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Freies Blatt · 1893-03-26 · 51 (26.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
51 (26.3.1893)
Date
1893-03-26
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 8. Freies Blatt. werde. Eugen Richter eonstaiirte, daß Ahlwavdt und Vicbcruiaini "einander würdig sind, bcleuchtelc das verwerfliche Treiben der anti lemiiiichen Bcrlenindcr und bedauerte cs. daß inan sich mit solchen „College!!" berninichlagen inüste Tic TiSeussion war eine sehr lcbhaite, nur die Tivoli Äiikiseiniicii beobachteten 2rillschweigcn. Ahlwardt wurde wegen seiner unanständigen Aiisdrucksiveiie wiederholt von, Präsidinin znrechlgciviei'en. Ter deutsche Reichslag hat an ihm ein Riit glied gewonnen, welches niigcsähr aus dciniclben geistigen und niorali scheu Rivean siebt nue unser MechanseuS 2chncidcr. — Bei der Per bandlung des Etats des Rcichsinvalidcnsonds am 21. d. ä'i. ries Ahlwardi eine 2eaiidalsee»c bcrvor, die in den Annalen des deutschen tlreichslages vereinzelt dasieht. Er beschuldigte den Fürsic» Bismarck, Mitglieder des Biliidesiarbcs, den preußischen Filianzniinisicr:c., zwar iudircek,- aber 'ehr deutlich srauduloscr Machinakioncn zu (Gunsten „großer Bölsenjuden" sowie des „Bcrratbs am dcntschcn Balte". ÄKIwardl bebanpkete, seine Beschuldigungen durch Hriginaldoennientc eriveisen zu tonnen. Ter Reichstag beschloß, die Bcralhnng zu unter brechen, um Alilwartk «ä'elcgenhcil ',u geben, die Tchriilsiiickc in der nächsien 2itznng beisubringen. Tags daraus legte Ahlwardt im Reichstage mehrerc-2chrislliülks-, T.uittungeu und ein altes Baniphlet vor, welche seine Beschuldigungen erweisen sollten. Tas Hans unterbrach die 2itzuiig. und der Tcuioreiieonrent trat zusainincn, uni diese Toeuincnte in vrüscn. >''ras Ballen rem als Berichrcrsiakler der selben stellte nach Wicderciössiinng der 2itzii>ig scsi, .daß Ahlwardi auch nicht der T cha rlen ei n es B<:v cises für.seine Bchanplungcn gelungen ''ei. woraus denen Berbalie» tw» Bcnretern iasi aller Parlcicn gcl'randniarli wurde, besonders scharf vom Sprecher des Ecntrnms, Tr Vi eb er. Aber selbst eonselvaiive Redner konnten nicht umbin, sich der Bernrklieitnng Ablivaitls awzlischließcil, der die sirechlieit batte, neue Beschnirignngcn ansziisvieche» und für einen späteren Zcilpniitl' ..'.seien, die -,wei Eenkner wiegen," in Anesichl zu stellen. An diese 'Torgänge knüpsle sich eine längere Erörternng des Anriseniilisiiins, iii deren Berlanie Engen Richter Tiocter einen „höheren Ahlwardi" luiiinlc und an denen gerichtlich eensraiirlen „sabrlässigen Meineid" erinne'.te. Tcm. Ben'nchc der Aiini^uiien, es für eine „Fälschung" zu er kläre», daß .»tan'er .Friedrich d:e/iniisemiklsche Bolvegnng als 2äsinach und 2chantsie>k des Jalnlnu-chkis bezeichnet,, trat eine Reihe ffei sinniger Al'geortneicr energi'ch entgegen. Riekert bemerkte gegenüber 2ivcker, der die „Judeiischntzirnvve" verbölinie, er werde es sich, so lange er lebe, rnr Eine rechnen, für die angegrinenen jüdischen Reib : b ärger einnnrelen. 2 tiefer, Z i m m c r in a n n und V i c b c r ni'a n n v 2 o n n e n b e r g bauen einen schwierigen 2tand: cs fehlte ibnen an Reiilb, sür Ahlwardteinzuirekcn, andererseits brachten sie cs nicht nt r sich, ihn preiszngcben. Ter „Rational Leitung" zufolge ist aber; v I tr nlchls 'Anderes als ein „gemeiner 2chivindler". Gcgc» Die Eiiiwalidcruusi ciuslanvischtr Zuvcu nach Tciilsch lnilD. 