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Freies Blatt · 1893-03-19 · 50 (19.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
50 (19.3.1893)
Date
1893-03-19
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seit* 8 Freies ist mir auf Täuschung und Irreführung berechnet. Bei dieser Bersaininlung waren höchstens 150 Personen anwesend^zudein wab da» eine unvevsänckite clericale' Versammlung. Was das „Teutsche Volksblatt" von Ideen schreibt, kann man nicht wissen, weil tcnselbe alle Augenblick eine andere Idee hat, i» dem betreffenden Verein gibt e» nur clericale Ideen, und diese waren schon längst verbreilek, bevor- Tr. .Paltai seinen Vortrag hielt, und diese sind auch beule noch die maßgebendsten und heiße» .Kirchenherrschaft. Zur Erlangung beneiden biancht man einen politische» Einfluß, eine politische Macht. Ueber ganz T bei Österreich sind katholisch politische Casino» »nd eine Anzahl von katholisch pplitüchen Zeitungen und Preßvereinen verbreitet, die aber sämmtlich unter dem Einfluß nnd'der Leizzuig der Geistlickkei: stehen. Wie e» nun scheint, will man lepi auch den Bülgersiand ebenso erobern wie den Bauernstand, und so werden die elerieale» Vereine in Biirgervereine umgetanft, dasselbe-wie bei dem Antisemitismus— imitier die ewige MaSkilung Um Propaganda ju mache», inüssen die Schönredner und Agitatoren aus W^en auitreten, um den Vürgerstand einzufangeu . Wenn nun ein solcher Agitator in einem clerirale» Verein auflrill. io nennt dies das „Teussche Voltsblali" ein Ereigniß. eine Verbreitpna der von demselben vertretenen Ideen. So etwas kann man doch nur politische» .Kindern vormache». TaS „Teulsche VollSblatk" träumt sogar.' daß bei den nächsten Wahlen die liberalen Abgeordneten Tberösterreichs ans den Städten hinausgeworfeil werden, um dem cleriealen Streberlhum Plav zu machen. wir glauben, es durfte ebenso gehen wi<r bei der.Korneuburger Wabl. - Tie Steyrer „Iudenfrage" leistet uns durch den Eifer, mit dem ne andere Autisemitenseete» bekämpft, werthvolle Dienste. Man kan» den .chiinlich socialen" Humbug nicht bester beteuchle», als sie e« timt. > Entgleist., Ter wegen Trunksucht entlassene Pastor und iiiinmehrige .--uuitti» c>>rirr5'-ur in Annsemitismus, Tr. Tann eil, gedachte Antangs März' .in der alte» Hawafladt 2 ii be cf jene berüchtigte Versammluiigslhäligkeit zu entwickeln. welche von den Skandalen in Grevenbroich und anderwärts her noch in tebbaner Erinnerung steht Tr. Tanneil begann in Lübeck sein Apostolat mit einer Versammlung, i» welcher er Über „Iudentbnm und Teutichthnm" eine schander bakle Hevr ede bieli. Statt des erhostren Beifall» fand er jedoch bei den wackere» Hanseaten eine halb emrtiftete, halb buinorvolle Zurückweisung. Mehrere Redner leitchiotei, dem Agenten der lnkei-nntionnl,- anti.-emiti,,,»' grü üblich heim, und schließlich nahm die rum Zwecke -der anliieiniliichen Propaganda vetaiistaltete Veisammlnng unter lL'ente'» Vestall folgende Resolution an: „Tie am 1. März int Türkop'schen Locale von dem Anlisemiten Tr Tanneil au» Bielefeld einbernfeue Ver-animliing verwir'k den Antisemitismus als eine deni Christenibnnr und aller Cultur h ohn ip re che»de Verhetzung. Tie Per sammlung bälk den Versuch einer solchen Velbetzuug 'nr um io 'chmachooller, als die. christlichen Bewohner Lübecks mit den israelitischen Bewohnern bisher in guti-in Einveinehinen gelebt haben." 