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Freies Blatt · 1893-03-12 · 49 (12.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
49 (12.3.1893)
Date
1893-03-12
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49. freies Blatt. Seite f>. entschlüpfte ihm das Äeständniß, daß in Folge der italienischen Weinzollclausel die Wirthe mit italienischen Weinen gute Geschäfte machen. Es sind, wie hinzugefügt werden kann, namentlich die Stammlocalc der Antisemiten in den neuen Bezirken Wiens, woselbst die Wirthe ans der von ihren „Bolksrcttcrn" im Parlamente so sehr bekämpften Zollclauscl reichlich 'Nutzen pichen. Ein zwciicsmal benahm sich der Prinz ganz gegen den Sinn der Rolle, die er gewählt hatte, indem er sich als Anwalt der bcmitlcidcnSwcrthcN „Hausherren" gebcrdctc. Hausbesitzer, welche solche Parteien beherbergen wie jenen imgliirflid)cii Wanck, von dessen Mißgeschick wir unsere Vcfcr neulich in Kcnntniß setzten/ sind allerdings zu bedauern; Mein in weit höherem Grade haken derlei arme Opfer der christlich-socialen „Reform" auf Mitlcsd Anspruch. Ter HandclSminister begnügte sich damit, einige falsche Angaben des Prinzen mit vornehmer Rul^e richiigzustcllcn. Richt so glimpflich behandelte ihn der Abgeordnete Tr. Max Meng er, welcher sich veranlagt sah, über die Antisemiten strenges Gericht zu halten. An der Hand des stenographischen Protokolls wies der Abgeordnete von Iägerndorf »ach, daß die parlamentarischen Leistungen der anti semitischen Patrone in Entstellungen und -groben Unwahrheiten bestehen, und mit lebhafter Entrüstung rief er ihnen zu, daß man sich als Deutscher des Schauspiels, welches sic bieten, schämen müsic. Dem durchlauchtigsten Bcrtrctcr von Hernals widmete Dr. Mengcr ». A. folgende Bemerkungen: Es liege in der Natur der Sache, daß das WirthschaftSlebcn und die darauf basirtcn socialen Bcrhältnisse derzeit in Oesterreich mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben, als in den meisten anderen Ländern Europas. Durch' die herrschende Bevhetzung sei der Unternehmungsgeist in Oesterreich schwächer geworden als anderwärts, und er lasic sich, in dieser Rcichshälftc zurückgcdrängt, jenseits der Leitha nieder. Prinz Liechtenstein habe cs wohlweislich unterlassen, auch nur mit Einem Worte anzudcutc», worin die von ihm besprochene social-rcformatorischc Action bestehe» solle; cs sei also wieder nur ans Agitationen abgesehen, in deren Bcrlauf wahrscheinlich wieder eine starke verhetzende Dhütigkcit hcrvortrctcn werde. Denn wenn der Borredncr bestimmte Borschläge gemacht hätte, so wäre er zu solchen gelangt, welche sich an die Namen Bärnrcithcr, Erncr, Wrabctz und ähnliche knüpfen. Weil er aber nur Agitator und Parteiinann sei, erscheine ihm die socialpolitische Action gerade gut genug, um eine große Anzahl von Acuten für hbsfentlich nur kurze Zeit zu gewinnen und . für seinen eigentlichen Zweck, den Sieg der clcricalc» Partei, 'zu wirken. Darum halte er derartige Reden und begebe sich nie ans ein positives Gebiet. Der Redner wendete sich dann zu den Ausführungen, die Prinz Liechtenstein über das Regiernngsprogramm zum Besten gegeben hatte, nnd fuhr dann fort: „Nachdem Prinz Liechtenstein mehrere, wie die ganze Rede wohl vorbereitete, »iedcrgcschricbcnc Witze zu mache» sich bemüht, hat er jenen Satz des Rcgierungsprograuims citirt, i» welchem die Regierung das friedliche Bcrhältniß der einzelnen Eon icssioncn, Gcscllschaftsclaffcn und Staatsbürger unter einander als wünschensmcrth hcrvorhebe. Das hat den Borredncr empört. Er, welcher der energischeste Feind eines solchen friedlichen