Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 44 (5.2.1893)
- Date
- 1893-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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t Seite 8. Freies Blatt. * Nr. 44. hegt hier ei» Jlct „frecher literarischer Freibeuterei" auf ,Höften eines anderen ar.ttfeiititi'.baii 3cnbritteii oor. — Xer Fall mit dem XüHring ^(uillroit steh» letttrouioit-} vereinzelt da .In der lepttii Xiettftag Oimttmec des Petgaui icheii Blattes wild alss lztevari'cher Eigenbau eine Notiz über „Die ente leiZeimäßig erscheinende Zeitung" vorge'ühlt. Tiesniat ist es nicht ein Bruder im Anti ietnitisinns. der gevlündert wurde, iondent der Herausgeber des- . Freien Blattes", Ernst Btetor Zenker, ans besten „Geschichte der Wiener Joiirtalisttk" die obenerwähnte Mijihctlnng mit gedankenloser Beibehaltung aller Druckfehler re pioQitoirt timt he.’ Cb Autiiemit oder ••iidttaiitiiemit, ist nir VetgantS ichriftstelletische feinnngen einerlei. Ter Eine wie der Andere werden gleichmäßig verwendet. Xstenbar wollte er in Bezug ans diese billige Att der Herftellnttg eines „christlichen Blattes" 'eine Ettahrnngett dem Bereine „Xentiche Presse" •,ur Verfsignttg stellen i ^üitifcmitifdjcr Tarwinismns.f Aach XatwinS l'ebre von der Entstehung der Arten ist das Vorhandensein einer flicke, einer 3tolle, eine der iioihwe»dichten Bedtngntigen 'i,r die Eniwicklnnq einer netten Art durchdie Zuchtwahl. 'Xte Anti'emiten, scheint es, verstehen sich ans o Züchten besser als ant Zucht. Sie branche» einen großen, nuversälicht dent'chen, d. h. antisemitischen Musiker, nnd nt» ücaniti >üe beutelten zu 'chatten, werten sie ein'ach einen schon berübntten Musiker hinans. Xie „Unvertälichten dentiche» Worte" biingen in ihrer lebten Nummer solq-nde Brietkastenttottz: „Xent'chnationaler nnd Anhänger stteiler's Es ivntde nns wiederholt nnd von verschiedenen Seiten hesiimmt versichert, daß der ron den Jndin nnd rom .Xent'chcu Volksblattio h, rvorgehobene ..Nascagni' — Jude fei.“ £c geschrieben einige Xage nach dem mißglückten An'tretett des antt'ett'.ili'chen Eor.eertt'ten Reiter Hin<- illao!:iriui.-■ ■ . ist. Um des Himmels willen, wo käme eS mit der „Partei" nnd den „Führern" hin, wenn zuletzt auch schon ein jede-? Blättchen von der heutige» Bes entnngS losigkeit der „Grenzbot,»" seine eigene Meinnng über den Antisemitisttins haben wollte'? „i'iehorsam ist des Clninen Schrnnckk' Wenn die „Tettlsch iociale» Blattet" dennoch erklärett. den ..Grenzboten" gltmdiätzlich gewogen z» iein, nnd et» gütiges Verzeihen bei voraussichtlicher Besternng nicht ausschließen, so ist dies ein besonderer Grad von Milde, den sich die naseweisen gtünen Hefte sannt veidienl haben. Aber in der Redactivn der „Xentsch socialen Blätter" scheint inan überhaupt sehr elegisch gestimmt;tt teilt über die Insubordination nnd unbedachte Vernngliinpfting. deren die armen Antisetnile» von Frennd nnd Feind önsge'ctzt sind. „£b sreisinnig, ob nalioitalliberal, ob eonservaliv, ob nltratnotiian, keiner nimmt sich die Mühe, das Programm der Antisemiten zu stndtren, jeder schimpft wacker daraus loS," ruft der antisemitische Scribent ans, daß eS wahrhaftig znin Sletnenveichen ist. Er kann es gar nicht fasten, wie die „Grenzboten", die schon so trefflich von den „krtitninbeinigen literarischen Taittnettlutschern. die alle z« Füßen des großarligen Wilhelm Scherer geseffen haben", zu sprechen wußte» nnd alio den antisemitischen Jargon schon so ziemlich erlernt hatten, urplötzlich wieder in den Ton ihres Begründers Änranda und ihres Mitarbeiters Hertnann Jellinek znrücksallen. „Xa hat ihnen wohl ein getanster Jude ein jinckncksci ins Pest gelegt", anders kann sich's die Schrift leitnng der „Xentsch socialen Blätter" nicht erlläzen. Aber diese Erklärung ist offenbar niizureichend, denn erstens haben die „Grenzboten" vor .Hnrzent noch durch einen Artikel des nngetansten Inden Caro den hellen Beifall der Anti sentiten erregt, nnd zweitens legt doch auch der getanfte Jude Paulns Matter i» das Nest -der „Xentich socialen Blätter" seine Eier, ohne daß von einem .Huckucksei die Rede geiveien wäre. < trtllC „jüdische" lltltbat. > Xasübelriechende Xagblait aus der finken Bahngaste bat schon wieder ejne süki'che Schandlltat entdeckt Vor einiger Zeit eutlnelten mehrere hiesige Tagesjoninale ein Jnterat folgenden Wortlautes: .Hiuf. Für kleine Abfertigung gebe lch meinen 4 Jahre alten .Hnaben -0'vtt als Eigen. 1''-. Bez,' Aenmanergane ir>, 1 Stock, Thür 3* Xas „Xe it riebe Volksblati" tvill lveiter wisten, daß sich eilte Familie tu -Xberdöbling n-egen des.HindeS bei beste» „Eltern" erkundigte nnd dieie ltltt st. 'ni dasselbe verlangten, woran' die Familie erklärte, daß sie kein .Hind kaufe, llntcr Jtiiferem hätten die lieber.swürdigen Eltern erzählt, daß bereits ein Jude bei ihnen war nnd .‘lOfl. für den Hnaben geben wollte, daß das Angebot ihnen aber z» niedrig war „Ein derartiger Menschenhandel," tust Herr Schmock vom „Xeni'cheti Volksblatt" an«, „spricht jedem Gc'eve nnd jeder Menschlichkeit Hohn, nnd die Jndenvreste ist es tvieder, die dergleichen ohne jedes Bedenken fordert. '.Ille civilisirten Staaten geben sich die erdenklichste Mühe, den Menschenhandel, der hier ganz enen vorliegt, ab,n''chatfen, bei »ns aber kommt dergleichen niibeat'siendet vor." Wir theüett vellstänkig die Ansicht von der Verwerflichkeit . ekiics so'chen Men'chetihandels, abei wir möchten, doch gerne wisten, wer von den beiden Schacherern hier motalt'ch strafbarer ist, die Eltern, welche ihr eigenes Huid zum Verkanssobject machen, unk deren Conteliion d.aS » XetiJt'chd Volksblati" ivohlweislich verschweigt, oder der jüdische .Häuter, der"f,ir das ihm voU'tänhig 'remde Hind ein den Rabeneltern zu niedriges «Angl bot machte Zeigt sich in der einteiligen Brrurtheilnttg des letzteren nicht die ganze Velkommcnhett der sittlichen Anschauungen nn'erer Antisemiten? Ter grnndrcdltcho. christliche Arier, wie wir ihn >'o vrotzig durch die Spalten des „XemMiett Voltsblattes" stolziren (ehe», tollte doch, man möchte meinen, denen gar nicht fähig 'ein. ein 'o brutales Angebot in die Zeitungen z» 'etzen: statt aber ihn da'ür .'.raiitioortlich zu machen, wird an' die ..Jndenvreste" geschimp't, welche ein solches ,Zu'«> jl an'ttimtnt, und an' den Inden, der an' dieses Jnierat hin sich z» den Eiiern begibt, vielleicht in der redlichen Absicht, das arme .Hind zu adopliren, ni.d zuletzt an' das .Jnkenthum" im Allgemeinen . Xas ist 'o antisemitische fogik niid aiitt'emiii'che Moral' 'Xie Grenzboten" und derAntifemitismns.j Xie auch von uns jünguhi» b>lichteten nenesten Ervectorattonen der envas constt'eü „tstrenzboien" über den Antisemitismus haben im antisemitischen "Blätterwalde kein besonders frennd i-chek Echo etw.ck: Xie ..X entch - io c ia t ett Blätter" sprechen mit einem >ssenti'ch von Zorn und Webinnth .