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Freies Blatt · 1893-02-26 · 47 (26.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
47 (26.2.1893)
Date
1893-02-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ttr. 47. Freies Gustav Geßmann übersandte dem Untei zeichnete», tlilo. 15. Februar d. die »Ute» folgende Erklärung mit der Bille, davon in der Lesteuilichkeil ausgiebigste» Gebrauch zu mache». Meiner el,re»amtlichk» Pflicht gemäst pflog ich zur .Klarstellung des Falles die erforderliche» Erhebungen i», Eollegenkreise und erfuhr, dag Herr» Gustav Geßmann weder in seinem Familien, noch im öfieiitlichen Lebe» auch nur der allergeringste, der Ehre de« SchriflsteilerstandeS abträgliche Handel zum Vorwurf gemacht werde» köinic; im Gegeulhcilc seifein Benehme» durchweg« sriedfepig und hochanständig z» lieuucn. An« der Leclüre seiner Schriften über inittelalterlichen Zanbcrglanbe» gewann ich weiterhin die Ueberzengung, daß ihm, sei c« wie immer geartete politische oder sociale perverse Bestrebungen vollständig ferne liege». So sehr e« einerseits Hem Teutsthen Schriflstellerverbaudc zur höchste» Ehre gereicht, daß bi« mm jene de» gesellschaftlichen Friede» und.die Eintracht störende Bewegung, diesich unter der Flagge „Antisemitismus" bcnicrlbar machl, sich i» de» engeren AreiS de» Berbandes nicht einzuschmnggel» vermocht hal, so zeigt eS andererseits von einer übertriebene» Aengstlichkcit, ja Ungerechligleit, wenn unser College Heir Gustav Geßmann wegen der für ihn fatalen «Gleichheit deS Zunamen« mit jenem des obengedachleu NeichSrathjabgeordnetc» in unserer Milte ein Ber sehmter und Geächteter sei» sollte. E« ergeht somit a» die Herren College» die dringende Bitte von der nachfolgende» Erklärung unseres College» Herr» Gustav Geßmann -leniituiß zu nehmen. Ter Schiedsrichter de« Tculichen SchrislstellerveibandeS, BezirkSvereiu B.rje» Tr Friedrich S. -traust. - II. Gustav Geßman», Wie», VI:. Gumpendorserstraße Ar. 1. 15. Februar lü!>:> ErIlärung Ta eS mir in leßterer Zeit wiederholt geschah, daß man mich mit dein antiseuiilischeu ReichSralhSabgcordiietcn Herrn Tr. Albert Geßmann ver ivechselte oder doch für einen Gesinnungsgenossen clerical antisemitischer Tendenz hielt, so erlaube ich mir, hiemit zn erllären, daß dies nie der Fall war, ich im Gegentheile — schon im Hinbicke ans meine occnltistischen Slndien — streng sorlschrittlich gesinnt bin. Ter genannle Herr Tr. Albert Geßmanu ist zwar ein Stiesonkel zu mir,_ doch beschränkt sich selbst unser verwandlschast licher Verkehr nur aus zwei, bi« drei Besuche im Fahre,. eS ist somit gänzlich ungerechifertigl, irgend welche Coincidenzen politischer Aalur zwischen uns suchen zu wollen. Fch bin nicht nur lein Antisemit, sondern verkehre sogar mit viele» Fndeu in echt sreuudjchasllicher Weise und glaube in dieser Hinsicht nur Herr» Tr. Paul Mittler jl. Bezirk, Schzllerplay) anfnhren zn sollen, welcher nieiue Gesinnung genau kennt. Ich schließe mit der ■ ergebenen Bitte, diese Erklärung geneigtest zur -tenntniß nehmen zu ivolle», und zeichne mit dem Ausdrucke der vorzngsjchste» Hochachtung ergebenster / (Su sta v 'W ill>. G eß «na » n m. >- ^Necixiniker Sct^neider. Tic Rümmer 7 des von Pseimcr hcrausgegcbcncn „Scstcrreichischen BolkSfrcund" cnlhält an ihrer.Spitze eine licmt Spalte» lange Selbst