Berhältniffes ist, er, der »lillioncnrcichc Eapitalist, der vom Abschneidcn von Eoupons von Millionen Gulden in Ungarn lebt, er, der hier eine solche Hetze gegen alles Eapital betreibt, würde gleich in Nichts versinken, wenn er nicht die einzelnen Eonfessioncu, Elassen und Staatsbürger unter einander hetzen könnte, und dieser Punkt des Programmes hat daher seinen durchlauchtigsten Zorn erregt. Das Regiernngsprogramm spricht sich in seinem weiteren Dheile geradezu für jene Rechte der Hierarchie ans, welcher nach dem bestehenden Kirchcnrcchtc die Herrschaft in der tatholischcn Äirche gebührt. Das sollte dem Prinzen Liechtenstein als Elcricale» gefallen. Aber cS ist darin eine Spitze 'gegen die Eaplano- ''frotie, welche sich gegen die B.ifchöfc aufgelchnt hat und deren treuer Bundesgenosse Prinz Liechtenstein ist. Hine illae lumm.n-J Prinz Liechtenstein klagt über die Zustände in unsere» Borortc», und als Grund derselben führt er »eben allgemeinen Bcrhältnisse» auch die Handelsverträge an. Ich glaube, Prinz Liechtenstein hat in Bezug auf die Handelsverträge wohl den Anspruch verloren, ernst genommen zu werden, nachdem ihm bewiesen wurde, daß von seine» auch in einer > wohlvorbcrcitctcn Rede angeführten Anwürfen gegen die Handelsverträge der größte Thcil ganz unrichtig war." An die Sectio», welche Tr. Mengcr den Liechtenstein und Geßmann gegeben hat, werden diese lange denken, mögen sic sich immerhin nach Antisemitcnart vergeßlich stellen. Ebenso werden sich ihrem Gcdächtnisie die wirkungsvollen Worte einpräge», mit denen Abgeordneter Dr. Ern er den antisemitischen Aufschneidereien cntgegentrat. Die reactionärc» Demagogen gcbcrdcn sich stets so, als ob sie ei» Univcrsalinittcl zur Heilung aller Schäden des Gewerbewesens besäßen, thatsächlich aber können sie nur aufreizende Phrasen Vorbringen und entfernen sich weit von der Wahrheit. JnS besondere die Art, deren sich die Antisemiten zur Anschwärzung reicher Juden bediene», wurde von Pr. Erner drastisch belenchtct. Er reslcciirte ans eine Bemerkung Gcßmann's, daß Baron Rothschild im Gegensätze zu der mnnisiccnlcn Erössnung des Parkes seitens der Fürste» Liechtenstein und Schwarzenberg ein Enlrc-c cinhcbc, um damit die kosten seiner Huinaniküt zu decken, und zeigte deren wahren Werth. „Ein (Glashaus, in welchem Srchidccu und Erdbeeren gezüchtet werden," sagte er, „läßt sich gewiß nicht mit einem össcntlichcn Parke vergleichen; aber selbst von diesem Unterschiede abgesehen, ist der Sach verhalt ein ganz anderer. Ich habe mir darüber ^Informationen ge holt, ans die (Gefahr hin, als ein Bcrthcidigcr des Rothschild Hauses gcbrandmarkt zu werde», und daraus ergibt sich, daß Rothschild lein E»tr,'-e einhcbe, sonder» gewitzen Wphlthätigkcitsanstalten gestatte, in dcnbctresfcndeu Glashäusern während der Zeit der Blüthe ein Entr«'-e cinznhcbc». Damit man nicht sage, cs feien vielleicht jüdische Zwecke, füge ich hinzu, daß daö erste Institut, welches dieses Entr-'-c ciuhob, das St. Ioscphs-Kindcrspital war,'für welches überdies Baron Rothschild 50.000 fl. spendete, wozu noch eine zweijährige Enträc Einnahme des Spitals von 7000 bis 8000 st. kommt. Das jsl doch etwas Anderes.. Die ganze Sache ist ja höchst unbedeutend, und ich bin überzeugt, daß dem Baron Rothschild .sehr wenig daran liegt. Ich. habe es nur vorgcbrächt» um zu zeigen, wie man durch eine flüchtige - Darstellung dazu kommt, ganz falsche Tinge zu verbreiten, und ich verlange vo» einem Abgeordneten, d>zß er solche Mißverständnisse nicht hcrbeiführt. Baron Rothschild wird auch wahrscheinlich darüber erhaben sein, wenn er wirklich