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Freies Blatt · 1893-01-12 · 45 (12.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
45 (12.1.1893)
Date
1893-01-12
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45. Freies Blatt. Seite 5 fdjeii Religio» bereits geboren. Sie sehen daher, wie wahr die Mittheilungen de« „Teulschen Bolksblalles" sind; ich fand es natürlich nicht der Piihe werth, sie zu berichtige». E« zeichnet hochachtungsvoll Ihr ergebenster Ferdinand Aronawetter. / (Aus fortschrittljchkn Bereilirn.) Im „Politischen Gcselligkeitsvcrcin im X. Bezirke" hielt vor Aiitijcm Vice bürgerineistcr Dr. Grübl einen Portrag über die eominunalcn Per hältnisic, in welchem er Isagte: Tic Hauptaufgabe der Antisemiten ist die Ausrechthaltung deS PessimiSninS im Volke. Heute aber steht der größte Theil der connnunalcn Arbeiten »mnittelbar vor der AuSsührung. Alle« wird in wenigen Woche», also im Lause de« Frühlings, begonnen nEden. Hat da der Pessimismus seine Berechtigung? Und in dieser denkivürdige» Zeit abscmirlen sich die Gegner von den Arbeite» des Ge ineinderachcs! Sie sagen, sie seien nicht höflich behandelt worden. Aa — ich glaube, daß die Leute nicht gar io empfindlich sind, sie habe» so Manche« mit geniachi! Meine.Herren! Ter MandbaniSnnlS "war der Pater der Ami semitiSmnS. Tiefer ist sei» Lob»! Jawohl — ei» gar sehr mißrathener Loh»! Einen großen Bortheil hat aber die Abstinenz mit sich gebracht, indem eine Eiholung der ösientliche» Meinung eingelreten ist. An Stelle der E-cesse und Peschimpfnngen hat eine wohlthälige, anstandsvolle Ruhe platzgegristen. Und darum wäre cs zu wünschen, daß dieser Zustand zum Wö^le Aller anhalte .. , Tie Zeit, in welcher Wien sich mit den Bororte» vereinigt hat, ist seit dein Jahre 1850 die wichtigste für die Entwicklung Wiens. Wenn auch Roth- und Elend existiren, so ist doch auch der Lebenszustand der Armen ein besserer. ES bat sich ein solcher Fortschritt vollzogen, welcher Wie» zu einer der ersten Städte deS Eontinents macht. Und dieses Resultat ist eine Frucht unserer Partei, iind deshalb senden Sie uns bei der nächsten Gelegenheit Collegen in den Ge meinderalh, welche uns in der schwere» Arbeit, die wir Vorhaben^, unterstützen. (Ans dem Grmeilldtrathc.) In der Budgetdebatte wies Gemeinde idtl) Seiler abermals darauf hin, das; Wien durch die antisemitischen Hetzereien arg geschädigt und der Fremdcnznfluß von hier abgchaltcn werde. (Tic Aiitiskiilitt» lind die '.'Irmcc/ Tic „Milit«r Zeitu>1 g" wendet sich in einem sehr entschiede» gehaltenen Artikel gegen eine Rede, welche Herr Sch sc sing er am 20. v. M im Abgcordnctcnhanse ge halten hat. Herr -Schlesinger hatte in dieser Rede die Behauptung ianfgcstcllt, die Militärverwaltung sei verpflichtet, durch Pcrgcbnng der Lieferungen an das Kleingewerbe an der sogenannten Rettung des f(einen Mannes, somit an der Tnrchführnng des christlich-socialen ReforuiprogrammcS mitznwirkcn. Tiefer Behauptung tritt das genannte Fachblatt mit der Erklärung entgegen, daß die Aufgabe der Heeres Verwaltung nicht in der von manchen Volksbcglnckcrn so intensiv fruclificirten „Rettung des kleinen ManncS", sondern einzig und allein darin besteht, eine kriegstiichkigc und schlagfertige Armee bcrcilzustcllcn. Ter Artikel führt sodann an der Hand der Ziffern aus, die lieber lraguiig der Hcercslicfcrungcn an das Kleingewerbe in dem von Herrn Schlesinger geforderten llmfangc hieße gar nichts