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Freies Blatt · 1893-02-19 · 46 (19.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
46 (19.2.1893)
Date
1893-02-19
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46. Freies Blatt. Seite f> über die jüdische» R e l i g i o n S b ü ch e r. (iultiteMiiiiiiftei; Tr. Bosse erwiderte, die jüdischen minder bekäme»;n Hause mein ans reichenden Religionsunterricht. BctrcssS der jüdischen Religioiislehrbncher, n denen, Journalüußcrungcn zufolge, anstößige Tinge . Vorkommen sollen, habe er eine eingehende Prüfung angeordnet und dainii inen compctcntcn, dcS -Hebräische» kundige» Schnlintpeetor betraut nisbci machte Tr. Bosse die sonderbare Aenßernng, er -glaubenicht, aß dabei viel herauSkoinmcn werde, da die Herausgeber solcher Bücher iich wohl gesagt haben würden, daß man auf sie ein Auge haben werde. — Rickcrt kennzcichnete die Taktik der „Sireiizzeitiing" gegen über den Inden. Zuerst habe diese die Prüfung der jüdische» Re igionsbüchc^ durch den Staat verlangt: als ihr dann ein >trcisschnl mspector schrieb, daß in de» jüdischen Schulbüchern sich nichts zu Be -nständcndcs finde, knüpfte sie daran die nrage. ob cs nicht daneben nie ungeschriebene jüdische Ethik gebe. Ter Redner nnd dessen «vreundc alten übrigens privatim jüdische Schulbücher gesamnielt nnd Pädagogen übergebe», die erklärten, cS stehe dasselbe darin svie in der lsristlichcn Ethik. Seinen Eommissär im Reichstage habe Enltns uinister Tr. Bosse dahin instruirt, die antisemitischen Anklagen gegen n Talinnd als schlechten Witz z» erklären. Ter Redner verlangte ,'» Tr. Bosse Anskunst über die betresscsidc llntcrsuchnng. — Enlkns linistcr Tr. Bosse sagte diese z», sobald sic beendet sei» lverde. — J t ö rf Q v variirte betreffs der .nidcn die Augrine Wackerbanh's. .ackert verlas unter großer Ansmcrksamkeit des HanscS eine als ihn sichtete, von 210 R abbincr» auS allen T heilen T ent ich andS, darnntcr den angesehensten süelchrte» und >ia»zelrednern, ulersertigtc -lt u >s d g c b n n g, belrenend die j ü d i s ch c S i I s c is 1 e li r e. : ieiclbc besagt: Zin Bertranen ans den Beislchid Gottes erlläreu wie. die Unterzeichnete» -ibblner jüdsscher Geineiiiden TeiilichlandS, zur 2 leiser der Wahrheit gegen er falschen Borstellinige», die über d!.S Schrifithni» sind di; SilieiNehre des »denShuissS vcrbheitet sverden, was folgt i Tic heilige Schrift, weläst cilenieincziii er gass;en gesittete» Welt gesvosden iss, büdel die. Gnu,blähe für die Lehee des önbenlhliins. Außer der heiligen Schrill, svelche die „schriftliche Lehre" beiß:. ül't das Jtidknihttiit noch eine ReligionSchielle, den Talinnd, der, weil er m .. üiiglich nicht niedergeschrikbe» wurde, die „snündliche Vrhvc" genannt wird •ne andere religionsgefetzliche ninndlichc Lehre gibt cS für das Ziibenthuili bt. Ter Talinnd baut seinen Lehrinhalt aas cSnind keS biblischen Wortes ■' nnd gibt Allem Raum, was den menschlichen ('>em und das inen'chliche "emiith beschäftigt. Reben dem ReNgionSgesebe ,»>d der Ethik, welche seine cdeii Hanplgcbiele sind, haben in ihm fragen der jseltweisheit,' der 'Raine l.:nde, der Medici», der Geschichte, sowie Erzählnngen, Gleichnisse, Seatnczen!