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Freies Blatt · 1893-03-05 · 48 (5.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
48 (5.3.1893)
Date
1893-03-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Freies in .V'cniali? und mit bau chaiiüligcn Besitzer des Eusino CfItirleiii in Berbindung: diesen versprach er das Reichs rat h Sän a ndat des Bezirkes, wenn sie zahlen wollte». Tie Herren waren aber vorsichtig genug, nicht ui zahlen. Tann erzählte er eines Tages, daß er liechte»' stein gewonnen habe, der Fürst habe sein Blatt abonnirt. Er werde daher Viechtensiein's Wahl unterstützen." Auch zeigte R'ordniann einen angeblichen Bries f u eg e rs, worin sich dieser Nordmann's aufrichtiger Freund nannte, allen Veuteu und sandte zu jeder f iechleiiftein scheu Bersainnilung an die Adrene des Mechanikers Schneider mehrere hundert Gralisexeniplarc der „Bolksnieiiiung", natürlich auf Kosten Waniek's. Bei der Wahl Viechteustein s agitirte. 'Rordmann im Fiaker herunifahrend. Und noch ein Eoiiner bestand zwischen ihm und den Großkophtas der Antisemiten. Tein Blatt wurde von Greg-orig, von der l'nio C;it li,» 1 ica, von dem deutschnationalen^Mechauiker Georg H e r b st und noch anderen antisemitischen l^efchäftSleuten durch Annoncen unterstützt .Bon diesen Einnahmen bekam natürlich Waniek nicht einen Kreuzer. Aus diesen wenigen Pinselstrichen mag man sich ein Bild davon machen, wie die in den antiseinischen Berfaininlungen so salbungsvoll ausgesprochenen Phrasen von der Rettung des kleinen Mannes und von der ckristlich-socialen Reform draußen im Bolke in Praris unigesetzt iR-zPen. Rordniann ist allerdings keiner von den Matadoren der aitti semitischen Bewegung, obwohl er alle Fähigkeiten dazu besitzt. Ja wir brauchen gar keine Propheten zn sein, tun vorauSzuseheu, daß sich seine erlauchten und nichkerlauchtcn Gönner gegebenenfalls von ihm lossagen werden. Allein >-x unsrni; ltniifin erkennen wir in Rordinann's Praktiken überall die schule seiner Meister. Tic Herren Kleingewerbetreibenden und Beamten mögen aus diesem Falle bei den bevorstehenden «''emeiuderathswahlen die gehörige Rutzanwendung ziehen. w. Pte Aarcrini. Jet Petersburger ..Regierungsbote" bringt, eine Erklärung, der tniolge der runi'che Minister die ihm unterstehenden Behörden an die gesetzlichen Bestimmungen erinnerte, nach denen die jüdische 2ccte der Karaim nicht denjenigen eliechtsbeschränkuugen unterliegt, welche hinsichtlich der übrigen Juden im Ezarenreiche festgeseui sind. Tie Karaim -Karäer, Karaiten verweisen die rabbinische Ueberliefernng und Hallen sich mit strengster Genauigkeit an den Buchstabe» der mosaischen fehre. Tie selben sichten in gesellschaftlicher Hinsicht ein isolirtes Z'ebe» und treten aucks nicht durch Heiraten in verwandt'chattljche Beziehungen zli anderen .>nden. Mitglieder dieser im achten Jahrhunderte entstandenen Trete sinden sich auch zu Haliez in Galizien. Tie Erklärung des russischen Amts blaites betagt: - . ,>» Folge der' Anzeige des karaiti'cheii Ehacha.n iRabbiners von Enpa das; die adniinistraiiven Gouveriieinemsbehördeu, indei» ne die Xaeaiie» INi, den Faden verwechseln, ans dieselbe» die für die letzteren gesetzlich bestehende,, Beschränkungen in Anweildung biingev, hat das Ministeiiuin des Fnnerii int Falne l.