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Freies Blatt · 1893-02-26 · 47 (26.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
47 (26.2.1893)
Date
1893-02-26
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 5>. Freies öie dein ('Hiiicinöeratljc dic Möglichkeit einer ersprießlichen Thätigffit amt) al)ne die „Retter des kleinen ManneS" geben wollen, Dic Antiseinitcn werde» entweder durch weitere Abstinenz den Unwillen ihrer durch V>rsprcchnngcn verwöhnten Wähler auf sich laden oder ohne Garantien in den Gemcinderalh zurückkehre». Zuin erstcnniale hat sich der antisemitische Terrorismus ohn mächtig erwiesen,;m ersteumale hat sich, die antisemitische Taktik iunaller Welt ml absurdum geführt, ist ihre Politik bankerott geworden. Und wenn etwas noch dazu beitragen kann, diesen Eindruck zu vermchreu, so muß dieS der Ton, in welchem sie gegenwärtig dic Debatte im Landtage führen, selbst sein. Wir begrüße» es geradezu alö einen glücklicben Zufall, daß diese Verhandlungen mit den Vorbereitungen zur Wahl in Kvrneuburg zusanimeutrcffcu. Hier auf der Landslube in der Herrengasse sitze» dic Herren, die Kuvtz Eaudi'dalur befürworte», bei der Arbeit, hier wirst der Eine . mit gasscnbikbischcn Schimpfereien um sich, droht der Andere mit einem Blutbade, der Drille mit einer Verhetzung deS bäuerlichen Volkes. Allen Respeel vor den Verhctzungstaleuten Lneger's, aber er bat in jenem Momente offenbar vergessen, daß die ländliche Bevölkerung von Korncuburg. Stockerau und Tberhollabrunn just zur selben Zeit seinem Protege Änotz in unzweideutiger Weise zu verstehen gab, daß sie keine» Antisemiten in den Landtag senden wolle. Es beginnt sich in den Köpfen zu lichte», und das Benehmen der Antisemiten im Landtage wird auch die letzten Zögernden rasch zur Entscheidung treiben. Es cklänge wie ein Zweifel au der Ehrenhaftigkeit und Intelligenz der Korneubnrgcr Wähler, wen» wir angesichts der erwähnten Vorgänge noch über das Resultat ihrer Wahl im Unklaren sein wollten. Sie werden und können unmöglich einen Knop in dein Augenblicke wählen, wo seine Bundesgenossen ii» Landtage mit Aufruhr, mit Gewalt drohen, und wo sich tuganze antisemitische Politik als unreell und fallit erwiesen hal. Die 3u£vn in,Rumänien. T er Verlincr Eouqrcß bar jenen Staaten iiu Trient, welche sich reu der Tberhohett der Psorie lossagten, die Pflicht auserlegt, die Veivolmer.des Landes ob»c Unterschied des Glaubens als gleichberechtigte Bürger zu behandeln, lliitct dieser ausdrücklichen Bedingung gcwäluie der Eongreß den cheiualigen Vasallen der Türkei dic An ertenuung ihrer Soureräncrät. Es geschah, dies zu Lebzeiten Ezar Älerander's II.. und i'o gaben denn auch die Vertreter Rußlands auf kein Eongreüe ihre Zustimmung zu der von den Eulturländern im Rainen der t^erechtigkeir und Humanität erhobenen Forderung. Allein . Rumänien scheint von vornherein das Versprechen, dic vom Eongrcsie ausgestellte Bedingung zu erfüllen, nur mit einer reservatiu mentalis geleistet zu haben, und die spätere Entwicklung der europäischen Ver l>ali!n>>e ermöglichte es ihm, ohne jede Gefahr aus feinem Wortbruche gar kein Hehl zu machen Ter Raluratisaiion der Juden in Rumänien werden alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt: sie werden als si-remke" bezeichnet, aber zu allen sinanziellcn Lasten sowie zur Eutlichinng der Blntsieucr herangczogc». An die Emancipation der Iuhen wird nicht im cniscrnrcsten gedacht: Sicucrzahlcn, Soldakendieustc leisten — das mußder Jude, aber Bürgerrechte soll etabgesehen von ivenigen Ausnahme», nicht beffveu Es gereicht keineswegs"zum 7>enbine des besreilen Rnuiänien, wenn man an die 'Worte des deutschen Tickuers ennncrl: ltiif ans den neggekiönlen Schwertern ■ Für andre Tnldcr Selavenketten sg,mieden, T as wahrlichlhul kein edeldeukend Volk. Ter dntenb-.s; in Rumänien, der vor einem Iahrzehcnt das Tageslicht -scheute und sein Unwesen meist nur im Verborgenen trieb, Kt?t im ossenllichen Leben des jungen Königreiches wahre Trgicu. T:e Iubenvcrsolgnugcn un heiligen Rußland nud die in der Mitte n s euliurcll >o hochsrehendcn Volkes wie das deutsche grassirende Anti'emirerei svoruen die Indenircsser an der Tumbovitza an, ihre» -.ervi ii Vornrtheilen freien Laus zu lassen und dies vor' aller Welt >o zu relluserngen, wie es an der Wolga und der Spree geschieht. Ja Ruiuämen, betbeucru sie,- kenne mau keine religiöse Unduldsamkeit, und wenn man die Juden kurz halte, >'o seien das eben nur rein ..lononil'chc und administrative Maßregeln, welche zum Wohlc der christlichen Bevölkerung, noihwendig. erscheinen. An diese russischen Mustern uachgcbildcte Argumentation voller Heuchelei und Verlogenheit reihen üch auch einige . den Berliner Radau-Antisemiten abgcgucktc Kuustgvisse. Bia» begegnet in der rumänischen Presse und