Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 48 (5.3.1893)
- Date
- 1893-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Ab°n,.tmt.„sprkis: Organ uir 2lbit>d}r des 0>i»,jSI,rig mit Pl>st,usr,,d„ng . . II. ».»«. •’ iulbjätiriä (I. 1.8S. Bier1kljäl>r!g fl. —,G5 ' — ■ dinjelm Nummern 4 fr. » Erscheint all jtdtM 2 2lnti|cmitifmu5. Ncdactio» und '.'IDmiiiiftratiou: IPicn »»tage. I. ^ciferftäUc 10. Nummer 4«. Men, .5. Mär; 1893. II. Jahrgang. Die ll\ihl in Aorneuburg. Die in den Städte» jtorncnbnrg, Slockcrau nnd ^bcrhollaluimii vorgcnoininene Ersatzwahl eines Abgeordneten für den niedert'sicrrcichischen Landtag an Stelle des rerstorbene» Professors Dr. Hubert Fuß schloß mit einem glänzenden Wahlsiege deS fortschrittliche» Eandidaten Freiherr» v. Ezedik, der 5l>8 gegen l>n» Stiminen erhielt, demnach mit einer Majorität von Ü*2 Stimmen gewählt erscheint. Das Ergcbniß der Stimmenabgabe in den einzelnen Wahlorten war folgendes: Freiherr v. Ezedik erhielt in Korncuburg 185, in Slockerau 15U und in ÜberljoHnbrunn 254 Stimmen, während auf den Advocalc» Dr. .stnotz, den Eandidaten der Wiener Radau-Anlijemilen und der Stcinwenderschen Denlschthümler mit racenkämpferischem Beigeschmack, in storneuburg 207, in Stvckeran 158 und i > Obcrhollabrnnn ll Slimmen entfiele». In «orneubnrg ist im1- Bcrgleiche zur vorige» Landtagöwahl eine erfrenliche Stärkung deö fortschrittlichen Elementes wahrzunkhmen, allerdings nicht in jenem Maße, "."!chcs man nach d..n Ankfall. der jüngst vollzogenen Geincindewahle» zu erwarten berechtigt war. Eine peinliche Ueberraschung bietet das Stimmcnverhältniß in Stockerau. Daselbst gelang es der antisemitischen Agitation, nahezu die Hälfte der Wählerschaft zu beirren. Die Führer der fortschrittlichen Partei im Orte scheinen wieder einmal den Fehler begangen zu haben, im Vertrauen auf die gute Sache, für welche sie eiutratc» den Widersachern nicht mit solcher Rührigkeit begegnet zu sein, wie sie trrtz aller Siegeszuversicht am Platze gewesen wäre. Die Ehre d>s Wahlbezirkes hat Ober- Hollabrunn gerettet. Seinen wackeren Bürgern ist cs in erster Reihe zu verdanke», daß dem Wahlbezirke die Schmach cr'part blieb, vom ..FranziSkerl"-Knotz vertreten zu werden Die von andere» Parteien ausgespienen „Wagenthürlaufinacher", ie es zeitweilig für gut finden, schwarzgelbe Maske» anzulegen, aben sich umsonst compromiltirt. Es zeigte sich, daß sie nicht bloß die Feinde der die Gleichberechtigung Aller gewährleistenden Perfassung sowie der Volksbildung sind, sondern auch Loyalität mir heucheln und mit Lenten gemeinsame Sache mache», die vor :em Prahlen mit landesprcisgebcrischen Tendenzen keine Scheu empfanden. Wir glaubten schon, das „Deutsche Volköblatt" werde uir die Niederlage der Antisemiten sich durch ein Gekläffe gegen die „Juden von Oberhollabrnnn" rcvanchircn. Allein cs kam anders. Das Organ des Urgermanen wälschcr Herkunft aus n'älizie» kühlte sein Mnthche» an einem katholische» Peiester, der sch nicht dazu hergab, die unlautere» Zwecke jener Leute zu fördern, » eiche Freiherr v. Ezedik mit einem treffende» AuSdrucke als eine ^pecieS von Nihilisten kenn zeichnete. Diesem Priester wirft das . ergani'sche Blatt vor, er hätte seine Pflichte» als Hirt der ihm vertrauten Heerde so weit vergessen, daß er — die Antisemilcn >, cht unterstützte. So werde» denn die Racenhetzer wieder einmal s ausschließlich privilegirle Ehristen auSgcspielt, deren Pläne» orschub zu leisten ein katholischer Geistlicher verpflichtet sei, was er nicht verhindern wird, daß Bergan! bei nächster Gelegenheit r rinalö einen Artikel znin Lobe Düt,ring's, deS Todfeindes der alästincnsischen Religion", abschreibcn wird. Bemerkenswerth war bei dieser Wahl auch die Abstinenzpolitik >' eorg