelle, an welcher er sich mit seinem Freunde Stöcker beschäftigte. Ta»Auftreten des Herrn Stöcker hat zu dem heutigen Schauspiel nns ja noch gefehlt. Er konnte es nicht nntcrlaffen, weil er die innere Verwandtschaft, die zwischen ihm und Herrn Ahlwardt besteht auf diesem Gebiete, fühlt, heute, nachdem er ihn abgeichlachtek Halle, doch mildernde Um stände für ihn beizubringen. Ter verehrte Herr College Ltöckcr wird aber wohl gesehen baden, daß seine Vertbeidigung ans unsruchtbaren Boden bei dem Abgeordneten für Friedcberg-Arnswalde gefallen ist. Derselbe hat ihn geradezu dcnuncirt, daß er die Absicht hätte, die Thätigkeit der radicalcn oder der reinen Antisemilcn, die der Abgeordnete Ahlwardt repräsentirk, für die conservative Partei ausznnützen, und dazu will Herr Ahlwardt sich nicht hergcben. DaS kann ich ihm ja auch nicht verdenken.' Meine Herren, das Rdcrkivnrdigste aber und das, ivas mich veranlaßt hat, das Wort noch einmal zn nehmen, war die Entrüslnng, mit der der Herr Abgeordnete Stöcker '— gerade dieser Herr! — die Schuld frage-hier antgeworscn hat. Wer ist — ruft er ans — Schuld an der W ahI des Abgeordneten für Friedeberg-ArnSivalde? Ich habe ge meint, Herr Stöcker könnte sich diese Frage mit der Wahrheitsliebe, die wir ja an ihm gewohnt sind, sehr einfach selbst beantworten. (Heilet keil; sehr richtig! links.) Zie, meine Herren, haben die Schuld; das ist eine positive Thatsache! Haben Sie denn den Aufruf nicht gelesen, in welchem ein ssandralh, .ein im Tijuist befindlicher eon-ervativer Vandrath — Herr v Barnstedt heißt der geehrte Herr — ein .streisjecretär und ein Zeminardirector, auch coiiservative Herren, öffentlich anfgesordert haben, für die Wahl bcS Herrn Ahlwardt ei» ziitretens Und nun fragt Herr Stöcker »och: wer ist Schuld daran?! Diese Frage hat mir wirklich einen sehr eigenihümlichen Eindruck gemacht. Herr Stöcker bat auch auf mildernbe Umstände iplaidirt für-die Angriffe auf die Stadtverwaltung und für die bekannte Broschüre, die der Abgeordnete für Friedeberg-Arnswalde geichrieben bat. Ich glaube, Herr Stöcker ist sehr weit darin gegangen: über die Broschüre »Der Verzweiflungskamps", denke ich, schweigt er bester — eine Broschüre, die schon um deswillen mit Entrüstung im deutichen Volk anfgenomlnen ist, weil dieser Mann eS gewagl hat, darin den hochgefeierten Ramen eines deutschen Kaisers in de» Schmutz zu ziehen in einer Weise, wie es Niemand bisher für möglich gehalten hätte. Also von dieser Broschüre thun Sie bester, zu schweigen; da sind mildernde Umstände in der Thal nicht vorhanden. (Sehr richtig! links. Ru», meine Herren, wer ist Schuld an der Bewegung, an dieser Ant'ivnhlung der keidenschaffeii im Volke, von der der Herr Abgeordnete Stöcker gesprochen hat? Zch dächte, Herr Stöcker müßte daS wisse». Zn einem Erkeiintniß des Reichsgerichtes vom 6. Zuni 1886 steht Folgendes»Denn die antisemitische Bewegung, mögen auch nachträglich in ihr andere Führer ausgelrelen und hinzugetrelen sein, ist boch'gerichtrbekaniiiermaßcn Haupt-