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Freies Blatt · 1893-03-19 · 50 (19.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
50 (19.3.1893)
Date
1893-03-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Freies Blatt. Seite 6. Nr. 50. Freiherr v. -Ezedik richtete zum Schluffe an die Bersainniluiig die Mahnung, schon sstr künftige Zeilen eine £ rganiiation zu bilde», die ein wirksames Kegen - gewicht gegen die aniiicinilischc Wühlarbeit bilden soll; wenn die drei ^rle des Bezirkes geschloffen zn'animengehe», dann werke er üeis gern die Rolle kcS ehrlichen Berinittlers übernehmen Sein innigster Wunsch sei er, kaff jetzt schon der Boden gepflügt werke, kaniit es dem Wahlbezirke einst leicht werken i»öge, eine» Eingebscenen ans ke» Schild zu heben, (Stürmischer Beifall.) — Rachdein die Bürgermeister Franz und Julius Schau mann für ci» stetes Züsainmen ivirkc» der drei Sch'.vtstcrstädie eingekrete», erklärte Reichsrathsabgeorduelcr Sr, Marchel. die letzte Wahl sei darni» auch von besonderer Bedeutung, weil sie zur Klärung der Berbällnisse iveientlich beigctragcn habe, „Bon deutsch naiionab r Seile," inbr er jorl. „wurde mir nnanfgetorkert erklärt: Wir wollen keinen Wadlkamp': wir wellen »»»'er Svnriiö anklöien und nicht gegen Ezedik . auflrctki:. Trovkein rand inan eS süv gut, u> letzter Stunde Proclamationen in kein Wablbezirk zn Gunsten der antiiemilinchen Eanditaien zu verbreite». Man wollte uns also in ein gewisses Gefühl der Sicherheit wiege» und die Sache des Gegners dadmch 'ortein, iRute: .'>öit, hört!» Ich habe die Herren gefragt, wielo es komme, kaff sie zuerst sagen, ,wir wollen knotz nicht , und kaff sic sich , kann koch u»l lene» Personen 'verbinden, von keiien sie behaupten, daff sic nicht ibre «''esinnnngsgenonen seien, Das ist. ein illoualeS Doppelspiel" — Sodann wrach noch Sr. Eller aus Slockerau in ivarmeti Worten von dem Errolge der sortiänilltichc» Partei bei der Wahl des Freiheit» v, Ezedik, ivoranf der Borsitzenkc Burgenneister Schreiner unter stürmischen Beifallsrufen der Per sammlniig hie Sitzung schloff, indem er versicheile, die Wähler von Sberholla brunn wiirten ieteiii reactionären Ansinri» sich enkgegenstelle», Ziel nilv Wcseii der clhischcii^Bcwcguilg. Zu der „vcfcu iid Redehallc der deutschen 2 tnben tcn“ ui Prag hielt Proscsior Sr, Friedrich Iodl einen Bortrag über die ilioderiic cthüchc Bewegung. Wer haben schon in Nr. 2->r des „/«eint Blattes" das Ziel und Wesen derselben sowie die Bcrdicnske, die sich in dieser Be ziclniug Sr, Iodl erworben hat, eingehend gewürdigt. Zn seinem Bor rrage'gab der ausgezeichnete «belehrte eine historische Sarstcllnng - der cihsschen Bewegung, woraus er nach cineili Berichte eines Prager j Blattes sorttuhr: Sie ethische Bewegung lehnt von vornhcr.in ab, irgend eine Küche zu bekäinvseu, sondern lägt prineipiell alle Bekennt nisie gellen, verlangt jedoch, daff alle, ihre Anhänger das freie Menschen thnui. die Huinäniiäk als erst es Prineiv ihres Wirkens anerkennen, Ihre Autorität ist die Errabrnng und die praktische Bernunfr, nnd sie jucht einzig und allein das «irf, was die Menschen im menschlich lenken einigt, Saburch soll auch wieder der lräfflichc Fleck der Into leranz abgewaichen werden, die tragt: „Was glaubst Sn'?" anstatt: „Wie bin Sn?" Saran ssigte Professor Sr, Iodl eine Bcrurtheilnng des herrschenden Antisemitismus von großer Schärfe und starkem moralischen Nachdruck, «Sr sagte: „Es in kein verhäng,üffvollercr Wahn denkbar als