biographic de« RcichSralhsabgeordncteu Schneider, welche mit dem Brust bilde deS großen Bolksiribuncn geziert ist, und selbstverständlich die Rede» und Thalt» diese« Mannes in den Hiinincl erhebt. So verlockend cs wäre, in eine dctaillirtc Besprechung der Einzelnen Phasen dieser Bipgraphie cinzilgehen, so müssen wir uns dies mit Rücksicht auf die Raiimverhältnisic unseres Blattes leider versagen und uns darauf beschränken, einige besonders interessante Ansicht nngcn, bc zichungSwcisc Auslassungen hcrvorzuhcbcn. ' Bor Allein sei ohncweitcrs zugcstandcn, daß Ernst Schneider in .chcr That, wie eS in dein Artikel anSgcführt wird, als der eigentliche Führer und Leiter der antisemitischen Bewegung und insbesondere als derjenige Antiscniitcnfnhrcr betrachtet werden muß, welcher eS verstand, die mächtige gewerbliche Rcforiiibcwcgung in das antiseinitischc Fahrwasser zu leiten. Mit Recht heißt eS in dem erwähnten Artikel: „Schneider brachte cs schließlich dahin, daß in den bedeutendsten Genossenschaften die mehr oder weniger liberalen Borstchungcn successivc auö ihren Stellungen hinausgcworfcn und durch antisemitische erseht wurden. Ans diese Weise organisirte sich gleichzeitig der Gcwcrbcstand in anti semitischem Sinne, wodurch die Wählerschaft für die in den folgenden Jahren stattfindendcn Wahlen vorbereitet wurde." Wenn bei den Wahlen die freisinnigen Elemente oft ganz unerwartete Mißerfolge erlitten, so waren sehr häufig von langer Hand vorbereitete, scheinbar rein gewerbliche, in Wirklichkeit aber hochpolitische Blatt. . _ Seite :>. Actione» Ernst Schneider'«/die Ursache. Er >var es, der den Freiherr«! v. Bogclsyng und die hochgeborene» Patrone des „Bcin-rland" für die antisemitische Bewegung intcresnrle und auch den Prinzen Liechtenstein für dieselbe gewann. - Unablässig-strebte auch ,Ernst Schneider dipnacl«, eine i»lcnianc>»glc Bcrbindnng unter den Antiscinilen verschiedener Länder herbeizuführen. ' So erwähnt der Artikel deS ,',Bolksfreund", daß er schon tut Führe 1H7M seine Anwesenheit in Paris benützte, um „dort Berbindiingeiv anziikuiipfen und ein anIiscmitischcS Ssiiidical zu gründen", daß er i»> Jahre Idtkll „in Italien Bcrbindungen iniHpittiscuiitischen Sinne an znknüpscn suchte". Bekannt ist eS ja auch, daß Schneider zu dem gleichen Zwecke -wiederholt in Berlin und München weilte, während die deutschen Aiitisemitcnführer — wir nennen Bocket, Stöcker und Ahlwardt — dcs öfteren in Wien Bcrsainnsiungcn abhielten. Besonders geschickt gleitet die erwähnte Biographie -über die bc tanntcn scincrzcitigcn Bezichnngen Ernst Schneider'« zn Peuleri und den anderen Anarchisten hinweg. Sic spricht nämlich von einem, „Eom promiß", welches zwischen Schneider und einigen Arbcitcrsübrern zu stände kam. Ein Eoinpromiß zwischen Schneider und Penkcrt! Aus der einen Seite der Bcrtreter dcö .ertrcmstcn Anarchismus, welcher der Miischuldodcr wenigstens Mitwisienschaft an schrcckencrrcgendcn Mordthateei verdächtig erscheint, auf der anderen Seite der Repräsentant de«, blut rünstigcn Antisemitismus, welcher «mcdcrholsi in der unverblümtesten Weise zu lilewaltchaten gegen die verhaßten Inden ausznrcizcii suchte! — da kann die , Einigung nicht besonders schivcr-gewesen sein! , Wie wie schon eingangs erwähnt haben, mangelt uns leider der Rauni, 'gerade an der Hand deö