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Freies Blatt · 1893-04-02 · 52 (2.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
52 (2.4.1893)
Date
1893-04-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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I Seite 4. Freier Blatt. l'J lHir": der Zeuge möge hier keine Aomödie spielen, die mit der Würde und der-Majestät de» GericiNsfaaleS im Wiker'prnche stehe. Der Administrator de? „Tcimchcu Volksblattes", Wichclin Mader, gab an, das; die Redaktion keinerlei Einfluß ans die Akanisition von Inseraten »ehiiie. Präfi teilt: .»ioiliinr es nie vor. daß sich die Redaktion bei Ausnahme von Znferaten einnicngk? — Zeuge: Nie! — Präsident: Sic berechnete» die oiivratf nach;n>ei verschicdeuen Tariffätzen Zch frage nun, wurden die Znseiatc auch „ach Zeilen berechnet oder werden Pauschalsummen gezahlt? — Zeuge: Sio wurde» gewöhnlich nach bei» Zwanzig Keenzer-Tarif berechuet, und ich er innere mich aut einen Fall, wo die Znierate seiten» der Administration sistirt wurden, weil da» Pauschale schon erschöpft war. — Präsident: Ta» ist eigentlich keil, Pauschale. — Zeuge: Za, e» ist auch da» Gegeiithkil vorge . kammeii. bei der Slaatscisciibadiigefellichafl beispielsweise, welche noch ein Gntbabe,, bar: — Präsident: Wie hoch ist diese» Guthaben? — Zeuge: 174 fl — Jr, Soinaru: Haben Sie diese 174 fl. der Skaalseifenbahngesellf.1m'! znrüclerstaikek? — Zeuge: Nein, dieser Betrag ist beute »och offen. —?r Somarn: Haben Sie aber die Slaatseiie»babnge>ell>chaft von diesem OU,tl'aben ivriiändigt, da» wäre Ihre Pflicht-genieien? — Zeuge: Nein, da» habeich nicht geiban. — Präsident: Haben Sie seither Zbre vierteljährigen Znierate,niebübrcn von der Staalseisenbabngeiellschast eincaffirt? — Zeuge: Za! Bei Pernehm-ilig de» Zeugen Emil Saga, der bei Banken und Bahnen .»n'erate für da» „Tent'cbe Bolk»blatt" zu erlangen suchte, wurde eonstatirt, das; dasselbe auch von den k. k. Staal»bahneii ei» Pauschale beziehe. Zuliii» Patzett, „Schriftleiter" de» „Teim'chcn Bolksblaites" im voll» w;r!li'chas>liche» T Keile. erkläNe, daß er sich niemal» ui» administrative Znler >s'e:: kümmern baue. — Bcrlheidiger: Sie druckten Berichte an» anderen Blauer» mir den Worten ab: „Ten Judenblättetn^wird gemeldet' . . . Gaben Sie eine solche Einbegleitnng auch bei den BerichleiwwKber Gesellschaften, welche dem Blaue bezahlten? — Patzcll: WahrsäieiuljchWQ-^-^r thcidiger: Zch kann das Gegenkbeil dartbiiu. — Patze'lt: Bei if» Untcrnchiniiiigeii, welche uns ihre'Berichte 'elb't einschickien, brauchten wir dieselben nicht, von ankeren Blattern atzziitinckeii. Au' Betragen des Präsidenten erklärte Patzett, die An gi'-ne de» „Bolksblaite»" gegen die—Tampsschimahrksgeiellschasb feien zuerst, und zwar in z'eealnolizen crtolgr, worauf die Einstellung der Ziifeiate geschehen sei. — Beriheid,ger: Sie haben über die Prospekte für die kroatisch slavonischen Hnvotbekar Aklicii, welche koch Zbrem Publicilln ziemlich kerne liege» — sic waren allerdings bei Zbiien ini'crin — 'um Berichte in sieben Tagen gebracht. Warum waren Sie da io begeistert? — Pabell: Zin aUgemeii en Ziiteresse. > Heiterkeit, i —Ta sich kcr Zeuge daraus berief/ daß er die griechischen ä'oi'e ange grine» habe, obwohl im „Bolksblatl" Jnferate über die Emission derselben er schienen, eik.