Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 51 (26.3.1893)
- Date
- 1893-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 51. reite!>. freies promiß zu bcwtjgcn. liegen den Antrag, auch fremde Lchülcr als Aahlzöglingc in diese Vchranstaltcn ausznnchincn, habe» uur die national liberalen Chauvinisten u»d die Antisemiten gestimmt, von welchen unter Anderen der Tcpntirtc Cu za die ganz nene Bchanptnng ausgestellt hat, daß sich der fortgeschrittene Liberalismus gegen die (luden kehre und daß auch die deutsche. Fortschrittspartei entschieden antisemitisch sei!" Viige ist allerorten daS Kampsmittcl antisemitischer Boiksverhctzrr . (Nicht sehr ouniiuiltcrub sür die ^iotliftcn.) Dem Briese eines ans Lodz »ach^ Jerusalem auSgcwandcrtcn, nicht »»bemittelte» Inden entnimmt die .Vodzer Leitung" folgende, nicht sehr ausmnnterndc Mitlhcilnng übxr die Vage der Jude» in Jerusalem: „Tie in (lern salcm wohnenden Inden sind zu neun Zehnteln bettelnde und unter stnyungsbcdürftigc Individuen, und nur ein Zehntel nährt sich inli.hsam durch Handel und Gewerbe. §ämmtlichc Vcbcnömitjcl, einschließlich Brot, kosten mindestens das Doppelte der Vodzcr Preise, >iartosscln sogar daS Bicrfache, nur T übst lichte sind fabc!hast billig, eine säzöne Apfelsine kostet höchstens eine .Kopeke, kleinere bekommt man schon mehrere für diesen Betrag." 2lus antisemitischen Oereinen und Oer j* sannnlilnaen. traust nur bei Cbristkll!» Angesichts der devot stehenden Lsterkeierlage begann wieder die Heye gegen jüdiiche Geschäftsleute. Am vorigen Toiimag landen in F nns-ijans und Gerstbos anii'eniilisehe Frauriirersaiinnllnigen ftan. Prinz V icch te n stci n warf de» jlidHeiicn Gei'chä'tslenie» nichts Geringeres vor als belrügeriseben EoncurS, betrngerifchen Ausgleich und veibrechetifche Brand stisniiig. Tolche Borwürse erhob er gegen die indischen Geichästsleuie überhaupt. Ein gewiksenbaster Mensch kann nicht eininal eine Familie als solche dafür veranlivorllich »lachen, lvenn eines ihrer Mitglieder sich eines Bcrbrechens, z. B. der Müuzverfälschuiig schuldig erivieien Hai. 'Was insbesondere Brand sti'inngen anS (^ewinnluchl oder ans Rache anbelangl, io fteUl das biedere Landvolk für daS Eriininal das gröstle Loiningenl, und lind lüdnche Brand stislcr eine Zeleenheir Tein stlnfe des Prinzen: „-'laust mir bei Ebristei,!" 'chlost sich diesiyal Patlai an, der in seiner Heyrede auch >agle: „lind wir, die man Anlisennten nennt, die aber in Wahrheit Ehrisnich Toeiale jittd, wir werden dessen eingedenk sein, daß EhristuS zivar den Frieden empfahl, aber and) daS Schwert, nni den ollanbeii ztt vcrllieidigen. Wir wollen die Hcrr'chatt des christlichen Geistes und lvcrdcn datiir länipsen!" Wir erinnern: uns, dag Panai früher eininal für sich und seine Genessen die Bezeichnung „Antisemiten" in Anspruch »ahln und alle anderen mit dein Beinerle» perhorreseirie, dag sieteine „desinneir<!»de" .'trat, besiyen. Jetzt erklärt derselbe Panai, dag er mtd die meinen, die inan «wer?- Anlisemilen nenne, in Wahrheit Elnisttich Tooiate leien Allerdings sein Gcschniaä wechselt, »nd Tchönerer inulbeie ihm z», dag er noch eines Tages die Prüsidentschast der Alli:m< <- I-r;t--lit<- anstrede» löimt.v Im llebrigr» hantell es sich bei der ganze» Campagne, die vom Berein „Cb, in liche Familie" eiönnet wurde, gar nichl mit . Glaube»" »nd „christlichen t'Vtt't“, wndern mit schmntzigen Brolneid und.'inndeiiiängerei. illiivcrsälschtc Bcschcidcnhcil.i Bekanntlich siisd alle Antiieiiiiiett Muster der Beicheidenlicil, Tclbnlob »nd Tetbstberäucheruu s liegen ihnen vollständig ferne, davor bewahrt sie ihr Glaube und auch lchon ihr Bliil, ihre Aare. Wie weil io Einer mm in christlicher Telbstunterfchävung geben kann, bewies neulich bei einer Festiecriaininlniig der Marcianilchen Eougregatio» der belaiinle elcrieald Anliseinit Adam Trabert Er erzählte »äml'ch die G.