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Freies Blatt · 1893-03-05 · 48 (5.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
48 (5.3.1893)
Date
1893-03-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sfitf a. '-I'L'vgdKit des (''cmcuibaLitli>;prii|’i?”ini!>? ein „Husürenstücklein", das (''cmtinbeftatiit dev „Roßschweif eines türkischen Pascha" und ein Strick für die Opposition: Ausdrücke wie „ServiliSmns", „verschachern", „verschleudern", „Schande" in den verschiedensten Zusammensetzungen sprudeln nur so von, den s'ippen des Redegewaltigen vom Neubau, dndeß die rohen Späne Gregorig's sollten rinr ein Präludium bilden zu dem keifenden und heulenden Korrobori, den die feinfühlige Dpposikion hernach anftührte Als Ritter v. Mitscha am zweiten Perl bandlungstage namens des Großgrundbesitzes die Erklärung 'abgab, das; Vieler „im Interesse einer geordnete» Gemeindeverwaltung für die Vorlage skiminen werde", suhl Tr. l'ne.qcr, wie von der Tarantel gestochen, auf und rief den Großgrundbesitzern mit drohender C^cbcvtoc;n : „ Sas werden Sie bereuen! Merken Sie sich's! Wir werden die '.'andbevölkernng - gegen Sie aushetzen, verlassen Sie sich daram!". -Wie, zu was will Lueger die Landbevölkerung aufreizen? Ser E^ßgrundbentz bedarf doch nicht der Mandate der fliegerischen Stimm knechte? Man kann daher den Schlüssel zu'der fueger'schen Srohung nur in den Partei Eiinneiatione»' S ch n eid er's suchen, der unmittelbar daraus prophetisch erklärte, „iveuii diese corrupte-Zudrnwirthschastweiter sorkgebe. >v e r d e e s in der Bevölkerung; u Gewaltthätig fetten f tun in e 11" : obwohl die Antisemiken dagegen austreten werden (?>, werde—die Bewegung über ihre Köpse wachsen und es zu einer blutigen Abrechnung komnien. Wir und gerne bereit, an die Prophetie Schneider's zum Sheile zu glauben, daran nämlich, daß die anti» semitische Pewegnng gewissen feilten über den älopf wachsen und zu t^ewaltliättigkeiten fuhren löniie. Sasiir, daß Schneider selbst an seine Prophezeiung glaubt, spricht die Sbatsache, daß er l>ereits vor Jahren den schönen Ausspruch thak: „,falls ein dudenkrawalt einmal aus' l'richt, eiwlire kch ee> sechs Stunde,, mliei-. Sa fahre ich ab!" Sas spricht Bände. Eine vollständige Auslegung der fueger'scheu Srohnng für den, der ssch darüber noch immer nicht klar sein sollte, enthielt übrigens auch die ssapnzinade Scheich er's, der den Herre-. vom (Großgrundbesitze' zu bedenken gab, daß die Stimmung im Volke ihren Piirilegien nicht günstig sei, und daß das Volk dieselbe» ferner nicht werde anerkennen wollen. Ser Eausalnenis ist nun ganz einfach: Ser (Großgrundbesitz stinnnt gegen die Antisemiten (Erklärung Mitschak, diele verhetzen das bäuei liebe Volk (Srohnng fueger), unter demselben g-jlnk es gegen die Privckegien des'l^roßgrundbefitzes, die man lucht meiir dulde» will Entdeckung Scheicher!, es kommt zu einem Blnlbade -'l^ophezeinng Schneider!, Schneider erfährt sechs Stunden srüber davon iu>d macht ssch ans dem Staube. Voil:, triuh Ser vollständige Mangel sachlickier Einwände gegen die Vorlage machte eigentlich eine Widerlegung der antisemitischen Wortführer, die es anis Todkreden abgesehen hatten, überflüssig. Eine erschöpfende, sslarleaniig des Sachverhaltes enthielten übrigens die »leisterhasten Äussülirungen des Bürgermeisters Sr. Pri r. An den Rohheiten eines "«'ssegorig erklärte er ruhig vorübergehen zu können, da