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Freies Blatt · 1893-03-12 · 49 (12.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
49 (12.3.1893)
Date
1893-03-12
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Freies Blatt. Leite 7. gedrückt und erklärt wird, daß die Versammlung mit der Thätigkcit der Linken nicht einverstanden sei. .Stein Wörtchen verlor der i» Rede stehende Bericht über den Einbcrufcr der Bcrsaniniluiig, über die Zahl der Erschienenen u. s. w. Diese merkwürdige „DiScretion" hatte 'auch ihren guten Grund, .denn der Einbcrnf'cr war niemand Anderer als der Advocat Dr. Kraus, der sich mit aller Gewalt zum socialdemokratischen Führer aufschwingc» wollte und mit dem die Socialistcn ei» wahres Fuchsprcllcn veranstalteten, ja, den sic nicht einmal als ein Mitglied der Partei anerkannten. Dixscr Man» halte gegen auf 'Name» lautende Einladnngc» etwa 1U0 Personen znsaninicngctrviiinicit, wovon etwa KO ans Nachbarorten, besonders aus Markersdorf, waren. Vöhinisch-Kainnitz war durch acht ganze Wähler vertreten. Hauptredner war Dr. ÄranS, der, nachdem er gegen die fortschrittliche Partei, gegen die „Nationalen" und gegen Dr. Fournicr losgcdonnerl, das MißtranenSvotum beantragte, sowie daß Abgeordneter', Pr. Fournier anfgcsord^rt werde, sei» Mandat »iedcrzulcgcn. Als der Vorsitzende, ein Kaninipcr, erklärte, daß ein solcher Beschluß nicht gefaßt werden könne, trat ein Eato ans Markersdorf, das gar nicht znni Wahlbezirke Fournicr's gehört, ans und sagte: „Ja wohl, wir wolle» beschließen, daß der Abgeordnete sein Mandat nicdcrlcgc." Diese StaatSafsairc wurde von dem erwähnten Ncichenbepger Blatte mit Bcrschwcigung dcS Namens dcS eigentlichen MachcrS der Bcrsammlnng triumphircnd hinansposaunt. Nun hat dieser „dcutschnationalc" nnd antiscinitischc Herold an den bitteren Gefühlen zu würgen, daß Dr. Kraus, ein Jude, ein Gegner der Dcutschnationalcn, ein verschämter Anhänger der rothen Internationale, welcher" auch neulich dcui feudal elericalen Grafe» Mar Zedtmitz in der Kleinbockencr Biindlcrvcrsanimlnng Tnccnrs > geleistet, daS Eonvcntikcl in Böhmisch Kainnitz angczcttclt hat. l?ic Troppaner Ncichsrathswahl.) Bei der am k. d. M. stattgebabten RcichSrathSwahl in Troppau erhielten der deutsch liberale Eandidap Professor Demel 605 nnd der antisemitische l^cgcncandidat Po min er :>71 Dtiininen, während >!^ ans den tschechischen Zählcandidatcn Lorcncznk entfiele». Eine Stichwahl erscheint demnach nothwcndig. (Alltiscmittllhliumicr.) „Antiscinitenhammer. Eine Anthologie ans der Weltliteratur. Mit einem Borwort von Professor Dr. Jacob Molcschott." Das unter diesem Titel von Josef Schratten bolz in Düsseldorf hcransgcgebcuc Werk ist gegenwärtig im Truck begriffen, obgleich die Druckkosten von Mark durch die eingclcitctc Subscription noch nicht gedeckt sind. Der Autor hat der Ausarbeitung nnd SubscriptionSdnrchführung dcS Werkes nun volle drei Jahre Arbeitszeit nnd weit über seine Verhältnisse gehende Gcldopser gewidmet. Sein Gewinnanthcil am bnchhändlcrischc» Vertrieb ist gleich Null. lim dazu bcizutragcn, die Herstellungskosten dcS BnchcS aufznbringen »iid unseren Freunden und Gesinnungsgenossen Gelegenheit zu gebe», dasselbe statt zum Ladenpreise von Mark zum Subscriptiouspreis von -> Mark zu erwerben, habe» wir im Bureau dieses Blattös l., Scilcrftättc lO> und im Bureau des Vereines znr Abwehr (I., Parisergassc 4) Siibscriptioiislistcn aufgelegt