-d AehnlicheS Anfnahine gesunde». Seiner Hon» nach ist der Talinnd mit de. •cnszeichiiung der Verhandlungen einer gesetzgebenden .stöcperschatt, in welcher »e Borlage mit ihren Motiven zue Tiecitssion siebt, insofern. vergleicheil, fr die von inehr als;weiian>e»d namhaft gemachte,, Gesebeslehrerii während :er Zahrhanderle in de» vehrhäufern gepslogenen Berhandlnngen anizeichu-l. •verschiedene», oft widerstreiiendett Meinungen neben einander stellt, >ede '..Miictit, die zum Wort kam, jede Anssassnng, die geäußert wurde, ln der ganze» •endigkeit der TiSenssion wiedergibt, und;>i>ar ohne dabei iminet zn einet 'gütigen Entscheidung zu gelangen Ter Talmud enthält somit überaus zahl che Anssprüche,t welche als die Meinungen Einzelner jiicninl-3 eine bindende aft e>langt habe» Seiner ganzen Anlage nach ist daher der Talinnd als die teUcnschrift für die Ausfassnng deS biblischen Wortes und für die »lennlniß, Geschichte nnd die Begründung des überlieferten stseligions.zrsel.es zu be schien. AlS eine solche i?.»elle»schrist ist der Talmtind zu allen Zeiten von jüdische» Forschern behändest worden. Tie Littenlehre deS Talmitd beruht der Bibel und erblickt in folgenden Aussprüchen der heilige» Schein: „Zm .»bilde GotteS hat Er den Mensichen geschänen" (Genesis l. 27,, „Liebe iiien Nächsten wie dich selbst" (LeviiienS IÜ, '1H|, „Llebet de» eindltng" — „Liebe ihn wie. diät selbst" Tenteron. ln, lR— Lern ,S 10, .->4) das Gebot der allgemeinsten, ans alle Menschen, Znben und htjnde», sich erstrecteiiden Nächstenliebe, öl» Geiste deS ProphentenworteS, dem i» Babplon weilenden Znael zugcrnfe» wurde, „fördert das Wohl Stadt, in die ich Euch geführt habe, »nd betet' für sie zti Gott, denn in ,» Wohle wird Euch wohl fein" leerem. 2!', 7l ivird in, Talinnd der' .ndsaz/ausgestellt und voll alle» Geseveslehrern einmüthig zmn >'si'>eb er n: „Das Staatsgesetz hat im staatsbürgerliche» Leben t'fi? 'liebe Kraft“ (Talmud babli, Baba bathra 7» 14»,;V» » n. a. C 1 ES in geinäß religionsgefetzliche Pflicht, mit der Treue gegen die ligion Gehorsam gegen die Geseve deS Staates zu verbinden. später auS dem Talmud und der nachtalinndifcheii Literatur enlfiandene» Züge, wie Jad Hachafaka des R. Moses ben Maimon, Schnlchan Arnch des iofeph Karo und andere Zlifaminenslelltingen, haben niemals für sich allein,, ein stets nur dann als maßgebend für die Entfcheidinig gegolle», wenn sie durch Zurückgehen ans die Tunellen ihre Bestätigung erhalten. Tic Bezeichnung um" bedeutet „Anbeter der Sterne lind Sternbilder" »nd ist selbstverständlich ni.bt auf die Bekenner der monvlheisti'che» Religionen anznwende». Bee inze -- gegen „Ali»»" gerichtete Anc-sprüche im raluind, Lämlchan Arnh und -Nid?,er— Schiiiliin sind als der AüStlnß einer durch die Zeitverliältnine l-eevorgeibi'.-nen Tiiinmlmg und als Acte der Nvtbwehr' zu belraätte»,- sietbaren nur iZ,-gen diejenigen Heiben gerichtet, die Ehre, Leben und Eigeiubiim des Nächste» in.ln tälionten. Terartige AiiSsprnche haben, wie schon' >eit .lahthnnderte» die cre-ebeSlehrer anSdrnälich erklären, kür dlis Fndenihtim leine >'l.-llnng All gem-in nnerlannt nnd atiä> in. Zeiten der Berfolgung 'esigebalten in de Anspruch des Talnnid: „Tie frommen aller Böller find der ewigen Seligleir lhei>h-»'lig" (Tv'efta Tanhedrins >.'!, 2>. Tie Sillenlehre des'.Zudeli lhiiiiiS erkenin ke-inen Ausspruch und leine Anschannng an, dcdem Aichljnden gegenüber etwas erlaubt, was de» .1 nbf's, geg»--» iibrr verbote,r ift. Tis'SittiUilehre de? Zudenihnms, die ''einen 'Belennein heilig ist, die in den Schcilen gelehrt t>»d von den .'lanzfln verliineei wi>d ge dielet: Zn >edem Menlchen das Ebenbild <»oites zu achten. in Hand l mir Wandel nr-iigste Walirbasiiglect gegen Zedekunaiiii;» beihaligen, ,-des >''>elübde >.»d Bei'prechen, welches irgend einein Mensihen. ici eS Znde oder '.si'ichijude, geleistet wurde, als tinacifloslich nnd »iwerbrnchlich Iren zu erfüllen: Rachsteit liebe gegen Zekcrniann ohne kli-tersichied der Abnammnng und des cStanben-' zu üben, die Griebe deS BaierlandL» in lernet HuigA'uvg zu be'olgen, da- Wohl des Baterlande-' mit ollen .sirä'ten zn iordern und an der geistigen nnd sittlichen Bervblllonimnnng der Menschheit müzuarbeitenl stc iä crt eonstatirte auch die Zuiltchnng, die tlirzlich Herrn Slocker bezüglich des Eitals alis Laeitns