der Wahn, der die sittliche Süchtigkeit oder moralische Schlechtigkeit 'zum angeborenen Anthcilc einer bestimmten Nace, Nation, eines beslimmreii Bolksrhums machen mochte, Gewiß haben sittliche Begrine nationale Färbungen, aber °^as 'X?'nte im Sinne der litbif in überall ein Erworlrrnes, Es gibt keinen Menschen und keine .Nation, der der Zugang zum sittlich Ohne» durch ein Gebot! der Natur versagt wäre, und cs gibt keine» Menschen »nd keine j Nation, der dieses Höchste des menschlichen Eharaklers als müheloses! Gebnrlstaggei'chciit in die Wiege gelegt wäre," Seine tiefernsten Ans snhrungen über den Anlisemitisinns schloff Profesior Iodl mir den heileren Worten > wie ivir glauben,» von Friedrich Bücher: Illr Hase manchen Juden gelaunt, ' j Ten ich als rechten Christen sank. Ich bin mit manchem Christen gewandelt,! D er mich recht liieiich bat behandelt, ' > Mich düiilt, Gair neln bei einem Mann S as Ort3 mehr at-J die -Ji.ife an: S ic von S r, Iodl citirtcu Berse crinner» an die Worte, mit denen in Leüing's „Nathan der Weise" der Rlostcrbrndcr dem Juden Nathan sein Eoiiivluneitt machte: „Ihr seid ein Ehrist! Ein bess'rer Ehrisi ivar nie." 'Kuban aber erwiderte: „Wohl uns! Senn was mich Euch zum Ehrisien macht, das macht Euch mir zum Inden," Tic Troppaucr Rcichsrakliswalil. > Nach eine», iiartnäckigcn Wabttau.lüe kiegte bei der Eriatzivahl eintetlrcichsrathsabgeordiicten in Srovvan im zwecken Wahlgange der fortschrilkliche Eandidat Professor .Demel nm i'H Stimmen gegen •’c'G, die ans den Anliseuiitcli Pommer enisielen Sen Aus'chlag gab die Sroppauer Handels kammcr, welche sich dadurch nm die Ehre der Hauptstadt des Landes - verdient machte. Es wäre für Sropvau beschämend gewesen, wenn Herr Pommer, den selbst die dortigen Antiscmilcn nur als „Norh eandidaten" sich gefallen, ließen, das Mandat erlangt hätte. In Pommer als varlamenkarüchem Erben des Sr, In ff wäre ein. be j denklichcs Symptom des immer tieferen Beifalles der politischen Sitten der schlesischen Landeshauptstadt zu erblicken gewesen, Fuß war immerhi» nur ein verschämter Antisemit, welcher, wenn er auch wirklich im Geheimen Herrn Bergani Beiträge lieferte, in seinem öffentlichen Auf treten gewisse Grenzen des Anstandes nicht überschritt: in seinen Reden verricth er auch, daff er des antisemitischen Jargons nicht ganz mächtig war, Pommer dagegen verschmähte cS nicht, sich als Eandidat in Sroppan mit Knnststückcn zu producircn, die er de» Meistern Schönerer, Sreinwendcr, Pattai und Schneider abgegnckt hat. Die Wahl deö Professors Demel ist als ein Zeichen erfreulicher GcsinnungSklärnng zu begrüßen, Bon den eonimunalen Würdenträgern DroppauS, die per fms et nel'as die Eandidatnr Poinmcr's gefördert hatten und jetzt seine Niederlage thcilen, ist nicht so tficl Feinfühligkeit vorauszu setzen, um zu erwarte», daff sie nun ihre Stellen nicdcrlegen werden, Wohl aber erscheint die Hoffnnng berechtigt, daß die nächsten Geincindewahlen auch in der Troppaner Eotuniunalverwaltung einen er srciilichcn Umschwung hcrbcifnhreu werden. (Ttlikschc Mamiestllffeudcll.) Aus Klagenfurt wird uns geschriebenSeit mehreren Jahren lebt hier Herr , M. S töffl, ein wohlhabender Ledcrhändlcr, der sich seiner Ehrsamkeit und seines Wohlthätigkcitssinncs wegen der allgemeinen Werthschätzung erfreut, sowohl bei Ehrislcn als auch bei seinen Glaubensgenossen, die ihn zum Borstand der jüdischen Eultusgcmeinde von Klagenfurt wählten. Dieser durchaus achtenswcrlhe Mann isi »ach Ungarn zuständig