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Freies Blatt · 1893-03-12 · 49 (12.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
49 (12.3.1893)
Date
1893-03-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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$eite 4. Freies Blatt. litfu, d l, inte 2ate, die beii ftota» und alle sonstigen Schriften *ii&cut :>ieligio»en als siRenschenweit und nicht als Gottcswort betiad'teto.“ ‘.Hllc in den Euphrat und Tigrislündcrn, sowie in Persien vorhandene» Religionen gebieten das Studium der 'Vatur, ebenso der. Buddhismus. '.'Ins diesen «Gründen sind als Lehrer der Araber nur Juden, lUiia, UfwlhiiiT, und eventuell einige Indier in Betracht zn ziehen. S och iß in Bezug ans die letzteren »achgewicscn, daß bilden die lieber sei-er oerichiedener indischer Beeile ins Arabische waren. -Stein Bolk bat eine io riekenbanc, Jahrtausende andancrndc übersetzcrischc Thütigkcit entwickelt als die Juden. Daß. die Inden vor dem Auftreten der Ai aber das einzige Bolk waren, das ein geistig regsames Lebe» hatte, gehl ans der Herstellung des Talmud, ans -ein Viinfliiffe der beiden Hochschulen von Bninvadita und Sura, aus der Thatsache, daß nur! >>»de» die Lelner der ersten arabischen Aerztc in Bast'ra :c. waren, hervor Als Ueberictzer ' int V|[. Jahrhundert wird der jüdische Arzt Biener <>'aivaih ans Bast'ra genannt, der nicdieinische Schriften anö dcni^ Svrischen ins Arabische übersetzte. Sahal Al Tabari ans Taba rinan ain >iaft'iid>cn Sec, eben falls ein berühmter Arzt, übersetzte die ven nngcheueier Bedeninng für die Araber gewordenen Werke des Blolemans: auch ertaniike er die Slrahlenbrcchnng des Lichtes. Er ninß nni Tun ii Uhr. gelebt haben. Sein Sohn, der berühmte Abu 7ÖO n. Uhr , war der Lehrer der großen arabischen Aerztc '>iazi und Anzarbi, seiner des arabischen Gelehrten Wassil Jbn Ala. j i if'ci Wastil ölui Ata war cs, der zuerst bemüht war, den Muhainmc tanisinns mit den Elementen der griechischen Philosophie in Einklang z» l>i tilgen Bon ihm stammt' die Richtung der Mntazaliten, d. b. der Fieisinnigen, ab. Alle diese Vcntc lebten in Bastra, wo sich nach und nach e.ne <i'e>ellichatl bildete, alleS Wisten der damaligen ^cit zn iamnieln Schon der erste arabische Philosoph Alkindi hat bereits 2*:! Schlitte» rersaßt, hauptsächlich Voqif und verschiedene Ratnrwisicnschastcn! liiiiiiüh: da die bilden 'aber besten Werke nichl übersetzten, so ist dein Abendl.inde beule noch nichts davon bekannt, llebeiHaupt wisten wir nur 'o viel von der arabischen Untinr, als die Inden uns zugänglich »lachten; den» von den Arabern selbstist keiner als llchersetzer bekannt. Allindi UI le cbcnsalls in Bastra. Als im Anfänge des X. Jahrhunderts das Klicilsiat von Bagdad zei splitterte, trat in Bastra eine Gelehrten Vereinigung hervor, die dein Abcndlandc unter dem 'Jüuhch „Bcrcinignng der laniein Biüder und Irenen Aifiiiibc“ bekannt geworden ist. Diese Bereinigung machte es sich zur Ausgabe, alle» damalige Wissen zn sammeln und siistcmatisch zn verbreiten. So ciikständsu-dic Abhandlungen der lauicr» Br-üdcr. Es waren dieses öl Tractatc, und das g.inze Wert mnßie nuiidestens die Größe zweier vollständiger BrockhauSscher Le.ika gehabt haben. Tic von den-Juden schon früh unter nolnmenen Uebersetznngen, besonders des 21. Tractakcs, sind noch beme eine sehr beliebte und anregende Lccinre in gebildeten Kreisen Europas. Keiner der bekannten arabischen und jüdischen