Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 45 (12.1.1893)
- Date
- 1893-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 75% known words query
- IRI
…/4886575-5439157-5441384--0452-4886982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■?tite 7. Nr. Freies Beifallsstürme auf. UcberdicS tankt sie ihm „für feine anSgeznchndten Aus führungen", nachdem er dieselben beendet halte, durch Erhebe» von de» Ditze». — Dir Bemerkung Uber deutsche Professoren ist i» dieser Allgemeinheit gewiß unrichtig. Allein die Art, wie antiseniitischc Borträge gehalten werden, und da» geistige Niveau, .auf wclchei»"da» I'. Audilorinin steht, da» solchen Borträge» zujubelt, können gar nicht besser charakterisirt werden, al» dies int voranstehenden Berichte geschieht, fcider aber lm, das „Pateiland" bi» aus die jüngste Zeit initgehokfen, derartige» Geiste»- und Glanbenshelden wie der vierldiinensionale Schlesinger de» Boten i» Wien zu ebnen. «Panama, Pailamino lind Berwandkrs.» In, „Neubauer Wählerv er ein" sprach besten Lbmann «ließ man» über „Pananra, Panainino nnd Verwandle»". Ans gleiche Linse mit de» Dcandale» in Frankreich und Italien stellt er nicht nur da» Berhalteu der von Ahlivardt ve>leui»deten Firma f oeive, sonder» auch den „üblen Einfluß de» GrpßcäpilalS', der sich in, österreichischen Abgeordnete,ihansc bei der Beralhnug über den flo»d, die Tonau Tanipsschiss fahrtSgesellschast und die Börsensteucr jeiflte. Im 'Ncnbanck 'Wählerverein hat Geßmanii leicht reden: da sprechen »ach ihm der Dchwicgcrpapa Dlehlik, Ltciner und der Commis Azinaiin; Prosestor Tr. Eduard Dneß, der int Abgeordnetenhaus« Gtßmann's Fachkennlniffe gebührend beleuchtet har, 'ist selbstverständlich nicht Mitglied de» „Neubauer Wählervcreine»". lTikfgrsuilkkn.) Im „Deutschen Verein" sprach all, 7. d. M derMillel- 'chnllehrer Dreinwender über da» Rcgier»ngsprograi»»i »nd sagte nnlcr Anderem: „BedeutnngSloS ist der Passus gegen den Antisemitismus, den» die Negierung hat ja Verhetzungen bisher auch „ich, geduldet. Mit diesem Pass»» wird der finken ei» Wechsrlbalg in die'Wiege gelegt, den» ' er soll darlhn», daß e» der finke» dar»,» zu lhun sei, daßden Ind»ich,-; geschehe." De» fiberale» ist e». glauben wir, wirklich darum zu lhun, daß die Dlaaisgrund gesetze, welche da» gleiche Recht Aller gewährleisten, nicht nmgaugc» werken, laß alio auch „den Hilden nicht» geschehe", und da» gereicht ihnen »zur Ehre. Der „Deutsche Berein" aber ist lies gesunken: einst stand Tr. Ioies «stopp an seiner Dpitze, jetzt ist er aus de» Ltcinwender gekommen.! <^»r Propaganda siir das Zilkiinftsblait.) „7» de» Wankerversamuilnnge», welche der Verein „Deutsche Presse" veranstaltet, »in für da» antiieniirischc ZuklinslSblatt Propaganda zu machen, wirft Hofmann-Wellcnhos der „ver liidtikn" liberale» Presic u. A. vor, l. daß der, „erste beste Iudenjnngc über musikalischeGenie» abzuurlheilen sich die.stühnheil nimmt"; 2. daß die liberale» Ivlirnaliste» „im Mittelalter nicht eine glorreiche Zeit sehe», weil damals noch nicht von der Indenemaneipation die Rede war". Lehe» wir »»» diese Borwü> se näher a». Wen» Hosralh Prosestor Tr. Eduard HauSlil oder Mar stalbeck über die innsikalischen Dchöpfnngen ,'lienzls oter Gölleruh'S nicht in Eniziicke» geralhen, so fornnilire» die Herren Aiiliseinilen eine Anklage, in ivelcher die Musikresercuten trotz arisch-christlicher Abstammung als „Inden, uivgen", die anlisemilischc» Musitgrößc» aber, mag auch der Eine ein „Juten stämmling", der Andere der Nachkomme eine» „Indenliberalen" sei»,, al» ..Genie«" elaisisicirt werde». Will übrigens Hosmann Welleuhof das Reseriien Uber mnsikaliiche Prodnctione» zn einem „coneeisionirltn Gewerbe" machen, n-elches elwa von der Lsbrigkeit mir an antisemilische Miltelichnllehrer, die >a Alle» verstehen, zn