und wurde kürzlich von einige» Klagenfurter Stadtvätarn über sein Befragen ermuntert, um die Berlcihung des Heünatsrechtcs in Klagenfurt cinznschrciten. Nachdem Heren Stöffl von mehrere» Genicindcräthen versichert worden war, daff diese im Sinne scincs^Ansuchens stimmen werden, über rcichkx er sein bezügliches Gesuch -— nnd einige Tage darauf war, obschon die Entscheidniig in geheimer Sitzung erfolgt war, in einem Klagdnsurter Blatkc zu lesen, daff dieses Ansucheil ein stimmig ab' geiviescn worden sei. Herr Stöffl ' hätte gewiß niemals um das Rlagensurter Hcimatsrecht nachgesncht, wenn er nicht von acht Gcineindcräthen die bestimmte mündliche Zusage der aufrechte» Erledigung seines Gesuches erhalten hätte. Als sich diese acht Herren jedoch im Gcnicindcrathc einigen Antisemiten gegcnübcrsahcn, welche die Aufnahme Stöffl's in den HcimatSverband der Stadtgemcindc Klagenfurt bloß deshalb, weil derselbe ein.Jude ist, bekämpften, vergaffen sic das gegebene Berspreche» und hatten angesichts der antiseniitischcn Bcrdächtigungsinanic nicht mehr den Muth, ihr Wort cinznlöscn, Ter traurige Borsall, der auch in der Provinzpresse lebhaft» erörtert wurde, beweist aufs Schlagendste, wohin wir durch den Antisemitismus gesteuert werden,. Ich will ganz von der Kränkung abseheu, die einem an gesehenen, wohlverdienten Mann bloß deshalb bereitet wurde, weil er ein Jude ist. Allein, wenn cs einigen wenigen antisemitischen Serro risien gelingt, eine bedeutende -Majorität mit der Furcht vor Besudelung und Berdüchtigiing in Schach zu halte», wenn es einigen Schreihälsen ' gelingt, sonst sehr achtbare Männer mit diesem Mittel selbst zum Wortbruch zu verleite», wohin soll es dann mit unserem gesamniten össeiitlichen Leben kommen? Wir stehen hier an ciutr bedrohten Pkark des Tculschthums. Wir sollten in erster Linie dem Feinde gegenüber persönlich unaiifechtbar erscheine». Diese Anlisemitcu zeigen aber, >vic wenig bei uns Dentschen Manneswort und Maniiesmuth geschätzt wird, lind diese merkwürdigen Patrone -nennen sich eine nationale Partei? r. t. (Tcr Kronzrilgc im Tisza-Efflarcr Proccff.) Nach einer Buda pestcr lPkelduzig ist Moriz Scharf, der Kronzeuge im Tisza Efflarcr Proccff, in Amsieikdani gestorben. Biele untere Leser dürsten sich noch erinnern, wie er durch einen Pandurenconimisigr, ei» Individuum von sehr bemakelter' Bergangcnheit, zur „Blutbcschuldigniig" gegen den eigenen Bater abgerichket wurde, und wie sich der damals zwölfjährige Rnabe dieser Ausgabe entledigte, bis es den Mühen ausgezeichneter Rechtsanwälte, namentlich des berühmten EötvöS gelang, die scheuffliche anliscniiiischc Intriguc aufzudcckcn. 'Nach erfolgtem Freispruch wanderte sein Bater Salomon Schars mit seiner ganzen Familie nach Amsterdam ans, doch kehrte er in Folge schlechter Erwerböverhültnisic schon »ach anderthalb Jahren nach Ungarn zurück, Moriz Schars verblieb in Amsterdam, wo er die Siainanttiischlciferei erlernte, Sieser Sage drang ihm bei der Arbeit'ein Siamantcnsplittcr in das Auge, und cs entwickelte sich eine t>hhit-ucnt;ü»dung, die einen tödtlichen Ausgang nahm, feine iKcDC Blkllliicrgcr's. > In Folge einer Provocation des Sivoli-Antiscinitcn l^rascn Mirbach hielt Tr. Bamberg er im deutschen Reichstage eine bcmcrkcilswerlhc Rede, in welcher er sagte: Gras Mirbach hat mich, der ich nur meinen bescheidenen Theil zur Ein sührung der Goldwährung bcigctragen habe, den Bater derselben genannt, und

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