-el durch iiiemaidie önlich.n Vhitowtatai crindit, die ihnen unter siebenden Bel erden ti.t t'ej'or.en dabin zn instiniie», dag ans Grund des Gesetzes die »araiien 'äininiNche Reäne geniesten/ deren die uripiunglichen in'N-chen Ilnterthanen ilnillaiii; sind, niid zn einer von der Regierung aner- '.:nnien Religion getore», die »ch von der Glanb.nslehre der Faden unter leitet Ta nun ne »de in neuerdings wiederum Falle vorgetotniiien seien, daß die gegen die Fndrn eile.iie: >>n rin'el>ränkonden Ge-etze an' die dtaraitr» angrivandi n o.den. i i! der Minister des Fnncrn säininuiche Minister »ochinals daraus .il.'inei.lsani gemach:: „daß nach den Bestsinmiiiigrn des ReichsgesevbncheS die n..:ai:en iii'.m ne üeii unter dein Schutze der allgeineine» Gesetze des Reiches : stiiden. n.sinniiliche Rech e genießen, deren die. rnssiichen llnterthanen, je nach -.'IN TEde. zn dein kiu Feder gehört, iheilhastig Niid, und daß 'oiiiit die im ’i';,J. : »tu b regist,irten, au' die Filde« bezüglichen beschränkenden Be- '!!ii!e.i,s d e .«taraiten keine Anwendniig Ni,den duriii." F» iäinint .'chen r.Fst r einuell n Ti'tftiicf » werden die Fudeu ,da der dein esc.:. Fi.d e l'enf e A„-7dr.:ct „Tchid" i» di.ier Svrache sehr »»schön °i>!>e,t > ■:? n e I eztichnei, und da ist denn in vorstehender Regierung» ...■ i:! o: .■ . ■'■ Unlerstlieidniiq zivnchen den im Bollbesin der Tlaits!. .'g.'i recht- : .' lr.nänbig >add::eäi>chen Fndeii. den .»araiieu, »nd de» .'.'e'ci.vn ü itiiit andt'it Tatinndladen .der vormals volnisch west inbeii Reichs-;.biete. >-.!» lcm-ikenswertb Fn dieser ivestlichen Reichs . 'Fr i gcjt ::>. Ue i eigen;a niebt-wnr d ie „vebtiier", fon '■ n i a ch. die fehr e IN xs indlicheII gesetzlichen Bejchrän '.., -. n. >>- namenii-li h: n iich t! i d> des tOrunddefivrechtes *>' d e .st», an» bilden rinnt iiuereffjiuen Bestand Iieil der Bevölternng il,nß , Last die Rechistf'chrünkunoen, kene» die übrige jukisttie Bevölkeruiig Fn in : rnn : . g.s Genandnig' Richt bloß die katholischen Polen, auch i i m i -irii.i..t. /. » fii;r in Rußland Becgewaliigungen ausgesetzt. Blatt. , . . Nr. 48. l.des Reiäfts unterliegt (also uamernlich auch das Berbot, anßeihalb der den i Juden speeiell ziigewieseiien westlichen Gouvernemenls sich anzusiedelii), nicht j auch auf die siaraiin Bezug haben koiiiilen, ergibt sich schon aus dem Uiiistaude, daß dieselben niemals Beivohner der hier in Rede stehenden ehemal« polnischen Goiivernrnienls, des sogeiiaiinlen jüdischen AnsiedcliiiigSrayonS gewesen sind. Tie » jtarakNr verwerfen den Talmud und ertnmeit nur das Alle Testame»! a»; der Zahl „ach gering, habcn sie seil alle» Zeiten in Kaukasien und dein slid lichen Rußland zerstreut gelebt, angesehen als höchst reelle Geschästsleule. Mil den talinndistischeii' poknisch-russifchen Jude», vo» denen sie auch im Aussehen, in der .stleidung und Lebensweise sich vollständig unterschesden, pflege» sie gar keine Geineinschasl »nd sind frei von den zahlreiche» niiaiigeuehine» Eigen schasien. durch welche nameinlich die niederen Classen der Ersteren in Ruß land sich so unbequem machen *) Sie selbst behaupten, echt jüdische» Stammes ii sein, den Talmud nieinals anerkannt zu haben und seit der Zerstörung Fernsalem» unter TituS in der Tiaspora zu leben; man bringt sie in Be Ziehung zn der priesterlichen Seete der Saddueäer, während die Talmndinden als aus der Partei der Pharisäer hervorgegangen zu betrachten waren. Bon anderer Seite freilich'wird ihre semilische Herslaniinung bestritten; eS sei nicht ,niiinöglich. daß sie taclarischen Blutes seien, Abköinnilinge der zur jüdischen Religion iibergetrelencn Bevölkern,,gsbestandiheile des Reiche« der Chazaren, das , bis zun, XIII. Jahlhundert im. südlichen stlußland bestand; es herrsch» in ihm die vollständigste Toleranz, und die verschiedenartigsten Religionen