Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 50 (19.3.1893)
- Date
- 1893-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. Nr. 50. -t Freies baS wäre ja sehr schmeichelhaft- Er hat aber »och eine andere Aeußeuittg gethan. die süp mich nicht-sehr schmeichelhaft war. Er hat geglaubt, ich hätte mich seinerzeit siir die Goldwährung bestimme» lassen dnrch die besondere iT.mititdt, die ich al« J.ube hätte. Er hat gesagt: Die Juden sind siir die Goldwährung?. Herr Bauiberger ist Jude, folglich ist er siir die Goldwährung Ich habe selten con teisionetle Fragen hier berührt auS einem sehr einfache» Grunde. Wenn man von Jude», spricht, weiß ich nie, ist cs eine Frage der religiöse» liebet zeugung oder der Abstammung. Wenn es eine Frage der religiösen Ueberzengung ist, so finde ich Erkärungen darüber hier geschmacklos, den» das ist die Lache des inneren Bewußtseins, über die ein Mensch von wahrem Gefühl nichts verlautet. Loll diese Frage nach dem Glauben an das Alte Testament entschieden werden, >o tvürde es sich vielleicht Herausstellen, daß die Herren, die Christen sind, weit mehr Juden sind alS ich, weil sie mehr an das Alte Testament glanben als ich. Wenn es die Frage der Abstammung ist, so weiß ich nicht, ob Jemand auch Jude ist, wenn er im ersten oder zweiten Grade aus einer Mikckiehe stammt , Nun frage ich den Herrn Grasen Mirbach, ob er glaubt, daß Jemand, wenn er auch nnbewußterweise die össentlichen Interessen in der Weise behandelt, daß er die Interessen einer besonderen GlaubenSgetneipschast vertritt, eine anständige Gesinnung hat? Lder hält Gras Mirbach einen Volksvertreter für berufen, wenn er sich nicht Rechenschaft geben kann, inwieweit er in diesen speeiellen Dingen sich von niedrigen Motiven leiten läßt? Ich bin seit 25 Jahren nennmal ge wählt wörden. Ich habe aber nie daran gedacht und meine Wähler auch nicht, ob ich alS Jude oder als Christ gewählt worden bin. Ich bin alS Teulicher von Deutschen gewählt worden. Die große Mehrzahl meiner Wähler sind nichteinmal Inden, und niemals hat Jemand daran gedacht, mich deshalb zu wählen weil ich Jude-bi». Wie kommt Graf Mirbach dazu, zu glauben, daß ich mich betrachte als gewählt zur Bettretung der Interessen der Juden? Wenn ich nach die>er Anschauung handelte, so wäre das entweder eine bewußte oder unbewußte Felonie. Wie meint denn Graf Mtrbach^daß ich zu den Resultaten gekommen bin, die mich aus meinen jetzige» politischen und ivirtbschaftlichen.Standpunkt gebracht haben? Bin ich nicht ans dem "Wege meines Bildungsganges und der Erfahrungen dazu gekommen, die Jeder machen muß: oder glaubt er, daß es in dieseitl Dingen eine jüdische oder nichtiüdische Wissenschaft gibt? Wie lonimt er dazu, Gittern Eollegen in seiner Stellung Gedanke» oder Motive unterzufchieben, die als niedrig oder gemein bezeichnet werden müssen? Wenn irgend Jemand iein Uriheil von consessionellen oder StandeSrücksichten abhängig machen würde, ich kann mir nicht helfe», das wäre mindestens ein leichtfertiges Berfahren. Bei demjenigen, der durchdrungen ist von Wisienschaft und Erkenntnis;, können solche Berwirrungen nicht entstehen. lMllwardt.) Das erste Auftreten des „Rentiers" Ählwardk im deutschen Reichstage war von einem schmählichen FiaSco begleitet. Ahlwardt nahm sich der Locialdcmokraten an, ohne siir diese ungebetene Anwaltschaft Tank zu ernten: dann tischte er die Angaben wieder auf, welche er gegen das IStablitfeuiciit l'oetue schon im „Juden slinten"-Proeesse gemacht hatte. Tie RriegSverwaltung hielt es nicht der Mühe wertst, ihn einer Entgegnung zu würdigen, und