Denker ist mit den svrter» chnüllchen Scholastikern zn vergleichen; denn sic hatten > :c:iiiilv die Abncht. die Wistcnschastcn nur ans die Interessen dcS "'-anbens zn beschränken. Sie huldigten im <^cgcuthcil denselben nin Ulrerselbst willen. Erst mit Roger Bacon von Jlchcster '1214 bis 12'.' l n. Ehr. springt der bisher-nnr bei semikischcn Bölknftämmcn luimisclie Forschergeist ivieder ans die arische» Stämme über. Bezeichneno ist, daß Baeon sich gezwungen sah, «s'riechisch. Hebräisch und Aiabiicti zn leinen Jur Zeit EarlS des -Großen sinder ein höfischer Beltehi mit dem Kbalisat von Bagdad statt, und cS ist gewiß hoch -vedeunain, daß dieser sowie sein SohnI'udivjg der Froinnic Inden l.rnn'znzieben versucht, um Handel, Industrie, Wistenschasten und Künste beleben: denn da zur Zeit Earls des Großen -ic Pfafsen wcdcr!e>'en noch schreiben tonnten, io errichtete dieser einige Schulen, io in Fnld.i und Baderborn. Der einzige Halbgebildete dieser Zeit, dcr ,s-nldaei Abi Rhabanus Maurus, gesteht, -aß er den Juden das Perstandniß der heiligen. Schrift'sowie vieles Andere zn verdanken habe, .lut.ui n-ar-'n die einzige» -Aerzre Europas -bis. zur Zeit Friedrich II , >oime die Einzigen, die stch mit Mathematik, Astronomic, Eheinic, «^'rammali: beschäftigten. Selbst nachdem im XIII Jahrhundert die .''ndenau-ttvesinngen allgemein wurden, selbst dann »och hielte» sich die meisten nisten, die großentbeilS ihren Rainen nicht schreiben konnten, sudii'che Veibniue Die Eullnipciiode des Khalijats Bagdad wird durch die dcS -in-stch eanptischcn Sultanats abgclöst. Damaseus und Kairnan waren nun die Blülbestälken der Wissenschaften, sin Kairnan war es Isaak - n Snleiman .Israeli, der Leibarzt des Snlkaiis, der n. A. alles nildjeinjiche Wisten, und zwar das antike,, arabische und sein eigenes, ui acht Werken znsainmensaßtc Ein carthagischer Mönch, namens Eonstantin, -übersetzte sieben derselben ins lateinische, gab sich als Autor aus und gründete die eiste christlich mcdicinischc Schule in Nr. 49. Salerno (Italien). Israeli lebte von 845—040, hintcrließ viele Schüler, die zvm Thcil ebenfalls berühmte Gelehrte wurden. Eonstantin starb 1087. Bon den Juden übersetzt wurden des Aviccnna Werke; -derselbe lebte von '.>80—1037. Sein arziiciwistcnschaftlichcr Canon galt jahrhundertelang als Basis des incdicinischcn Unterrichts. Sein philosophischer Einfluß ist bekannt. Im Jahre 1038 stirbt das letzte Oberhaupt der Hochschule von Pumpadita, während vier Jahre früher die von Suva kinging. Die Lehrer auS Mesopotamien und Syrien gingen nach Rordafrika, Spanien, Provence, Frankreich, Süddeutschland. Mit dem Jahre 1000 n. Ehr. beginnt die eigentliche Glanzcpochc der jüdischen Gelehrsamkeit. Mit Recht sagt Gractz in seiner Geschichte der Inden: „An den Höhen- und Breitcgraden der Eultur nahmen die rabbanitische» Inden dieser Zeit (1000 n. Ehr.) den höchsten Grad ein (die rabbanitischen Inden sind die Anhänger des babylonische» Talmud), die Mnhamincdaner erst den zweiten und die christliche Bevölkerung. erst den dritten oher standen vielmehr auf dem Rullgrad. Wie kolosial die Inden in der Folge die Wistenschasten beherrschten, geht wohl am klarsten daraus hervor, daß sic, die sich jetzt von dxr arabischen Sprache cmancipirtcn .und die hebräische erst ausbildete», diese Sprache zur Porbcdingnng des Studiums der Wistenschasten in den nächsten Jahrhunderten machen." Das that ein Bolk, das vor dem Sturme der