und nehmen an beiden Crtc» Zeichnungen gegen V a arci»s e n d u n g jederzeit entgegen. Die. Zusendung der. subscribirtcn Eremplarc erfolgt franco.' Wir lade» um so nachdrücklicher znr Betheiligung ei», als daS genannte Werk laut dem llrlhcilc maßgebender Autoritäten i» der That das erste und einzige ist, welches die nichtjüdischcn Tcfcnsorc» des JndcnthuinS aller Nationen und Zeiten z» gemeinsamer Wirkung vereint und gleichzeitig durch de» Neichthnm seines GcdauIcugchaltcS ein dauernd wcrthvolleck, anregendes literarisches Vadcmccni» für Jedermann bildet. (Alls freiem Jyilijc.i Der als Llicrulaut viel genannte Antisemit Paasch, gegen welchen wegen Verleumdung deutscher nnd preußischer Ncgierungsorganc ein Proccß anhängig ist und der kürzlich als flucht verdächtig in Haft geiioinincn wurde, befindet sich wieder ans freiem Fuße, da das Berliner Landgericht einem dicssälligen Ansuchen stattgab. In Deutschland gewinnt die Ansicht Oberhand, daß Paasch thatt'ächlich nicht ins Criminal gehöre, sondern in eine Irrenanstalt. ((?ilIC Absage.) Die „K ö l n i sch e B o l k ö z c i t u n g", das £rga» der rheinischen EciitrumSleutc, tritt an leitender Stelle der von der ..Krcuzzeitung" an das Ecntrnni gestellte» Aufforderung, letzteres möge rechtzeitig zu der „Judcnfragc" Stellung nchinen, entgegen und sagt, dem Eentrum könne der Antisemitismus und seine lürnicndc Agitationsmethode nicht iuiponivc», nnd in die Aushebung der verfassungsmäßigen t^lcichbercchtigung der Juden werde das Ccnnum nicht cinwilligcn. Es i>t allerdings noch nicht lange her, daß intime Freunde der „Kölnischen Volkszeituug" mit der „lärmenden AgitationSmcthode" der Antisemiten sympathisirte». Aus antisemitischen Vereinen-ilnd I?er , fcimnilungcn. Lueger beim Fensterltt » Lueger, der ichöue Earl, hat i» einer am . 4. - M. beim Gschwandner in Hernals staitgehahie» Pleiiavversainmlnng des „Christlichen BürgerUereiueS SeS XVII. Bezirkes" die givaisige Acnßer'ung gelhan, der Abgeordnete Plener komme ihm io „lramhaperl" vor, da» er ihn schon oft fragen wollteN„WaS kehlt Ihnen de»»'? Kommens zu u»S, und 2ii’ iverdcn wieder munter werden!" — Lneger's Mätzchen sind zwar höchst crgövlich, aber de» Dr. v. Plener wird er der fortschrittlichen Partei damit doch nicht abspenstig machen. Gelia, Schwarzangkter, 1 ' . ('kirn, der tauget der? Getto, der war der recht — Wann er di möcht! .('•iit Hamircr.l ES ist Schnndwaarc nicdrigster^Sorte, mit welcher cm gewisser Paul Dehn and Berlin i» deutsch österreichischen Städte» hansirt. Bei den Antiscinile» Steinwender'scher Färbung i» Troppau, Reicheitberg re. findet er aber^lohncnde» Absatz. Dehn macht >»> Artikel „Corruplion" nnd bietet Antiscmilenverkincn einen Bortrag an, welcher jene Schwindelprocesse reeapi- ' Inlirt, in denen Inden betheilig^, waren. Derlei Artikel hätten aber unsere ei», heimischen Raeenhetzer nicht nöthig zu importiren, da ihre eigene Production voUkoinme» genügt, den einheimischen Markt zu decken. I lSchncidcr in Berlin.) Berwichenen Samstag fand in Berlin anläßlich de-s nknhjührigen Bestandes des „Deutsche» Antiseinitenbundes" eine „großartige antisemitische Feier" statt, welche durch die Gegenwart des ai.ge» blicklich nicht im Criminal sitzenden Ahlwardt und uniercs vieltheneren Lands inanneS — Ernst Schneider, verschönt wurde Der wackere „Stampiglienfälschet" von Währing war eigen-;;» der antisemitischen Füte »ach Berlin gereist, um