Schönercr'S und Franz Richler's. Der Schloßherr von -' jenau weiß, daß er in Niederöfterreich, abgesehen von wenige» A-.snahinen, nur noch bei de» von ihm besoldete» Lohnschrcibern t'r.d bei Jünglingen, welche Studien obliege» sollten, auf einen Anhang zählen darf, und meidet daher oic Arena des politischen UampfeS. Auch Herr Franz. Richter, der Vertreter litorncuburgs im Reichsralhc, war schlau »»£ weise. Die Peilung seiner Partei empfahl de» „Franziskerl "Knotz als Faß' würdigen Nach'olger; Richter aber exponirte sich nicht zu Gunsten dieser Eandidattt", »m nicht im Falle des Mißlingens derselben ans daS ihm liebgewordene Reichsrathsmandat verzichten und zum Lehrstuhl in 4tre»is zurückkehren zu piüssen. Die sogenannten Ehristlich - Socialen ignoriren Schönerer gänzlich, ihren Verbündeten aus dem Lager Steinwendcr's schlendern sie aber die - Anklage ins Gesicht, die „Deutsche Nationalparlei" hätte, vor dem Namen Ez>dik muthlos erblassend, die Fahne sinken lassen. Von einem Bekenner des Slcimvender Eultns rührt wieder die Aeußcrung her, die Patronanz von Lueger und Paltai, die weitgehenden Eonccssionen, welche der „Nationale" Knvtz dem verrufene» Nur-Anti.cmitismuS gemacht halte, haben ihn nmgebracht. Uns .scheint, daß Beide mit den gegenseitige» Ausstellungen recht habe», doch ist das ganz irrelevant. Von Wichtigkeit ist die Thatsache„ daß pie Wiederauferstehung des „Poli-- tikers" Knotz nicht lange gedaueei hat; er i,l »an avcrmais uns hoffentlich für immer cingesargt. s v > Die Niederlage im Landtage. Den Antisemiten ist zum crstcninale ein Beweis voll nnd ganz gelungen, der nämlich, daß ihr- »»artiges Bcnchineu eine sachliche Debatte und ruhige Arbeit in den öffentlichen Vcrkrctungstörpern nicht aufkommc» läßt und daß die von der liberalen Partei geforderte ^Abänderung deö Gcmcindcstatnts eine schreiende Nothwcndigseit iei. Dcw nicdcrösterrcichischc Landtag hat stch denn auch dieser Einsicht nicht verschlossen und mit starker Majorität die vorgcschtagenc Abänderung, der 8S 52, 5li und 5!> des t^eincindestatulS angenommc» Wie vcr tautet, soll der Beschluß unmittelbar der Allerhöchsten Sanetio» inner breitet und so zum Gesetze erhobenwerde», um den Genieinderalh der Stadt Wien so rasch . als möglich in die Lage zu versetze», das durch die (Gründung Groß Wiens iuaugirrirtc und durch die Seandal opposition der Antisemiten bisher leider verzögerte' wirihichaftliän Reformwerk cndgiltig dnrchzuführe». Die Anlisemitc»,' welche die-en passendsten Anlaß, dem kleinen Manne anfzuhelsc», nur zur oniconi rnng turbulenter Austritte bcnüpte», welche der wirihschasitichen Arbeit im Geineindcralhe geflnseutlich aus dem Wege gingen uiid nun an derselben nicht Theit haben sollen — sie mögen sehe», wie sie sich vor ihren vertrauensseligen Wühlerir rcchtierligen können. Daß die Ausrede, die lammfrommen Antisemiten wären von der l^enieinderaibs Majorität so schlecht und so »»anständig behandelt worden, selbst bei den Wiener Grundbürgern, deren Name doch Leichtgläubigkeit ist, nicht mehr verfangen werde, dafür scheinen nnS die letzten Vorgänge im Landtage eine ausreichende Bürgschaft zu sein. Sehen wir doch, wie diese schüchternen Lämmer, denen der 'wie Wolf im Gemciudcräthc beständig das Wässer lein trübt, nch in der Landstube gcbcrdcn. staun man dabei ernst bleiben, wenn ein ("rc-‘ gor i g sich über schlechte Behandtnng beklagt und seine „Feinfühligkeit rühmt, in demselben Alhcm, mit welchem er Alles, was ibm in die O.ucrc kommt, in Gassenjungenart beschimpft? Den Bericht des LandeSausschuflcS nennt er einen Stiefel, die tRselzesvortagc einen ' stnoelfen für die liberale Partei znm Abpagc», der Biirgcrmeister von Wien ist für ihn nur ein Bezirkshanptmänn minderer -Kategorie, das