Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 46 (19.2.1893)
- Date
- 1893-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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reite » Freies Blatt. Nr. 46. Cftc» auf ber gleichen Höhe bei liittiuv ftc()cu wirb wie unser Westen, so wird der Antisemitismus nicht schlechthin beseitigt, aber so weit ztirüdgedrndt kein, wie die-? bei organiidten Ländern möglich ist. Bis daliin ist e? wolil zwedinäßig, den groben Tälschungen und Berdrehiingen der Vlntiseniiten im Einzelnen zu aiitwotten und ans den groben -Vtloi? einen groben >ieil;u Kt-eii" Ctto :>i oi) nettesagt: „Mir in e? niil>egreislid>, wie Indenthnnt und Aiitiseinitisinus noch offene tragen sein tollen ' Leie lehr ich das Elirenwerthe nnd Ttichtige int Ind.eiithttitt tu tchaken weis;, habe icij an 'anderer 'Stelle durch die t'\'iuilt de-? I"'adiar in dein Schauspiel.Vanzelof — bereite dargelegt II.: b io wiederbole ich auch, daß ich den Vlntiseiuitisnin? für etwas Ai'ge'chinadte? lind Thörichle? balle." — linier Vandsinann 1\ >i. Viofegger lasst nch wie folgt Kören: „Tie Vaster der bilden weiden nur Soidiu gefährlich, welche ihre Borzüge nidilhaben." Schltiüiidi wellen wir noch an-? der reichen eine tressende Strophe aniühte», mit weicher sich der allbeliebte Sänger der „Sl'ielniannglieder', 'lindolf 'BanitN'adi, eingestellt hat: sie lanret: s e5 bei ne n nnd Juden?ebä>be>- do»i und Säiasier bie'r, T-t.-iä-er vor dem :>eoek m Tiier. Swä.ber vor der Bnnde?la:e: lieber allen (nette? (ilnade. <. ' 'Wir loinmen imiüiliet) auf. den „Vlntiieniit ithaninier" noch de-? Eingehenden znittd (Tcr Vlulisciilili-öiiiii? in Der Dcutirticii Vlrmcc. Tie .„/frei t; it nt ge Leitung" gelangte in den Besitz eine-? niertwürdigen I ev.itmettte-? fite die Stellung der deutschen Armee zu de» verfa'snitg? mastig .e'.vaorleifteten Vieeflten der aitbctt iat i entidjcn .Reiche. Ta? seiwal-nte - /.')»>< .I^i.-ti ist ein Testprogramm einer vom-. Bataillon de-? - Han'eatisdien -Infanterierrgintente? Vir. 7'i in. Hamburg vor -anftaü.tett^ Teier anlässlich de-? «Rbnrtstageo de? deutschen Kaisers. Ans dem Programm figurirl al? Vir ill ein „Siaigspiel und Eharakter flnd-e an? der Gegenwart" unter der Uebersechrift „ I >, disch e Vre einten". >>» diesem Stüd ruft der Sergeant, den drei jüdischen ,.:U\\uiten;u: .. ,'<l)r aitfen feit? der Vlhschanm de? Militärs!" Ta? b rtliäte antiseniitt'che Sou? wurde unter den. VI ui;'je teil de-? (s'enerai? •'‘rufen Vvalder>ee ansgeinhrt. - 'Wie B erli ii e r Blätter be nchten, >var die Tochter eine-? dortigen, in eommeretellett >ireisen hoch angesehenen Mannes, der zivar iclirer tiocl> ou&e iß, dessen .'iiu&er -iL-er der christlichen Vieligion augehören, mit einem Vtentenant perlobi. Bei dem Umüande, dag die Braut, ein seingebildete? Mädchen, einem geachteten makello'en Handelshanse entstaniint und überdies ja 15hriüiit t't, glaubte der C fritier keinen Moment zweifeln;>t ditrseit,' das; ihm der Eheeonien? seitens seiner Borgefetzten ertbeilt werden würde. Aber-, de; :>ia,enhais siegte auch in diesem Talle: de"? (5onfeitö wurde per tragen, weil die Braut jiidischer Vlbftainmnng ist, thicgr» Coiriltikitt,,, uirtit gcgtii eine iKace. an aena fand am I Tebriiar eine politische Bersamintnng üatt, bei welcher Pro tenor Telbrüet eingehend nnd kritisch über die aittiseutiitsche Bewegung sprach. Ter angesehene Gelehrte wart, nachdem er die (Gründe dieser Bewegung eiöiterl batte, die Trage au', wa? denn