2lus antisemitischen Blattern. Vierschwefel. > Tas libeiriechende Blau von der Linken Bahngage greift deii Abgeordneten Morre heuig an. Es chaiaklerisirl eine Rede, die derselbe im Parlamente über die Agrarverhältnisse gehalten, als „Bierichwefel" und als ei» „klägliches Flehen nin die Gunst des Judeuihums". Morre, der Tichler des „Rulleil". wild sich wohl um die geistigen Nullen, welche' stet» durch Anbindeu mit eiu.-SGroße einige Bedeutung erlangen wollen, wenig scheeren. ES diiifie ibu auch nicht geniren. wenn das Schmähblait sich ebenso eine ZustimmungS eiklätniig von angeblichen z'eibnitzer Wählern veiichassen wurde, wie es eine -olche siir Geßniann von — „Tieneru der Lüdbahu" geivonnen bat. linpere In ce-. »t.j Ter arme Psenner, der e» nun-bei Gericht-er- .-.T" das: inan ikich: „niigestrasl reizen" darf, niacht sich in seinem Blättchen llber zlve, .Kaiunienälde lnstig, weil sie sich nicht — dnellirte». 'Was n-.rd web: der d::cll-'cheue i'ueg.-r zu die''er Ungeschicklichkeit,Psenner's sagen, i.i resse» Blättchen überdies die letzthin roin deutschen .Kasses eitinen LSarte: -..^ii- >»- itiif'j. f—sir in silgender, redliche Unwissenheit verrakhender Form ad.i.-d: lick: ,-lscheinen: u. IU>- l IN p >-!-(- I» >t! Tollte Psenner vielleicht!-.il-.e Ungeschicktichleit begangen, sondern nur an' die »iainnierrälhe ge-'chlagen l .ii-. ,!, wabrend Lueger gemeint bat, >'o dürste er, wenn dies lierauskomliit. . -.-!l-!:ich -.:r '.-in -Reizen >-.lle Straff' erleiden, die ihn noch empfind lich-t l-i-,.ihren dil-.üe als die ,b,n seinerzeit von Adalbert Hakfner erlheille -se - Blatt. Ne. 5V. l (Der „berüchtigte Judk" ErSmirux.) Aus Linz wird unS geschrieben: | Tas hiesige „VolkSblatt" macht wieder in Antisemitismus, und zwar in | jener hyperschlauen Weise, welche ouS Furcht vor — Chinesen, die »ach Linz | kommen könnten, die Juden in ihren Rechten schmälern will. Das „Volksblatt"! nennt eine» Mann vom Range und von den Verdiensten Crvmieux einen „beriich tigten Juden", und gestützt auf die Autorität eines Sebastian Brunner, behauptet dasselbe, Crsimieuz hätte es „mit anekelnder Frechheit" ausgesprochen, . daß das Iudenthnm sich mit der Gleichberechtigung nicht begnüge, sondern die Alleinherrschaft Uber alle Völker anstrebe. Der „berüchtigte Civmienx", daS Aufwärmen alter Lügen, scheint dazu bestimmt zu sei», dem „VolkSblatI" und seinen Hinterinännern wieder die Gnnst der Christlich-Socialen zu verschaffen, welche sie durch einige Kundgebungen in jüngster Zeit einzubüßen Gefahr liefen x. (Juristische Schnurrpfeiferei.) Carl Paasch wurde in Berlin wieder verhaftet, nachdem daS .Kammergericht der Ansicht des ZtaatSainvaltes beigepflichtet chatte, daß Fluchtverdacht vorliege. Die Berliner Antisemitenpresse und ihr Wiener Rachäff'er bezeichne» die ,Wiederverhas»vig Paasch' als „juristische Schnurrpfeiferei". Tas Verhalten der Antisemiten gegenüber de» Gerichten bekundet scheinbar wenig Respect, und doch haben sie vor denselben große Angst. (Lieber fein Eommers als feint Judruhetzr.) Da« Berliner Junker- und Muckerorgan, die „.Kreuzzeitung", ist sehr unwillig Uber folgende, ihm in einer Zuschrift aus dem Friedrich Wilhelm-Institut, der bekannten miliiärärzt lichen Lildnngsanstali der deutschen Reichsmetropole, milgelheilte Thatsache: Ter Professor der Anatoinie, Tr. Waldeyer, einer der hervorragendste» Anatomen der