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Freies Blatt · 1893-03-05 · 48 (5.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
48 (5.3.1893)
Date
1893-03-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Freies Blatt. Ja wohl, auf mehr als auf „Bierkarten" darf Schönerer auch in Schlesien nicht zählen. Tas Drohen init dem Ausschluß aus dem Schönerer-Bcreine schüchtert Niemanden ein. Schöner ist der Troppancr Kandidatur Pommers ganz ungefährlich: Studenten sind ja nicht wahlberechtigt. Möglicherweise gelingt csaber der fortschrittlichen Wählerschaft der schlesischen Landeshauptstadt, dein von Schönerer Abgefallencn eine 'Niederlage zu bereiten. * Wünscht Schönerer, daß Pommer durchsalle, so kann er nur auf die liberalen, von denen er einst selbst-abgctällcn ist, seine Hossnung setze». Dik Zllütll und das Handwerk.) Dem eben erschienenen Jahresbericht über die Wirksamkeit des Prager Ecutralvcrcincs zur Pflege j ü d i^chc r Angelegenheiten im Vcrwaltung'sjahrc l^!>l—181*2 eilknchmcil wir folgende, die Heranbildung israelitischer Jünglinge zum Handwerkerstände betreffende Tate».: Der Verein hat seit feinem Bestände (1880) an 100 Knaben für das Handwerk gewonnen, von denen, nur I.", vor der Zeit entlassen werden mußten. Frcigcsprochcn wurden während dieses Zeitranincs 3Ö und im letzten Jahre 12.^Jn der Vchre und unter Aussicht des Ecntralvcrcines verbleibe» Öl, welche sich aus folgende (bewerbe vcrlhcilcn: Handschuh niachcr 1>>, Tapezierer 7, Schneider 7, Goldarbciter 4, Buchbinder 3, Schriftsetzer 2, Tischler 2, Selcher 2, Klciiipfncr 2, Schlosier 2, Goldstatsirer, Fleischhauer, (Nrbcr, PorzcllanVreher, 2zthograph, An strcicher, Gclbgicßer, Schuhmacher, Posaineniicrer, Mechaniker je I. Tie Zahl der in 2chre stehende» belief sich 1880 auf I>87 auf 2«>, 1>8> ans 2'.*, ans 37, 18'.*** auf 45>, lV.il auf 44, 18'. *2 auf sil Knaben, ist, also trotz der für die Juden cntmuthigcndcn Zcitvcrbältnisic in stclcui Wachsthum begriffen. — Ter Posen er -Bcrcin z u r F ö rd eru ng des Handwerkes n nl cr den .luden" legte neulich vor einer (Generalversammlung Rcchenschäft über seine Thätigkcik ab. Ter Bcrcin bat zur Förderung der Handwerkslehrlingc in diesem Jahre Mark 1033 80 in baaren llutcrstützungc» verwendet, llntcrstüvt wurden im Vaufc desselben I 8 Lehrlinge gegen 13 im Anfänge des Jahres. Bon diesen sind be'chäftigk als Schneider 3, Schuhmacher l, Schlosser 2, Gärtner l, (iotibitor 1, Pscsierküchlcr 1, Stcinincv 1, Fleischer I, Heilgcbilse 1, d'ilhograph 1, Eigarrenmachcr 1, Holzbildhauer I, Malerin I. Bon den im Jahre I V.*:? llntcrslüvlen haben ausgelcrnt und werden in der nächsten Zeit ihre l'ehre beendet haben 2 Schpcider, 2 Fleischer, 1 Heilgehilfe, Ter Easienabschluß pro I>'..*2 balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 12.003 Mark. Ahlwardt. Ter Er Rector Ahlwardt, welcher jetzt den Titel „Rentier" führt, hak Plöpeni'ce bereits verlasie» und in Begleitung seines (Genossen Picken b ach Samstag den 2.’