-fchiäite leineS „PapstliebeS". Wenn man »ns fragt, »V welches berühmte „Papniied" es sich hier den» handle, müssen wir alletdiitgs mit . linötbcn gestehen, dag wir bis z» dein Momente, ivo Traberl selbst von seinein Pe.i» in der gröglen Beivnndernlig sprach — davon nichts nngien, »ichl ein Tte>be»su-öltchen Doch jetzt sind wir eingehend davon nnterrichlel, wie Traben von kein in Rom bestehenden liierärilchc,, Berein „Arcadia" aufgesorderl worden >e, ein >«edicht . zn Ehren Veo'S XIII. zu verfassen, um es bei einer aiilästtiä, des Pavstjubiläums;» veranstaltende» Akademie vorznlragcn. Traberl kam diesem Aufträge nach, indem er von dsr Km-wlk-a de conditioni- <>;.ili.-mti ausgehend, das Programm der Wiener Christlich Tocialeu in einen Huninu? umdichlele. Tosort reist er »ach Rom zur Preenlion seines Gedichtes. Lehr annililhig weist er dann zu erzählen, wie re'peetvoll ihm die taniendlöpsige Menge Plag machte, als eS hiest, der „|>oi;ta tedesc»" kommt. Abo Traben als der „deutsche Tichler" x-/r’ ii-./r-, j» Rom verehrt. Ehedem ging eS Goeibe ähnlich lieber den Bortrag des „berühuilen Papstiiedes" hören wir Trabert'S bescheidene Leibst kritik: „AlS Triller Inämlich unter den Vortragenden Tichler»l folgte ich, der >>«>'t» to.les,-o oder, wie mich Andere iiannlen, der (>n.:ia nnstnaeii' Tenken Tie sich meine Vage. Bor mir in erster Reihe fasten kl! bis Bl Eardinäle, dazu die Bischöfe und Erzbischöfe, die Tiplomale», die Männer der Wissenschaft n,id die andere» vielen Tausende, die die stirche füllten. Glauben Tie mir's, meine Freunde, mir bangte. Aber ich durfte nicht zagen und trug mein Gedicht nach kurzer lateinischer Ansprache schlicht und einfach vor." Rachdent hieraus der Dichter seinen Hhinnns der „Marcianischen Longregation" gleichfalls vor- N la tt. getragen, fuhr er fort: „Tie jubeln, meine Freunde. To wie Tie, jubelten auch die wiclciz Tausende in Roin Wie war don, >vo mim doch, nur 'Wenige verstände», dieser wlinderbarc Et'olg möglich - Van.» Tie mm, arä»' mit den 'Wollen antworten, mit welchen mich E.udiual »ireineut: beeb.te. ..dir weist.'S Haupt, Ihre machtvolle-Ttinime und "er Rbwbnins Jure. Be.-e haben Ihnen die Herzen der Römer'ganz ebenso crobcit. wie Tie ie nwerigen durch den Inhalt Ihrer Poesie erobert haben.' llnd ich dar' noch hinzn'ngen: Ter Heilig» Bater bat a» nieinri» Gedichte, wie er mir telbst zu läge» die Gnade Kälte, seine F.ende gehabt. Es war eine.Bolkestimme, die in das Eoneert .er Böller tönte, das, der: lluivetialiiät der »ir.Iie eiitlprechend, dafür Jeu ging gab, dag lein Reich 'so weit reicht iinch keine Macht so erost ist n ie die des Ge saugencn im Batiean. Es >var ein Vant asten eichi'äur, dennchcr. kaiholüch-'r Vnrtk. 'Gestalten Ttc mir deshalb, dost ich mit dem ichli.ste, was ich in Ron, »nvcrdientermasten — zu rcvrägntire» baue und in Üh>en repräsentirt habe: der katholischen deutschen Porsie esn jubelndes Hoch!" Wie man abo siebt, brachte Traber! ans sich selbst einen Toast ans. Tas ist Mich ganz begreiflich, den» er ist doch der berufene Bertreter der .. katholischen dentiä»» Poenc", und die „österreichische, denliche Vnril" in p.-»..»a 'darf inan wohl antoastireu. Was würde aber Tiaberfnnd die ganze cleriral antifemiti'che .'