mongolischen'Horden nach Spanien stoh und von nun an mit kurzen Unterbrechungen von Land zu Land gejagt wurde. Dies« Böller, die alle in Jndcnvcrfolgnng machen, müssen von nun an Hebräisch studircn, falls sic eine wissenschaftliche Bildung erlangen wollen: niemals hat ein Bolk eine so wisscnschaftsfördcrndc und Völkerbelehrende Thütigkcit entwickelt wie die Juden in den ersten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends unserer christlichen Zeitrechnung. Mag dieses nun auch zum Theil daran liegen, daß die Stammesglicdcr über alle Bölkcrstämmc zerstreut sind, so ist darliin ihre wissen sä>astvcrbrcitcnde Thütigkcit nicht geringer zu schätzen; obgleich Arabisch, Lateinisch, Provcw.-alisch ec. im täglichen Verkehre ihre Sprache war, bildeten sic doch das Hebräische zur denkbarsten Vollkommenheit auS, und außer der Ucbcrsctznng alleS Wissens in diese Sprache sind sic eifrig bemüht, hervorragende Werke in die verschiedenen Landessprachen zu übertragen. Welch eine hingcbcndc Thütigkcit sic, die Juden, ent wickelten, ist wohl am besten darauf zu ersehen, daß sic selbst die philosophische Kinderarbeit christlicher Scholastiker ins Hebräische, Arabische ec. auS dem Lateinischen übertrugen. ES cristirt deshalb auch kein gebildeter Mann in Europa bis zu den Zeiten dcS Dante, Boccaccio und Friedrich 11., d. h. also bis zur thatsächlichcn Wiedergeburt der' Wissenschaften und Eultur von Europa kein Gelehrter ist in dieser Erwachungsperiode zu finden, der nicht daö Gcstündniß gemacht hatte, den Inden Vieles zu verdanken. I» Asien und Afrika ist am Ende des X. Jahrhunderte« - kurz vor der.mongolischen und inuhammcdanischcn Invasion noch eine ganze 'Serie berühmter jüdischer Gelehrter thätig, während die arabische Kraft schon längst gebrochen und die spanisch-maurische Periode noch nicht begonnen hatte. Unter den hervorragendsten nenne ich den Religions- Philosophen Josef den Saadia ans Fajnm (Egypten f 942). Ferner R. Hai, den letzten stcpctor von Pumpadita (r 1038); den letzten Rector oder Gaon von Sura, Samuel Ehofni (4 1034). In deren Familien und Schülcrkrciscn entstehen später in Enröpa »och manche hervorragende BcNretcr. t-uq,,. Berti» zur Abwehr bcs Alltiscmitisiiins.) Der Bern» zur Abwehr des Antiseniilisinns veranstaltet am 17. März 1893 im Saale des Ingenieur- und Architckl'envcrcines (Wien, I., Eschen backgasse'.») seine diesjährige dritte Generalversaminlung. Tagesordnung: 1. Erösfiiung und Begrüßung durch den Präsidenten; 2. Rechenschaftsbericht des Berei»scassiers Herrn A. Beilin g; 3. Anlrag des Vorstandes, die Abänderung des 8 11 der Vcrcinsstatuteu betreffend; 4. Vortrag des Herr» Balduin Groller; 5. Antrag des Vorstandes, betreffend die Ernennung von Ehrenmitgliedern; 0. Neuwahl des Vorstandes; 7. Freie Anträge. — Der Beginn der Generalvcrsänunlung ist auf 8 Uhr Abends festgesetzt, und rechnet man auf eine äußerst zahlreiche Betheiligung der Vereinsmitglieder. (Ans ütlll Abgcordnetcllhauft.) Bei der Bcrathung des Voranschlages des Handelsministeriums im Abgcordnctenhausc hielt Prinz Alois Liechtenstein eine jener Hetzreden, in denen er seinen Mangel an einschlägigen Studien durch schale Witzeleien und dreiste Behauptungen zu ersetzen sucht. Zweimal siel der Prinz aus der Rolle, die er im Uebrigen nicht schlecht gegeben hatte. Während er über den Niedergang der Erwerbsverhältnisie in Wien ein Jammergeschrei erhob,

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