Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 50 (19.3.1893)
- Date
- 1893-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Freies Blatt. Leite 3. Nr. 60. Orten nieder: Samuels Sohn, Jbn Hussein Josef, setzte als Nachfolger im Amte seines Vaters wistcnschaftSförderndc Thätigkoit fort, bis er gelegentlich einer Palastrevolution (1060) gelobtet wurde. Als im Jahre 1000 der Einfluß der Inden in Granada gebrochen wurde, hatte ein Sohn des Josef EhaSdai sich znm Bczir von Saragossa cmporgeschwnngcn: derselbe war eifrig bemüht, in den Fnßstapscn seines Paters;u wandeln. Die Stellung der Inden in dem übrige» Europa war, von einer kurzen guten Periode unter de» Karolinger» abgesehen, eine durchaus schlechte. 'JOtr a» den Olrcnzcn des maurischen Spanien, in Eastilien re. suchte man die Jude» hcranzuzichcn, cbciiso in Süd frankreich. Bon den Inden dicstr Jahrhunderte kann man sagen, daß sic daS Wort eines ihrer hervorragendste» Gekehrte», Jb» Zadik 11 s(> —1248) wohl beherzigte»: er sagte: „Pflicht JstcS, den Geist zn pflegen, sich Weisheit anzncigncn: denn nur dadurch vermag man feinen Gott auf würdige Weise zn verehren." Wie ungeheuer „jüdisch" ie Wissenschaften waren, läßt sich daraus' ermessen, daß alle Ehriste», cpcn cS mit dieser Pflicht wirklich ernst war, hebräisch stndirc» mußten. Die höhere Enltnr ist erwiesenermaßen zuerst in der Provence bei. den Albigensern heidnisch. Dieses ist der erste Helle is-lcrf in dem dunklen Europa. Inden sind die Erzeuger der Flührothcultur in Europa, nämlich der sogenannten provencalischcn. Die Inden haben Männer in ihren Reihen, ja ganze Familien, die iolch eine abnorme Thätiglcit entwickeln, daß man einfach staunen muß: da ist ». A. die Familie ESra, die ähnlich wie die EhasdaiS, Ragrclas und portugiesischen Abravancls eine jahrhundertelang andauernde ■ Dhätigkcit entwickeln. Per bedeutendste aller Esras ist ohnc Zweifel Abraham Jbn ESra Er war ein gährcndcr Pulcan, und war in allen Gebieten der Wissenschaften und ReligionSrichtnngcn heimisch. Eine richtige piclätö losc KainpfcSnatnr, kritisch ohne irgend welche Rücksichten, regte er daS geistige lebe» in allen seine» Tiefen ans: dabei war er uiistät, durchwandcrlc die ganze bekannte Welt bis nach Indien i» allen R ichtungcn. Aber überall ließ er die Spuren feines Geistes zurück, schriftstcllcrtc selbstständig, ^opnlarisirkc PorhandcncS, eopirtc und übcr -'fetzte, ja, auch Schttlertreifc samiiicttc er überall, den» es war nicht seine Absicht, zu vagabondircn, sondern die unbcrcchcnbarc innere Unruhe, die ihn immer weiter trieb. Abraham Esra findet seinesgleichen als Säcmann im Dienste der Wissenschaft nicht. Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert ist die belehrende Thätigteit der Jndcir höher wie je zuvor. Außer den schon erwähnten Familien sind »och andere thätig, die förmliche UebersetzungSanstalte» cinrichtcn; so die «vainilic > Jachia Re gro, die KolonymoS, (sialcvis, die außerordentlich zahlreiche» Familien Kimchi und Tibbon, sowie noch viele Andere. Jchnda Sa lomon Alcharisi oder Ehapisi (11 TM—1200 aus Tdlcdo war ein ähnlicher Eharaktcr wie Jbn Esra. Als Uebersetzer machten sich de sonders bemerkbar Abraham ans der Familie EhaSdai, er war der Erste, der eine Geschichte der Philosophie zu schreibe» versuchte. ,verlier Penjamin den Jona von Tudcla; Abraham Jbn Daud (1110—4 ISO) ist der erste Geschichtsschreiber dcS Mittelalters. Er' schrieb eine Ge schichte Roms von dessen Gründung bis zum Wcstgotcnkönig