Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 52 (2.4.1893)
- Date
- 1893-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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sinncS, alS den -Ankifemitc», wclclic jede ideale Bewegung pcrhorrcs circa und die Vergewaltigung predige»? Die Wahlen stchcii vor der Thür, die Znsamincnsctznng des Ge iiicindcrathcS ist Glicht günstig, »ad cS wäre na» (Gelegenheit, int In tci'fffc der Istcindenstadt zn wirken Ehre dein braven Handwerker! Achtung'vor den, fleißigen GewclbSnnuine! Wir fragen iiidcsicn, ob cS ani Platze fei, wenn die Herren in der t^enicindestnbc uns so oft den Ilinfang ihrer I-achkenntnissc zn sehr nahclegen. Ter „ciirnlischc 3tnljl" macht de» nicht klüger, der draußen kein Weiser ist. Aicnigls ist cS mir eingefallen, von einem cinfachfn Manne, der nicht (Belegen heit zur böhcren AnSbildpiig besitzt, skttnstverständniß zn verlangen: er muß aber auch nicht Über de» Wcrtl> oder llnwertl, eines .(innstwerkeS, Über die Bcrdicnstc wissenschaftlicher Tbaligkeit nrtheilcn. Tank den vxiständniß und gewissenlosen Agitationen der. antisemilischen Heper ist die Telbstbcschränknng in de» Acnßcrnngc» jetzt vollständig abhanden gekommen. Jeder weiß Alles. Ei» gebildeter Mann klagt über das Handwerk mir, wenn ihn der Ltiefet drückt oder der stroü beengt, 'iucim das Prvt *,n klein ist oder die Thür nicht schließt, er ivird sich aber niemals znm Bchrineistcr answcrfen, wenn er das Handtvcrk nicht kennt. Wie lammt cs nundaß das große Wort von-Vente» geführt wird, welche einen engeren Horizont haben.'? Weil viele Wähler nicht die Pildnng babcn, nm nür die Beste» und.(klügsten ans ibrcr Milte in die Pertrctnng unserer .Ircnidcnstadt zu sende»/. Eine Ircindcnstadt aber braucht gebildete, erfahrene, vor Allem sächniännisch geschulte Männer, welche die Anschauungen und Bedürfnisse der Ireinden kennen. A'icht der Hotelier und Eiccrone seien die Berniittler, sondern die Lladt und ihre Berlretung. Es kann nicht, oft genug gesagt werden, daß der Ansiedlnng von fremden dnrch die hiesigen Berhällnisie ent schieden enlgcgcngetrctcn wird: der Ireifide will Anlegung, nicht bloß Tbcater und BerkehrSmittcl, er will, ivü er länger ivcilen, ancl> geistiges l'ebe». Man sollte im Gemeinderall>c den nicht zu liänsig ans tretende» geistigen Anregungen so viel als möglich enigegcntommen. Tiefe Leite der Allractionskraft unserer Lladl wird durch das jüngste Auftreten der Majorität im l^eiilcinderathe nur brachgclcgt. Biel Beit geht' namentlich dadurch verloren, daß nian langwierige versönlicl>e Auslassungc» und eine breitspurige Beliaudluug von Vappalien nicht hintanhält. Was Allen selbstverständlich und leic/ft zu erledige» scheint, zieht sich oft stundenlang hin. , Es wäre im Interesse LalzburgS wünschcnsü'erth. daß bei den nächsten Wahlen nur solche Handwerker und l^ewerbslente gewählt werde», welche im Auslände etwas gesellen habe», ferner das; mehr Acrztc, .Künstler, Techniker (besonders letzterer bedarf die Ltadt drin gcndj dem (^cmcinderallic angchörcn.sollen. Tie Lehrkörper sind jept in. der Gemeindeverwaltung fast nicht vertreten. Eine Ltadt in der Entwickln»? muß endlich ihre historischen rstcminiscenzen beilig halten und auch Mänticr anhörcu, welche selbstlos für .iiunst und Wissenschaft cintrctcn. Lolche (Ürundsätze aber werden von den Anlisetnitcn, welche erhoffen, hei den nächsten Wahlen iicnc Litze zu gewinne», verhöhnt. Ter Bercin zur Hebung des I/emdcnvcrkehrs tritt nicht genug gegen das rücksichtslose (^ebahren