Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 44 (5.2.1893)
- Date
- 1893-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/4886575-5439157-5441382--0443-4886974- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 7. Nr. 44. Freies man bent Juden diesen Vertrag nicht aufrecht, wer bärgt npS dafür, daß er dein deutschen Bauernstände gegenüber nicht auch' wieder ge', brachen und beseitigt wird? -Rühmt man sich als deutscher, io zeige man auch deutsche Treue und Redlichkeit! Wir meinen, die verschie beite Religion kann uns, heute nicht mehr;n blutigen Berfolgnugen antreiben. Jedermöge seines EckaubeiiS lebe», und Menu unsere christliche Religion die bessere ist, so mag sie dies damit beweisen, daß sie daS Jndenthum anlockt und in sich ansiiimmt, wie ja die christliche Religion erst ans dem Judenthuni entstanden ist Wir meinen ferner, der Jude könne einem gesunden Bauernstände in keiner Weise gesühr lich werden. Wir benähe» seinen Handel, wo wir ihn brauchen können, wir weisen seine Bermitllung ab, wo sie uns nicht vortheilhaft er scheint; eS soll heute schon Bauersleute geben, die geschäftlich viel ge riebener sind als die Juden, ihnen' sogar eine ganze Pferdelänge dann vorauSgehen. Schlicßlicts will der christliche l^eschäftsniaun ganz ebenso wie der jüdische vom Pr»siv leben, und wir sehen nicht, daß er mir aus Vicbd zum deutschen Bauernstände heranStomm^, uin uns seine Waare anzupreisen. B>o wir am besten und billigsten bedient werdeiz, da kaufen wir, und wo der Jude dies nicht mehr kamt und versteht, da wird er mit dem deutschen Bauernsta'nde kein ('Hiicf habe» und' anstatt der Elle zeitig genug die Hacke 'und den Spaten in die Hand nehmen müssen, wenn er nicht verhungern will. . . . Eine verlotterte und heriintergekommena. Wirthschaft wird immer subhastirt oder ans geschlachtet werden lnüssen, das ist durchaus lein Unglück, und wen» der Jude nicht bietet, werden es Christen thun müssen. 'JUit de» Ruinen des Einzelnen wächst immer wieder neues ".'eben, das ist io der Welten Vanf, ljnb da wird die anriseiziiiisch angehauchte Junker ichaft nichts daran ändern könne»'." >?>r vtkviichtistk LivilisatimiJ Bisher arbeiteten alle Revoltt lionen im Sinuc der Eivilisation und deS Rechtes, oder sie glaubten oder gaben doch wenigstens vor, es zu thun. Rur die antiiemitische Revolution hat es nicht bloß auf die AuStilgnng der Eivilisation und des^'Rechleü abgesehen, sondern gesteht dies auch mit ennischer Frechheit vor aller Welt ein. To prophezeit ein gewisser Friedrich, Vau ge in einer jüngst erschienenen Broschüre: „Bo in deutschen Reiche zum deutschen Bat erlaube" das baldige Erwachen des deutschen Volles zum Panantisetnitismus und fährt sodann fort: „Utiiu;c* Juristen freilich werde» eS nicht inachen, sie können über ihr Tornen gehege von römischer t^esepinacherei nicht mehr iveggucken, >vie ich mich nenlich selber überzeugte. es juristisch eine Möglichkeit, die Inden unter ein ,Frcmdctnccht zu bringen, wie es die Eonservaiiven des .Königreiches Tachsen nach ihrem neuen Programm beabsichtigen?' Rein,' antwortete mir der Jurist, .rivilisirie Staate» haben tei» .Fremdenrccht: dergleichen gibt eS'iminer nnr in nnrivilisirten Vändern ' Eivilisation' ist mir schon lange verdächtig, als Rähr ge lat ine für den Ma <• i 11 tt s j ttd;i i <• u s tv n r d e sie es noch mehr: aber ich fragte weiter: .Estbt es den» sonst eine Möglichkeit,' :111t einen deutschen Inden künftig so zu bebandeln, wie heute etwa einen Ungar oder Franzose», den die preußische, Regierung