Anderes, als auf eine fcldmäßigc Bekleidung und Ausrüstung der Armee verzichten und das Heer im Ernstfälle dem sicheren Berderben preiSgcbcu. (grembliuge iiu alten jüdischen Staate. Ei» Freund unseres Blattes schreibt uns: Angesichts des jept herrschenden Raecnhasses und RaccnkampfeS, der sauberen Theorie von Wirths und t^astvölkern, angesichts der Lüge» mid Fälschungen, die über die jüdische Sittcnlehre verbreitet werden, dürfte cs angczcigt sein, durch wörtliche Anstthruirg einiger Stellen ans dem alten Testamente zu zeigen, von welchem O'ciftc der Humanität die jüdische Gesetzgebung im Gegensätze zu den übrigen Völkern des AltcrthuinS dem Fremdling gegenüber beseelt war. Bon diesen Stellen nur die Fundorte anzugcbcn, wie das gelegentlich geschieht, ohne sic wörtlich zu citiren, hat keinen Werth, denn wie viele Leser gibt cs, die sich die Mühe nehmen, solche.Stellen anfzusuchcn und nachzulcsc»'? Ja, man hat keine Ahnung davon, wie Wenige selbst nnter den Gebildeten das alte Testament in seinen wichtigsten Partien kenne». Eben dieser Unkenntnis; tvegcn fallen ja die Lüge» und Fälschungen ans so fruchtbaren Boden, finde» so leicht Glaube». Bei den Völkern des AltcrthumS waren die Fremdlinge von rechts wegen recht- und schutzlos. Ter Fremdling in Palästina "wurde »ach folgenden Grundsätzen der Thora behandelt: „Einerlei' Gesetz -sei dem Einheimischen nnd dem Fremdling, der nnter euch wohnet." <2. Mos. 12, 40.) — „Ten Fremdling sollst du nicht schinde» noch unterdrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge im Egnptenlande gewesen." <2. Mos. 22, 20.) — „Tic Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken: denn ihr wisict »in der Fremdlinge Herz, dieweil ihr auch seid Fremd lingc im Egnptenlande gewesen." (2. Mos. 2.4, 0.) — „Sechs Tage sollst du deine Arbeit thu», aber de» siebenten Tag sollst du seicrn, ans daß dein Schsc und Esel ruhen und deiner Magd Sohn nnd Fremdling sich crgnickcn." -2, Mos. .24, 12 •*. — „Also sollst dn deinen Weinberg nicht genau lcscii noch die abgetallenen Beeren ans lese», sondern dem Armen und Fremdling sollst du cs lassen." (4.. Mos. 10, 10.) — „Wenn ei» Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht schinden. Er soll bei' euch wohnen >vie ein Einheimischer nnter euch und sollt ihn lieben wie dich selbst, den» ihr seid auch Fremdlinge gcwcscil ini Egyplcnland." (4. Beos. 10, 44, 34.) — „Tie Feier des Landes sollt ihr darum halten, daß du. davon essest, dein Knecht, deine Magd, dein Tag löhncr, dein Hausgcnoß,' dein Fremdling bei dir." 13. Mos. 25, 0.) — „Wenn irgend ein Fremdling oder Gast bei dir znnimmr und dein Bruder neben ihm verarmt und sich dem Fremdling oder <Mst bei dir oder Jemand von feinem Stamm verkauft, so soll er nach seinem Verkaufe Recht'haben, wieder los zu werden, nnd es mag ihn Jemand unter feinen Brüdern lösen." 'TJ. Mos. 25, 47.) — „Und ob ein Fremdling bei clich wohnet oder unter euch bei eure» Freunden ist, nnd will dem Herrn ein Spfcr ihn», der soll thu», wie sie thnn. Ter ganzen Gemeine sei eine Satzung, beides c u ch nnd den Fremdlingen. Eine ewige Satzung soll das sein curcn Rachloinmcn, daß vor dem Herr» der Fremdling sei wie ihr. Ein (besetz, ein Recht solh. euch, nnd dem Fremdling sein, der bei euch wohnet." i4. Beos. 15. 14, 15, 10.) — „So wird vergebe» der ganzen Gemeine der Kinder Israels, dazu auch dem Fremdling, der unter euch wohnet. - Und es soll ein Gesetz sein, das ihr für die Unwissenheit-thnn sollt, beides dem Einheimischen unter den Kindern Israels und dem Fremdling, der unter euch wohnt." (4. Mos. 15. 