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Freies Blatt · 1893-04-02 · 52 (2.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
52 (2.4.1893)
Date
1893-04-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52. Seite 5 Freies ßlhlwardt entgegen »nd blieb länger, als ursprünglich beabsichtigt war, beisantinen, nnt ihm Gelegenheit;n bieten, die Schriftstücke, deren Besipes er sich gerühmt hatte, als Beweismittel vorzulegen. Das, waS iinn Ahlwardt dem Seniorenconvente vorlegte, rührte zwar von einem Diebstahl her, war aber für die Beschuldigungen, die Ahlwardt hätte beweisen sollen, ohne jede Bedentnng, nnd es wurde conslalirt, daß ihin auch nicht der Schatten eines Beweises gelungen war. Mit jener Berstocktheit, die, wie jeder Kriminalist weiß, solchen stkckturen eigenthnmlich ist, suchte Ahlwardt vor dem Seniorenconvente seinen Plan für die Reichstagsferien iusoferne zü retten, als er.eine „vertrauliche Behandlung" der von ihm producirlen „Beweise" durchsetzen wollte. Allein dieses Ansinnen wurde zuvttckgewiesen, nnd ein!,eilig erfolgte die Berurtheilung Ahlwardt'ck. Eine ebenso klägliche Rolle wie-dieser gewerbsmäßige Verleumder spielen auch diejenigen unter seinen Gönnern, lromplicen und Rachahmern, welche jetzt bemüht sind, ihn zu verleugnen. Tie ganze antisemitische Bewegung erscheint durch das vom Reichs tage genehmigte Berdict deS SeniorenconventS gebrandmartt. Dasselbe trifft sowohl Iben niederen Ahlwardtismns als auch den höheren der Tivoli-Antisemiteit, denn Allen gemeinsam ist eine .siampfweise, deren hervorstechendstes Dkerkmal Verlogenheit ist. 'Mag auch der Seniorenconvent, wie sein Berichterstatter hervorhob, sich 'nur mit dem jüngsten ,volle Ahlwardt beschäftigt haben, so läßt sich doch keinen Augenblick' verkennen, daß dieser «fall ein typischer ist. Gleichviel, ob eS sich mit die Verdächtigung richterlicher Fnclionüre, her Militärverwaltung, hervorragender Regierungsmitglieder, Parlamentarier oder Verwaltungsorgane handelt, ob ein sogenannter „Ritnalmord"' oder eine Schädigung des Genieinwohls durch betrügerische Schliche behauptet wird — die '.'luttlemiteu sprechen imitier Beschuldigungen aus, ohne sich ans. ein thatsächlicheS Material stützen, zu können. Was sie als solches aus geben, beruht gewöhnlich entweder ans Fälschung oder ist ganz irre levant Daö .tlörnchen V-ahrheit, welches sich in den Prodncten ihrer Angeberei hie nnd da findet, scheint keinen anderen Zweck zu haben, als über den wahren V-erlh des sonstigen Gewebes von tilgen und Entstellungen zu täuschen. Die denkwürdige Reichstagssivnng, in welcher die Berurtheilung Ahlwardl's erfolgte, fand am Marz statt und nahm »ach deui unS vorliegenden ste n og ra p h i sch e n Protokoll folgenden Verlaut: Nachdem Abgeerdneicr Ridiler conslalirt, das; Ahlwardt den Beweis für eie Beichuldlgniigen, die er aisi 2l. i'uir, vcrgchracht, schuldig geblieben sei. Hieltet fii1> letzterer tum Wort. — Abgeordneler Ahlwardt: Meine Herten/ ich wurde gestern in Folge tviederholler Provocalion veranlaßt, von Acte» zu sprechen, die allerdings von der maßgebendsten Bedentnng sind, die ist aber nicht int Augenblick liier vor bringen mellte stch hatte mir Vorbehalten, bei einer Gelegenheit nach Wieder erössnung deS Reichstages nach den CiViforiiii 511 einer längeren Debatte durch die Borlegnng dicker-Acten Beranlassnug;n geben nnd däransbin meine An trage zu stelle», Öd, habe mich sogar dazu verpilichtet, diese Acten wich Be endignng der Fern» hier abzngeben. Li» zverden begreifen, meine Herren, das; bei der vage, in der ist mich befinde, diese Acten — es sind ja über zwei Ecutner — nicht in meiner Wphuuug vorhanden sind «HeiterleüLr ich habe sie vielmehr am' eine ganze Anzahl von Freunden, tbeils in Berlin, tliciie» außerhalb Berlins, v.