aus, den» die Antisemiten nntergrabcn thatsächlich die Erwerbsgnclle Hunderter, Wie eine ekle Lpinne umzieht der AntisemilisinnS hier, wo fast kein Jude wohnt, die apa thifchc Bevölkerung mit feinen Aetzcn. Es wird den Ventan gesagt, das „einzige Heil für die Geschäfte" lieczc in dem „Inden hinaus". Also ein guter Thcil des LaifonpnblicnmS wird damit beleidigt; >uid warnni? Weil die Herren Agitatoren sich breit zu machen wünschen. Eine große Gefahr', cS sei abermals und ans das Aachdrüctlichste be lont, ist mit den bevorstehende» Wahlen verbunden. Plan möge sich nicht irrclcitcn lassen und keineswegs glauben,, in dem „A'achgebcn" läge ein Borthcik für die liberalen: im <^cgc»lheil, sie würden sich dann Jenen auslicfern, welche Alles in de» Boden stampfen möchten n»d in den fremden höchstens eine Erwcrl>sgncllc sehen. Bon ihnen lernen, sich ihnen anpasscn, daS gibt cs hier nicht. Iutcrnatioual wird der Lalzburgcr niemals werden, und dieser gälizliche Mangel an tosmopolitischcm (leiste fördert auch die Bestrebungen der „Aaiionaten". Wäre aber einmal die Majorität u» Gcineindcrathc antisemitisch, dann könnten wir n»s freuen! Tarnm bedcnle man bei Seiten, daß der Unterschied zwischen Ltadt und Torf nicht bloß in der räumliche» Ausdehnung, sondern auch in den ideale» und geistigen Bestrebungen und der feineren Bildung der Bewohner fliege. Tic Wahlen aber sind der Ausdruck dieser Bildung. — 27. 'l'uir,. Tic GemeindcrathSwahl im dritten Wahlkörpcr fiel leider zu (isiinsten dcS reactionär antisemitifchcn Eandidatcn 'auch ans den .‘>20 Ctimmcn entfielen, während der fortschrittliche Eandidat mit l!»2 Ltinime» in der. Minorität blieb. Tic ErgänznngSwahlc» im zweiten und ersten Wahllörpcr lvIden voraussichtlich ein dein Interesse der Ltadtgünsligc-res Ergebnis; zu Tage fördern. Petotüni’5 töcichäjtspraris. Epnst B e r g a n i strengle geßcn die „Jciut n n d Bioniags Beitilng", gegen deren Eigenthnmer Alerandcr Lchars und vcr antwortlichen Nedaetenr 'Edmund Mauer die^ Elirenbelcidignngsltage an. Tie „Lonn und Montggs Leitung" halte in einem. A vtucl vom Lepkembcr. 1*02 die Behauptung ausgestellt, daß daS von Ernst /• Bergani hcranSacgcbcne „T cuksche Bolksblatt" von verschiedenen Bauten und Ihnanzinstiliiten BestcchnngS' und Lchivciggelder nehme-, »nd bat zum Beweiie dicicr Behanpknng eine Viftc verösienilicht, in welcher die einzelnen Beträge, welche das „ Deutschs-Bolksblatt" von verschiedenen Banlcu »nd nüitijtcn erhalte» habe, ansgezählt ivnrdcn Ter Broceß gelangte vor dem Wiener Lchwürgerichte nnter dem Borfine dcS Biccpräsidenken ^r. v. Holzingcr am 2d>. und 20.,März zum Anstrcijiz. In, Nachstehenden-heben wir die weicullichsten Momente der/ . Bcrhandlnng hervor: 1 j Edmund M a »er erliarle ■ stä, iiiv nicht schuldig und gab eine;nsainmen bangende Tarsiellnngde-5 La>ti-','>-halies Am k.September v. I., sagte.er. Halle das „T-m>!che,BolkSblaU" einen Arlitel nnter den, Tuet ..Tie Eintünsle der indischen 'Presse" veröksentlichs,' in welche:» der sogenannten >üdi'ch.'N 'Preise der Porwnrs gemacht tvnrde, nur durch 'Pauschalien nnd Lchweiggelder in-der t'age .zu sein, ihren s'esern.mehr za bieten al? das „Jettinlie Botts blau". Tie ganze Erörterung erichi u als ijne Enlichnldignng gegenüber zahlreichen Anträgen anS rekei lrei'eg des- „Tenlschen Bollsblalles", in irelchen dein Blatte der Borunnt gen,acht wurde, mit Anäsicht aut seine» mgnge>l,astk» a dach richte» dien» zn tltener zn sein. Als Ernvideriing ans diele» A'-litel rischie» nun in derT. Lonn und nsoniag? Imnng" -er ineriminirte Arlitel. Insbesondere bot . sich ein^.E.