20, 20. > — „ T ar nin sollt ihr auch die Fremdlinge lieben." (5. Mos. 10, 10.) — „ lieber drei Jahre sostst'du aussondern alle Zehenten deines Eiutommens, dcssclben Jahres und sollst cs lasse» in eurem Thor. Co soll kommen der Lcvit, der Fremdling nnd der Waise und die Witwe und essen und sich sättigen." (5. Mos. 14. 28, 20) — „Und sollst fröhlich sein vor Gott, du und dein Sohn/deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, , der Lcvit. der Frcmdliitg, der Waise und die Witwe." (5. Mos. 10. 11, 14.) — „Tu sollst das Recht des Fremdlings nicht beugen. Wenn du deine Telbäume hast geschüttelt,. so sollst du nicht nachschtttteln; cs soll des Fremdlings, der Waisen nnd .der Witwe sein." <5. Mos 24. 17. 20, 21.) — „Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, der Waisen und der Witwen beuget." (5. Mos. 27. 10.) — Am Vorabend des Versöhnn.ngstageS ivird in allen Synagoge» gebetet: „Und cs sei verziehen der' ganzen Gemeinde der Kinder Israels und dem Fremdlinge, der weilet in ihrer Mitte.";l. M. 1,. C WfllltillDClualjIcil in MorilCllUurfl. Am 0. d M. fanden in Kornenbnrg djc Gemcindccntsschußwahlcn ans dem dritten HSahlkorpcr statt. Tas Ergebnis; derselben war ein vollständiger Sieg der liberalen Partei, die somit de» dritten Wcrbltörper, welcher sich in den letzte» Jahren in antisemitischen Händen befand, znrückcroberlc. - Unter den dnrchgcsallencn Eandidate» der Antisemiten waren der ehemalige Reichs rathsabgeordncke Tr. Knotz und Jacob Schleidt.: Letzterer dürste auch mit seiner Bewerbung nm. das Kornenbnrgcr Landtagsmandat kein (''Hirt haben. Tie Renorganisation der liberalen Partei in Rieder östcrreich fängt an sich;» bewähren, nnd nun heißt cs: Weiterarbeiten! iPommcr's RtichsrülllscaildidtNllr.: Wie ans Tvoppau berichtet wird, ist die Eandidatur des Wiener Mittcljchullehrers Pommer für das in Folge des Ablebens des Tr. Fuß erledigte Rcichsraihs Mandat falle» gelassen worden Tas mißglückte Tcbni Pommers in der Waudcrvcrsammliing des Vereines ■„ Trutsche Presse" bewog die Troppaucr Antisemiten, dem dortigen Bürgermeister Tr. Rochowansti ziiznredcn, seine Reichsrathscandidatnr anfstcllcn zu lasten. Für Professor Temel wäre ücochownnski jedenfalls ein gefährlicherer Gegen eandidat gewesen,^ als der von Stciuwender und Vergani prolcgirte Pommer. Allein Rpchowansti ließ sich dazu nicht herbei: auch ein Troppaucr. Mittclschnllchrcr, der Franz H o fma » n heißt, an de» die Antiscniiten dann herantraten, lehnte eine Eandidatur ab. Tie Anti semitcn in Troppan sind nun eandidatcnlos, und angesichts dieses Sachverhaltes hat das Vergani jche Lügcnblatt die Stirne, zu leugne», daß Pommcr's Tcbut mißglückt sei. Wozu lsti-tlen denn die Antisemiten sich bemüht, Andere zueiner Eandidatur zu bestimmen, wenn der Eandidat Pommer nicht auch bei seine» Muten turchgcfallen wäre? <Gi»c Anregung.) Ter Schriftsteller Earl Schncidl.i» Berlin regt in seiner Zeitschrift „Tic Schmach des Jahrhunderts" die Grün dnng eines Vereines an, dessen Zweck Schutz der Kinder jüdischer Ellern gegen anliscmiiischc Ausschreitungen^ sein soll. „In erster Linie," sagt Schncidt, „würde dieser Verein die Aufgabe haben, auf die Jugend selbst im Sinne der Toleranz nnd. Humanität cinznwirten Ties

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