Rceearcd. Die verdienstvollsten und am wenigste» gcwürdiglcn Diener der Wist'en schäften rccrutircn sich aus den Familien Kimchi und Tibbon. Die Kimchidcn, auS Südspanicn stammend, treten zuerst ans mit Jose Isaak Kimchi (llfiO). Unter dem Schutze der freisinnigen Parönc der Provence entwickeln sie in luncl unweit Montpellier eine außerordentlich segensreiche Dhätigkcit. Es ist niemals sestgestellt, wie viele Werte von ihm und seinen Söhnen aus dem Arabischen in s .hebräische, Provcncalischc und lateinische übersetzt wurden. Es liegt dieses wohl daran, weil die jüdischen litcratur.Historiker gerade die historische Mission ihres BolkcS, die hauptsächlich in der übcrsetzerischen Dhätigkcit lag, lischt genügend würdigten. Im Folgenden möge man mir ge ltatten, die Rainen hervorragender Ucbcrsctzcr knr;;» erwähnen. Die beiden Söhne Jose Isaak Kimchs'S waren David und Mose, Ferner i» der Provence Mcchnllam den Jacob (r 1170): dessen Schwager MoscS aus der Familie Jchnda nebst fünf Söhnen: Aarb»-(1170 1210). Die Familie Tibbon: Jchnda bcn Saul Jb» Tibbon (1120 —1190): dessen Sohn Samuel Tibbon (1100—1230). Be iondcrs müssen wir erwähnen aus der Familie Kolo»>>»ioS: Kolon» moS bei, Meir, geboren 1287. Er wurde 1320 vom König Robert von Reapcl i» Dienst genommen, in dessen Anstragc er wisscnschasl lichc Reisen unternahm und UcbcrscvungSbnrcanrcinrichtele. I» Italien war schon vorher unter Friedrich II. eine bessere Zeit angebrochen. Dieser, obgleich ein Judenfeind, nahm trotz alledem etliche in seine Dichstc. Unter diesen befand sich Jacob Anatoli, ein Schüler Samuel Jbn Tibbon's. Juden übersetzte» für Friedrich die Werke des Aristoteles, AverrocS u. A., die verschiedene» Eomnicntare :c.: cS ist erwiesenermaßen durch diese Ücbersctznngen erst die sogenannte christliche Scholastik möglich geworden: denn, vorher kannte inan im Abcndlgiidc (Italien nicht ansgcschlostciü nur ein Fragment aus Aristoteles'Werke», woran einige Mönche ihre» naiven Geist üblen Perichiedene christliche Historiker, wollen gern dem Hosastrologcn Friedrichs des II., .'Viidjacl Scolus (13">0, die Pcrdicnstc, die den Inden gebühren, znrechne», aber Gractz ivestt durch verschiedene Eiiale von Roger Paco», Albertus . Magnus :c. über allen Zweifel nach, daß Michael weder Arabisch, noch sonst etwas von Philosophie verstanden lmbe. Der Erstcre erklärt ausdrücklich, er habe sich „von Juden helfen lasse»" Ein anderer bc rühmtcr Uebersetzer Friedrichs ist Jchnda Jbn Malta - geh. 121.'> in Toledo.) In Süditalicn bei de» Rormaniicn und Sarazenen find ebenfalls Jude» hervorragend thätig. Besonders erwähnt wird am l Hose der Rormanncnhcrzögc Roger II. und Wilhelm II, ein Schüler Jbn Esra's mit Rainen Salomon bcn Abraham Parcho». Dieser unterrichtet später an der christlichen Universität e Dalerno i» der hebräischen Sprack,« Unter den berühmten Denkern des zivölftcn ^iind dreizehnten Jahrhunderts steht selbstverständlich Möses Maimonides >1204 in Kairnan) obenan. Sein Einfluß^ank die Wiedererweckung der Philosophie in Europa ist bekannt. Jil der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts wird von dem Dominikaner-General Ranmond de Penjafortc die erste christliche Lehranstalt gegründet mit dem.ausgesprochenen Zwecke, Hebräisch als dch Sprache der Wissenschaften" zu-lehrenbald finden wir auch hervorragende christliche Gra»»natitcr der hebräischen Sprache. Salomo jfaicifiiit, der berühmte Leibarzt Earls von Anjou, König von Reapcl . und Sicilien, .fand