über ., Sonderweisheit Einzelner '. „Macht habet mit", „ piathlid e 2cbitlntemere:ru" n >'. w. Xie „Gren;bo!en". welche sich stets darin ge'allen alle W>l: von oben herab zu ’ihiilmeifteiii, hätten eS oller- , itigk tvisten tollen, daß bei dem i.t' de» Mann gedrillten Antt'emitlSmils eine 2'eelsbeit im AUgemeinett nnd eine SondeiWeisheit tm.Besonderen sehr deplacitt Briefkasten. M. P. Xer vom „Fnrscht" angeregte Beitrag ans dem stkeligionsfonds >oll hoffentlich nicht zur Wiederbeiebnng des „.Hörberljuden" dienen. „Lkklcnpcst." Ihnen geiällt die Aase Ihres Freibierspenders; tvahrscheitnich gefallen Ihnen auch Ihr Styl nnd Ihre Rechtichreibung Das ist eben Gelchmackssache. 3. :li , Bkakrixgaffc. Tie betreffende Aotij über eine „jüdische Eolonie" in lp stvrenßen bringt das „Xentsche Volksblatt" nun schon znin drittenmale G. f. Wenn es sich mit jener Promotion wirtlich io verhält, was betveist das? Xte antisemitische Wochenschrift vergißt den Fall Metßner-Hederich. - >>., »ircins. Warum lasten Sie nichts von sich hören? Ist denn der Anis semiiistilns int Waldviertel schon ganz todf? Aboititeitt Wien—Hradisch. ’ Xie Wiener Adrcstc wurde uns beständig retonrnirt; wir können doch nicht für jeden Abonnenten jede Woche eine andere Adreste drucken lassen Xe. (?., F. Prag, Weinberge. Alles Gewünschte erfährst X» ans dem Blatte. Nachträgliche Grainlatton, ich war damals so überbürdet. Herzlichen Gruß, viel leicht läßt Tn einmal etwas hören. /, ' Tr. 3. B. Herr B. scheint doch nicht so ganz »bne zu sein, der Bericht der ^Politik" ^widerlegt den gegen ihn erhobenen Vorwurf nicht. Geben Sio siclt keinen Selbstlanschnngen hin'? XX, Paris. Wir können nns Ihre.Hane nicht recht denicn. Was bat es mit der ,',Briefmappe" für eine Bewandtnis!'? Zur gefälligen öeachtung!?cr erste Ltihrgstikg des „Freien Blakkcs" ist durch unser Bureau ffeiscu Vinseiidililff des hcrabgeseyken Preises von ö. W fl. i.— oder 2 Wroiicii t stall ö. W. fl. 2.50 oder 5 Kronen) zu beziehe». Wir erlauben nns darauf aufuierkfain zu »lachen, daß wir bei Utbersendniiff von ^bonnrulenksbeträfftn zwar Postinarke», nicht aber Stempel au ^ieldesstalt annehlnen können. Ferner er suchen wir dringend^ sowohl bei AbonnenlentS-Anlneldunffen als Rcclainalionen Ilame und Adresse (besonders L’rt und Post' leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bcstein Willen nicht in der Pafft sind, eine Berantwortnng für nichtbestcllte C-rcinplarc;n nberisrhincil. Die Administration. I l * Beitrittserklärungen znm „Bcrein zur Abwehr des AntiscmitiSinnS" werden entgegengeilominen im Lccretariate des Lcrcincs. Wien. I., Parisergassc 4. Adonnrmrntsantnrlduugrn auf das „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien,!., Lcilcrstätte 10, jederzeit cutgcgc». Gbeitdaselbst werden auch einzelne stlummern abgegeben. * Probenurnmern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden tSestunuugSgeuoffeu auf Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von Ch. Reißer & M- Werthner, Wien. J