erst in Folge einer Aufforderung von liberaler Leite gab der preußische RriegSminister General v. Kaltenborn die Erklärung ab, daß Ahlwardt'S Mittheilnngen durchgehends erlogen sind. Ahlwardt kündigte nun eine Entgegnung für später an, was im Reichstage — Heiterkeit erregte. ■ «Wic (teilt cs mit ber Klagt?) Hermann P oI, l. Aichmeister gehilfe beim königlichen Aichamte und Borfitzeuder der deutsch social aiitisemilischen Geschäftsstelle zu Berlin, erklärte zuletzt in, der „Ltaals bürger-Zeitung" vom '21. Jänner, er hätte die zn einer Silage gegen Tr. Hildesheimer erforderlichen schritte bereits eingeleitet Be kanntlich hat der letztere das antisemitische Flugblatt: „Talmud AuS zug" als „niederträchtig schamlose Fälschung" und seine Bet breiter als „Ehrabschneider und Bcrleumdcr" bezeichnet. In einer „offenen An trage" an Hermann Pohl constatirl nun Tr. Hildesheimer, daß ihm bis jetzt keine Silage zugestellt wurde. Tie osieüe Anfrage schließt mit de» Worten: „Und warnur verzögern Lic die seit Juni vorigen Jahres angedrohte Klage? Ich wiederhole: Weil Sie von diesem Pro resse eine durch Richterspruch beglaubigte Feststellung der Fälschungen des antisemitischen „Talmud AnSzugcS" erwarten, deshalb verzögern Sie die Klaäe in nur zu begründeter Furcht. Und ebsu deshalb, weil der Proreß abermals zur Entlarvung verachtungswürdiger, antisemitischer Machenschaften führen würde, darum wäre mir die Klage ganz außer ordentlich genehm. Hätte ich Denen, welche zn jenen tjiiü Mark (zur Tecknng der Proccßkostcn) beigestenen haben, einen Rastlpzu erlheilen, so wäre es her, darauf zu achten, daß das Geld nun.endlich bestimmungsgemäß B.orsitzenden zur Berwendung gelangt. Sie sollten Herrn Hermann Pohl, der deutsch-socialen antisemitischen Geschäftsstelle, vereint und recht veenehmlich fragen: WaS ist aus unserem Gelde geworden? Was ist ars der seit Juni vorigen Jahres wiederholt angedrohlen Klage gegen Hirsch Hildesheimer geworden?" Statt.! Ei» Brits des Erzhjsklwfs UOll Quitte. Man schreibt UNS aus Zante: Anläßlich der durch den hiesigen griechisch orlhgdoren Er; bischos T Va ta zn Gunsten der Juden in der äiatbedräles gehaltenen und dem „Freien Blatte" seinerzeit berichteten. .Rede wendeje sich Herr Racniias namens der Enliusgemeinde von E orfu in einem Tank- und AnerkennungSschreibeiz an Le. Eminenz den Erzbischof, woraus dieser Folgendes antwortete: £ Fante, 15. Jänner l>Ri. . Hochgreh rter Herr! Ich habe Ihr Schreiben vom 1l v. M. eilwlte», iu weichem Sie mir. für meine zü Gunsten der Juden gehaltene Predigt den Dank der israelitischen Gemeinde in Corsu ausdrückeue Ich danke Ihnen dafür, hochgeehrter Herr, und süble zugleich die Verpflichtung, Ihnen bekanntzugeben, daß solcherart meine Gefühle seit dem zartesten Xindrsalter waren. Man unterwies mich in der erhabenen Pfticht, die Wahrheit zu achten und zu vertheidigen, welche aus den Dormnenten der Geschichte. oder vielmehr ans der Philosophie der Geschichte aller Rationen ohne Unterschied hetvorgeht und verbürgt ist. Meine HandlnugS weise entsprang also döb heiligen Pflicht, welche die erltalteue Unterweisung und die Erfahrungen des Gebens mir'anterlegen, ohtle Rücksicht ans die Person - zu nehmen nnd ohne irgend welchem persönlichen Interesse Gehör zu sehenkeü. Erfüllt von dem Winnie, daß der Allmächtige Sie vor jedem Unglück bewahre, bitte ich Sie, meine Gefühle des Wohlwollens der. israelitischen Gemeinde in Corsu kundzugeben und sie zu versichern, daß ich mit der gleichen tzirbe, die ich nie sie stets gefühlt und noch suhle, mit der-Zuneigung für das Bolk Israels tut Herzen, zu Grabe gehen weide. - D. tzata, Lrzbi'chos von Zante. 