2:.' Tr..: Aniiscmirc», dw-, Eon>ervaliv.n, haben im deutschen Rcichsroae e-nei: Antrag eingebraeltt, demzufolge die Einwandeinng : ansländt'cher Enden nach einein dent'chen 2iaate verboten werden soll. Eine ansgezueitnele Würd'giing tie'es Antrages nuten wir in der ..Breslauer Leitung", welche schreibt: er E sie et dieser Be smnninng wäre lediglich d.r, daß der rksegierung .veneln angelegt ' werten ü'ii..: i-n B.t el.nng ans e:::.'n Bnntl, in welchem sic jetzt Freiheit bat Ter Rechrsznsiand UI Breußcn *— und wahrscheinlich , (mrii in al.en anteren Bnndessi.iaien — in der, daß ein Ausländer, ' gleich»-.: ir leli'. Ratio-naliiar und-Eonte'sioi! er »ei. schlechtlnn keinen 1 Rechisauspliich da-.an' bar, nainralisirt zu werden. Ein Ausländer,"' welcher das preußische 2iae.lsbürgerrechl erwerben will, sucht eine >''un>t nach, die ihm nach Beticben gewährt oder verweigert werden > dar' R.g'erung in nicht verpstichler. ilnn Gründe für ihxcii ab! lehnend-.l> Be'clteid anrngeben: 'ä wenn man die-Lache auf die 2pitzc - treiben will, kann man 'agcn, lue Regierung -isi nicht ciniiial der < p'tichtek. i.-m ein-.n B.'cheid rn crihcilen. Wenn sie sein <Rs>ich un beamworiei in den Ben'ierkorb ivürie, Handelle -ik, freilich lehr nn g.'webiiilich und r>:ets>chislo-s, aber nicht rechtswidrig, siebe »io wenig Hai a ein Ausländer einen Rech:'.in'vrnch daraus, inncrhälb der preußischen ' «Grenzen;n leben Es gilt auch von diesem Falle das soeben Gesagte j EalirKundcitekang in freilich die preußische. Regierung sehr weitherzig - in die'cr B:;::biing gcnw'cii: sie bat den Ausländern der verschicdcnsien Rakioiialitärcn - und Eonressioneii den Anteiitbalt iw Brenße» gesianel : »nd ihnen ta->Bürgcirecht verliehen, wenn «ich! schwerwie, ende «s'ründe dagegen sprachen, erst im T>ahre I wurde mir dicker weitherzigen Braris gebrochen. Es-wurden Ausländer zu Tausenden ausgewicse» \ and Raritkaliiaiionsaeiuchc;u Hunderten abgeschlagen, in den mciitni jsiällen. ir.it der Beiroisene volnüHcr Ralionalitär oder jüdischen (silanbens war. Es iHnc nichi uiiinrercnank, eine 2uu.iitif daiüber rn habe», wie viele Eud-en seil dem Eabre I>ds» cingcwandcil sind, und j Nr. 51. wie vielen ihr OVfiid) abgeschlagen ist. Die Regierung hat thatsächlich im (rsciste des jetzt gestellten Antrages gehandelt--- ob sic aber geneigt sein wird, sich eine Fcsicl in solchen Fällen änlegcn zu lasten, in denen sie eine Einwanderung für erwünscht hält, iiwchtcn wir bezweifeln. 'R'ach Annahme des Antrages würde der König verhindert sein, einem anslündischcn Juden ein >2laatSamt anzuvcrtrauen, was - namentlich für die Univcrsitätsprofcsturcn in das Gewicht fällt. Ter! König würde außerstande sein, einen Mcdieincr, der sich in Wien | oder Zürich Ruhm erworben hat, an eine deutsche Universität zu bc- , rufen. Es kommt vor, daß ein Inländer' eine auswärtige Jüdin ' heiratet. In diesem Falle erwirbt sic durch den Abschluß der Ehe das preußische 2laatsbürgcrrccht. Tic Rcichsgcsctzgebung köpiitc allenfalls hindern, daß solche Ehen im .'»lande abgcschlostcn werden, aber sic köiintc uni keinen Preis hindern, daß sie im Auslände abgeschlossen werde». Hb solche E^cn als nichtig betrachtet werden sollen, oder ob inan nur den Ehcinaiiii hindern will, sein legitimes Beeid in sein Hans zu nchnien, ist uns unklar. Ter Antrag braucht nicht den Ausdruck „Juden", sondern den unserer elcechtssprache völlig fremden Ausdruck „Israeliten". Wahrscheinlich ist daS nicht ohne Absicht ge schehcn. Man will auch hie Einwanderung von Ehristen hindern, wenn denselben jüdische Abstainmniig nachgcwicscn werden kann. Man will verhindern, daß der Uügclauftc sich einer gegen die Juden ge riliitcten Maßregel dadurch entzieht, daß er sich als conscssionsloö bc zeichnet. Wie