äite Scharf, daß es solche gar nicht gebe. Ter Sekretär derScsterreichisch ungarischen Bank. Tr. Ludwig Ealligaris, devonirle, daß da» „Tcutsche Bolksblatt" sich im Jahre 1889 um Zuiventung den Inseraten an die Baiik-gewcntel und diese keinen Anstand geuoiiimen habe, dein Blaue ein Inserat zu geben. Später habe aber daS „Teutfche Bolksblatl" kein Zn'erat mehr von der Tenerreichisch ungarischen Bank bekommen, da daSse.be einen feindselige» oder vielmehr von Unrichtigkeit strotzenden Artikel gegen da» Giro.zeschä't' der Bank veröffentlich: bar T^n Zeugen Zoliaiin Niedl fragte Tr. Somarn, wiew e» komme, daß die Bank dem „Teulschcn Bolksblatl" 150 fl. für ein Znicrat, betreffend eine Emission, gezahlt babe, während das^Znierak bis heute nicht erschiene» fei. — Administrator Mader ei klärte, das Zii'erat sei schon gefetzt gewesen, dann aber abbesteUr worden. Auf Besiagcn der Administration sei in der Bank die Au» knit'i gegeben ivordcn, da» Znierat könne vorläung-nichl erscheine». Tä? Blatt neide aber.nicht zu kur; kominen Ter Betrag von 150 sl. sei auch heule noch i'-ffen. — Tr Somarn. Sie haben also der Anglobank da» Geld bis d e l: t e n r-ch-r z n r n ch e r >t a l t c r. Zeuge Will' lm Bauer, Tber Znwector der Tonau Taiiw'schiff'ahrl» ««effUschaf!. gib an. d.i» „Temiche Bolksblatl" bade l»!> von der (ffffelli'chaff Zizs.raie erbe.licn. dann Nicht mehr — Präsidenlk Ta» „Teutfche Bclksblatl" soll ubci die iffesellschafi ungünstige Notizcii gebracht haben. Nun ist die 'Frage Hai die Gesellschaft wegen dieser Notizen nicht weiter inferirt oder mllrcn die Notizen die Folge davon, daß Sie nicht mehr inserirte»? — Zeuge Bauer: Ta» weiß ich nicht. — Präsident: In neuerer Zeit ist das Ansinne» von Seite de» „Teutschen Bolksblanc»" an Sie ergangen, wieder zu inieriren? — Zeuge Bauer: Za, es wurde abgelehnt. — -Vertreter des ötlagdrs, Tr. Mauer: .Hallen Sie die dem „Teutschen Bolksblatl" für Znierate gegebenen Getter kür Bestechungsgelder> — Zeuge Bauer «die Ach'el zuckend-: T a» >veis; ich nicht. Earl Weiß. Z,i>'vectcr der Sudbahn, erzählte, daß er Enke Tecember in Folge crbalrenei! Auftrages mit dem Vertreter des „Teurfchen Bolksblaite»" einen -Znierate,irertrag gegen ein Zahresvaufchale von 1500 fl. abgeschlossen babe. -- Tr Sem aru- E» muß hier bemerkt werten, daß Mrkle Tecember im „Beüsblart" ein heftiger Artikel gegen die Süddah» unter dem Tncl: „T:e Sndbabn in elektrischer Beleuchtung" erfchien, in .welchen: es hteß. die ' S.ULab« habe nur für Zeitnngem noch Geld, die .suräne inan eben Zue: Wochen darauf gebe dar „Bolksblatl" zu derselben Nr. 52. nothleidenden Siidbahn, um mit ihr ein Pauschale von 1500 fl. abzuschließe». — Schars verli» eine Reihe angeblicher Correspondenzen im Briefkasten des „Tentschen Dolksblatles", welche vor dem Abschlüsse des Lertrages erschienen. Zn einer derselben heißt es: „Wir bestätige» den Empfang von 37 Photographien^ von Erlägen de» Handelsministeriums und der General-Znspeclion au die Südbahu und werden nicht iinterlasien, davon Gebrauch z» machen." Toch sei bisher noch nichts davon erschienen. (Zinn Zeugen:) Erisliren solche angeblich photographirtc Erlässe? — Zeuge: Nein. Ter Central Jnspeclor der Nordbahn Wilhelm Rauscher berichtete über bcn Abschluß eines Pauichalvertrages im Betrage von 1507» fl. mit dein „Deutschen Bolksblatt". Herr Alois Wismaycr, Prokurist der Credilauslalt, Iheilte mit, daß im Zäuner 1889 ei» Vertreter de» „Teutscheu Bolksblalles";m» Zeuge» kam und ihn um die Zuwendung beider zur Ausgabe gcläugeubcu Zuserale bat. Es bandelte sich damals um die Couverkiruug der uiigarischc» Grundciitlastuugs- Lbligatiolien und verschiedener uugarischer Staatsobligationrn sowie um Obligationen verstaatlichlcr Eisenbahnen Er erhiell zwei Inscrale. Ter Ber lreier kam Tags daraus wieder »nd erklärte, daß das „Bolksblatl" bas eine Znicrat mit der Uiilerschrift „.stöniglich ungarischer Finaiizniiiiisterium" bringe, dagegen das andere milder Unterschrift des Coiisortiums nichl bringe» könne,' da