-«heilt. Es ist mir aber glei.lavobl gelungen, wenigstens einige davon bettle zu beschatten. Was einen zweiten iheil belrint, io erhalte ich eben die Depet'che, daß der Manu gterreist tväre, aber schon nach drei ragen;iuiuffomine;: dann Hai einen großen a heil,der Acten der Berlagsbnchhändler Glöß: derselbe theilt mir aus meine telegraphische Anfrage hin mit, daß, da er jetzt selbst wiederholt von Haussuchungen bedroht sei, er sie einem Bekannten gegeben habe, und sie mir persönlich überbringen würde. Es ist möglich, daß dies heute noch geschieht, ,<Zurus links) — Zn verlangen haben Sie gar nichts! Es handelt sich darum, daß iät hier 'meine freiwillig gebe. Zn verlange» haben Sie erst etwas nach de» Osterferien, weil ich mich dann zur Borlagd verpflichtet bade. Dansit aber die Sache einmal in stlnß konrnit, habe ich denjenigen Dheil, den ich heute erhalte» konnte, bereits heute tnitgebrachl; nnd tjch lege ihn Iiiemit ttieder, nur mit der einen Bitte, daß mir in den sterie,^ nochmals gestattet werde, Einsicht in diese Stücke zw nehme»; denn sie ergänzen sich mit vielen anderen zusammen zu einem Ganzen. Das Ganze wist ich gleich nach de» Ferien, sobald der Herr Präsident mir das Wort kazit ertlteilt, zur ans sührlichen Darlegung benutzen, t Zurufe links) — DaS Bvrleien hat absolut keinen Zlveck;. denn die Dheile gehören zusammen, und eS ergänzt sich eins an» kenf anderen. Es läßt sich der Bortrag nur ans detn Ganzen machen. Sic brauchen keine Angst zu haben, meine Herren; Sie werden eben Alles sehr taug und ausführlich ttnd deutlich hören. Seien Sie ganz ohne-'Sorge, entgehen soll Ihnen kein wichtiges Stück! Der stnhali der gesammien Acten tvird vorgelesen werden, es wird kaS Alles znsamuten ein große-! Ganzes bilden-' Öch werde Ihnen adsolttt nichts vorentbalteu. s Blatt. P räiident: Zur Gejchästso:d»ung bat das Werl der Herr Abgeordnete tk'-ras v. Ballestrent. Abgeordneter Graf v. Ballestrem: Menu H.-rten, i.b wn.de den Ar.t-.ag stellen, zunächst untere Sivung ,et>t an>' eine 'D.'.uud.-;, :.-,ß während dieier Stunde die Htvödulscheu Bert'e.n,etr-:-ntai,i..'> e.. Hausis att-> alle» Parteien, die man \ ttlie.-- den Scntorcuconvent vcn.z: inner dein Besitz unseres verehrten Ptästdenlcn ztt'atninentreteit und die 'Actcnstncke. welde-der Herr Abgeordnete Ahlivatkt ani den Lisch des Hanne nieketzzelegt bat, prnien, daß dann von dicken Herren ein Berichtet stacker ernannt wird, welcher b>i -Wiederbeginn der Sitzung dein Hause über diele Acteustücke berichtet. ,S>br richtig!» Dir» ist mein Antrag, nnd ich bitte den Herrn Präsidenten, th» zur Abstimmuttg zu bringen. Ptäsideni: Zur t'H'chä'isordnung bat das Wort der Herr Abgeordnete Richter. Abgeordneter Richter: Meine Herren, ich tvill nur in diesem Stad.iatn dczr Berhattdlttngen gegen den Ausdruck des Herr» Abgeordneten Ahlwardt vrotestireu, daß wir ibtt provoeirt hätten: Er ha! uns provoeirt bei der Debatte über das MititatpensionSgeietz l Sehr richtig!) durch Attfchnldigitngen mtgeheuer' ticher Art gegen die Reichsvetzwaltnng, und.nach solchen Provöeationett waren wir verpftichtei, von ihnt-eine Betvetsslellung zu verlang,». Dem Herrn A'bge oidnetrn Ahlwardt begegnet es nnmnehr, daß er in dsm Augenblicke, wo ihm die Beweise fehlen (Glocke de» Präsidenten)-. . Präsident: Herr Abgeordneler, daS gehött nicht znr GeichästSordttung. Abgeordneter Richter: Zur Geschäftsordnung will ich mich kan»,daraus he-chränten, dem Antrag des Herrn ('Hafen Ballestreni znznniittmen. Aber ich sehe keine Berattlassiing, die Sitzung des Hauses