weit die' Ahncnprobe ausgedehnt werden soll, wird iinbcstiiiiml gelassen und bedürfte jedenfalls einer näheren Bcstiiiiiiinng. Eines der iraurigstcn Zcichc-n der Zeit ist dieser Antrag. BAlklwardt's Htimkclir. Unter dem Titel „Heimkehr" brachte der Berliner „Ult" zur Fe er der Entlaffnng Ahlivardi's ans dem Eriminal folgendes zeitgemäße «Gedicht: Tnrch das l'ager auf und nieder 2chwiUl der Jubel naäi i'Iebühe: Rckror '.'lhlwardk kchrci ivieder, '.Iber nichk vor seiner Tl,ii> . [ Tic ollDcll ilt iKlimiillifU.') B-ir lese» im „R II IN äIIischc » Vloiid"': „Tic Tcbatlc des für Riiuiänir» eine hohe praktische Be deiitnng besitzenden (Gesetzes über die.Regelung des landwirthschafilichc», sorsilichen, eommcizielten und gewerblichen Untcrrichtsivcsens hat in Folge des von den liberalen beantragten- und ihcilivcisc auch an geiiommeiic» Aiiicndcmcnls, die rumänischen Inden von diesen (bewerbe schulen ansznlchließcn, nicht verfehlt, die Ansnicrtsamkcit der ans ländischem Presse iiencidings Rnmünicn znznivcnden. Tomäncnministrr Earp, welcher schon vor Beginn der diesbezüglichen Kamincidcballe crllärl Halle, die im B'ideripriich zu seiner »rsprünglichcn Gesetzvorlage sichende Ans'chlicßniig der Fremden unter keinen Umsländen äniiehmcn zu lviincn, mußte l-etaiinilich aus Hpportuniläls.Riectsichtcu das Mittel 'Amcndeuicnt anncl ine», wonach den Fremden - lese: Judcnsi das Recht des Einiriilcs in die (»'ewerhekchnlen als Zahlzöglingc mit der Be schiänlung gewählt wird, daß deren Anzahl uichr mehr als -<> Pcreent der nbeihanvt annehmharen Zöglinge betragen dürfe. Tic große Rede, in welcher Minisicr Earp unter Hinweis aiis die Mission üinniünieils, ein Ausgangspiiiikt der Eullur für den Hrienl zu sein, sowie auch aus die Tbatsachc. daß Ruinäiiien seine heutige Enltur dem Ausland verdankt, das Recht der Fremden zum Besuch der rllmänischcü >''civerbcschiilcn mit schlagender Tialellit vcrlheidjgle, ist daher besonders dort, wo sie dem sremdcnsrcstcrischcn Ehanviiiismns und dem anli seniiiiichcn Raeenhastc zu Viik ging, zu einem 'parlaincntarischcn Ereignisse von l.vchücr Bcd.ninng gcivoidcn Bclrcsts der rnmäiiischcii Juten'stellte sich P .Eaip ans dciiielbcii 2randpiiiilt. welchen der verblichene große Bollsmann der nationalliberalcn Partei. E. A. Rosetti, cingeiionlinen hatte, als er im Mai!>«>«> in seiner damaligen Eigenschail als Enlins- und Unlerrichlsministcr die Inden Üinmäniens auf sortcile, ihre Kinder in die rumänischen 2chnlcn zu schicken, da sic nur an'' dieic Weise dem ..naiionalen «leiste näher gebracht werden töniittn 2cik >»>«> hat aber die nalionallibcralc Partei eine ganz 'anßcrordcniliche tlmwandlung durchgcinacht, i.nd würde dieselbe in ihrem lieniige» crelusiv nationalen Ehauvinismus geczcn die Rede Earp's auch dann losgezogev sein, wenn in derselben ihr nicht auch einige bittere Wahrheiten über die Aiisschreilumzen der unter ihrem Regiment mit Hilic der 2taalsgcwall inscciiiuc» Jndciihetzcii gesagt worden wären. Rlinisierpräsidcnl Ealargi» war aber klug genug, einziischen, daß der erenniclle Acnctttitt Eaip's den Bestand des ganzen Ministerinnis in Frage stelle» ivüide. und hat daher seinen ganzen Einfluß ans geboten, um diejenigen Mitglieder kcr alteonscrvativcn Partei, welche lediglich ans Eifersucht gegen Earp und die Junimisten in de» Kammer seeiionen für die Ansschlicßnng der Frcnidcii und der als Frcindö an gesehenen nicht näluralisirtcn Inden von den l^ewcrbeschulcn gcstiininl hatten, zu obcrwühnlcin, für den Toinäncnininislcv annchnibarcni Eom-

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