sich -darunter auch die Unterschrisl des Hauses Rolhschild befinde. Tp» eine Znserat wurde auch bezahlt. Ter Vertreter bcS Blatte» kam später bei einem ähnliche» Anlässe wieder, da» gewünschte Inserat wurde ihm ab r nicht ertheilt. Zn diesem Zahre erhielt derselbe Vertreter bei einem neuerliche» Ansuchen ein Znierat. Ans Befragen de» Angeklagten Scharf constaliric der Zeuge »och, daß dieses letztere Znserat, welches anläßlich der große» Conversione» eingerückt wurde, glcichsall» die Uiilerschrift des Hauses Rothschild getragen habe. -Herr Fr. Frank von der Lebens- »nd Rkiileiwersicheruiig» Gesellschaft gab dem „Teutschen Bolksblatl" Inierate für 50 st »nd erklärte, daß hicmit die Verpflichtung verbünde» war, einen Gciieralvkrsaininlniig» bericht im votkSwir.lhschasllichen Theile des Blattes onszuuehmeii. Nach becndciei» Zeugeiiverhör wendete sich Schars »och an Bergani, nm über folgenden Widerspruch Aufklärung zu verlangen, Zi» „Teutschen Bolksblall" vom 20 September v. Z heißt es i» ber Correspondc»; der Rcdactio»: „Wie können Sie noch fragen, wenn Sie Vertrauen zu nnS haben, ob der Znbalt diese» SchandblaltcS richtig ist? Mit der Nordbahn, der Südbahn »nd der Gasgeiellschafi lind wir nie in Verbind uug gestanden, »nd wir haben auch nichl einen Tent von ihnen bezogen. Ai» 17. Zauner aber fei in der Eorresponde»; der Redaktion zu lesen. „Mil dem selben Rechte könnten Sic verlangen, baß wir Inserate der Norköahn und Südbahn nicht annchincn!" — Bergani: Ta? ist ganz einfach;'«!» 20. Sep l e m b e r halten >v i r auch noch keinen .8 r e u z c r v o » ber N o r d b a h u und S üdbahn bezogen. An die Gefchwornen wurde» drei Frage» gestellt, und zwar betreff» bcS Angeklagten "Scharf einx Hauptfrage in Betreff feiner Schuld dnrch Ber faffnng des Artikels und laus Antrag des klägeriiche» Bertrctersl eine Eventual frage, ob er durch Anraihen oder Hilfeleistung dazu miigcivilkt habe; ferner eine Schnldsrage bezüglich des Angeklagten Mauer. ^Nach den Plaidoners »nd dem Resnin,' des Präsidenten, die ivir demnächst nachtragen iverde», zog sich die Jur» zur Bcrakhnng zurück. Tic Gefchwornen, als deren Tbinann Fabrilaiit Earl Schultheiß smigirte, spräche», nachdei» sie den Präsidenten ’ wegen einer Rechtsbrlelirnng;» sich befchiedc» Hallen, beide Angeklagte schuldig, nnd zwar Edniund Mauer einslinnnig, Alerander Schars, in Gemäßheit der Eventualffage ans. Anraihen »nd Beihilfe, inil acht gegen vier Siimnien Ter Gerichtshof verurtheilte Scharf zu zweitausend Gulden, Mauer zu sünshnndert Gulden Geldstrafe, sprach eine» Eautiousverlust von 0 <l Gulden an», sowie die Berpflichlnug zur Beröffentlni-nng des Unheils in der „Sonn und Montags-Zeitung" und in der „Neuen Freien Preise". Tie Bcrnrlheilte» erklärten, daß sie sich die Bedenkzeit zur Ergreifung von Rechlsinitleln Vorbehalte». ' ' Ucbcr die beim „Tculschcn Bolksblatt" übliche l^eschäftspr-aris wird der Blocks; ohne Zweifel auch jene Kreise ausklärcn, .welche bisher von derselbe» leine Keninniß oder falsche Borslelliuigen Hallen. 2lhlwardt'5> Oerurtbeilung. Hcrwanii Ahlwardt hat cs mit scineni jüngsten Bcrlcnilidnngs versuche schlau angestellt. Knapp vor der Bertaguncf^'dcs deutschen stccichstagc» erhob er jene »nglaiiblichen Acschiildiglingcii gegen die! Finaiizvcrwaltuug de» Reiche» und Brcuszcns, welche dazu bcftiliiinl waren, da» Material für die '.'lufwiegeliuigSeanipagne antisemitischer Wanderredner während der Osterferien zu liefern. Dieser raffinirt aus- I geflügelte Plan wurde jedoch von den anständige» Parteien des Rcichsi tagcs durchkreuzt. „Beweise her!" donnerte mau von allen Seilen

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