!»n>va„e> dazu tagen, wenn iigrnd ein dent'cher T'chtea iüdi'cher Eonsetsion,; B. Moriv Hartman», von sich und seinen Geisteskindern i» nur ähnlich aninastlichem Ton gerproche» hatte? Ja das iväre eben der »»bescheidene Jude. iWarum lcistci denii dcr Lchltcidcr jiir das Gcwcrbc nichts'?, I» einer Anii'ettiiieuveitaninilnug in Allmannsdors ptaidirte Tchneid.er zur Ab wechsluug ini't Hilt'e einer „kleinen Historie" für die Austreibung der Juden nach vorheriger Beschiagnalune ilnes Besitzes Tan» kan, er ans die Viberalen in den Bertretungskörpern z» sprechen »>zd sagte zur EnUrä'tung des Bor ivutseS: „Warum leistet denn der Tchneider für :as Gewerbe nidueV", der ihm in vielen .'trei'en gemacht werde, wörtlich Folgendes: „'.tiariirltch, wen» »nr ->> bis :!,l oder >«> Man» zivamnienloininen und flehen dann t-jo von Rotbichild Eominandirten gegenüber, dann in nichts zu mache»." Tie tortichriltliche» Ad geordnetci! sind.„von :l>oth>'chiid Eomniandine"! Tast Tchneider, meinte einmal Professor Tuest, ,'o was mg,, tun» nicht befremden: traurig aber ist es, dag es ','eute gibt, die ihm Glauben schenken (C'-tn Iliilgcrcr Trost.. Ter „gewerbliche Genoiien'cha'tsverbanb 'iir Rordböbinen", 'an dessen Tvitze der 'alisain bekannte Herr Ta-ttler steht, ist in das Vager der Anlveniiten Tieii!wender''cher Fä'.bnng übcrgegangen. Et« 'ehr 'magerer Trost 'iir die durch die 'Riede,lagen in jioutenbnrg »»d Troppan Belrüblen, zumal' die »engewoniieneit Anbänger and, Einstii'sen des Herr» Tvitz zugänglich und übeibanpi »nverlaglich find. .'Aus antifcmitifdvn blättern.- iGinsam und Utrlniicil., I» de» „U„ver'>>!d,teit T ent,chcII Worten" ist zn leien: >. „Ans iTiebrerc zjustchrine». Es ist Tbaisttä,e, dast Herr Täiö» er er gelegentlich eitles lve>prää,es über he,, Ab'äll!o mancher langjähriger Genosse», besonder» .'olcher i» Talzbnrg, T'ovvan, Mürizn'änag » >' w. etklärt bar. dag er sich mehr nnd ,'nebr von der Politil ztirizdziehcn n»d sich ans die rein national erziehende Tbäiigkeit le'chräi.ken tver'e: an' einen-Titz >m Abgeord „eienbawe ina.ie er keilirn Aitwriab mehr, nnd was ''einen W.iblbezul b>treffe, io sei dei'elbe dnrä, Abgeotdneten T ötz in den dezztbar besten Händen. U d Gr." 2. „ tsichl vergeben nicht vergesse,!! Aufrichtige» Tank '„r Die 'reimdlicheh .-zeiie» vom 2.'», Februar. Ter Tu> in. der .Ptaii'chbnde' bat '»r mich dntchand keine» Retz ll. d ('>r Td, " Gleichzeitig bringt auch die .stiemfer ..'T est efre t chi,äie Va » dse itnn g" eine Anzeige ähnlichen Ii balis in folgender Foruvr- „A»f zivei Aittragcn. Es ist Thä'stiche, dag Herr Tdu"' 'e. a.' das Beniginiieste erklärt bat, eine Wtederivahl in das Abgeoidnet iVeans. na.l, Wutererlangiing der vokilifä"'» Rechte' nicht mehr anlnbmen zu. well,m He-r Tä'enerer fab sich., zn tiefer Eeklärnng baiiptfächltäi-auch mit Rnästcht atu den Ab'all zahlreicher früherer Genost'e». vctanlastt. Herr Lä'öiterdr ivild Nd, daher, wie er fggie, wenn aiiä, weniger mit Poüttl, in Znk»»'» m.'br ta >'o;tr>age» ansfäiliefztich mit tein mitioi.nlru Ange:egc,-heilen befast'en. ll d. Was :-.z>veäeii d-eie Anzeigen? Es tst obne Zweifel richtig, dast Tchoneier nur noch in Tindenieu reihen.apf einen »ubk'olk.eie» Anhang zählen dar'' Bin dem Tag-, an welchem ioein Tlndeni z>> einem Polizeivraliilaiiten oder zu einem Pin>il-.-eeen'enic» im Tlenste^Bergam's avanoirl, verleugnet er,.aber .-- -?,-!:d 'einen.Meister und Herrn. Bei den Wahlen in .'iornenbnrg und Trorvau tonnten tidi alle anderen annu-munche» Teoien. laut geltend machen, mu die Refenaner wuü'd hitb'ch rnbig bleiben. Toggr Tedlai und Tinreiol in-Binä an :ei B.-.tr beugen sich nichl mehr vor. der Anlouiäi Td.onercr's . Er niin: na e.V’.-r sichtlich eiivam und verlassen, und gs mag ihn das -bange G.-fü!.': i-.-',hä.'!ä»'n. er würde, iven» er sich wieder um ein Aba,eo,dtteieiii"g»dai i.-werbe»! -'-U:e. kläglich'dnrchfaUen. Und da heigi.es behnistun sein und-die I-»äo.!:' : breite», dast. inan nicht oandidireii wolle. Tollte tik-ydeni - - v.d' am Grave pflanzt der Meii'ch die Hoffnung aus — eine Tchaar von Frennken mt fiiif.it und fine Eaitdidaiur glücklich dtirchhriugeu, uuu ... daun (tonnte mau >iä, ja allenfalls erweichen lasse» uud dem Flebeu des'bedrängten Bolkes der dentsthen