eigentlich in dte'er iliichtnng ge'chelieu io.le Telbrüik wandte sich entschieden gegen eine 'rüitlanfige ('•esevqebnng, durch die den Jude» die staatobürgerliche Gleichberechtigung wieder entrogeu würde. (5? würde damit auch hin ncl'tlielt der wirklich rorhandenen Schäden leine Besserung - erzielt, abenioroenig wolle er etwa? von irgend einer. Vlnsnahmegesetzgebnng gegen die Juden wineu. (5? sei schon nn mögt ich, i-m lsesetze ' e ü , i; n ' l! e n, >v e i d e n u a nde > e i u n d m e r n i ch t. Ta -'? e:n' :>iiuestü-.ige »ein solle, io müßte doch bestimmt werden, wo die indt'ch-. :>iare aufange, wa? bei den riet fachen firenznngen u n IN .- I;,!' 'ei. Ter eliediier sagte sich schließlich dahin;iisaminen, das; nur dann roas genützt werden lönu.e, wenn man die Sdpiden betampw und et. r-orkandenen Vlu?wtichse, einerlei, von wem sie rerschntd.t feie»,;n treffen fnche. Tn dieser Beziehung wie? er auf die Berliandiiingen über da? Börsenspiel hin, ferner ans die Tetbfthtlfe nnd aus ge-etgnete Maßnahmen der Berwaliiing. ■ Cyilic „llllllliqrliclllllc Bcrwcch-elllllg". lieber eine unangenehme Berwechsliing findet ft d)" in einer Wte?l'jf euer iTorresponden; der .. B a r nt e r Heilung" eine interefsante Srzählnng Tanach habe anf iner nassanjscheu l5isenbahti/takiou „einer der ol>erften deutschen Ttaatobeamten" da? Znsanmtenreisen mit einem Herrn, den er . für .neu .laden anfah, tu lebhafter Leeiie verir-eigert, weil s-eiik „Viational gesül'i" da? nicht ::tkaffe 'dinterlier aber stellte sich heran?, das; der angebliche „ aude" „einer der höchsten evangelisch kirchlichen Würde» träge," war. Und d>e>'er soll sich auch durch die l5nlfchnldignugen des Staat-zbeamien nicht balien abhalten lauen, weil-'re Schritte in dieser Sache;ii thnn. Sie „Barmer Leitung" bemerkt dazu tresseud: „Mau wundert sich heutzutage vielfach über dett. großen Umsang, welchen die antisemitische Bewegung bereits angenomme» hat. Sieht -man aber so I offen nufere ersten Staatobeamten .an der Vlrbeif, so ist e? heule nicht mehr als natürlich, daß der ganze Troß derer mitarbeitet, die sich nun einmal daran gewöhnt habe», dort die Parole zu empsange» fjür ihr ganze? politisches Tühlen und Teuken. Wo soll das hinan?'/" („Tito old Kfotit mail" für Die xvllDcil.) In der Sitzung des ouglischen Hauses der Gemeinen vom 11. d. M. stellte das Mitglied James Vowther anläßlich der Budgetdebatte einen Unteraulrag ans Schaffung eine? (besehe? zur Beschräukitng der (5ii»va»deruug mitlel loser Vln?lü»der. (5? ist nberslnssig zu erivähneu, daß das ehrenwerlhe Pariamentsmitglied James Vowlher mit seinem Vlntrag nichts weniger al? einen antisemitischen <5o»p beahsichligte: . er hätte im engliichen Unterhause dafür auch nicht da? geringste Berständniß gefunden. Vlllein obwohl Vowther anodrücklich erklärte, das; die von Vlmerila zurnU gewiesenen Arbeiter in Viverpool landete» und sodann in England ver! blieben, und das; die Eholeraepidemie die sanitäre Viothwendigkeit eine?! solchen <s'efci?ce? geze/gt habe — fühlte sich dennoch W lab ft o ne! selbü veranlaßt, den Vliuendemelitantrag Vowther's nicht nur-im All ' gemeinen zu bekämpsen, sondern auch einer etwaigen nngnustigen Strömung der öffentlichen Meinung gegen die Inden ans (srnnd diese? Antrages vorzubeugen. Ter greise Staatsmann und Eabinetsches sagte, in a n solle den I s r a e l i t e lt die Gerechtigteit mibe r f a l> r e » 1 a s s e n, d a ß d e r ö* esundheitsz u ft a » d der i s r a e l i t i i d) e ii :1t axe tut Allg e nt eine n ein sehr guter sei. Hierin und vie 11 cid|t and) in einigen andertn Punkten dürsten die a u d e ii einen g ü n st i g e« B ergleid> mit den Ehri st e n a n.s halben. Vowlher'? Vlntrag wurde sd)ließlid) mit erdrüdender Stimmen Mehrheit abgelehnt Vvie da? „Trete Blatt" bereits anläßlid; der Eholeragesal»; im verflossenen Sommer aut Grund aiutlid>er Statistilen nnd miö"ent'd)uftlid)er Zeugnisse »achgewiesen hat, erweisen sid> 'gerade die anden gegen eine anseelion dnrd) die Eholera in höherem >?'rade immun als >ivir sogenannte» „Vlrier". Vln? dcr riiillänischcil Ttplltirtciilüiii'.ncr. Es ist nicht lang:!> her, da machten die Indenseinde -allerorten den Juden daran? einen Borivnis, daß sie ftd) zu sehr absoudern nnd ihre äiinder »nr in geringer Vlnzahl in össentlidie S dpt len sdiiden.' In der antisemitisdie» Vlera de? Judenhasses wird T^n Inden wietzer vorgeworien, daß ne nnverhällnißniäßig statt ihre» Viad>ivnd>? stndiVe» lasse». In :ltni»änien wollte man gar die Inden, an? den öfsentlid>en Sd)»len anssdiließe» und bradne in der Teputirtenkauimer ei» Vlinendemeiit zum Sdl»l geietze ein, weld)e? die Besdiränlnng de? össe»tlid)en Sd>ulnnterrid>le? auf >tInder rnmanisdier „Bollbnrger" verlangt. Bekanntlid) glndt e? »nr ansitahnlsweise einem xlnden, die Viatnialiiarion ditrd) die rnmä. »isdie alaminer zu erwirken, und die meisten jüdisd)en Einwohner Vitt mänien? müsse» die Bilid>ten pifinänisdier „Bollbürger" erfülle»,' ohne deren Viechie zu besitzen: Ti: Vliehrheit d^r Tepntirten besaß dod) nod» io viel Scham, »m da? erwähnte Vlniettdemeiit zu verwerfen.! sEilic gricchischt MmvtlltUI An Private in Triest sind Briese 1 über fchgende Schredensthat in Eorfn gelangt: „Ter jüdisd>e >ians mann Bellelli, and, in Triest, woseibü er vor Jahren etablirt war, bekannt, ging am ln. d. M.' in Eorfn dnrd) eine unbelebte Seiten i gaffe und begegnete dort zwei (''ried).’». von denen einer einen Vrevolver in der -Hand hatte: derselbe wollte, tim Bellelli zu ersd>reden, in die Vttfr idiießen, allein fein Gettone rief ih;it zn : ,'W o z tt i n d i-e V it f 1 d) i c t; e n, i d) i c s; e d e n Jude» nieder!' worans Erfterer absenerte. Bellelli sank, in? Herz getroffen, todt nieder." Vlnd> der Triefter „Pieeolo" bestätigt diese Viad>>id)t. ldcgril t»1-ö Sllsktlll. In :>i n ß l a n d werden nidjt nur die vlnden gransain verfolgt, sondern'and) die protestantisd):» Tentsd>en und pol ntfchen .Eatholileai d>ilanirt. <?'egen diese?-S>»tem sprad) ftd), ivie ein englisd>e? Blatt beriditet, der Ezarewitsd) an?. In einem lf'espräd) mit einem engltsd>e» Berwandten soll der rnssisd>e Thronfolger bemerlt haben, Vinßlaiid habe feine? Erachlen? nid>t die Vlnsgabe, irgend eine religiöse Seele zu verfolge», nnd er persönlid) sei and) gegen die Ber treibnng der Inden Mit dem in Viitßland hcrrsd>enden Snsteut stimmt and» nicht eine Vleiißerung überein, welche, wie rnssisd)e Blätter melden, der Minister für Bolk?anstlärnng, Gros Teljanow, beim Besudle der Univerfttät?kliniken .auf dem Iiiiigsernselde in Mo?tan geüiad>t ' hat. Ter Bi in ist er äußerte den 'W»nsd>, die"inngen Medieiner möchte» bei ihren »lühevvllen Psliditen dnrd) ihr ganze? Vebeir daS heilige «Gefühl der Mensd)e»liebe wad)halten. Tiefe Worte sind bcsd)ä»iend für jene in Petersburg nnd Moskau in dentsd>er Sprad)c ersd>eine»den 'Blätter St. Petersburger Zeitung", „Mo?kaner Tentsd)e Zeitung" :^.z, weldie ä»? Viebedienerei mit dem Vlnlisemiti?»»;? liebäugeln.