Gegenwart, erklärte, die Iudenhetze müsse aushöre», als gelegentlich deS wie alljährlich geplante» Anatomen-CommerfeS zur Bekundung aniisemilischer Gesinnung kein Jude unter die Chargirten deS Commerses gewählt wurde. E« scheint aber der „Kreuzzeitpng" zum Tröste zu gereichen, daß die Zöglinge der militärärztlichen Bildiingsanstalt lieber auf de» Cominers als auf die Iudeuhetze verzichtete». lLügen haben kurze Beine.) lieber de» bekannten Romancier Leopold v Sacher-Masoch ließ sich neulich das „Volk" in der bekannten Manier ans. Tas Blättchen schrieb: „Wie alle Literaturjude», behauptet auch dieser Muster Pornograph zunächst wieder/ kein Jude zu sein. Dies* modernen Juden glaube» in der Thal, schon Christen zu sein, iven» der Vater oder Großväter au« Zweckmäßigkeiisgrlliiteii äußerlich einen Uebertrilt vollzog, durch de» sich ihre .Kinder und jiindeSkinder hinterher auch nicht im geringsten für verpflichtet halte», mit der bisherige» Traditio». ihrer jüdischen Denk- und Lebensweise zu breche». Sacher-Mawch hat den Jude» weder in seiner Lebensführung »och in seiner Schrifisiellerei ablege,i können. Alle nnangeiiehmen Raceeigenthümlichkeiten finden sich bei ihm in virtuoser Weise ausgeb'ildei, zügellose orientalische Phantasie,, echt jüdische Eitelkeit und Selbstüberhebung." Tenigegenüber schreibt nun Leopold v. Sacher Masoch: „Ich glaube nicht, daß e« etwas gebe» könnte, wodurch das zu gleicher Zeit uilinenschliche und unchristliche Streben der Antisemiten besser bezcichuei werden könnte als durch die Thatsache, daß dieselben mich, der ich aus einer mindesiens seit 1517 unzweiselhast christliche» FamiUe stamme, ^um Juden gemacht haben, nur weil ich die Juden ehrlich und energisch gegen ebenso unsinnige als niederträchtige Angriffe veicheidigk habe." t)»iil mini.-V Wäre Sacher Masoch wirklich alles da«, was ihm hier »achgesagl wird, daun hätte da« „Volk" den Nachweis geliefert, daß auch Arier „unangenehme Raeeeigenthümlichkeilen", eine „orientalische Phantasie", „echt jüdische Eitelkeit und Selbstüberhebniig" haben können ArmeS „Volk"! Briefkasten. Allti-Allki: Glückauf! L. SM., Röhrcudach. Besten Tank. .Kommt bei Gelegenheit. Oiermanieus, Eger Sie irren! Es gibt auch arische nutz leuionische Schmocke. Wenn man sagt: „Heil Philippinc, heil ihres 'Restes Inhalt!" oder wenn man wie der classische Schriftsteller des Antisemitismus Raudh beginnt: „Heilige Lohe über Euch!" u. s. w. — wie nenne» Sie da«'? E. P., Graz. Ist uns leider nicht bekannt. Zur gefälligen Keachtung! Ter erste Jahrgang des „Freien Blattes" ist durch unser Bureau siegen Einscudnust des herabgesehteu Preises von ö. W. fl. l. oder 2 Hioiicii (statt ö. W. fl. 2.50 oder 5 Kronen) zu btzitlien. Die Administration. Bellritlserklärungen 511111 „Bercin zur Abwehr des Antisemitismus" werden ciilgegenFmonlinen im «ecretariate des BercineS, Wien, I., Parisergasse 4. Abonnemeutsanmeldungen auf das „Freie Blatt" uimmt die Admiulstratiou, Wien, I., Seilerstätte 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werde» auch einzelne Nummern abgegeben. Prodeuulumern zur weitere» Verbreitung des „Freien Blattes" werden GesiunungSgeuosseu auf Verlangen bereitwilligst zur Versiignng gestellt. Herausgeber und veraulwoctlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von Ch. Reißer & M. Werthner, Wien. 1

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