einfach des Vandes verweisen kann, wenn er sich nnnttb macht?' .Rein,' war da wieder die Antwort, .einen Ungar oder Franzosen kann man ab '(hieben, weil nian weiß, wohin: aber die Juden können wir ebenso wenig loswerden wie die Zigeuner, denn sie sind Heide nirgendivo zu Hanse.' sonderbar, sonderbar! Tie Jnrisprndenz weiß also keinen Rath für diesen dringlichen Fall, aber die Jurisprudenz ist ■ ben eine alte Tam e, die den Werth ihrer dürre 11 Be g r i f f e it bersch ä st t. Wenn sic'" die Fenster und Tlisire» ihres Hani'eS teichlossen hat, bildet sie sich ein, es könne Riemand hinein. Taß die Fenster im Rothfall auch eingeschlagen werden, daran denkt sie nicht.?as wäre ja Rechlsbrnch! Mag sein, aber tven» ein tüchtiges Boll nur die Wahl hat,'mit dem .Recht' von heute strangnliri oder gegen siei'es .Recht' frei;n werden, so glaube ich zu wissen, daß es fick» nicht stranguliren lassen und dennoch im höheren sinne .recht' handeln wird." TaS ist doch einmal aufrichtig gesprochen. Ten Antisemiten ist eie Eivilisation schon lange verdächtig, mehr aber noch wird sie es. ihnen als Rährgelatine für den Ha«-illns jiiilniiMts; Sie ^iele tei Antisemiten sind nicht mit dem Rechte, mit feinem Rechte, erreichbar, also ... Wir werden nnS die Worte Herrn Vange'S recht gut anfschreiben :>»d sie gewissen Herren vor Augen halten, meint sich diese wieder ans die Märtyrer einer unverstandenen Wissenschaft, auf moderne «Galileis niid Robert MayerS hinauSspielen werden. iRnchüljlllllllsiSwtrtlj.i In einem jüngstam Rewrastler O'e lichtshose.verhandelten Proreß, in welchem ein Jude Fi läget' war, er -aubte sich der Bertheidiger deS Angeklagten einige etwas ehrenrührige Ausdrücke über die Inden fallen zu lassen. Ihm dieses verweisend, äußerte sich der ehrwürdige Recordor «höchster Richter in Eriminalsachen) u>ie folgt: „Sie machen einen sehr nnchristlichen Angriff auf keine, vlatt. für welche ick, die höchste Achtieiig enichinde. I» meiner Berührung mit jüdischen Vandslettteu habe ick, dieselben stets höchst elnenwerth und hochherzig gesunden, l sie, möge» . vielleicht. Einezn begegnet Fein,' der nicht allzu gewissenhaft in seiner Handlungsweise ist; das linde» wir aber in allen Elasten. Ihre lieblosen. Bemerkunge» sollen aber bei Be nrtheilung-,des vorliegenden »Falles keinen Eiiisluß aus mickt üben." antisemitischen Vereinen und!?er- ' sannnlunaen. i Ascalouia. In inngsier Feil hat fteti iitjWieti die Iah; der anli ietnni'ckten Vereine durch' eine» iogenanmen „scheiielbiiud Asealonia" ver »iel'r^, der, ivie ein an niivettäl'chter stelle verössenilichier Ausrnt beiagt, ..dein ehrenvollen Ande.nle» an Io«es Vieior v. schriet geweiht" ist. Wen» die „Asealonia" iwch leinen Wahiivnich bat, io en vsehl>4i wir ihr hiemit.- iolgende sinnreiche Tirovhe Tchesiei'S: Ein Hoch dein Tent'che» :>ieich, '.*(n .Nnlinheit > eich: dein vidier gleich. - Mög'S täglich »en sich klärte»! Tych 011 b e I) ü I' -5 vor E > ai j e n h a ji. V0r Ra e e» h a ß. vor Maiienhast N »d-derIei Te u felSwor > e»! l Ter iittCllbC Vltcner. l Ein engerer vandsinai»! Vergani's schreibt UNS: In einer Ber'ainnitnng deS ehemals Mandi'icheu Vereines „Ei nt rächt" ank der '.'and ' »taste erschien dieser Tage der von 'l: aiiHiri 1 .arg niiigenoinmene vneg.er, und - da er ichonungsbedlirkiig in. >0 ichirnvt'ie er livend ans. die Inden, die liberale», Ungarn u i. iv. Tie Flöster ank-der-Weichsel vilegien, ,ve,in sie einem jüdischen Holstrüchter begegneten. >h» »nt HoKngeschrei zn enipi'ange», ulid ich iah eineS- Tages ei» dein Tode naheS Bäuerlein ans einem Berüeck miihiain hervor Grieche», „in in ein solche» .Geschrei unter Au'gchol des lebten Restes seiner .Nrä'Ie eintnnmiine». '.'ln diese Treue, die ,'ich in den Vierzigeijahren znlrug. wurde ich durch den sibenden vueger erinnert. p'erivillige Helden sierben ehe,, nieniais ans. In derselbe« Ber>ani,nlnng ,'vrach auch, allerdings stehend, der abgeietzie. Tchalkaböck .»»d stiichie in meinem (Gedächtnisse eine» vlns'vrNch deS ..grosien'" AnliieiniienNihreiS ank^. welcher >>»„ anlastlich der AeichSralh^.