nachgeiviesen ivlorden war. iiämlich daß die von Stöcker erns die Znden bezogenen 2r-orte: ..'Miii.ni rr,-ii>-ri> Intliiuiii sich ans Ebristen beziehen. Freiherr v. Waäerbarth änßctte die Besriedigling darüber, daß die Rabbi, er üb^r den Talnticd Anfllärttiig' geben, doch seien sie, ,meinte er, „anscheinend nicht darüber einig" Bei-/vortsebnng der L eballe über I I d M. zeigte es. sich, daß das Eenttlini es mit dem Anliieniilisutiis zn liebäugeln! Porsch'iittd Freiheit v Herreniann cntblödeten sich nicht, der Regier»,ig die „Begünsligniig der Zltden " vorzniverfen. Eaplan Tasbach bekä stciekeri's, -ctß Prosrssor Eckert in Münster Briman» siir ein gerichtliches l^ntachten bedielst habe, nm die Pro tensnr zn ellängeli. Ecki/rt habe Brimatln, de» er als vorzüchiche» ge.lmlldkenne'r erprobt habe, bloß t'ür dem Tamil lkstätigt Tasbach eigentlich 'Iciäer.t's 'Aö Zeilen Wnidlhorn's wäre jedoch ein -Niotcttircu d<s Eentrliins mit den Aniiseniilen tanm mögkich gewesen den Enltnsetal am auch sür gut sindet,' »pste a'i»e Bemerkung sich des be'riichüglen lldenspiegcl" benützt nßernngen. Ztc Leb E'llic stitvt Bil'chnw's.' Ter ..Wahlverein schriiisparlei" im zweiten B e r l i n e r Reichstag derdenlsche» ,rolt ahllreisc hielt n-enlich die grone -ichwierlg r Aniisemilistnns sei seine l^eneralr'ersainntlttng ab: in -derselben sprach der Brrlreler des Wahlkreises im Reichstage, Professor B i Lchow, ifber die gegenwärtige» Berhälinisse i'n Tentschland llnd äußerte sich dabei auch über die anli semitische Beivegnng, >velä>e er als die betrübendste Ericheinnng der Zeit beirachlete. Sie werde 'zwar nach seiner Atiueht nicht-allzu'lange mehr danern, man müsse sich aber sragen, >vie ec möglich gewesen-sec, daß gebildete Menschen sich sür den Al>fiisel»jlismu-> ailsspeechen konnten, wie. der tu e n i ch l i d) e ('* e i st . ineine r so! eh e n W e i s e e n t enteil konnte, nicht bei den Antisemiten voll /reich, ieindern bei deren Helsershelsern. Tarans gebe aber hervor,-wie viel die Phrase über tliisere Mitbürger vermag, . »nd darin liege einch teil gegeliüber der .antisemitischen Bewegnng. T so verstoäl Nnd verhornt,' deiß'die Stelle gar niecht z» ünd^n sei, wo man ihm ans Lebe» lominen könne: man ivine nichl, ivas die Leine eigenllich ivollen. Ter eine 'Anliieniit -ici immer ganz anders als der andere, ein PLogrgmin, ei» sorninliner l^ed'anle sei nicht ini Anti seniitisiiius. Man dürfe sich nicht vorstellen, der Anli>einilisnins sei ci.it greifbarer Begrün oder etwas Berständliehes, er sei nichts lucitci als ei» Eles p e n st, ivelches in dieier Zeit-umgeht. Ter größte Tbeil der Anhänger des Ai.ltisetiiiiisintis sei, >vie bei der Soeialdemotraiie, llilzltsricden, nur in-einer anderen Richtung,- und es sei Ilar, daß .auch der Aiitiseiiilltstiills in seinen Eonieanenzen revolirlioncir sei. Tie Anssllhrlliigen des berilhtiitell ücedners tvnrden ictil stüi»iiiel>eni Beisall eiiisgenotiiuien I „RlttiscmitcilhtllNMtr." Ter von de.»! Schrislstelter Zoi.'i Schrattenholz heransgegebene niid dnreli ei» Borwori Zkie. Mole schoitS eingeleitcte „Anlisemitenhainnler", eine ilnisassende .Anthologie von Allssprüchen bedeutender Männer aller Z-.-iien nnd Böller gegen Zttdenversolgting und Ankisemitisiilns, befindet sich gegenwärtig unter der Presse. Ten bereits vorliegenden Probebogen...des l>oeliiiikeressaiiien Werkes eiitnehmeii wir folgende Sriginallletkrägei Professor Tlieodor Mominsen schreibk: „Zch bin in der Zndenkrage der Ansicht, daß die Ealamität des Atiliseinitisinns ei» organischer Schaden unserer '?eat>on ist, der nicht eigentlich geheilt, sondern mir verwachsen gemacht werden kann dnrelt die steigende Hiiiilanlslrtltlg der Teniielien. 'Wenn linier

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