wohlthätig ist, ob daS Jemand bezweifelt. Im Allgemeinen kann ich wohl sagen, daß der Wohlthätigkcitssinn in Oesterreich lange nicht auf der Stnfc steht wie in Anderen Ländern, wie in England und Amerika, und daß wir allen Begüterten gegenüber den Borwurf erheben niützcn, daß sic ihre Pflicht nicht in dem ge hörigen Maße erfülle». Aber cd ist nicht die richtige Methode, daß mau die Wenigen, die diese Wohlthätigkeit üben, noch beschimpft." Es ist eben die Methode des Antisemitismus, eine Grundbedingung seines Daseins! Pie öffentliche Thätigk^ir der Antisemiten, legte Dr. Erncr dar, besteht darin, Haß, Neid und Mißgunst zu verbreiten. Die von antiseniitischer Seite erhobenen Bcrdächtigungcn nnd Bcr lcumdungen wurden auch von den Abgeordnete» Mauthncr, Dr. tlk n ß und Dr. Hallwich auf das Entschiedenste zurückgcwiescn »nd als „bewußte Unwahrheiten" gcbrandmarkt. — Ui» sich an den wackeren Obcrhollabrunnrr», welche mit überwältigender Majorität den fortschrittlichen Eandidateu Freiherr» v. EzcHk in de» niederösterreichischen Landtag wühlten, zu räche», nannte Dr. Pattai im Abgcordnetcnhanse deren blühende Sparcassc ein „großes Finaiizfürstciithum", welches'im ganzen Orte Einfluß besitze, und fügte hinzu, daß solche Zustände zuletzt zum „Panamismns" führen.. Das ist mit Bcrlanb ein blühender Unsinn! Eö gab im klebrigen eine Zeit, in welcher der jetzt durchgcfallcne Si hob den Einfluß der Lcipacr Sparcasic sehr gut zu verwenden wußte. In die Fußstapfc» Pallai's als Rächer. trat auch Herr Geßmann, der von einer „Protcctionswirthschaft" sprach, die unter Ezcdik in die Berwaltung dcr-Staatsbahncn eingcritzcn wäre. Die antisemitische Methode, grundlose Bcrdüchrigungcn vorzichringcn, wurde von Domherrn .st t u n scharf gegeißelt, und dessen Waffen findet daher daS Organ für EorruptionSriccherci „häßlich". Auch der Nackifolger Ezcdik's in der Lcstnng der Gencraldircctioncn der Staatsbahnen, Dr. v. BilinSki, ließ Geßmann eine ordentliche Abfuhr zn Thcil' werden': er hob die großen Bcrdienste seines Borgängcrs hervor, der mit ausgezeichneter Sachkenntniß seines Amtes gewaltet, upd ermahnte die antisemitischen Wortführer, die Wahlen nicht mit der Lstrwaltung der Staatsbahnen zu verquicken. , , — (Ans fortschrittlicht» Bcrtilltll. In einer Bersannnlong des poli tische» BercincS „Ocstcrrcichifchc Union" sprach vergangene» SamStag der RcichSrathSabgeordncle Wrabctz von der Reform der Gewerbe ordnnng, bei welcher Gelegenheit er 'Anlaß fand, auch die sociale Rcformthütigkcit der Antisemiten in ei» richtiges Licht zn. stellen. Tie viel protcgirtcn Zwangsgenosscnschaftc», sagte er, seien zum Tnmmel Platz einer unaufhörlichen Fehde geworden. Jeder werde dorr an gefeindet, der »och einen guten Rock trägt, jedem Borslchcr werde ' Oppositio» gemacht, nicht auS sachlichen Gründe», sondern weil man ihm die paar Groschen Gehalt neidet. Zweifellos -bestehe» Ucbclstündc, welche abgcstcllt werden müssen, allein die Gewerbetreibenden selbst seien über das Wie,nicht einig. Allerdings seien in nrncsler.Zeit dem Gewerbe patcntirtc Retter erstanden, Persönlichkeiten, von welchen man nicht recht weiß, woher ihnen die Erleuchtung über die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden gekommen sei. Der weitcstrcichcndc Antrag gehe von einem Manne ans, der bisher mit den Gewerbetreibenden höchstens durch einen stammerdiencr verkehrt hat. (Rufe: Liechtenstein!) Dieser verlange Dinge, die vor ihm 'Niemand verlangt hat, die »ach ihm sicher Niemand nrrhr verlange» wird. Nach dem durchlauchtigsten Fürsten

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