^ ivalilen iströstenwah» vorgeivoite» haue. - . Für das Jtlkinislshlall.i TaS varlaineniariiche Trisolinin T leinwen dev Vaieurher Hosman» tarn vorige Woche in Ttovvau;»„, Borsichein, um da'eihst in einem Anlitemiienineeiing dem prsjeeiirlen aniiietnitiicheti Zukn»s>S blatte' Anhänger zu gewinnen und - gleiäueiitg den Wiener tüinnnasiallehrer Bo in in er alS ivnrdigen A'ach'olger deS verstorbenen Fnst tvarnistens z» einp'ehten. Pominer selbst emv'ahl i,-j»e taandidatnr si'tr den AeichSraih durch ein tüekchimvse wider Inte» und V,berate, sowohl der Trovpaner^Bürgermeister alS^ auch dessen stellverneier körderte» die Jivecke dei",.tieh>verihen" («raste. Boninter ist indenen des '.viaiidai'rS. ans welche-5 er awirirt, noch keineswegs sicher. Bon deinich liberaler Teile winde Brojekkor Wladimi.r Teufel, als AeichsraihS raudidal ant'gesiellt, und ivetiii alle' Trovvaner FotlichriitSuiänner, unbeitrt durch den TerroriStnns ihrer Widersacher, am Wahltage ',nr Urne ich reiten und gewiss »liäti ih,e Bsiicht eitnllen, wird derselbe auch geirählt weide» Boninter dnr'ie dann durch eine» „Tchriipei'er" BosteN beim Jntnntisblaile entiätad gl weiden. tWald lind Pickcubach. In Berlin sprachen neulich in einer Anti seinilenverianiiiilnng der i» Tolge des TeandalS i,n Ea'ä Nronacher bekaunte . Tchiislsteller" Wald und der Abgeotdnete B i et en b a el> i:i’et_ ee» ..Aniheil der Juden am Berbreche^". To verlogen auch a»tiiemtti;elie Hebiediler sind, die Thatsitche, dast der Aniheil der Inden an Aanbinorden gietät Aull ist, jönnen sie iilcht iveglettgitett. und sie suchen geineinigliä,. nher dieselbe mn der Ansslnehi hinwegnikoininen, dast die Jude» dazu viel;n .steig" ielen Tn> .gnnftgrisi anineittilikcher „Tialstuker" ist es, auch jene Inder, den Berhreäiern hei;»;ählen, die weg»n 'eines Telirles angeklagt waren,- i.eko>h nachhet -nei grspr-'cheit ivurdesi. lZ»r Vtrgnibcr stiktchslagswahl.' T-lueäu erging es diese 1 Tage dein ailliseiniii che» Agpaior Werner in-Tnas. Er Hane in einer dortigen Wähler v.riammliittg eine Hevvede gehalten, mir ivehber er schon >1» ArnSivalder Wstthllreike in verschiedenen Vereinen und Veg.«ainntt»»g>» glüälich overm Hane, da erhoben sich mehrere Vaiidlenie und,rieten ihm zn, dast er sich nnvoni: ansirenge und bei ihnen keinen (i'ganben iinbe. Werner wollte daran' liwidern, wurde' aber durch Piene» und vätinen daran geltinden, und die Titmmnng wa>d eine >o>che, das; Werner sich „gekrnngen" tiiltlie. ans dem '.'oeat-;» ver ichivinden Tem Abziehende» winde a»S der Ve>ia»in>liii-g naä'gerti'en: „Tas isi unlere Rache fitr TenerSdon'." Tiet'e Haltung der Veivolmer voll raszeigi, sasi dieselbe» nicht die geringste Bist veiivüre», an' den ami'emiti'che» HevichwindeI.'„te>»;nsaUen". 2lus antisemitischen blättern. i Bcrgniii nlS 3diriftftcUcr.1 (ssJegenilich der Feier des iewzigsten ts.-guns lageS Eugen Tühring'S biachre Eriisi Vergani ein ,Feuilleton, das ei' mit seiner eigenen Ilnlerschrisl v?r>'ah. Wiedie ..Tsldenl'che Kitti d> wa»" naänveist