2Ui5 antisemitischen Vereinen und Der ' sannnlunaen. lDic VC HC gegen den Biirgkriucisier.l xiieder und antisemitische Prinzen jagen die Wahrheit, und so öffnete denn Prinz tziechlenstein jenen fortschrittlichen - Wähler» die Angen, welche sich über die Tendenz der von den sogenannten Hansherrenvereinett eingeleiteten Hebe gegen den Bürgernteifter täuschen ließen. In einer Berjammlung'von Sltakringer Hausbesitzern änßeite sich der Prinz: „Sie, meine verehrten Herren, sind ruhige, brave Staatsbürger, wahre Muster geduldiger Steuerzahler: von Ihnen hatte man bisher ersahrutigsgemäß keine Spposition und keine Eontrole zu fürchten; bei -den Wahlen stimmten Sie jedesmal, wie es das verehrte Sbethaupt tmierer Gemeinde-brauchte und wünschte. Ihrer ist er so sicher, daß er nicht einnial den Zwang der.Höflichkeit sich anihiin zu münsn glaubt. Sie läßt er, wen» Sie ihm Ihre gerechten Wünsche dnrch eine Deputation bescheiden und manierlich Volbringen, in der Andienz stehen wie der Hauptmann die Gemeinen beim Rapport: wenn Sie aber Ihren iRMch bei ihm iviedeiboleu, läßt er Ihnen sagen, er habe keine Zeit. Meine verehrten Herren l Ich ratbe Ihnen, dem Herrn Bürgermeister leinen Mangel an Con'eaueuz oder ",'ogik zuzutraue». Wenn er wenige Wochen vor den "Wahlen des ersten Wahltörpers, in welchem Sie, meine Herren, den Ausschlag geben. Sie so ausgejticht grob behandelt, wird er Sie gewiß nicht nach den Wahlen schonen, wenn dieselben zu -einen Gunsten anssallen. Faßt er Sie jetzt so räuh an, wo er' doch Ihre Stimnten braucht, »m wie viel weniger wird er Sie mit Glaröhandichnben angreisen, -.neun er Sie nicht mehr, braucht, und Sie ihm durch Wahl seiner unbedingten Anhänger Proben Ihrer vanginnth und Uuterthänigkeit gegeben lncben!'Ihre Belohnung ivürde z-verielloS in der Erhöhung der Zinskreuzer bestehen. Sie habe» aber durch die teste Sr ganisatioit, welche Sie sich gegeben haben, ttud durch die Xlarbeitnnd Mäßi guug der von Ihnen beschlossenen Forderungen bew,e-en daß Sie sich als ein Stand sichlen nnd in>.Staate als solcher behanvten nndbetbätigen wollen: zeigen, Sie auch bei 'den lomineuden eSenieinder.tthsivahlel, männlichen Muth, politische .»irast und Boraussicht.' Die. geschielt eimzeleitete J.iirigue wurde, durch die — "Wahrheitsliebe des Prinzen au'gedeNt. tPaltai'S Gastspiel in Slktir." Wir leien in der „Jndentrage", dem-in Steur erscheinenden Srgane zu-. Förderung d>r Antisimiterei nach Dühring'schein Ritus: Das „Deutsche Bollsblatt" schreibt: „Beriammlnng des Bnrgerveieins in Ste»r, Wie wir schori neulich berichtete», batte für die Beriammtnng, ivelche dieser Betein levten Sonntag in Stetlr abbiolt, Dr. Pattai es übeinomnien. Ute» ,Bortrag zu halten, wahrend 'Herr Dr ",'ueger, welcher ursprünglich dieieu Bortrag zngeiagt hatte, den Tag verwendete, um in der Xorueitbiuger Wahlrampagne tbätig zu sein' Die Versammlung in Steyr hatte einen glanzenden Erfolg, und die AuSiültrnngen. Patiai'S fanden die nngeiheilte Zustimmung der zahlreich versammelten Bürger. Wir können - diesem Ereigniß utnwmehv Bdeutung beilegen, als es darthul, daß intiiuiehr auch die Stadle Sberösterteichs ansangcu, den vo>> uns vertretenen Ideen sich zuzuneigen. Bei der Raschheit, mit der sich der weitere Eriolg in der Regel vollzieht: sobald 'nur der erste Sagten Wurzel gefaßt hat, müssen wir bereits in de» nächsten "Wahllampfen ernstlich mit dem Gedanken rechnen, die liberalen Abgeordneten attS den Städten Sberösierreich« hinauszuwerfen." Was da das „Deutsche Bollsblatt" schreibt,^