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Freies Blatt · 1893-03-05 · 48 (5.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
48 (5.3.1893)
Date
1893-03-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48. 4 Freies Blatt. Verschuldung der ^Realitäten, so lauten die Schlagworte der vielter des Bauernstandes, den man überdies noch glauben mache» wolle, das; die Rückkehr in die Zeit, i» der deS Bauers .Weisheit »ur aus drei Krenzein bestand, Legen und Heit bedeute. De» Gewerbetreibende» ködere man wieder mit de» Schimpfereien anfs mobile Kapital, mit dem Kampfe gegen die (Goldwährung, der Znllftzwang tolle ihm Er lösuug bringe», und' wenu'S am traurigste» mit ihm steht, dann sötte daS Schimpfen auf de» Juden ihm helfen. Mit solchen Reeepten werde Stimmenfängerei bei den Heine» Ventcn getrieben. Und diese seien ver blendet genug, vp» den Strebern, Lügner» und Hetzern etwas;n er. warten, welche die wichtigste Bedingung für das Fortkommen des arbeitenden und produeirendeu Standesbeseitigen, dem tteine» Manne die Volksschule verkümmern wollen. Ei» nneohörteS Verbrechen an dem Volke begehe» Jene, die den Sturm gegen die Volksschule unternehme» (stürmischex Beifall) »»d das größte Werk der Verfassung Umstürze» wolle». (Pfui Vi.echtenstei»! t Und gerade die irregefuhrte» kleine» teilte laufe» dieser Clique nach, beider befinde» sich unter diese» Anhänger» auch Lehrer. (Rufe: Lehrer nicht!). Tie Wahle» in Wie» beweisen dies, unter den eommniiale» antisemitischen Würdenträger» befinde» sich zwei Vehrer. (iJiufe: Auf dem Vanbc kommt das nicht vor!) -Eine solche Erscheinung sei sehrbedauerlich, denn unter de» Kämpfern für die Renschnle sollte der Lehrer in erster rReihe stehe», liedhafter Beifall.) Als Tr. Kronawetter z»i» Schlnsie die Erwartung anssprach, daß endlich die Aufklärung im Volke fiel) Bah» brechen und eine neue Aera kommen werde, da wurde die Stimme eines alte» Bauers vernehmbar, der dem Redner mitte» in der allgemeinen Znstiiiimnng, die sein Schlußappetl erweckte, ins Wort siel und ihm flehentlich zurief: „Rur die Schul' lasieii's uns not nehma, Herr Toctor, nur dös not!" Tie Versammlung nahiir die auf diesen Livische»r»s gegebene Versicherung Tr. Krouawetter's, daß die fort fchrittliche» Elemente geschlossen jeden Angrisf ans die Schule abwehren, mit einem Beifallsstürme auf und brach in Hochrufe für Tr. .siionaweiter ans. 'Mannhafte Worte im Sinne eines Zusammengehens aller freisinnigen Elemente sprachen hierauf, die Abgeordnete» Gras S I ü r g k h und Pernerst orser. Sehr erfreulich war auch eine Aenßernng des SchnldirectorS Tittrich. Er gab namens der Lehrerschaft von Rennkircheu n»d Umgebung die Erklärung ab, daß dieselbe .der antisemitischen Partei gänzlich sernstehe. Als Vor standstcllvet tretet deS Va n d eS - Veh re rv erei n eS, fügte er hinzu, könne er auch versichern, daß nur einzelne Mitglieder des Standes, was tief zu bedauern sei, dieser Richtung angehören: die Vehrer schaft halte-in erdrückender Majorität zur fortschrittlich en Partei. — Am 28. Februar fand eine vom RndotfSheimer „B ü rg e rcl n b" eiiiberufene Wählerversamiulnng statt, welche durch, die zahlreiche Betheiligung von Abgeordneten, Stadt- und Gemeinderäthen und Bezirksvertreter» sowie der fortschrittlich gesinnten Wählerschaft der westlichen Vorortebezirke Wiens sich zu einer be .. dentnngsvollen Kundgebung für die Sache des «Fortschritts gestaltete. Es. sprachen unter der stürmischen Znstiiiimnng aller Anwesenden dieAbgeordneten Professor Tr. Sneß, Gras S t