attszufetzen, deshalb, weil tvtr ja noch andere Gegenstände der Dagesordnuttg babrn. nnd ich meine, die stt.age der Bertagnng der Sitzung tönne nur' dann rrst praktisch wetde», wenn die Eonnniisio», die der Herr Ab.eordt.ete Gra>' Ballestrein beantragt hat, am Schlüsse .ker Erledigung unserer Tage?vt'dnni:g ntcht tnii.ihrtn Atdenen bereits, fertig ist. Präsident: Zur t'>eichastsoldtiuttg hat das'Won te-e He-.r Abgeordnete Ahlirardt.. Abgeordneler Ahlwardt: öd) (atm zur Hsi-d'ailsoi'fnuug nur bemerken, daß die Uttiersnchtittg dieses ganzen Materials durch kie>e Perlrattensmäuner, nnt die ich dringend gebeten Hane, erst dann ritte» Zweck bat. »>01111 die Aeteu vollständig sink, iveaut be-otiders die Ac'l.n aus Vcivzig von Gtöß kommen weiden, die mit dielen zusammen allerdings sthen eiit wesi-ntticheS Stück bilden'. Wenn der dritte -Dheil der Acten nvckj komint, um den ich durch Depesche gebeten habe, dann Kat'das eben einen;siveck: diese Äeten an-'»nd für sich, io hochwichtig sie sind, sind allein ganz nnve.rstnudtich, nnk ich bitte mir Zeit zu lassen, um die Acten hcrbei;tt>'chasseit. Dime Herbeischanuug d:e>er Acten bat (fric Beiprediitug darüber gar leine Bedenmüg,- ich erkläre Öbnen. daß die ge- >>'amniiett Aeicn zur Stelle,kenunen werden, - >0 schnell cs inögliä, ist; tauf Weitet es kann iät »tickt ab>'olttt »idit ciittast'en tVadicu.) Präsident:;',ur Ge>d asisordtmug la:. das Wort der Herr 'Abgeordnete Freiherr v. iiitenm'1. ' Abgeordneter Freiherr v. Mantenf'el: -Bietne Herren... idi tnvdne den! Antrag des- Herrn 'Abgeordneten t'>-.a>c'tt v. Ballest:cm uute-.stutc-.i gegenüber drn Att-sfübrnngen de-! Hetrn Abgeoidneien JH'df.ee, das: die B>Tagung nicht stattsinketi soll. Der Herr Adg.-otduetc Grav. Ballrsttetnl da: b autragt. däß dir'srr Ectiimi>'sicn — tvill idi. k:e Hetic» etnutal nennen ecc P,asid.nt dieses bolicn Han-'e-s rctsttze Ött ci,-'e. öcttuni-swn tvi.' nnzirevetbas: andrer Herr Abgeordnete tsitas v. Ballesttem eiuneieü. a a ist es tWiIu-e nnttio.chtckv. ' der Sitzung des Hatn'cs Fortgang zu ver'chancck, weil der.;we>:e- Herr B'.eeprasident nicht anwesend Ist. Al>'o ich meine, daß schon'aus siesint etitett Grundc die Bertagnug staiisinden muß', eb nuu aut -eine Stunde oMeine Zen, die vielleicht langer oder kürzer bemessen ist, das ist-eine ai-dete Frage, Aber daß wir die lluierstid'img beule so'vrt vortlebmeu. bitte ich itir tiot'.uveudtg schon um. Len Beweis zu ltet'eni. daß es uuaugaug:,). ist, :a . nadi meiner Aiistdtt nneiböu ist,. Beichulvigttngen anSznspred'en, die- 11 an. nidn in der Vage-ist,'.zu - beweisen, tntb iticbeiontet/ ttjdu ’e’cit ztt b.wet'eu tAU'etltgec lebbasicr Befall > Präsident: Zur t'>c'd>asiso'.'di!ttug hat das-Wort der Herr Abaeorduete^ Rickrrt. P ' . . Äbgevtdtieter Rickert: Bieine Hetrrn,'iät batte es auch 'ttr absolut nrtb weudig, daß >'otort dte>'e Acieustücke. die der Herr Abgrotditete Äblivatdt hier vorgelegl bat, nutet'»cht werden. Wenn, der Herr Abgeordnete Abtward: Las uidit wollte, datttt baue er 'eine Zunge g-steril im ,',aum>' I-attcu 'ollen. .Srt c ridnig!) Derartige Be'dmldigttngen der Regierung, von Ministern, von ..Mit gliedern die'es Haust's in Kober Stellung" hier'''ö>'et::!i.tt an« der Snbüiie aus. znsprechen. heißt enras Ättderes, als in Boltsvet'amml'ungeu Uuivabtl'-itcu dem Bolle vorznerzähle». äSelir richtig! - Glocke des Prasidcuteu. Präsident: DaS'gebSrt nicht zur Ge'cha'tsottttttug. Abgeotdueter Rick ert: 'Hot: Ptastdeut, ich bin .tttdt - lv.:: ö-!t bade getagt, iva» ich lagen ivollte. , ' . Präsident: DaS Wort zur Gesitiastsordautig!tut Al-aeo-.dnete Rtckert.

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