dessen „Fein 'ühligteii" es ihm begreiflich liiackzen werde, wenn sich Sr. Prir nicht weiter mit ihm beschäftige. Ser Bürgermeister erklärte-die Verwaltung der Stadt, die Administration unter dem neuen Statute für eine vorzügliche lieber den Stadlrath werde am meinen von denen geschimpft, welche nicht Skadrräihe lind, aber es werden wollen. Wenn ssch die Anl'.seniiken mit ihrer'Abstinenz ans das Vorgehen anderer politischer Parteien in anderen Vertreiungskörpern berufen, so meinte Sr. Prir, eben das sei ja das Malheur, daß die Antisemiten die Politik in den (semeiiiderath bringen. Bei eineni politischen äiörper sei das ganz anders, da stocke bei der Abstinenz die Regiei^ing und die Adinini ss'-niou nicht. Sie antisemitische Abstinenz hat aber die eingesiandene —a enden;, die Administration zu hindern, und eben deshalb müsse durch den Landtag ein Wandel ge'chassesi werden. Sie bekannten Forderungen d : Sppossrion betreffend sagte Sr. Prir: „dm dnteresse der Würde des (^emeinderathes der ersten Stadt dGleiches in es »öthig, daß daselbst ein Son herrscht, der nrban ss du sachlicher Beziehung-kann die Sgrposstion ihre Anschauungen Vorbringen, das wird kein Präsident hindern, aber in der denn, in d'-. es vorgebrachk wird, iss ein Unterschied zu machen. Zwei Herren '-purden ol'o ausgeschlossen, aber die ganze Opposition hat .sich entfernt. S l> daknlch das dnteresse der Wählerschaft gewahrt wurde, das möchte :ch bezivelseln. dazwischen sind wichtige Fragen erledigt/worden, ohne dag die Spuosikioil dabei war: die Regelung der Beamtengehalle, die Wanei'rage » i w. dch glaube nicht, daß die Bevölkerung mit dhrem Wegbleiben einveissanden war, insbesondere nicht die Bevölkerung der Vororte. Es iss ja nicht richtig, daß inan im Gemeinderathe nichts. ans d'e Worte der Opposition gibt: ihr Führer hat Manckzen bekehrt, und mancher seindl Anträge fand Berücksichtigung, dch habe oft er Uält, daß eine Spposilion auch in einem Administrativkörper gut sei und daß ich sie dorr ungern vermisse. Natürlich muß aber diese Blatt. Nr. 48. Dpposiiion objeetiv Vorgehen und muß gestatten, daß auch Andere ihre Meinung aussprechen, ohne Gefahr, dafür verdächtigt zu werden. Nun verlangt die Opposition eine anständige Behandlung. Der Präsident deS Gemeinderathes schwört, seine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen auszuüben, und erfüllt diese Pflicht objeetiv. Wenn sich Jemand zu beklagen hat, so ist es die Majorität über das Temperainciit der Minorität. Aber auch bei der Majorität habe ich es gehindert, daß Jemand verunglimpft wird. Dann fordern Sie gleichmäßige rechtzeitige Information; das ist eine Forderung, die, einfach hingestellt, kaum verstanden wird. Es besteht im Gemeinderathe ein FortschrittSverband, .dort erscheint bei den Sitzungen ein Mitglied des Präsidiums, um die Mitglieder zu informiren; dagegen kommt in den Büxgerclub, dem die Opposition angehört, kein Mitglied des Präsidiums, denn von diesem Elub ist ofsieiell bisher nichts bekannt geworden. Er hat dem Gemeinderathe seine Statuten nicht bekanntgegeben, hat das Präsidium nie eingeladen. Sollen die Mitglieder des Präsidiums dort eindringen auf die Gefahr, von dem „feinfühligen" Herrn an die Thür gesetzt zu werden? Was die Forderung bedeutet „Behandlung als Partei", das verstehe ich nicht. Tann wird verlangt Berücksichtigung bei allen Wahlen, insbesondere bei jener in den