>. Februar seinen Einzug in den deutschen Reichstag gclialtc», wo man ihn jckoch keiner sonderlichen Bcychtung würdigte. Jn^Zcr „Staatsbürger-Zeitung" läßt Ahlwardt seine Entlastung ans der Haft durch den Borschlag feiern, daß nian ihm einen Betrag in der Höhe von 7>0.0 >0 Mark als „Nationalgeichenk" spende, und alle die bemittelten Antisemiten, welche zu der bei (Bericht erlegten Eaurion in der eben angegcbciic» Höhe bsigesteuert hatte», werden höslichst cingeladen, aus ihren Eautionsantheil zu Gunsten Ahlwardt's zu verzichten. Tas muß mau Ahlwardt lasten: er ist ein Meister im „Schnorren", von dem die Herausgeber unserer „christlichen" Journale noch knie» könnten; hat er doch »ach seinem eigen Geständnisse auch schon „edle Inden" gehörig angepnmpt. lim sich seinem Bertheidiger?Hcriw ig erkenntlich zu zeigen, begab sich Ahlwardt zu Ägilationszweckcn in de» Negnitzcr Reichstags Wahlkreis, trotzdem die Antisemiten nicht die geringste Aussicht haben, bei der gegenwärtig stattsindcnden Stichwahl zu rcussircn. Wie aus l'iegniv gemeldet wird, proclamirtcn die Socialdemokraten Wahlcnthalknug, eventuell die Wahl des Freisinnigen : auch der I ich rer der conservativcn Minderheit, die nicht für Ahlwardt eingetrcten ist, plaidirte für Wahl cuthaltnng. — Ter „Freisinnigen Zeitung" zufolge wird die Samstag vom Reichstage angeiiommenc Lex Ahlwardsi wonach,: entsprechend deni Anträge Rinteleu, die Bcrjahrnng eines Skrafocrfahrcus gegen einen Abgeordneten durch die wegen Immunität ausgesetzte Straf Verfolgung nnkerbrochcn wird, nächstens die Zustimmung des Bundes rathes erhalten Tadurch wird verhindert, daß das Ilriheil gegen Ähl wardk.im l'oewe Proeestc verjährt wird, wenn der Reichstag bis Juni dauert Prvttß Tcsöorpf.« Tas die gestimmte antisemitische Hcvprcssc i randniarkende Erkenntuiß des t'eipzigcr Schössengerichtcs, auf Grund denen der als sogenannter Schrifilcittr und Wandcrrcdner verwendete Tesdorps wegen Beruuglinipfung .des Pfarrers (^rübnerzn zwei Bdonaten und acht Tagen Gcsängniß vcrnrthcilt wurde, war von einer' interessante» Motivirnng begleitet. Mit Rücksicht aus einen der Hieriuiittirten Artikel der „Antiicnukischcn Eorrespondenz" wurde be n: ■?r - 7 ’iio(wimmle r-'n B> leidiqnnaeii. Etivas (Gemeineres, etwas Nr. 48. Ordinäreres laste sich kaum denken. Es. sei so schimpflich, so eine Gemeinheit verrathend, daß sich kaum noch etwas Anderes an die Seite stellen laste. Schlimmer und scheußlicher könne ein evangelischer Geistlicher nicht beleidigt' werden. ^Haß und Neid seien die Triebfedern in diesem Falle gewesen. Mit solchen Waffen zu kämpfen, sei ein Scagdal, und^ cs sei unverständlich, wie ein Rcdacteur einen solche» Schaudartikel habe durchgehen lasten können. (löclcioiflitiifl iiou Zilsn; Aunctionärcil.) Das Reichsgericht in Leipzig verwarf die Revision im Proccffe Gerhard ten Winckcl's, des Rcdactcurs der antisemitischen „Wacht", welcher von der Elbcrfcldcr Strafkammer wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwaltes Banmgard, des Landesgerichtsrathes BripinS und des Richtercollcgiums der Stadt Eleve am 4. November zu drei Monaten Gcfängniß vcrnrthcilt worden war. (Prottstversailllllltlllg.) Jn.Zittan fand dieser Tage eine von hem deutsch-freisinnigen Verein für Zittau und Umgegend veranstaltete Protcstvcrsammlnng statt. Dieselbe war von mehr als 1200 Personen besucht. Reichstags Abgeordneter Buddcbergj Rcdacteur Haupt und Rechtsanwalt Geyer legten Bcrmahrung gegen die Berhctzungspolitik der antisemitische» „Reformer" ein, worauf die Bcrsammlung eine Resolution faßte, in der cS heißt: „Auch wir mißbillige» jedes unsolide Gcschäftsgebahrcn und jede unsolide Rcclame, aber, wir verurtheilen sie nicht allein bei Inden, sondern auch bei Ehristcn, überall wo wir sie siiidc». Tiercactionär antisemitische Bewegung aber, die nur geeignet erscheint, die Aufmerksamkeit abzuleukcn von weil wichtigeren Tagcsfragcn, verdammen wir im Jutcrcstc der Aufrcchterhaltung des Friedens in unserer Stadt auf das Allercntschicdcnste, und dagegen wollen wir Front machen mit alle» gesetzlichen Mitteln " (Tif Zlldkll Illld das BcrbrcchtlI.) Der soeben erschienenen, vom deutschen Rcichs-Justizamt und kaiserlichen statistischen Amt publicirten „EriminaIstatistik für das Jahr 18'.