Zeit, viele cxact wissenschaftliche Werke der Araber in'S lateinische und Hebräische zu übersetzen, (t 1279!. Scrachja Bcn Schalticl Ehen schleuderte den Orthodorcn die Worte entgegen: „Wenn Du der fretbn Forschung den Bnchstabcn entgegensetzen willst, so wende Dich von den Schriften der Ratnr ab. Hülle-Dich in den Gebet niantcl und stndirc mnstischc Schriften." Fernere Uebersetzer dieser Periode sind: Joses bcn Sabara, Jchnda den Sabbati, Berachia be» R'atronai '.h'akdcn, besser bekannt unter dem Schriftstcllcrnamcn Erispia (I230>. Unter seinen Uebcrsctznngrn befinden sich die Fabel» deö Aesop, . des indischen Pidpal, deS arabische» lokinann, Sindibad'S t^cschichtcn, Hariri's Gedichte, daS indische Fabclivert Kalia und Dimna rc. rc. Die hebräische Sprache war so ausgcbildet, daß sic daS Arabische und lateinische übcrtraf. Jacob bcn Machir Tibbon. i124.7—1322) übersetzte folgende jahrhundertelang und zum Theil heute noch maßgebende Werke: die astronomischen Werke Ali Jbn Alhaitnms, Avcrrocs'logik, die Sphären von Kosta bcn lnca;—die Werke des Ptolcmäns, die astronomischen "Md chronologischen Tafeln der Araber, Avcrrocs' Bearbeitung des AniinabilnS, Enklid's Elemente ». A in. Schein Tob Falaqncra < 122.">— 129,l) tanntc und lehrte über sämmtlichc philo iophischc Werte und faßte sie in einer Bearbeitung . lnrz zusammen. Eine hervorragende Stelle ninimt ferner leon de BagnolS > 1.2SS —4 340) ein. Er war Arzt in Avignon, ein echter Rcpräsciiiant modernster Ratursorschnng': denn er sagte u. A.: Für diese lenke ( Drtho doren ist daö Glauben gut genug, mögen sic cS behalten unü-sich nicht vom Wissen stören lasten. Andernorts: Man müsse die Wahrheit ans licht ziehe», selbst wenn sie der Thora anfs Stärkste widcrivrcchcn sollte. Ein berühmter Uebersetzer ist' weiter Jchnda Alcherist: unter scinc» Uebcrsctzimgcn befinden Jich BiaimonidcS' Werke, eine .heule in ihrer Echtheit bezweifelte Abhandlung Aristoteles' über Moral, ein Dialog zwischen Galcnns und Schüler iibcr die Seele, eine mediciiiiiche^ Abhandlung Galens gegen die zn schnelle Bccrdigl.ing, die Matamc>r, Hariri's, die medicinisch g»nakälogi>'che Schrift des Schechet Bc'ncvisti iiud Anderer. Süminilichc >7iabischcn, ntcbiciiiifdjeit, wnndärztlichcii :c. Schristen werde» von Schein, Tob nnd Anderen nochmals in verschiedene Sprachen übersetzt.- leonc zsioiiurno (Jelinda bcn Mose Jbn Daniel),-der lehrcr Roberts'von Reapcl, übersetzt I34l) die Schristen der Scholastiker ins Hebräische. Schemarja Jtrili, ans Regropoiue von der Insel Ereta.übersetzte die griechischen Philosophen ans der Ursprache ins lateinische. Er lebte von 1290—1320. Dan» ist Joie, Jbn Kaspi als ein zweiter Jbn ESra zn erwähnen. Er lebte von 1280—1340 i» Tarascon (Südfrantreich). Die Dibbonide» und Schein Tob gründeten Arzncischnlcn und höhere Bildungsanstalien in" -Südfrantreich, die -znin großen Theile von Ehristen besucht wnrdeii" I» Italien, Südfrantreich, Spanien und Portugal sinde» wir also in j;der Stadt hervorragende jüdische Gelehrte, die alle eifrig bciniiht sind, die Wisscnschastcn zn verbreiten. AISder selbstständige Forschergeist nnier den arischen Pöltcrn wieder crwcckt war .— schließt Gcrccke — da war auch schon die Bliiihe dcS Jndciithuins zum Theile dahingcrastt. Bor dem weitreichenden Arme der „Apostel her FeindeSlicbc" fliehen sie nach den Riederla^iden, nach Rorddcutschland, besonders Hamburg, nach london, überall bcsruchtcndc Keime-hintragcnd. Ein unsägliches Gefühl der Trauer erfaßt mich.