Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 52 (2.4.1893)
- Date
- 1893-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Freies Blatt. i ■ ja er war nicht einmal vom Glück begünstigt, in der Politik reichere Erfolge aufweisen zu können. Die spontane Achtung, die Zischhof bei seinem Leichenbegängnisse genau so einstimmig wie bei seinem erste» Auftreten gezollt wurde, sie konnte nur seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit gelten, den besonderen Gaben des Herzenö und Geistes, die auch an dem Inden ihre volle Bedeutung für die Menschheit behalten'und die ftlbst seinen Gegnern stetS Achtung geboten, die längst mit den Grundsätzen der Cultur und Menschlichkeit gebrochen hatten. Daß diesen Einfluß selbst »och die »eiche Zischhos's auf die Masse nicht verfehlte, ist uuS ei» tröstlich.r Beweis, daß der Sinn für die Eivilisciiioii in unserem armen Bolle zwar inoiueuta» getrübt, aber noch keineswegs ganz erloschen ist. IV r Antisemitismus im Muldviertel. i.Cnginalutitibciiuiig 6eS ,,freien Ülattiü" i ' 1 1 J r o f e it b o r f, Eiide^März •Tie i»i „/Vieren Blatte" veröneutlichten,Berichte, wie unsere kleine 2:abt anliieinikisch ..erzogen" wurde, sind allseits mit Zreudenchegnißt .worden. : Um jedoch die Dhätigkeit der hieflgen äiitiseiiiitischeu^BolkSbeglücke'r' zu perfeeliouireu, müssen noch einige Züge dieser, stumvane ßügenagell werden. Es war im vorigen Jahre, im Männer da lau» ein armer schwächlicher Hanflrer in das M. . . .'sche Gasthaus, ''::ere»d vor ställe, und bol -ein „Ingenieur" in bei'cheidenüer Beeise 'eine Artikel znnn staufe an. Das war ein unerhörtes Bergehen. Dcr Nt ine Hannrer wurde zuerst wegen seiner „valkswiiülnchasilichcn 2chäd!'..»:eir zusanimengeichiiiivst und hierauf von zwei Zrenn-orlit des entnineien ..Ingenieurs.", der Eine ein „Ingelrbbildner", der Andere ein »aü'mamt, vor die Dhüre in den riefe» Schnee geworren. D er (^astn..!l> »eg d.nir Enden nach, weil er üch als „Arier, des alten linden aiinelnneu wollte. Die'e Heldenthal wurde mit einer solennen Xneipe . En Ar. 4dieses. Blaues ist schon berichtet worden,-wie der ''rubere wegen seiner Bernssrnchiigfeil^g^achtike Oberlehrer anS feinem --Domibi: durch antisemitische llnitriebe verdrängt wurde. Dies bedarf einer kleinen Ergänzung7 Tie 2chüle in Drosendorf wird auch von zwei initc Ii:i'elteii X indem ans der Umgebung besticht. Unglücklicherweise sind diese ..ii!bischen Fremdlinge" den Händen des vorhin gezeichneten .. äugend!' lauere" anvenrank, der die armen Wütmer> wo es nur geht, auf b is Einv'indlichüe züchtigt, so daß die beiden „ Fremdlinge" wiederholt iveinettd und mit .Hautabschürfungen die 2et)ule verließen. Die bcsii-tteu Eltern beschwerten sich bei dem damaligen Oberlehrer, dem '.tieiisch.'il Herrn E. Sialhreill, und dieser stellte in energischer BD"'e d a, llnierlebrer ivegen seiner nnvädagogjschen Z'ehrmclhode' zur Auch 'onslige Unznköiiimlichkeiten in der Pslichkerfüllnng und n:i v.oenswand.'! d.ssklben brachte Herr stalhreiii bei der Eonferenz :ur 2r:acl" 'A'nn ward -er Dberlehrer znm „snidenknecht". Das '>i s war: Benevuiig des Oberlehrers an eine 2chule niedriger Der antisemitische Engendbildner lriuinphirte z es ist dies n-rllärlich. und man sagt hier, daß er eiiitlnßreiche (Gönner besaß. E:ne weitere stonwhäe der antisemitischen Z'iga ist der ebenfalls in I- *»»■:::•■,eidjuere „Magister".