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Freies Blatt · 1893-03-26 · 51 (26.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
51 (26.3.1893)
Date
1893-03-26
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51. Freies Blatt. Seite 7. ist der Boden, auf dem der Antisemitismus blüht. Unsere ("cg»cv haben gewußt, daß mit den großen Arbeiten in Wien dir Zufriedench-it cinkchrcn wird, und das konnten sic nicht brauche», denn ihre ganze Agitation basirt ans der Unzufriedenheit. Eine Partei aber, die ans Unglück, Unzufriedenheit und Verhetzung basirt, die kan» unmöglich eine wirklich volkSfrcnndliche sein! Au» Neid über daS (Gelingen alter, nuferer Arbeiten haben die Antiscmitcu schließlich den fiops verloren und sind in der wichtigsten Periode der Arbeit auSgcblicbc» Tür jede andere Partei wäre ein solche» Vorgehen der Todesstoß gewesen, und cS zeigt von der nugchcnrc» traurigen Verblendung der Gegner, das; sic diese» Vorgehen nicht ans das Schärfste mißbilligen. Hossentlich ist die Zeit nicht ferne, wo die irregeleiteten Wähler cinsehen worden, daß die Partei, der sif jetzt (Gefolgschaft lmien, gerade das Gegcntheil von dem verfolge, wacs für die Bcvölkc>Xuls>.vo>i stinve» ist." Mit einem Appell, treu zur Jahne des Fortschritte/ zu halten, schloß Tr. lchübl unter ininutenlanHem Beifall, worauf ihm der Tank voiirt wurde. — Am l?I. d. M. lliachmittagS fand im Saale des Ricdcrösterrcichischcn (stcwcrbcvcrcincS eine von der Fürstin Paulinc M et tcr nich ciubcrnscnc Persammlung von Tamcn der Wiener Gesellschaft zu dem Zwecke statt, eine Actio» bchnftz Unterstützung hilfsbedürftiger Schüler dcö Techno logischen Ge w er b c in u s c u m s cinznlciten. An dieser grauen - Versammlung nahm auch Hofrath Tr. Ex »er theil, welcher in einer Rede darauf hinwicS, daß auch andere fürstliche Agitälorcn »vranen vcrsaiiimlnngcn veranstalten., Allein, fuhr er unter lebhafter Zustimmung fort, si du» l'aciimt idom, non «>->l idom. TaS' ..(iaufl nicht bei xludcn" Vicchtcnstciu'S könne nnd werde keine Früchte tragen, denn der -stänfcr könne auf die Tancr nur die T-nalitüt und nicht die Provenienz de» (Getauften berücksichtigen. — Am selben Tage Abends wurde eine vom ^.Verein der Fortschrittsfrcn»dc in dcr Inneren Stqdl" veranstaltete Wählcrvcrsäminlung abgchalien, welche die l^emciilderaths Eandidaturcn des Bürgermeisters Tr. Prir, der Stadtrüthc Matzcnancr, v. Goldschmidt, Wurm und Tr, Vederer, sowie des neuen Kandidaten Tr. Mistlcr cnigcgcuuahm. , Besonderen Beifall erntete Stadtrakh 'Wurm. der in seiner Eandidatcnredc sagte : -„llnscr Stand ist kein leichter, wir sind, wie Sic ja Alle wissen, de» Anscindungcn unserer Gegner bei jeder Gelegenheit anSgcsctzt. Aber nicht nur wir, namentlich wird von diesen Vcutcn der Eapitalismns als solcher angefcindct. Wenn wir dieö länger dulde», so jagen wir damit alle capitalslräfligcn Elemente fort und machen alle größeren Arbeiten nnmögliäi. Beer wagt es heute noch, ctivaö zn nnternehmcn, wenn er von den Gegnern als Ticb, als Räuber gekennzeichnet wird,, sobald er etwa» unternimmt'? Wsir müsse» daher mit allen Xrasten dieser Bewegung cntgcgcNtrclc», damit die alte Schasscnslnsl wieder erwache, damit wieder größere Unternehmungen dnrchgeführt werde» Tamit werden wir auch endlich Ruhe bekommen vor den H»ä»en ans dein politischen Schlachtfclde, welche sich nur dann wohl sühlcu, wenn eS Allen schlecht geht." (20 handrln jüdischc Atrztt.) Herr» Ernst Schneider, de», freund nnd Anwalt der jüdischen Acrzte, empfehlen wir die Veetüre der „Arbeiterzeitung!', die in der Rümmer vom 17. Marz," Seite