ürgkh »nd W ra bet?sowie die beiden Viee Bürgermeister Tr. :R i ch t e r und Tr. Grübl. Te» nachhaltigsten Eindruck machte eine Rcde deS Abgeordneten' Professors T r S »e ß, der mit (Heist und Witz die Tendenzen der Antisemiten kennzeichnete: er sagte unter Anderem: „Wir, die wir im ösfeiittichen '.'eben stehe», verlangen keinen Tank, uns genügt das Bewußtsein treuer Pflichterfüllung : aber Eines dürfe» wir verlange», daß die Bürgerschaft an unsere Ehre glaubt, daß man uns für rechtschaffene Menschen hält und eS nicht duldet, daß da, wo Argumente fehlen, unsere persönliche Ehre »nd Rechtschaffenheit in zweideutiger Weise in «wage gestellt werden, (Vebhaster Beifall.) Tas ist es, was wir an unsere» Gegnern mit Verachtung znrückweise». (Zustimmung.) «wagen wir nnS nun, wieso es möglich geworden, daß in einer so hoch gebildete», hoch ge sitteten Stadls wie in unserem gute» Wie», Mrsonen, welche eine» solchen Standpunkt vertreten, in die Vage kamen, eine öi'senttiche Rotte tu spielen, statt daß ihnen einfach die Thür gewiesen würde, so ist sie Erklärung einfach, sie liegt iu dkm Eharakter des Wieners. Wir leben hier in der Stadt von Strauß und Vanner, in der Residenz der Musik. Man gewöhnt sich leicht, eine solche Melodie initznsingen. Wan hört die ('leige streiche», fingt das Vied lustig mit, weil die Marino» e und Melodie bestechen. Es ist oft der allergrößte Unsinn, den man mitsingt, man singt ihn aber dennoch mit. Aber tage» Sie die Melodie weg, und Sie werde» sehe», wie das Vied ist. So müssen Sie es auch mit den Rednern machen! (Stürmische Znstimmnng »nd Heiterkeit.) Sie dürfen nicht fragen, ob der Redner einen schöne» schwarzen Bart hat- oder ob er gut schimpfen kann tHeiterkeit 1: Sie müssen sich vielmehr frage», ob er gescheit und vernünstig gesprochen chat, und erst dann werden Sie "zum richtigen Urtheite gelangen : dann S|ite 5> werde» Sie zu der Ueberzengnng tammen, Saß es im ö'fenilichen Veben mit diesem Singen und solcher Melodie nicht lauge gehl," Anhaltender stnrmischer Beifall.) )». (Vivnt!) Ans K r e in s wird »ns gesetiriebeu : Ter bisherige politische Ehef'des Bezirkes Zwettl hat es nicht vermocht, . fid) in die Gnnst des Schlvßherr» von :Rose»a>i und seiner Knappe» z» setzen. Riemand wird dem Herr» Bezirtshanpliiiaun Ma», Zet buche r daraus eine» Vorwurf, ja nicht einmal de» der (Gegnerschaft gegen de» Aiitisemitismns machen. Tie Zufriedenheit des Rofenaner Heerllannes wird sich ein k. k. österreichischer Bezirkshanptmann . über Haupt »ie erringe» und am allerwenigste» derjenige, der das vaterlandsfeindliche Treiben iliitansehen mußte, wie eö die Antisemiten i» der schamloseste» Weise anläßlich der lotzten großen Kaisermaiiöver int Waldviectel zur Schau trugen Herr Zelbacher, der für die Kor» bliinienfererei begreiflicherweise wenig Verstäiidiuß zeigte, bildete daher schon seit de» Kaisernianöver» daS Stichblatt der antisemitische» Verfolgiingssiicht, und Schönerer führte gegen ihn in seinen leibeigenen Blättchen einen snstematische» Prosrriptionskrieg in Gestalt einer dennneiatorische» Anfrage. Ans dem Umstande, daß Herr Zelbacher diese Anfrage weder beantworiete, nocks, was mit Rücksicht auf .die deniiiieireiide Absicht sehr leicht gewesen wäre, unterdrückte, mag man schließen, für wie wenig gefährlich er dieselbe hielt. Nichtsdestoweniger bilde» sich unsere Antifemite» jetzt, wo die Versetzung des Herrn- Zet bacher in naher Aussicht steht,-ei», dies dnrch die famosen „'Anfrage»" in ihre» obsenre» Blättchen bewirkt zu haben. Tarob helles (Handinm, welches nur dadurch getrübt wird, daß.als,Rachfotger des Herr» Zelbacher ei» Man» genannt wird, welcher vör-wier Jahren eine gewisie nnfreiwiltige «rahrt Schönerer's auf der Strecke der «>tanz Josef Bah» durchaus nicht als Trinn'iphzng aiiifüflcit wollte und gewisse denio» ftrative Hiildigniige» für de» antisemitische» „Märtyrer" schlechtweg untersagte. I» «volge dest'en rüste»-die Antisemiten auch heute schon zum Angrisf gegen de» zii erwartenden Bezirkschef, und »och ehe der verfehmte Bezirtshanptinann Herr M. Zelbacher thatfächlich versetzt ist, wird die Kampfesparole gegen - feinen »inthmaßtiche» 'Rachfotger ansgegeben. Aber dies geschieht alles.nur aus purblankem Patriotismus. 'Cffciic* Lchrcibc» n'it den lwchwürdigcn Hcrru Zolmnn -Hüttscr.) TaS unter dieses» Titel vor .Knrzem erschienene und i>» „ «freien Blatte" eingehend gewürdigte Schristche» hat die oberöster reichische» Antisemite» i» große Änfregniig.versetzt, und nniß der Herr Verfasser Tr. Earl v. .Kißling in Vinz die schärfste» Angriffe et leide», über welche derselbe aber die gute Bemertiing machte, daß sie nur zeige», was er bereits einmal anssprach, daß der Spiritus der Antisemite» denatnrirter Spiritus ist. l Zltr Rcichsrakhswühl in Troppü».- Ter Rotheandidat, zu dem die Troppaner Antisemiten gegriffen habe», hatte schön im Jahre Iss.'« in (Hraz sei» Glück versucht und .danials folgende, auch hellte' »och >»i Besitze Georg S ch o >i e r-e'r's befindliche Erklärnng aiisgestellt: Ta ich dem Piograiimie und dem Wahlaufrufe der durch de» Ab geordneien Schö»er?.r venreiene» dentiämationalen Pailei aiiVAk>'cher',e»gnng;ns»iiii»e, veipstichie icti mich hiemil ehretm-örilich, int Abaeoedneieithame uni jeiunr Paueivetbaiide bleibend beiniteeien, den Abgeordneter Schönerer bilden oder dem er ieitm beiieeie» wird Wie», I» -»ini 1».',. Ti. 'iSamni '.Robcl, wie Schönerer.schon ist, bringt er aiielt iii ii'inem '.Waniteui zttr ösfeiittichen Kenntniß, daß er die nicht »iibedenieiiden -Kosten der (Krazer Eandidatnr Pommers beinahr ausschließlich ans eigenen Mitteln bestritten hat. Schönerer warnt vor der 'Wahl Ponimer's,. der, von ihm abgetanen fei. Tie an einen Herrn -K. in T adreistrte Warnung ist nach verschiedenen Richtungen hi» bemertensiverth: sielautet: Es ii'llie Ihnen doch betnum sei», daß jedes Mitgited des Tenliche» Veits Vereines in Wie» vor der Aufnahme eine littlätnne, ju »nierjchreibe» bat,_ weiche lautet: „Ich um »-che in de» T eni-cheu Poitsverei» einznireieii, da i.t> mit d>fje» Satzimge» -owie »tii dem i'mzer Prägtaiiime ganz einverstanden bi» lind ansschließiich mir die Jtihrerschafi: Schönerer'S anerlsntte." Herr Schönerer als Pbrnan» des Voltsvereines »nd als ,"\»bmder Parteiieitnng halte nun doch alle »r-ache,;n eim-aite», daß diejenige» Tropt-aner Vrnglieder deS Vv.lst-e,eines, welche die , rnfie Abiichi baue», -'S» von Schönerer abgeiatteiien Herrn Prot Tr Pommer >US Wahlbe-.uerber irir da-5 etledtgie :>>,'ich:-tai!is inandat in Troppan ansiicheUe» und zu empfehlen, doch vorerst th.e» Ansiriii ans dem Tenliche» Voilst-erei» in Wie» onmelden wiitden. Ter Jiti-rer t-tm’t Partei Hai den» doch Anspruch t-ai^u», z» erioarlen, das; Icke Eenonen-ans Anlaß von Wahle» sich mit ihm i»S Eiiweanehme» letzen Tleimi.»'» «--euo-e». die da glanben, ihre Zngehörigkeii zur Schönerer Parte, hanr-i-achtich nur durchdas Schreibe» von „Vier lat Id»" z>> beihätige». iosiie» te eher, te .niber ans dem Tetiische» Voltsverein i» -Itzien anstreie»

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