verleihen wäre? — WaS schließlich die „glorreiche Zeit" kr» MittelallerS ai,belangt, so innß man, n»l für dieselbe nicht;>, ichwärincn, nicht gerade an die Bersolgnng der Juden dcnkcil; doS Fanstrecht z. B. war eine^jener Einrichtungen, welche sich .auch guten Ehriste» sehr nnaiigeiikh», rr machte. Dir schciicii die LrjscilklichlcikI Wie an» Berlin berichie, wird, sa»d cort ain 5>. d M. ein an tiscinilischer Parteitag für Braiidcubnrg »nd Anhalt statt, zu welchem sich etwa hundert Personen kingefnndcn Hallen Paul Förster, der die Einladungen;» der Bersaininlniig erlassen Halle, er > nncle dieselbe mit der Erklärung, daß nicht jeder GesinnnngSgenosse so ohne weiler« an den Beralhschlagungen lheiinebinci, diirse,.! nur solchen sei die» ge. »»ttei, die von de»,selben «Leiste wie seine Einladung ersiillt seien. Dan» sagte Föistcr, daß er cs dem Beschlusie der Bersammliing überlasse» ivolle, zn cnt- 'cheiden, ob die Anwesenheit von Zeitungsberichlerstatler» geduldet werte» solle. Al» keiner gegen die Anwesenheit von Berichlerstaller» etiva» einznivende» .hatte, naudle sich Förster zu diesen mit den Worten: „ES ist den Herren Bericht- -islatiern also erlaubt, hier zu bleibe», jedoch innß ich an diese Erlanbniß noch eie Bedingung knüpfe», daß die Herren sich mir aus Ehrenwort verpflichten, nach de» Debatte» mit mir Rücksprache zu nehmen und nach mcincn Angaben Einzelnes, was ich siir ungeeignet zur Berösseiillichung halle, an» ihren Be» richte», zu streiche»." Delbstverständlich lehnlen die Berichterstatter e» ab, aus das Änsinilen, sich eine derartige Eeninr gefallen;» lasten, ciiizi^elie», und al» Förster sowohl wie die Versammlung ans dieser Bedi»ß>uig bebarrlen,. logen sie c» vor, ans die Bcrichterslallnng z» verzichten nnd den Daal zu ver- «asten. Förster hatte allerdings genügende Ursache dazu, die volle Wahrheil »Mit an'S Tageslicht koinnie» zu lasten; den» nach dem zu ultheile», ivaS doch über die Vorgänge in der Versammlung bekannt geworden, ist e» dort recht gemülhlich zugcgangcil.' Tie Herren warse» einander „Größemvahn" und sonstige ichöne Tinge an de» .stopf. Ter Zweck dieser Parlciiagc» scheint der gewesen zn sein, Förster eine Landidatur «cbei den nächsten ReichsiagSwahlc» in einem Blatt. ihm passenden SZeeise zu sichern.' Ein „ossieieUeS^Eoniiilttniqne-" über di-ien Parteitag, der mit Ausschluß der ^esseiilli.blfit statiiand, besagt: Es ist vor läufig durch Annahme der Dtaliilen ei» Verband für Brandenburg und Anball gegründet worden, der den Zwezk bat,, die Anhänger der deutsch soeialen ann icinilische» Partei, »löge» sie «schon einem tenlich social anliiemliüchen Verein angehüre» oder nicht, zit gemeinsamer polililcher Thäligkeil zu verbinden. Im Borstande sitzen Förster. Frciberr v fangen, Bachter, Ahlivardt und Herlwig ES irll von de» rN'jchiedciicn Provinzialverbände» eine Eential lciiung geivähll ivcrdcn nnd zii Dstcrn ein allgemeiner de>,lick).>pcialer Parleitag siir ganz Tculichland in Berlin slalimiden/ lDtöckrr. alS Iugcndbildiicr.s In eiwrseiner lüngsten .Hetzreden nellie Dlöcker an die Beiliner akademische Jugend da» Auiiuncn,-antisemitische stund gebungen-im Theater zu veranstallen. Ei» gewissenloses Dpicl mit der Zuluust 'junger feilte, ivie es .nur der antisemitischen Demagogie cigenihümlich ist! Dlndirende, die ans Dlöcker'S Raihschläge ciiigehen sollten, würden mit der DicheiheilSbehörde i» Eoiisliel kommen »nd Gekahr Um««», relegirt zn ivcrden. «Zur flkgilillkr RcichSlogSwahI.l Iu antifemitiidjen Versammlungen wird nach wie vor die ReichSttW Eaudidatnr Heriwig'S tnivsoylen. 