folgendes veröffentlicht: Anertennyng gebührt de», Herr» Tr tzatzto, Specialqrzt für I-iänei'.Iranlbeilen nnd bnetShilse, Arzt des Verbandes drr gen. Aranleiieassen, Vs. Ehwallagasse Ar. - rvobnhafl, welcher v^m L5». Teeeinber 1 SOi? an meine -Hran, die chani» eines armen Sckmeidergehilic», anläßlich einer tNcburlSanomalie durch i Wocheri in aufmerkiamster, anfopierndner Weise bebandelle. Er cilrc zu jeder Sinndc bei Tag oder Nacht hilisbereii an das Schmerzenslager deistlben, sobald cS nur »olhwendig war n»d"vcrsorglc die Arme durch -st Wochen mir lräitigcr Aabrnng. .girr Tpcraiion, iveilche vorgenommen werken mußte, assislirten 1 Aerzle, »nd für all dieses vcrlaeigic er keinen .grenze,- Honorar. Er be'chentie im tzst-gentheil »och den Man», ivelärcr durch i Wochen an rineni Iußübel litt und ohne Arbeit war. So handelte ein Arzt, »och dazu ein „Jude", an einer chlistlichen Arbeiterfrau, dem eS ja ein tzeichteS geivefen wäre, die Arme dem Sviale zu überweisen, um sich nicht erst zn plage» dort, wo »Mit» zn bolen ist. Ihm sei wärmster Tank gebracht. Und daS schreibt einer von den Soeialdcinokratcn in einem Blatte, welche» schon oft Veranlassung nahm, über „waschecht arische Genossenschaftsärzte" die vernichtendsten Urtheilc zu fällen, welches aber andererseits anch dem Schloßhcrrn von Roscngn wiederholt (Gelegenheit gibt, cS als zuverlässige T.ncllc zu citircn.; (Bon dcr Poliklinik.> Tic letzte Rümmer der „MontagS- Pcvnc" berichtet: „Tic Tircetio» dcr Politlinik hatte die Absicht, die Stelle eines zweiten BorstandcS dcr Abthcilnng für Thrcnhcilknudc 'zu besetzen, und erstattete diesbezügliche Vorschläge. In, Gcsammt collcgium wurde mit einer geringen Majorität beschlossen,- weder diese : I i noch überhaupt eine zweite Borftandsstclle vorläufig zri besetzen'. I» J nnlcrrichiclc» -st reisen bringt man diese Thatiachc mit«-dem slnistande! in Berbindnng, daß int Vehrkörper dcr Poliklinik jene 'Elemente zur i. Mehrheit gelangt seien, deren Smnpalhien zn Herrn T.r. Vnrger und seiner Partei hinncigc», ja man willvon einer gcläri'chloieii, aber sehr, > intensiven Agitation wissen, welche daran' abzierl, bei dcr nächsten Tircetionswahl den. bisherige» Tireclor fallen zn lassen lind den j Tireelorstelwcrlreler au seine Stelle zn setzen. Maii"wird »>:s 'sicher! keine besonderen Smnpathie» für Herrn Tr. Schnitzler zuninthe», aber solchen Undank .verdiente der Braun nichl, ohne welchen die Politlini! übezhaupt nicht eristirte Um die Tinge beim wahren A'ameu zu nennen — . in der Poliklinil graisirt der Antisemitismus, und seine t Iahnenlräger sind gczade diejenigen, ivclckse sich zn einer gewissen Zeit j als die bitterste» .Gegner des damaligen Rcelamenre»zimes gerirken : '.>(»», dieses System hat doch Manches erreicht, insbesondere den Bau ' eines eigenen Spiiales, das Geld dazu gaben vornehmlich die Juden, : den allergrößten T heil ein einziger Jude her: hält man jetzt die Zeit gelomincn, an diese Belgangenheii vergessen nnd in das Vager des i AntiseinilismuS ülnstgehen zn dürfen? Tann sage inan cs offen heraus, ' und cs wird sich zeigen, ob die weitete» Zwecke der. Poliklinit von den traben des Br'echanikerS Schneider bestt'illcn, werden könne» Aber bei den Juden das (steld holen ' und die jüdischen Professoren >rnd Tcccntcn bei Seite. schielM, das wäre denn doch zuviel." Boranstcheudc '-Mitiheiluugcn weiden »ns von wohliiltorniirtcr Seile bestätigt und dahin ergänzt, daß die erwähnten Erscheinungen anläßlich der Te Mission des verdienstvollen Rechnnngsführcrs zu Tage getreten, dem die j Plcnatversammlnng nach