de» dort versammelten Herren Picke»back. Backler, Hertwig, Ah lwardt, dem gteichsaUK auf freiem Fuße sich befindlichen Paasch die- Grüße der. Antisemiten anS Oesterreich. zu übcrvringen. Schneider toastirle aus Ahlwardl und aus die baldige zwangsweise Durchsetzung de« antisemis scheu . Programmes. Ahlwardt beklagte sich, daß die Conservalive» bei der im Kreise Liegnitz stattgel-ablen Stichwahl zwischen Hertwig und Jungfer die zu Gunsten der Freisinnigen ansncl, 'Wahlenthalinng proclamirien. „Dafür erkläre ich jetzt," fuhr.er kort, „jeder Wahlkreis, den ei» solcher Eonservaliver innc hat, gehört in Zn kn »st 6>» Antis ein i ten." Ein schönes Angebinde für die Tivoli Bnndesgenossen das! Zinn Schlüsse ivnrde dem Freigelassene» von Plöyensee ein Riesenlorbeerlranz mit einer Schleife in den deutsche» Farben, dein Gaste Ernst Schneider ein gleicher Ara»; in den österreichischen Farben überreicht. Paasch wird seinen mit den chinesische» Farben dccoririen Ara»; vermuihlich erst »ach sciitrr Jnternirnng erhalten. tBeidächtignng von Nichtern . In einer Aniiseniiirnverianimliiiig zn Berlin hielt vor Kurzem der Abgeordnete Freiherr v. Wackerbarth einen Bortrag, i» welchem er erzählte: Bor einiger Zeit hatten die Bauern seines Heimaisortes eine Besprechung wegen eines avzustrengenden Proccsses, nnd Alle änßkrten, wen» >vir den ülechtSainvalt ‘Jt. bekommen, haben wir gewonnrn. wenn die liöegner uns aber zuvorkominen. verlieren rvir. Ans die et staunte Frage des Redners, ob denn der Mann io bedeutend sei, antworteten sie: ,.F, Gott bewahre, aber der 'Mann ist ein.Jude, drei Arntsrichter sind auch Israeliten,'und wenn der losgcht, wagt Keiner ein Wort zn sagen, auch dem Staatsanwalt wird über den Mund gekaliren, daß er nicht iveiß, wo er hin ,'oll." Rach der ganzen Art . der Darstellung kann, wie die „Freisinnige Zeilnng" bemerkt, mit dem verdächtigen Rechtsanwaltnur der Rechwanivatt '.steunian» in der Stadt Sora» gemeint sei»,, denn der HeimatSorl dcS Herr» v. Wackcrbarth ist daS Gut Liuderode bei Sorau, . .das z» dem Amtsgerichts bezirk Sorau gestört. Rn» ist aber weder der Rechtsanwalt Reumann »och einer ddr Richter Inden, sondern känimlliche gchören der evangelischen Eonseision an. Scho» anS.dieser Thatsache ergibt sich, daß die ganre Erzählung WaNerbarth's von Avsang bis zn.Ende der Wahrhett widerspricht. Es ist nn klar, >vo Herr v. 'Wackcrbarth seine Ermittlungen angestellt haben ivill, nnd es bcdars ebenso -der Erklärnng, von welchen Bauern icines Heimatsorlcs er. denn . die angebliche Mittheiliing Über die Eonseisionsaiigebörigkeil der Richter in Soran erhallen hat. Es ist aber charakteristisch fite die maßlose Art und Weise,^ in welcher die antisemitischen Hauptgröße» es wagen, Beamte in <o ungeheuerlicher Weiie;» verdächtigen, wie cs hier durch die Jnsinnalio» geichekeii, daß wegen der gleichen Eonsesstonsaiigehörigkeil. von Richter und Berlhcidiger der Letztere ohneweilxrS alle Procest'e gewinnt. 2tus antisemitischen Blattern. «Fürst Schwarzciiberg und die Aniiscinjtcnvrcsse.) In einSr Bersamnilung sortichritlltzi-er Wähler, ivnrde erzählt, Fürst Schwarzenberg hätte während der außerordentlichen Session des iiiedcrösterreichiichen LandiageS, alS es sich »>» die Adftiinmung über die Abändernng des Wiener GemeindestalntS gehandelt, zu Gunsten der Antisciniken bei Abgeordneten des Großgrnndbesives intcrvenirt > I

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