^ Er ist ein frommer Mann und rv:t:l■ Enden'res'er. (''eht cm Haustrjiide wahrend des Miltaged . Av.ndi'/täntesan seinem Z'aden ahnungslos vorüber, t'o schlägt -detn .V.wler den Hui vom Haupio oder überschrittet i.>n mit den .. =r’: :: Dänin»' und 2chellworlen, deutsch oder tschechisch, wie eben : He:r Biagiüer just gestimmt ist. '.»oniiüen jübiickye .stunden mit ...e:e:i. io läßt er sie ungebührlich warten und chikanirt sie auf dir erst B-ei'e «''egen Dütmnen soll 'der Herr viel eonrilianter sein. In der .Aach', eie dein levlen Jahrmarkt vorherging,.. prangten an allen Hrustl:,ien und Hän'ertcken große Zettel mit der E»schritt: „staust Vicht-' bei Enden!" Diese Austordernng ist um io niertwürdiger, weil Dre'"ndre» durch die. Dhätigkeit des gewissen ..Engenienrs" schon längst ..'i:d .nein" ist, atro keine stabilen „Fremdlinge" hak. Mit uugeheüerem BelMen erzählte am uäeh'ken Morgen der Magister Jedem, der seinen "adeu betrat, wie gut die Aufforderung gewirkt Halle, denn die gottlo>'en 2 >-..juden haben durchaus einen schlechten Markt gehabt. Auch dieser .. 2ieg" wurde von der i'iga mir einem Estkage gefeiert, das bis zniti grauenden Morgen dauerte! - f Und nun - zum Bienen: Bis ungefähr vor Jahresfrist wirkte in! Drosendoi' und Umgebung in reinem ärztlichen Bernte mit anerkannt! großen Enalgen der hienge 2ladtarzt Herr Dr. Eoies st »oll. Herzens aüi-, müder 2:nn und große Erfahrung machten ihn zum vielbegehrten A:zre Die'er Mann b-ebandelte auch silbische Batieuten, die armen u nentgeltlich — :*.-rril»ile cki-.-tu ' 2o yit unchristlicher Mann | Nr. 52. mußte unschädlich gemacht werden! Zuerst regnete eS Berdächtigungen über die Geschicklichkeit des „Baders", dann aber berief der Herr Magister einen Landsmann nach Drosendorf, einen „Doctor der gesammtcli Hcilskunde". Der funge Maün, ivelchcr just die Rigorosen bestanden hatte, erschien auch sehr bald. Der joviale Dr. Knoll begrüßte ihn trotzdem auf daö Eollegialste und ertheilte ihm allerlei Rathschläge in väterlicher Weise. Znsbesonders warnte er den jungen Mann vor dem antisemitischen Rädelsführer, -e»n W Antisemitismus fei eine geistige strankheit. Doch der junge Arzt stellte dem erfahrenen Zachinann.ein echt burschikoses Wesen entgegen, und nun feierte daö vierblätterig gewordene antisemitische stteeblatt erst recht seine Drgie». In dem zur stneipbudc umgestalteten Wirthshaus „Zum goldenen Lamm" mußten sämiutliche antisemitische Blätter aufliegen, n»d die antisemitische Rncksichrslosigkeit wurde in Permanenz erklärte. Da sich daö vierte Kleeblatt als ei»' „i'osgeher" erprobt hatte, mieden die langjährigen, friedliebenden 2ta»luigäfte nach und nach den Gaflhof. Endlich wurde dem langmüthigen Wirthe das Dreiben zu toll, und eines schönen Abends ließ er die vier Zechkumpane vor die Dhiire setzen; iuslbesondere dem HelZ-„Iilgeuieur" machte er den Standpunkt klar. D bwohl der Magister „deS höhere» Antisemitismus" und der berü —Hinte „Iugendbildner" Urin beigcben wollten, verharrte der Wirth auf seinem 2tandpnnkte. Da die übrigen (Gasthäuser Drosendorfs »lS „Judenbeifeln" von der i!iga nicht besucht werden dürfen,/ so sind die Unsriedenstifter ans ein solides Znhausebleiben in ihren vier Pfählen angewiesen. Der Gasthof „Znm goldenen Vamm" ist nnnmehr das am besten besuchte VWäl geworden, das klcendezvous aller" anständigen Bürget Auch in sonstiger Bcziehnng gehen den Renten hier die Augen auf. Der neue Doelor, welcher anfänglich ziemliche Eoncurren; dem erfahrenen 2tadlar;te Dr. stnoll machte, denkt bereits daran, sich für die- Äiisübn»g seiner stunst einen anderen Crt zu suchen. Unser „Iiigeiiicur" ist sofort aus Droscndors verschwnnde». Gebe Gott, daß auch des „Ingendbildners" Wunsch bald in Erfüllung gehe, einen „llcssercit Posten zu lu'fommcii‘(, dann bleibt unS nur »ochider deutschnarioiial jnngtscheäjisch clcvicol hin- und hergesiniile Magister, den wir aber schon noch zurecht fu bringen hossen. Daß es so gekommen, ist ein BerdienZt ilüseres bewährten (^emeinderalhes Dr. stnoll sowie seiner Wiener Eieniide, welche für eine entsprechende Beleuchtniig der durch die antisemilische Propaganda hervorgernseneii nnerträglichen Zn« stände thälig waren. , Dic alte forlschrililiche Festung Drosendors ist nun vom Eeinde gesäubert, denn die vaar antisemitischen Marodeure in der Uiiigcbniig sind nicht gefährlich. — den Scil^lnu^or IPahlen. i Crigimti •J.'iiitljcilimfl deS , Airii-n Bliilles '. i ial’(burfl, 2t März.I I>. In jüngster Zeit sind Dinge i»i»>'e»ieiiideraihe vorgctommen,' welche beweisen, Saß-die liberalen Berireter der 2tadt nicht genug Energie besitze», um Ausfälle selbst gegen loissenschasiliche Bereine und mit bei» >iliiiilteben innig verbiiudeiie Persönlichkeiieii hintanzühalten. Ecin heißt es sogar, die Bewohner der Z'iiizergasse ivollen durchaus micht den »vall des Z'i»zerlho.res, sondern die anlisemilisch geleitete „t^e werbeparlei" verlangt das stnnstwert als Dpfer: also sel>ei»t es nur Mnthiville die'er Partei zu sein, welche z»gleick> das Dhor bei der Brücke, ein wirtliches Bertehrshinderniß, ein Dhor ohne stnnstwenh, , ruhig bestehen läßt, obwohl die 2ladt längst vervslick>teiiväre, dasselbe, dem Erdboden gleichzumacheii. - Es mußte diese tnrze DErstellung tleinstädlischer Zänkereien vorauSgeschicki werden, nm ans die bedäuerlichen Holge» derselben hiiiziliveisen: Die bevorstehLilden Wahlen fdycincii die stampslnst der Intelligenz im (^enieinderalhe derart gelähmt zu haben, daß ein „Baker der Stabt“ die wissenschaftlichen Bereine und die. Eonservakorcn anläßlich der Diseussioii über das Zkinzerthor als „sremdc Elemente" hiiistellen konnte, ohne daß diese vorlauten Aenßernngen einem Widerspruch begegnet wären. Ja, die P>aiorität des (sstmeinderathes hielt cs für an gezeigt, das Bcrfahren jenes Einzelucn zu billigen, indem sie über eine diesbezügliche Beschwerde des seit -■> Jahren bestehenden „Technischen Elub" zur Dagesordnniig überging. Allerdings steht ein wisienseiiaftlicher Berei» sehr hoch über" den wechselnden Debatlen einer ans verschiedenen Elemeiitcn zuso.»„ne»gesetzten störperichasl, denn ex hat feste Ziele und wahre, dauernde Erfolge: allein die Hänfling solcher Angri't'e gegen wissenschaftliche und lünstlerische Bestrebungen ist leider ein böses Zeichen der Zeit. Wem danken wir aber die Berrohung des Handwerker- und (R'iverbestandes, das 2infcn des echten Bürger'