in Rede stehenden/biographischen Artikels Punkt für Punkt nachznwciscn, welchen schweren Schaden in Wirklichkeit die Agitationen und Verhetzungen.Ernst Schncidcr'S dem österreichischen Gcwcrbcstande zufngten. Rur auf eine besonder« aus fallende Unterlassung, deren sich der Autor deS bcttcm-iibcn Artikels schuldig machte, sei hier noch hingeivicsen. „Was er weise verschweigt, zeigt den Meister de« Styls." In einer Biographie Ernst Schneider'« darf doch die pnblicistisch und parlamentarisch so vielfach erörterte Proeeßassairc des 'Wiener Hof und Gcrichlsadvocaten Tr. Sscar Hein gegen den ScchShaufer BvlkStrchnnen und das Wiener „Bater land" nicht .fehlen, deren Borgefchichtc und Bcrlauf in einen«' rut Fahre ^erschienenen Buchecntl>allcn ist, dessen eingehendes Stndium allen denjenigen, die sich für die antisemitische Bcwcgniig in- Sester reich intcressiren, auf da« Wärmste empfohlen werden kann. Bekanntlich versandte Tr. Hein anläßlich des von Schneider ver anstaltetcn IV. allgemeinen GcwcrbetagcS unter kein Titel: „Ein offenes Wort an die Gcwci'bctreibdiidc» SestcrreichS" an fümintliche österreichische Genossenschaften und gewerbliche Eorporationcn ein Flug Matt, in welchem er unter seinem vollen Rainen und unter Anfülwung genauer Belege, facsiniilirtcr Briese und Protokolle den Abgeordneten Ernst Schneider verschiedener ehrenrühriger Handlungen öücnrlicl, überwies. Troß der großen Pnblicität, welche dieses, Flugblatt erlangt hatte, kroß der wiederholten Aufforderungen, welche dem Abgeordneten Schneider au« geivcrblichcn Xdrcifcn zukamen, untcr.licß c« der so schivcr in seiner Ehre Angegriffene woblweislich, den Berfaffer des, Flugblattes zur Beraiitwortung zn ziehen: dagegen veröffentlichte das „Baterland" einen oiscnbe.r von Schneider selbst bcriichrcndcn Artikel, in .welchem das Flugblatt als ein Sammelsurium von Erdichmngcn bczeichncl wurde. Tr. Hein strengte sofort gegen da« „Baterland""einen Proceß an, welcher für die Partei Ernst Schneider'« einen überaus tläglicklcu Berlanf nahm uitb bei der Hanptvcrhandlnng am.^'F. Jänner mit der Bernrlhcilung de« geklagten Blattes zu einer l^eldstrafc von .'«0 fl., ciiicni Eautionsverlnstc von lOtl ff, zum Ersäße der Xi osten im Betrage von 3<lO fl. und zur Bcröffentlichnng des Urilicils im „Baterland" und „Tcntscheii Bvlköblätt" endete. Tamit war für alle Welt klar dargethan, daß Ernst Schneider die ehrenrührigen Bc schuldignngcn, welche Tr. Hein unter -seinem volle» Rainen und im Bewußtsein seiner, strafrechtlichen Bcraiitwortlichkcit gegen Ernst / Schneider erhoben hatte, nicht zu cntkiäftcit vermochte. Daß der für den Abgeordneten von Sechsbau« so schmäl,lichc Ausgang dieser Proeeßassairc daS Ansehen Schneider'« bei seinen anti semitischen Genossen nicht-wesentlich zu erschüttern vermochte, soll liiernicht in Abrede gestellt werden. . Ter „Scstdircichischc Bolksfrenüd" freilich hat allen Grund, diesen höchst, intercsiaulcn Thci.l der R-ebcn schicksalc Einst Schncidcr'S mit Stillschweigen zu übergehen. Wir aber behalten nns vor, ans die vorerwähnten Borsälle^nock, näher cinzngeben. *l „AuS der Werkstatt der Reaclion, die Proceßanaire «segr» Mechaniker Schneider in acteninäßiger Darstellung." Verlag von Leopold Weiß, I., Tuch laube» 7. Preis 30 kr.

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