aufopfernder Thäligkeik ans seine gestellte 1 Berlranenssragc hin ein Brißlrauensvotnm mit acht gegen sechs Slimine» | gab. Ter Zufall wollte es, daß die acht Mitglieder der Majorität i durchaus Arier, die sechs Spponcnteir Juden waren. ' (it'ii'UCl' Btzirksklüllkclicaiic. Tie kAiederhageck von .storneuburg ' nnd Troppau scheinen den Organismus Anriscnis entkräftet,zn haben, i lind die Herren sind daher eifrig auf -der Jagd nach kräftigender Speise für den Moloch des eliaccnhasfcs. Ein leckeres (Bericht dünken j ihnen die Sonntag den ^i". d. vorznnchmende» Telegirkcnwahlen in die Wiener Bezirkstiailkeneasie. eilte Eorporation, in welcher sie bis . nun weder Sitz noch Stimme haben. Sic umckseii daher alle erdenk lichcn 'Anstrengungen, in» ihren Eandidaten zuiri Siege zn verhelfen,,' i nnd werden — prüde, wie sic iiichlsind — anch vor den unlautersten Mittelitnicht 'znrückschrccken, uni ihren Zweck zn crrcick>e». Zn wählen j sind! '2 Telegirle dev Arbeilsnehmer, r> Tetegirtc der Arbeitsgeber. ' Uebcr den Ausfall dcr Wahlen berichten wir in der nächsten Rnmmcr. j (Aus Dem vtlltichcil sticichslügt.» Anläßlich der dritten Vefniig des Etats im dcntfchen Reichstage am d Bi. brachte Ahlwardi die ans seinen „Indenflinlen" und der jungst wider ihn durch! geführten Skrafocrl,a»dlnng bckannien Beschuldigungen ncnerdings . vor. 'Reichskanzler l^raf E a p r i v i^fertigte ihn in gebührender Weife j ab: er sagte: „Es lhut mir leid, Ahlwardt hier zu sehen, denn die . Achtung, die ich vor dem Han'e habe, hindert mich, ihm das zn sagen, j was ich ihm sonst' gesägt hälie. Ich glaube, die 'Gewehre der Zinl- 1 grass'schen Afrika Ervcdilion sind schlecht behandelt, darnrn schadhaft - geworden. Iclx behaupte hier noch heute, das; die Voeive'jche» (Gewehre ' durchgiiS gute find v>ch muß mir cs aus Re'peel vor dern' Haui'e i versagen, die Worte Ahlwa'rdt's inil dein-richtigen Ausdrucke zn be | legen. Ahlwardt kann sprechen so viel er will, niemals wird er das! Ansehen der Militärverwaltung und der Justiz erschüttern." Auch! ricgsminister^General v. >( alle n b or n erklärte in cnijchiedenster Wcsie, daß kein einziger Jack erwiesen sei,. in ivelcheni die beibcillgten - Tssteiere und Beamten der Heeresverwalinng ihre Pflicht vernachläst'igt ] hälicn. Tie «"eivcbrlieferniig der Voewe'schen »vabr.it. sei zur vollsteri ^»friedenheil der Militärverwaltung ausgefallen. Tie Boewe'schen!^'e wehre seien ebenso brauchbar wie die in den.-Sraalsfabriken.au! gefertigten (Gewehre. Tic 'mililüriicheu'Sächvetständigcn feien im Pro. j ecß 'Ahlwardt von diesem und denen' Beriheidiger wie Berbrechcr bej handelt worden. Tie Behanplnng, daß irgend eine Solinger Iabrit! (Gewehre für die Voewe'sche »Tabril geliefert-habe,'sei: absolut unrichtig.! Tic Schädeil der Gewehre eines Vandwcbr Bataillons hätten lianvk . sächlich von der nnvorsichligen lind gewaltsamen llnlerinchnng derselben nach deren Gebrauch ' hcrgcrnhrt. Ter Minister schloß .»ach Wider, lcgnng verschiedener Bchanptnngcn Ablwardi's -mit der Erklärung, daß die Voewc'fchcn (Gewehre in jeder Beziehung den Anforderungen der Siriegsbranchbarkeit genügen, Ter sächsische Generäl S ckr l r e b e » eonstatirtc gleichfalls, daß die T-nalität der Voewe'schen 'Gewehre eine befriedigende sei. Ter Aniiscistii V ic bcr »i a u n/siigle, er schenke der Erklärung des X.ricgsministers ((staube», allein er habe über die Be wasfnnng dcr Infanterie etwas 'A'achtheiliges crfal»»», nmS er nichi dcr Tcffcntlichkeit.. prciSgcbcn, sondern aii zuständiger Stelle ininbeilen

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