waren de», gemäß unler den Chazaren verlreten. J.denfallS haben dieselben dann aber ihr Fndenthnm^nicht vpn pharisäischen, sondern von iaddueäischon Inden erhalten' da in der b'ehr.' der Raraiin sich deutliche Anklänge an die religiösen Anschau . lingeu der piiesterlicheu Saddueäer voisiiidcn, die schon zur Zeit Ehrisli im Gegensatz z» den Phariiäer» den bereits damals in ihren äilesleii Bestandiheilen erislirenden Talinndlehren (der Tradilionl ihre Anerkennnng veisaglen. (Bcrcin zur Abwehr des Ailtisemitiöililis.» Mittwoch dc» I. Mär; hielt dir Bereit! zur Abwehr des Antiscini» liömliö eine Porstandssitznng nb, in welcher beschlossen wurde,, für die nllernächslc Zeit'die ii. G c ne ra I ver s a in in inng einzuberusc». Dc» gennuen Zeilpunkl sowie die Togesordniin,; der Bersaminlung werden wir rcchlzeitig brkannlgeben. Gesten eine tciidciiziöse ^nsiiiliatioil.) Gcmeinderath fcopold Seiler,verössentlicht folgende Erklärung: „Ich .erkläre die von Herrn Tr. HF» eg er in der faiidtagssitzung vom Freitag (24. Februar) ausgestellte Behauptung, daß ich unter vier Augen Antisemit und nur der Tessentlichkeit gegenüber liberal sei, als eine v o l lk oni ine n im um I) rc. itn b tendenziöse Insinnati» n, welche ich hieinit aus das Entschiedenste zut ückwcise." (Fortschrittliche Wählerversitmiiiliilisie».) F» Rcn »ki rch'cn fand am 2«>. Februar eine vom dortigen „T en tsch - s o rts ch r i t t l i che n B er eine" cinbernfenc Bersainnilung der 'Wähler des Reunkirchner Wahlbezirkes statt, zu welcher sich mehr als 700 Personen eingefunbcn Hallen. Aus den hervorragendsten Ttädten und Ortschaften der Umgebung nahmen Bürgermeister und (^eiucinderäthe sowie Bcreins'- obniänncr an der Bcrsaininlnng lheil, welcher auch die Abgeordneten Freiherr v. To bl Hofs, Tr. Habcrl, Tr. Kronaniet ter, Tr. Marchct, Pernerstorscr, Freiherr v. Toininaruga und Graf Ttürgkh anwohnlc». Rach einer Begrüßung der Erschienenen durch den Ingenieur Rucdl, welcher den Borsitz führte, hielt Abgeordneter Tr. Marchct einen mit lebhaftem Beifall anfgcnomnicnen ' Bortrag über den bäuerlichen Eredit. Erchob dabei hervor, die Massen bcthriligung an bcj; Bersaminluiig liefere den Beweis, daß die fortschrittliche Partei sn . den denkenden, jeder Bcrhctznng ferne stehenden Kreisen der Bevölkerung eine» Anhang besitze, der viel größer sei, als die reaetionärcn Teinagogen erwarten. Tie Erfahrungen der letzten Zeit haben auch gezeigt, daß bei einer nur theilweise regeren Agitation der bernfcnen Parteigenossen in den cinzclncn Bezirken sich allcnt -> halben eine erfreuliche Aebhaftc Betheilignng am öffentlichen Vcüen kund gebe. Es folgte hierauf ein Bortrag des Abgeordnete» Tr. Krona..- wett cr über die chrisilich stzeiale Partei. Unter stürmischer Zustinimniig sprach er zunächst dieser Partei das Recht ab, sich christlich social z» nenne» Ehristlich sei sie nicht, weil, abgesehen davon, daß es nur eine menschliche Moral gibt, sie ans die Trenniing der Elassest und stände hinarbeile, und social nicht, weil sie die Befriedigung niederer Instinete, des EgoismnS »nd der Habsucht, zn ihrem obersten l^rund savr mache: Tchassiing neuer und Erweiterung bestehender Fidci eoinmisse, Einführung deS Ancrbercchtes, Aufhebung der l^ekrcidebörse, *) Tie oisieieUe Erllärniig, wonach die niederen Elasten der Inden die Macht halten, sich durch uiiaiigenehine Eigenschaften den russischen Gewalthabern „io unbequem" zu machen, ist eine neue Auflage der Fabel vom Wolf, dem dar i'ainm das Wasser getrübt Hai. ,

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