Ctadtrath. Ich bin bei der ersten Wahl,, in den Stadtrath schon dafür eingetreten, daß die Opposition berücksichtigt werde, und trat auch bei den ersten Aperturen dafür ein. Ich bin aber mit diefpr Ansicht nicht dnrchgedrungen. Auch heute bin ich noch gleicher Anschauung, aber die Stadträthe mache sch nicht. Sie sagen immer, der Bürgermeister hat eine riesige Macht, und werfen ihm Absolutismus vor; wenn er sie aber zu Stadtiälhen machen soll, dann ist Ihnen der Pascha angenehm. SaS kann ich aber nicht. Tie Majorität ist eben auch empnndlich durch das Vorgehen der Opposition und rächt sich bei den Wahlen. Wenn die Opposition jede Anschauung duldet, iv(im sie den Racenhaß' fa hren läßt n nd durch entsprechendes G e b a hre n die Gewähr bietet, daß trotz Verve r s ch i e d e n e n politischen Anschauungen ein gemein s a m e s Wirken in der A d in i n i ft r a t i o n möglich i st, dann wird sie auch dieMäjoritüt für ihre Wünsche gewinnen. -Alles das habe ich offen Herrn Tr. Lueger erklärt, als er v o-r einigen Sagen mich mit feinem Besuche beehrte, n n b h.a b e ihm gesagt, daß ich i h m sonst keine E rklärungen geben und keine Bedingungen acceptiren könne. Ich habe aber die Meinung, daß, wenn man ernstlich theiliicfmtctt will an der Verwaltung der Stadt, ohne Verhetzung nach außen, und wenn man objeetiv vorgeht, dann werde eine Einigung in der Verwaltung gefunden werden können bei Anfrechthaltung der polnischen Ueberzeugnngen, bezüglich deren die Majorität wohl nie zu den Ueberzeugnngen der Minorität gelangen wird." AnS dem langen Sermon, in welchem Sr. Lueger den sachlichen Ausführungen deS Bürgermeisters mit lahmen Widerleguugen zu begegnen suchte, stechen die beiden barschen Worte: „Ruhig sein! Auf- Hören!" als das interessanteste Moment hervor. Einem Lueger selbst wird nun der antisemitische Anstand, für den er doch tonangebend wirkte, zuwider, und in demselben Augenblicke, wo er über die strenge Handhabung der Tiseiplin von Seite des Bürgermeisters klagt, sieht er sich selbst genöthigt, seinen Parteifreund Schneider wegen der ewigen Unterbrechungen,;» maßregeln und ihn hart anzulassen: „Ruhig sein; anshören!" Aber was wird sich in Folge dieser Zurechtweisung hinter den Eonlissen zu.-etragen haben? Uns will es bedünken, derselbe Führer, der gegen die Abstinenz war und nur den ertremsten Elementen seines Elnbs nachgebend gehorchte — Gregorig berühmte sich während Her- Rede des Sr. Prir, daß der Exodus sein Werk sei — dieser Führer dürfte von Schneider eine strenge Rüge erfahren haben. Ist denn überhaupt Lueger noch der Führer der antisemitischen Partei, oder sind es nicht vielmehr die Herren Gregorig und Schneider, während dem Ersteren heute schon die Bewegung über den Kopf gewachsen ist? Rach einer schier endlos scheinenden Debatte und nach den verschiedensten Verzettelnngs- und Verzögerungsversuchen der Antisemiten wurde endlich die Vorlage am letzten Dienstage im Sinne der licht vollen Ausführungen deS Referenten Sr. I. K opp mit starker Mehrheit angenommen. Surch diesen Beschluß ist es der liberalen Mehrheit des Wiener Gemeinderathes ermöglicht, die wirthschaftlichen Fragen, unbeirrt durch eine unreelle Opposition der Antisemiten, einer gedeihlichen Lösung entgegenznführen und das große Reformwerk, das sich an dip Be gründung Groß-Wiens knüpft, zum Abschlüsse zu bringen. ■/

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