Volksvertretung oh der bekannte» Frage: „Warum sagen sich dic Juden Blatt. Nr. 47. von ihren schlechten Elementen nicht los?" Daß Rußlands ökonomische und administrative Maßregel» nur imstande sind, hundcrttauscndc von Menschen elend zu machen, der christlichen Bevölkerung aber nicht den geringsten Rutzen zu bringen vermögen, zeigte sich im Vorjahre, als der Hungertyphus die bäuerliche Bevölkerung ganzer Gonvctncmcntö dccimirtc, und dic ohnmächtigen Tschinowniks zu ihrem Leidwesen in den „jndcnrcincn" Gegenden doch nicht den Juden dic Schuld zu schreiben koiüitcn. Auch bedarf cs nicht erst einer Beweisführung, daß dem an die Juden gestellten Ansinnen, sich von schlechten Elementen loszusagcn, eine bodenlose Pcrfidic zugrunde liegt. In welcher Weise soll denn dies geschehen? Wie machen cs andere Eonfcssionen: schreiten dieselben, sobald einer ihrer Glaubensgenossen einer Misscthat überwiesen wird, zu einem feierlichen Lossagungsactc? Wäre dies der Fall, so müßte namentlich in Rumänien dic anständige Bevölkerung viel Zeit vergeuden. In den letzten Tagen war daS Bestreben der rumänischen Inden Hasser darauf gerichtet, den Juden dt» Zutritt zu den öffentlichen Lehranstalten zu verschließen. Eine vom Handels und Domäne» minister Earp. der Dcpntirtcnkammcr unterbreitete Vorlage, betreffend das Gcwcrbeschulwcsen, Letzte fest: „ Der Gcwcrbcuntcrrichtist öffentlich und frei". Eine Anzahl von .Dcputirtcn wollte jedoch'- dic Vorlage dahin amcndiren, daß für die Zulassung zu den Gewerbeschulen dic „Qualität eines Rumänen" erforderlich sei. Eeanr Aslan und Ge nosicn sagte» cs rund heraus, daß daS Amendement gegen dic Juden gerichtet sei. Da raffte sich Minister.Earp zu einer Rede gegen diese engherzige Absicht auf und sagte: „Dic große Anzahl der Israeliten, welche als Fremde betrachtet werden, bildet .bis zu einem gewissen Grade eine Gefahr: ich bin aber der Ansicht, daß' das Heilmittel nicht in deren Verfolgung, sondern in der Eonsolidirung des rumäni- ' scheu Elementes besteht, welches das fortwährende Ziel der Regierung ist. Die Wiederherstellung der Valuta, dic landwitthschaftlichen Ercdit anstalten, dic Veräußerung der Staatsgüter n. s. w. streben nur einem Ziele zu: der Eonsolidirnng des rumänische» Elementes. Was soll aber mit dem Juden geschehen? Er entrichtet seine Geld- und Blntsieucr, ohne jedoch in der Armee avancireu zu können. Man hat ihm seine Rechte und Alles, was übcrchaupt möglich war, genommen. Trotz alledem schreit man, daß die Jude» uns absorbiren. DaS Heil mittel besteht nicht in reftrictiven Maßregeln, sondern i» dem System, dic Rumänen an Arbeit zu gewöhne» Man kann dic Inden weder tödten noch verjagen; daher ist cS'angezcigt, sic in unsere Schulen anfzunchmcn. Sic haben die Juden verfolgt, Sic haben sic in die Donau geworfen. Was wollen Sie noch? Dieses System hat sich aber nicht bewährt." Der Minister schloß mit der Erklärung, daß er das Amendement ablchnc, bei Annahme desselben aber dic Vorlage und mit ihr wahrscheinlich auch etwas Anderes fallen werde. Den tapferen Worten entsprach leider nicht der weitere Verlauf der Angelegenheit, die mit einem faulen Compromiß ihren Abschluß fand. Die Kammer genehmigte einen Antrag, welcher den „Fremden" gestattet, als Zahl zöglinge die staatlichen Gewerbeschule» zu besuchen, und der Minister gab sich damit zufrieden. Wohlhabende Juden werden also in Ru imtnicn ihre Söhne zu tüchtigen Handwerkern hcranbildcn könne», dürften aber von__ dieser staatlichen Begünstigung kaum Gebrauch machen. Dem unbemittelten Juden bleibt, ivenn er keinen Gönner sindck, der dic Intentionen der Gesetzgebung vereitelt, die-Möglichkeit benommen, seine Kinder an dem gewerblichen Unterricht in den Staats schulen thcilnchmcn zu lassen. Dic Sympathien der Lueger und Schneider für die gcsiiiiiungsvcrwandte» Rumänen sind nur zu sehr begreiflich. irr. Schriftsteller ehre und Antisemitismus. Die Mitglieder des „D c n t s che n Sch r ist st c lle rv c rb a » d c S", Bczirksvcrein Wien, erhalten folgende Zuschriften: I. Vom Schiedsgerichte als-dem Ehrengerichte ^des Teutschen Schrissteller verbandes, Bezirksverein Wien. Andic geehrten Herren College»! Am Ich Februar d. I. erschien College Herr Gustav Geßmann bei mir mit der Beschwerde, daß seit einiger Zeit die College» vom Schriststeller verbande ihm gegenüber eine ihn kräiikende n»d demüthigendc HaNnng beobachten, indem sie ihn für einen Anliieiniten hallen und vielleicht auch mit seinem Stiefonkel. dem Antisemiten Reichsraihsabgeordneien Herrn Tr. Albert Geßmann verwechseln. Er stelle somit an das Schiedsgericht als das Ehrengericht des Teukschen SchriststellerverbandeS, Bezirksverein Wien, das Ersuchen, das ihn so sehr betrübende und schädigende Mißverständnis auizuklären. Herr

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