'Nach der Meldung eines schlesische» Blatte» soll aber gegen Hecttvig ei» Dl ras. verfahren wegen ,,'Nölhigung" schwebe»,' nnd zwar an» Anlaß eine» von ihm beim Dpiele ausgeiiomnieneu 'Darlehen«, besten Zahlung er später ans eine a» ihn ergangene Mahnung als gesetzlich »»klagbar zuriickgcwicse» hatte. — Tie Ecnservaliven int fieguitzer Wahlkreise sind in zwei Grupve» zersallcn. In einer Bersammlung sprach sich die Pkehrbeit dafür an», von der Ausstellung eine» eigene» Eandidalc» abzusehe» und ihren Mitgliedern ß zu überlaste», ob sie für de» Rechtsanwalt Hertwig bei der bevorstehende» ReichSlagSwahl einlretkn wollen. Die nnlerlegcne- Biinderheil veranstaltete dann eine besondere Zusaminenkilnst und stellte den Grase» feo v. Rothkirch ^rach alS con lervaliven Eandidalen auf. 2lus antifcmitifd7on blättern. lZ»m RrgikriiilgSprograiniil.» Man mag über dar ticier Tage ver osselttlichle Regier»»gSprograinui gclbciiler Ansicht sein. EincS aber steht fest : Dasselbe enihält solgendd gegen die anliscinitischc» Umlrirbe gerichieie Erklärung: „Unser staatliche» f eben erhdischl . . . ei» friedliches Berhällniß der rin zeliien Eonscssione», Gesellschaslselasten und DtaalSbürgcr nnlerkliiaiider. Tic Regiernng wild daher religiöse Ueberzengnuge» stet» achlen und schützen und Verhetzungen jeder Alt mit Enlschiedenheil enlgcgcntrelcn " Eine solche-Erklärnng erschien um io dringender »olhwendig, al» die Anliseinitcnorganc in letzter Zeit die urlvcrschäiiilestc Verhetzung betrieben. Do brachte der Psenner'schc „Volk» sreund" in seinen jüngsten 'Nummern. solgende Aussordernug a» seine Gcsinniingsgenossen: „Diichen Die insbesondere die liberale» Gegner bei jeder Otolegenheil von der surchibaren, den Ehriste» durch -dir jüdische Üeberinacht drohenden Gesabr zu überzeilgen! Wo soll es mit den Christen hinkoinme», wenn Jude» nnd Inteiladköminlinge, wie wir cs erst jetzt mietjev sebe». Überall, sogar in die höchste» Dlelle» und Wnideai, emdriugen und dadurch »aiililich ilnince mehr zu inaßgebendein wirlhichasllicheii, kirchlichen nnd voll, lische» Einslnssc gelangen." .Porimgraphik und Rackiihctzc. > Man schreibt' »n-s: Jenes Aiiiiseiniien^ . blau, welche» unter dein Dcheinc teS .stainpse» gegen Unsilittchkeit dnlch leine bi» in» kleinste Detail reichende» Dchildernngen die Pornograpbie enllivirl, v.e kuilpflc ncnlich mit diesem Euttu» auch die-Räerubevc ES ichilkeile die Dtrllung, welche ein Dlubenmäkchen inr Gastbose einer böhmischen Dladi. geincinde'keinttimilll. dessen Besitzer ein Jude ist, und fugte der Dchildernng nur die Beuicrkniig bei, daß dcllei . seandalöie Eincichllinge» auch in anderen Dtädlen Böhme»» üblich zu sein „scheinen." ES icheinl aber nichl bloS, sondern^ e» ist eine bekannte DHaisache, daß In allen Theilen Böhmens dieser Vrinnaud besteht. AlleldlngS sind jüdische Gasthosbesitzcr in Böhmen nur sellcri z» iinden und der vom Anliiemilenblalle zur Erbaiiilirg seiner feicr ans'r Dapel gebrachte Mädchcnbaudel in den HvlelS ist mit wenigen - AuSnalime» ausschließlich in „arischen" Händen (2tMt Gor; nittifcmilijdt wurüc > Da"» ,',Denliche Bolksblaii". ver liiiidelc neulich lriumphirciid, daß der AnliscinjliSi»»? nun auch i» Gör; eingezogen sei. Da» ehreittverthe Blalt naunle nebst cincm feicverein vor Allein die „^u.-ivlu •lilla t.i„n»sfii-au alS Hauplherd der ^großen a»lise»iil>schc» Be weguiig", da in dein genannteii Verein allen ,udi>ck^en Priigliedern bedcuieif worden wäre, auSzutreteil .'leine acht Tage dauerte es, und schön stein sich das „BolkSblall" bemüssigt, ans Grund des «; kl» eine Bcrichliguug der .. I «iiniin-itioir «.iyi'i/.miin" abzitdrucken, in welcher cs beißt: „ES ist unwahr, daß sich eine große anliscmilische -Beivegungin 'der .d>m-i>-tn ckelln Oin,ia>>i-ai voll, zieht. E» ist ünnürhr, daß es allen lii^ischen Miigliedern bedeurei wurde, au», zulrctcn. I nümo «.Unnasti>-:i >---ri/.,nna" Ta» „Boltsblaii" suche sich nu» mit einer höhnische» Bemerkung über die ..fnione <iiniiasri. a" au» der Asiaire zu ziehen. 4 1