-legenbeit, der inöichiichcri Enlrnnnng de? „Tenlschen Bollsbsauc?" entgegen;,»relen, da' er zn derselben Ieit von einer Pei?önlichl>il, die au>h Herrn Bergani belannl iü, da stein Brr,re,er wiedeiholt mit ihr v-'rlcbrl l,a,, eine Piste von Ber,rage» de? „Teillschen Bollsbiaues" mit verschiede»-» Bant.» und t'leldinstiinle» zur Be,tiignug. gestellt erhielt. Tieie 'Per'önlichleit erschien schon ihrer Tiellnng halber lür.vollloöinien ve>läßlich. Er habe nun a»t lvrnnddieler Taten den Ailikel versaßt. Herr Tchart hat den>elbcnIvcder gesehen, noch veraiilaßl, da;>»- Jett der Tincstlegniig und des Erscheinen? diele? Blatte? die «iiaiil» Lchars'? lodllrant dariliederlag Iran Lchars staib ai,ch wenige Tage i'väier. . . . Alexander Lä>ars gab folgende Ertlärung ab: Ich habe den ineriininirten Arlitel iveder geschrieben, noch veranlaßt, und pv.ir.einzig nnd allein -ans dem llirnnde, weil ich damals dnrch ein lranrige? Ianiilieiicre.igniß verbinden- »Mr, mich „in die stledaelion-Sgeschälke zn lümmern. Trov di-'jer Tbäisache übrrnehme ich die volle Berantworlnng lür diesen Arlitel. ' Ernst Bergani »nd die von ihm geführten'Beugen behanplelen, daß c? 4 sich uni keine Bestechnngsgel^er, iondcrii nm „ehrliche Inlerats"--liandelu. — Berlheidiger Tr. L omar» ,zn Bergani): Tie To „ a>, Taiiiv'ichi'i iah ist >'< e iell ich all hat Ihnen in den Jahren!-!■>'.> st,,id «.sst'ld ge gckien In vieler Ieil und d:e Ihnen zngeiendelen BerichlS über die iUenerai verlanmiUiiigeii der «s>ei. lllcha't im „Bollshlall" vlnic Beuierlniig ahg.-driirli gciveien. In den Jahren l>:>! n»d I»2 zablie ne »ich!? mehr, nnd da beißi es nunmehr, daß die i'leiell äiaft in ihrer Bilanz sainostst verlorene 'posteii von einer Biillion aistührk. Es sind alw ..'amost', verlorene Posten-", iv.'iiii ^icchi-s " gezastll wild. — Bergani: Bäll.e darüber Herrn Patzenz» seage» B^ r ibeidigei: Einige .stTöiiale aber, nachdem da? „Tenlich-.Bollsbl.iu" -elesgeichliebeii, l'chnstl da? Blau eine Inichiist an die Tdnan T.iinv'ichins-.ilnl lüeieü'cha'1, .in ivelcher c? beißl:' „An? Anlaß des -heraiinaheiiden I-aliresiveäi'el-- gcstaile» irir iins, der löblichen Tiree.ion l'östichst emv-,Ulen, sich 'iür il,reqeichätzle» Einseiidnngen des „Tenlichett Bolleblau.s" freundlichst' bediene» zn ivolle»." Ich schließe a>lo. ivenn die Tana» Tainvsichiiiiahrl f'ch'ieUichail sich d>T „Teiitichen Boltsblarke:" ireundlichst bedienen wellte, würde cs auch von Ibiicn ander? bedient iverde». — Bexgans: Tist, si>id L,e lehr in« Irrlbiiin. Lo euva? gibt e'? Pei wir »ichi . T/>s ist eiiie. Bcichiinl'sling. — Berlheidiger: Täs ist-eine Be'chiüipiiing. .glauben L ie — ich lest' Ihge» nur eiiien Brief vor. — Bergani: Ta? ist ein gewölmlicher tsseschäslsln-ie'.' mit dem niiierc Halinng nicht in, geringsten B»>aini»enhaiige stcbt. — Berlheidiger: Es ist— merkwürdig, daß L ie iin IaKre I^"li, gl? d ie> e ciel>ist,all noä,. zählte, füg' eine Lndven'lio» lür dieselbe waren, .svätcr aber schr-hesiig dagegen. — Bergani: Lo liiiormirl, wiewiy spaier um ton, wäre» wir damals noch nicht Wir waren übrigen? »iemal? Hir tzic Lnbvenlion, , sonder» babcn nur geiagi: „'Wie wir vernelimen, soll ». '. n>." — Lchars iiaiulte die conslalirlen Wiederholimgen der Annoneen im volkswil-Ui-chasiliäien Theile de» „Tenlschen Bolksblaue?" Inserate mit dem Ieigenbimte und lagie, Bergani bälte. ivenn er osieii sein woüle. au» leine Thür schreiben solle» statt „Lprechsnmdcn von k»> bi? 12 Ubr" — ..Bestechstniidcn von 1*> bi?