*0" entnehmen wir folgende interessante Bemerkungen mit Rücksicht auf die Confessio» der, wegen Bcrgchcn oder Verbreche» Abgeurthciltcn. In der amtlichc» Pnblication heißt es n. A.: „Rach den Er.nittlnngen zeige» die Katholischen im Allgemeine» eine größere Eriininalität als die Evangelischen und die Ehristcn eine größere als die Inden. Auf 100.000 Personen der strafmündigen Eivilbcvölkcrung gleicher Kategorien kommen: 10388 evangelische, 1238'l katholische, 1108 8 überhaupt christliche, 807 4 jüdische Bcrurthcilte. Besonders ungünstig für die Katholiken stellt sich das Bcrhältniß bei gefährlicher Körperverletzung, bei welcher die Juden ebenso wie bei den Dicbstahlsdclictcn eine auffallend geringe Beth ei l ig u n g aufweiscn. Die Juden stehen dagegen ungünstig und übertrcsfcn die Ehristcn in der Crimi nalität bei den DelictSartcn Beleidigung, Erprcsiung, Betrug und Ilrknndcnfälschung. Alle diese Ergebnisse jedoch auch nur zu einem größeren Th eile auf die Religio» odcr.Eonf c s s i o n der B e r u r t h c i l t c n z u r ü ck; u f ü h r e n, c r s ch c i.n t nicht angängig. Die in der vorliegenden Statistik berücksichtigten Religionen und'Eonfcssioncn unterscheiden sich in den Grundlchrcn der Moral, soweit wenigstens europäische Eulturstaatcn und insbesondere das Deutsche Reich in Frage kommen, nicht so weit, daß man cs unteriichmcn könnte, die Unterschiede in der Criminalität auf solche des Bekenntnisses zurückzuführcn. Will man daher überhaupt in der Religion und Eonfcssion einen Einfluß auf die Eriminalität ihrer Bekenner suchen, so muß man sich doch vergegenwärtigen, daß daneben andere, so mächtige Factoren wirken, daß diejenigen der Religion dagegen verschwinden und man statistische Vergleiche in-.dieser Beziehung nur dann mit einiger Sicherheit anstcllcn dürfte, wenn man Personen desselben Geschlechtes, desselben Alters, desselben Berufes, derselben Provinz nach ihrem Bckenntniß neben einander stellte, d. h. also die anderen Factoren der Eriminalität climinirte: und dann wäre noch zu erwägen, daß die innere Religiosität und EonfcfsionStreue — denn diese wären cs doch, welche je nach ihrer Verschiedenheit in vcr schicdciistcni Maße vor Berbrechen und Vergehen bewahren sollten — sich auch nicht benrthcilen lassen ans den Nachweisulzgen der Statistik, welche nur in äußerer Weise erkennen lassen, ob ein Vcrurtheiltcr sich zur christlichen oder jüdischen Religion oder zur evangelischen oder katholischen Eonfcssion hinzugcrcchnet habe. Die oben mitgetheilten Er schcittiingcn können daher in ihrer Allgemeinheit nicht die Eriminalitüts vcrichicdcnhcitcn der nachgcwicscncn Religionen und Eonfcssioncn zum genauen Ausdruck bringen. Frühere Ilntcrsuchuiigcn, welche für kleinere Bezirke mit möglichst gleichmäßiger Bertheilung der Bevölkerung ans die Eonfcssioncn il. s. >v. angcstcllt wurden, haben ergeben, daß in über wiegend katholischen tslcgendcn unterschiedlich eine hohe und eine geringe Erinnnalität vorkommt, also die Eonfessioncn in ihrem Einfluß durch die Landes >Bolks-) Natur sTcniperament übcrwogen wird. So wird

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